Seat Altea, Gebrauchtwagen-Check, asv04219 Dani Heyne
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Seat Altea im Gebrauchtwagen-Check

Auf dem Markt der Gebrauchten ein Überflieger?

Spanisches Van-Design trifft auf solide Golf-V-Technik – damit hat der Seat Altea auf dem Gebrauchtmarkt das Zeug zum Überflieger. Oder, Meister Wünsch?

Wer hätte gedacht, dass unter dem Seat Altea jene Plattform steckt, auf der unter anderem auch der alte Audi TT aufbaut ...„, wundert sich Meister Wünsch und berichtet zum Einstand fröhlich von seiner Recherche zum heutigen Gebrauchtwagentest, “ ... die Plattform, die auch der VW Golf V und der Touran der ersten Generation nutzen.„ Stimmt genau!

Beim vergleichenden Blick auf die Van-Brüder des VW-Konzerns fällt auf, wie frisch und schwungvoll der Seat Altea im Vergleich zu einem Touran noch immer auftritt.

Seinen Verkaufszahlen hat das leider nicht den nötigen Kick verpasst. Nachdem das Segment der hohen und geräumigen Kompaktwagen Anfang der 2010er-Jahre einen deutlichen Dämpfer erfahren hatte, stellte Seat den Altea 2015 emotionslos ein. Den Touran schickte Mutter Volkswagen dagegen runderneuert ins Rennen.

Kein Musterknabe, aber auch kein Sorgenkind

Meister Wünsch faltet einen Zettel auseinander und liest vor: “Trotz bewährter VW-Technik stuft der ADAC den Altea in seiner Pannenstatistik von 2014 lediglich als durchschnittlich pannensicher ein. Demnach bereiten oft die Zündkabel und die Abgasrückführung zur Senkung von Stickoxid-Emissionen Ärger.„ Nach einer kurzen Pause fügt der Meister hinzu: “Kann ich so bestätigen – zudem verabschieden sich ganz gern die Schlösser der Heckklappen, außerdem brechen die Führungen der Fensterheber.„

Seat Altea, Dieselnachrüstung
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Nachgerüstet? Dieses Schreiben bestätigt: Die Software des TDI wurde nach dem Abgas-Skandal von Seat aktualisiert.

Der TÜV bescheinigt dem Seat Altea ebenfalls keine weiße Weste: In ihrem jährlichen Report weisen die Kittelträger darauf hin, dass bei den durchgeführten Hauptuntersuchungen an Altea-Modellen überdurchschnittlich oft knackende Antriebswellen, rissige Bremsschläuche und verschlissene Bremsscheiben bemängelt wurden. Die Lenkung des Seat schneidet dagegen besser ab als bei den meisten Fahrzeugen.

“Die aufgeführten Mängel sind zwar allesamt ärgerlich, keine Frage – aber bei weitem keine katastrophalen Baustellen oder modelltypische Kinderkrankheiten„, relativiert der Meister, “am besten, wir machen uns selbst ein Bild.„ Dazu nehmen wir ein Modell in Pirineos- Grau des Baujahrs 2013 unter die Lupe.

Der Erstbesitzer bestellte sich den damals beliebten 1.6 TDI mit 105 PS unter die Haube – natürlich ohne zu wissen, dass VW bei dessen Abgassteuerung mogelte. Zwischenzeitlich hat der Vierzylinder problemlos 97.567 km abge- spult und erhielt vor einigen Monaten eine neue Software aufgespielt – die alle Tricks eliminieren soll. “Bei diesem Motor musste dafür nichts weiter angepasst werden„, sagt Meister Wünsch und nimmt das Blechkleid des 4,28 Meter langen Vans unter die Lupe. Diese Angabe verrät Seat-Kennern, dass es sich dabei nicht um die XL-Version handelt, die sich 18,5 Zentimeter weiter streckt und ab 2006 das Angebot bei Seat bereicherte. Da es bei einem Van üblicherweise um das Platzangebot geht, entschieden sich viele Käufer für den Altea XL.

“Die A-Säulen sind beim Altea vergleichsweise breit, daran muss man sich gewöhnen„, erklärt der Meister beim Rundgang und untersucht die Frontscheibe auf Steinschläge. “Nichts zu finden„, murmelt er, läuft zur Fahrertür und zeigt auf deren äußere Kante: “Hier gibt es einige Lackabplatzer, vermutlich stand der Seat oft in engen Parklücken. Ansonsten steht der Wagen gut da: keine Dellen, Beulen oder ungewöhnlichen Spaltmaße.„

Hohe Sitzposition, großzügiges Raumgefühl

“Zudem sind die Sitze angenehm ausgeformt und bieten guten Seitenhalt„, ruft der Meister vom Fahrersitz nach hinten. Die Probefahrt steht an – und wir wollen den Komfort auf den Rücksitzen beurteilen. Seat stimmte den Altea damals recht dynamisch ab: “In Kombination mit der wunderbar direkten Lenkung bietet der Kompakt-Van deutlich mehr Fahrspaß als erwartet„, bestätigt Meister Wünsch erfreut und lässt den Seat über die geschwungene Landstraße laufen. Gutes Fahrverhalten, schlechte Rundumsicht “Der Motor zieht sauber und kraftvoll, die Bremsen packen gleichmäßig zu, das Fahrwerk poltert nicht„, so sein Resümee. Aber er merkt auch an: “Egal welches Ende man einschätzen muss – dieser Wagen ist sehr unübersichtlich.„ Wünsch rät Interessenten, auf jeden Fall nach einem Modell mit Parkpiepsern zu suchen.

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Ab auf die Hebebühne: Hier schaut Meister Wünsch sich zuerst die Bremsen an.

Zehn Minuten später rollt der Altea auf die Hebebühne. Dort checkt der Meister wie immer zuerst die Bremsen: “Die Beläge vorn sind fast komplett runter – und die Scheiben sehen nicht viel besser aus.„ Der Wechsel dieser Verschleißteile steht also kurz bevor. Und hinten? “Hier passt es noch, die Beläge sind erst etwa zur Hälfte abgenutzt.„ Der nächste Blick gilt dem Fahrwerk: “Keine der vier Federn ist gerissen – was vorkommen kann –, und die Gelenke der Vorderachse weisen kein erhöhtes Spiel auf,„ murmelt der Meister und widmet sich den Reifen. Nach der Sichtprüfung zückt er einen Profiltiefenmesser, sein Verdacht bestätigt sich: “Diese Reifen haben nicht mal mehr zwei Millimeter Profil, die sind am Ende. Hier sollten zeitnah neue aufgezogen werden.„

Der restliche Check des gebrauchten Altea verläuft erfreulich: An den Sicken, Schwellern und Radläufen versteckt sich nirgends Rost, den Brems- und Kraftstoffleitungen geht es bestens, und der Auspuff ist weit davon entfernt, ausgetauscht werden zu müssen.

Fazit vom Meister? Besser als gedacht

Als der Altea nach unten surrt, fasst Wünsch zusammen: “In den Statistiken von ADAC und TÜV belegt der Seat zwar keine Spitzenplätze. Das heißt aber nicht, dass der Wagen viele Probleme macht. Dieses Exemplar beweist, dass man dem Kompakt-Van durchaus eine Chance geben kann.„ Die VW-Technik und ihre Problemzonen sind bekannt, spezielle Altea-Themen nicht auszumachen.

Die abgefahrenen Reifen und die Bremsen an der Vorderachse fallen unter die Rubrik Verschleißteile – und bringen den Käufer in eine gute Verhandlungsposition: Entweder es gibt dadurch einen deutlichen Preisnachlass, oder der Verkäufer muss die Mängel noch beseitigen.

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Am Ende: Diese Sommerreifen sind abgefahren. Zur Erinnerung: Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm.

Die Preise: Gut ausgestattete Seat Altea (Bj. 2013) mit rund 95.000 km auf dem Tacho werden mit rund 7.500 Euro gehandelt – egal ob mit 1.2 TSI (Benziner) oder als 1.6 TDI.

Versionen, Motoren & Austattung

2004 rollte der Seat Altea erstmals auf den Markt – mit serienmäßigen Front-, Seiten- und Kopfairbags sowie ESP. Technisch nutzt er eine beliebte Plattform des VW-Konzerns, die unter anderem auch dem Golf V und dem ersten Touran diente. Dem vergleichsweise hohen Blechkleid hauchte Designer Walter de Silva ein paar zeitlose Schwünge ein.

Den “zahmen„ Versionen, die bereits alle mit einem straffen Fahrwerk und einer direkten Lenkung reichlich Fahrspaß bieten, stellte Seat ein Jahr später die sportliche FR-Variante mit mindestens 170 PS und 17-Zoll- Alufelgen zur Seite. Im Jahr 2006 folgte der Altea XL mit 4,47 Metern Außenlänge statt 4,28. Sein größter Trumpf: noch mehr Kofferraumvolumen. 2007 erschien als Zugeständnis an die aufkommende SUV-Mode die Variante Freetrack mit Allradantrieb, größerer Bodenfreiheit und robuster Kunststoffbeplankung.

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Seat
XL-Version: 18,5 cm länger.

Im Frühjahr 2009 kam das Facelift des Altea. Größte optische Änderung: Die Heckscheibe reicht seitdem bis an den Rand der Heckklappe, die Heckleuchten sowie die Frontschürze wurden überarbeitet und die Außenspiegel höher platziert. Innen setzte Seat weichere Kunststoffe ein und überarbeitete das Cockpit dezent: So wurde das Armaturenbrett umgestaltet und durch eine weiße Instrumentenbeleuchtung sowie ein neues Lenkrad ergänzt. Ab sofort war auch das beliebte Doppelkupplungsgetriebe DSG verfügbar – sowie zwei Turbobenziner mit Direkteinspritzung (1,8 und 1,4 Liter Hubraum). Bei den Dieselmotoren wurde von Pumpe-Düse auf Common-Rail-Technik umgestellt. Der Leistungsbereich der Selbstzünder reicht von 90 bis 170 PS, bei den Benzinern von 85 bis 211 PS. Eine Autogasversion (LPG) war ab 2010 verfügbar und kam auf 102 PS.

Zu guter Letzt noch zwei unterhaltsame Stammtischfakten: Der Name Altea bezieht sich auf eine spanische Stadt, die an der Costa Blanca liegt – etwa 50 km nordöstlich von Alicante. Dort wohnen 20.000 Einwohner.

Und: Obwohl der Altea keine Verkaufsrekorde brechen konnte und deswegen 2015 endgültig in Rente ging, kam er bei Autofans gut an: Dreimal gewann er das Leservotum “Schönster Kombi„ beim Designpreis Autonis unserer Kollegen von auto motor und sport.

So viel kosten die Verschleißteile:

Verschleißteile Kosten
Wischerblätter vorn 58,30 Euro
Luftfilter 27,95 Euro
Innenraumfilter 22 Euro
Ölwechsel (inklusive Filter mit 5W-30-Öl) 118 Euro
Wechsel Bremsscheiben und -beläge vorn circa 340 euro
Zahnriemen inkl. Spannrolle und Wasserpumpe circa 520 Euro

Fazit

So ein Seat Altea ist Ihr Typ, wenn Sie einen Kompakt-Van unter 4,50 Metern Länge suchen, der als gepflegter Gebrauchter weniger als 8.000 Euro kostet. Er lässt sich deutlich sportlicher bewegen als die meisten Modelle in dieser Klasse. In Kauf nehmen Sie dafür die straffe Federung sowie eine hohe Ladekante. Die Unübersichtlichkeit des Altea lässt sich mittels optionaler Parkpiepser entschärfen, die Materialien im Innenraum wirken seit dem Facelift 2009 hochwertiger. Die TDI sollten bereits von Seat mit neuer Software versehen sein – und nicht mehr schummeln.

Das gefällt uns:

Einen Van sexy zu verpacken – das gelingt höchst selten, ähnlich wie bei einem Schuhkarton. Als Walter de Silva den Seat Altea zeichnete, hat er zumindest einen kleinen Achtungserfolg erzielt. Der Wagen steht auch nach Jahren noch frisch da – und gefällt mit Details wie den versteckten Scheibenwischern der Frontscheibe.

Das stört uns:

Der offensichtliche Sparzwang im Innenraum. Denn anders lassen sich die zahlreichen lieblosen Kunststoffverkleidungen nicht erklären. Dies wurde mit dem Facelift 2009 besser. Wichtig für TDI-Fans: Die frühen Dieselmotoren besaßen keinen Rußpartikelfilter. Und für alle Lademeister: Die hohe Ladekante trübt die Freude am großen Kofferraum.

So ist die Marktlage:

Kein Grund zur Sorge. Auch wenn Seat den Altea bereits 2015 in Rente schickte, finden sich in den gängigen Online-Gebrauchtwagenbörsen immer noch ausreichend Angebote. Zu empfehlen sind dabei grundsätzlich die Facelift-Versionen ab Baujahr 2009. Bei Dieselmodellen auf das Software-Update achten – oder besser gleich zu einem der moderneren Turbobenziner greifen.

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Seat Altea
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