Seat Altea gegen Ford Focus C-Max und Chrysler PT Cruiser

Trio Grande

Foto: Wolfgang König

Vans der etwas anderen Art: Der Spanier bietet optische Reize, der Deutsche fahrdynamische Qualitäten und der Amerikaner Nostalgiegefühle.

Langweilige Vans gibt es genug, solche, die mehr als nur den Sinn fürs Praktische ansprechen, haben hingegen Seltenheitswert. Aber es besteht Hoffnung: Der Lust-Van liegt eindeutig im Trend, entsprechende Entwicklungen laufen bei den Autoherstellern auf Hochtouren. Bei Seat ist man schon fertig. Der neue Altea führt vor, dass ein Van durchaus optischen Reiz versprühen kann. Seine schwungvolle Linie vermag auch jene Kunden anzusprechen, die sich mit den sperrigen Nützlingen bisher nicht anfreunden konnten. Als Kompaktvan für Sinnenfreudige hat er vorläufig kaum Konkurrenz. In Frage kommen noch am ehesten der Chrysler PT Cruiser und der Ford Focus C-Max, wenngleich aus unterschiedlichen Gründen.

Das Verdienst des Chrysler ist es, etwas Humor in die humorlose Autolandschaft zu bringen. Er mimt den US-Wagon der vierziger Jahre und verfügt deshalb im Gegensatz zu anderen Vans über eine klassische Motorhaube. Man kann sein Retro-Styling albern finden oder cool – auf jeden Fall ist es in dieser Wagenklasse ohne Gleichen. Beim Ford ist das Äußere indessen eher Nebensache. Man sieht dem C-Max an, dass in der Ford-Designabteilung noch viel mit dem Lineal gearbeitet wird, das glatte Gegenteil zum kurvenreichen Seat. Der Spaßfaktor resultiert beim Ford aus dem Fahrerlebnis, dem, wie der C-Max in früheren Test bereits unter Beweis stellte, nichts vanmäßiges anhaftet.

Der konzeptionsbedingte Verbrauchsnachteil des Van spricht für den Diesel als Antriebsquelle. Zum Vergleich tritt der Seat Altea deshalb mit dem 105 PS starken 1,9-Liter-TDITriebwerk an, der Ford C-Max als 1.6 TDCi mit 109 PS, beides die schwächeren und preiswerteren Alternativen im Dieselprogramm. Bei Chrysler beschränkt sich das Angebot auf den 2.2 CRD mit Mercedes- Motor und 121 PS. Preislich bleiben alle drei Kontrahenten erfreulicherweise auf dem Boden der Realität. Den Seat gibt es in der gehobenen und gut ausgestatteten Stylance- Variante (elektrische Fensterheber vorn und hinten, Klimaautomatik, Tempomat) für 21 370 Euro, der etwas spärlicher bestückte C-Max in Trend- Ausführung steht mit 21 700 Euro in der Liste, und 24 200 Euro sind offiziell für einen PT Cruiser im Limited-Outfit fällig, das sogar Lederbezüge und Radio mit Navigation einschließt. In puncto Nutzwert freilich, das fördert eine nähere Begutachtung dieser Angebote schnell zutage, darf man sich keine all zu großen Hoffnungen machen. 

Fraglich, ob man die drei Kompakten überhaupt als Van klassifizieren sollte, denn im Raumangebot übertreffen sie herkömmliche Kompaktlimousinen höchstens geringfügig. Auch die bei Vans übliche Variabilität im Innenraum sucht man vergebens, sieht man mal von den herausnehmbaren Rücksitzen im Ford und Chrysler ab. Ihr Vorzug beschränkt sich weitgegend auf die erhöhte Sitzposition. Von überdurchschnittlicher Bewegungsfreiheit kann indessen keine Rede sein: Vier Erwachsene finden ausreichend Platz, für den fünften wird es eng, vor allem im schmal gebauten PT Cruiser.

Altea und C-Max bieten etwas mehr Innenbreite, den besten Raumeindruck genießt man im lichten Ford-Interieur. Dass hier keine Raumwunder angesagt sind, macht schließlich auch der Blick in die Kofferräume klar. In den Seat passen bei aufgerichteten Rücksitzen gerade mal 409 Liter inklusive Platz für Kleinutensilien unter dem doppelten Boden. Etwas mehr schluckt der Ford (460 Liter), der sich dank der breiten Heckklappe auch leichter beladen lässt, während die Chrysler-Passagiere nur mit dem Nötigsten reisen dürfen. Mehr als 220 Liter Gepäckvolumen lassen sich nur bei umgeklappten Rücksitzen transportieren. Mehr Schein als Sein also, was allerdings nichts daran ändert, dass sich Fahrer und Mitfahrer in diesen Kompaktvans gut untergebracht fühlen. Das trifft ganz besonders auf den Seat zu, der mit den komfortabelsten Sitzen und dem erfreulichsten Qualitätseindruck aufwartet und obendrein leicht zu bedienen ist.

Wer eine Aversion gegen Hartplastik hegt, ist bei diesen Autos allerdings an der falschen Adresse, zumal bei Ford und Chrysler, wo auch das Finish deutlich macht, dass sich die Hersteller nicht mehr als nötig in Unkosten stürzen. Kostenunabhängig hingegen ein Charakteristikum, das die kleinen Vans mit ihren großen Brüdern teilen. Wohin der Blick auch schweift: überall Fensterpfosten. Speziell die Sicht nach schräg vorn wird von den weit nach vorn reichenden Scheibenrahmen stark beeinträchtigt, vom Chrysler einmal abgesehen, ein typischer Van- Nachteil. Zu den üblichen Vorzügen dieser Gattung gehört indessen ihre Eignung für Familienausflüge. Steht die große Fahrt auf dem Programm, spricht in dieser Runde alles für den C-Max. Auf langen Strecken ist seine straff gedämpfte, aber dennoch schluckfreudige Federung eine Wohltat, und auch akustisch ist er der Angenehmste.

Vergleichsweise laut und hart dagegen der Seat, dessen VW Golf V-Fahrwerk im Rahmen der Stylance-Ausstattung eine sportliche Abstimmung verpasst bekommt. Beim Chrysler mindert vor allem sein Unvermögen, Querfugen zu absorbieren, den Komfort, aber auch die Sitze sind (vor allem hinten) kein Genuss. Die Stunde des Seat schlägt abseits der Autobahn, denn sein Metier sind schnell gefahrene Kurven. Agil, mit geringer Seitenneigung und reichlich Grip gesegnet, zeigt er bei forcierter Gangart Talente, die Vans normalerweise abgehen. Schade nur, dass es der elektromechanischen Lenkung etwas an Gefühl mangelt. Die Frage, ob dieser sportliche Einschlag bei einem Vanähnlichen Gefährt, zumal in dieser Leistungsklasse, Sinn macht, muss freilich jeder für sich selbst beantworten. Dass es der Ford nicht viel schlechter kann (in Sachen Lenkpräzision sogar besser) und obendrein den Komfort nicht vernachlässigt, dürfte die Antwort aber erleichtern. Noch ein Vorteil des Ford: Er garantiert die kürzesten Bremswege.

Ganz ohne sportliche Ambitionen der Chrysler: Fahrdynamisch wirkt er fast so altmodisch wie es sein Äußeres suggeriert. Die Bedienung erfordert stramme Waden und kräftige Arme, und beim Lenken leistet der Frontantrieb bisweilen heftige Gegenwehr. Schwächlich jedoch die Bremsen, deren Wirkung bei hoher Beanspruchung stark nachlässt. ESP gibt es überhaupt nicht, die Sicherheitsausstattung lässt stark zu wünschen übrig. Auf der Habenseite steht ein Motor, der als einziger in diesem Trio Muskeln zeigt. Sein höheres Drehmoment gewährt jene Kraftreserven bei niedrigen Drehzahlen, die man bei Ford und Seat schmerzlich vermisst. Deren schmalbrüstigeren Triebwerke tun sich deutlich schwerer, die jeweils rund 1,5 Tonnen auf Trab zu bringen. Derart geplagt, vermögen sie auf gemeinsamer Vergleichsfahrt auch im Verbrauch nicht zu glänzen. Bei gemächlichem Tempo bieten dafür beide reichlich Sparpotenzial, im Testmittel ist der Chrysler sogar der durstigste in diesem Trio.

Am Ausgang der Geschichte vermag das nichts zu ändern. Der (alles in allem) beste Fun- Van ist trefflicherweise zugleich auch der Vernünftigste: C-Max für maximale Punkte. 
 

Fazit

1. Chrysler PT Cruiser 2.2 CRD Limited
391 Punkte

Der Witzbold unter den Kompaktvans. Kultverdächtiger Auftritt, relativ kraftvoller Motor, sonst aber viele Nachteile. Teuer im Unterhalt, kein ESP.

2. Seat Altea 1.9 TDI
464 Punkte

Sieht gut aus und liegt gut, fast schon sportlich. Gute Verarbei tung, aber raummäßig kein Van. Harte Federung, 1,9-Liter- Diesel schwach auf der Brust.

3. Ford Focus C-Max 1.6 TDCi
481 Punkte

Nicht der Schönste, nicht der Originellste, aber der Ausgewogenste. Klasse Fahrwerk, starke Bremse, aber schwacher Motor, ordentlicher Kofferraum.

Technische Daten
Chrysler PT Cruiser 2.2 CRD Limited Ford Focus C-MAX 1.6 TDCi Trend Seat Altea 1.9 TDI Stylance
Grundpreis 24.200 € 21.700 € 21.190 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4288 x 1704 x 1601 mm 4333 x 1825 x 1560 mm 4280 x 1768 x 1568 mm
KofferraumvolumenVDA 460 bis 1620 l 409 bis 1320 l
Hubraum / Motor 2148 cm³ / 4-Zylinder 1560 cm³ / 4-Zylinder 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 89 kW / 121 PS bei 4200 U/min 80 kW / 109 PS bei 4000 U/min 77 kW / 105 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 183 km/h 185 km/h 183 km/h
0-100 km/h 11,4 s 12,1 s 12,2 s
Verbrauch 6,9 l/100 km 4,9 l/100 km 5,4 l/100 km
Testverbrauch 9,3 l/100 km 8,1 l/100 km 7,8 l/100 km
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