Seat Arosa 1.0 im Test

Wird der Kleinwagen seiner Rolle gerecht?

Mit dem Seat Arosa 1.0 startet der VW-Konzern seine Offensive im Kleinwagensektor. Vor allem durch hohe Qualität sowie ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis soll die bisher von ausländischen Herstellern beherrschte Domäne erobert werden. Wird der Arosa seiner Rolle gerecht?

Endlich ist er da. Der von VW-Chef Ferdinand Piëch bei seinem Amtsantritt vor knapp 5 Jahren angekündigte „kleine Volkswagen für 9.000 Euro“ kommt zunächst als Seat Arosa auf den Markt, nächstes Frühjahr dann als waschechtes VW-Modell unter dem Namen Lupo. Ein echter Volkswagen ist der neue Kleine auch unter dem Seat-Emblem. Schließlich wurde er in Wolfsburg nicht nur entwickelt, sondern er wird auch dort gebaut. Made in Germany sozusagen. Vier Sitze, zwei breite Türen und eine große Heckklappe machen den Arosa bei aller Kürze (Länge 3,53 Meter) wie versprochen zu einem vollwertigen Auto. Dass es mit den 9.000 Euro trotz schlanker Fertigung nicht so ganz geklappt hat, liegt in erster Linie an den ständig steigenden Komfort- und Sicherheitsansprüchen, die auch in den kleinsten Klassen inzwischen auf hohem Niveau sind.

Immerhin startet der 50 PS starke Seat Arosa noch mit einem 9.000 Euro-Preis (8.917 Euro). Dabei handelt es sich aber um eine unverbindliche Preisempfehlung im wahrsten Sinne des Wortes, vor allem für die Käufer. Wer eine appetitlichere Ausstattung (Kofferraumverkleidung, nette Sitzbezüge), höhenverstellbare Vordersitze, verstellbares Lenkrad, eine Mittelkonsole mit Ablage und die geteilte Rücksitzbank wünscht, muß das Comfort- Modell (8.633 Euro) ordern. Die für müheloses Fahren unverzichtbare Servolenkung kostet dann nochmals 490 Euro. All dies hatte der Testwagen und trieb so bereits ohne das eingebaute Radio den Preis auf 9.118 Euro. Damit befindet sich der Arosa in guter Gesellschaft, denn auf diesem Niveau bewegen sich auch seine Hauptkonkurrenten Ford Ka und Renault Twingo. Im Gegensatz zu diesen beiden fehlt dem Arosa freilich jegliche Originalität im Styling. Anstelle des mediterranen Flairs, das die Konzernmarke Seat ja angeblich versprühen soll, umgibt den Arosa die Aura freudloser Wolfsburger Sachlichkeit, die jedoch durchaus ihre funktionellen Vorteile hat.

Die steilen Fenster beispielsweise schaffen ein großzügiges Raumgefühl und reduzieren die Sonneneinstrahlung. Vorbildliche Griffe für Türen und Heckklappe und die VWtypischen Bedienungselemente (wie im Polo) sind wesentliche Bestandteile des hohen Bedienkomforts. Mit Ablagen sieht es nicht so gut aus. Insbesondere wenn das Handschuhfach dem Beifahrer-Airbag zum Opfer fällt, bleiben nur zwei kleine Fächer unter dem Armaturenbrett und zwei Dosenstellplätze in der Mittelkonsole. Die seitlichen Türnetze sind sehr flach und nur für Karten oder ähnliches geeignet. Der Einstieg in den Arosa ist dank der sehr breiten Türen bequem, sogar nach hinten. Es muß aber auch seitlich ausreichend Platz sein, um die Türen weit genug öffnen zu können. Stattliche, solide Sitze mit hohen Rückenlehnen, großer Sitztiefe und vernünftiger Polsterung tragen mit dazu bei, daß man sich zumindest auf den vorderen Plätzen des Arosa wie in einem erwachsenen Auto fühlt.

Die Sitzposition läßt sich bestens justieren, das Lenkrad in der Höhe optimal positionieren. Alles liegt gut zur Hand, Ellbogenfreiheit und Kopfhöhe sind üppig. Hinten geht es dann deutlich enger zu. Insbesondere wird die Kniefreiheit knapp, wenn die Vordersitze in eine der männlichen Durchschnittsgröße angemessene Position gerückt werden. Die Sitze selbst sind gut ausgeformt, und da der Arosa vernünftigerweise nur für vier Personen zugelassen ist, sind sie auch ausreichend breit. Hinter der Rücksitzbank wartet dann ein wirklich winziges Gepäckabteil (130 Liter), das nur dank der als Ganzes oder geteilt umklappbaren Rücksitzlehne nicht zum ernsthaften Verkaufshandikap wird. Außerdem läßt sich die Lehne in einer steileren Stufe arretieren, so daß wenigstens die oft zitierten Bier- und Wasserkästen Platz finden.

Das knappe Raumangebot im Heck hat seinen Grund. Fahrer und Beifahrer sind im Arosa sehr weit hinten plaziert. Das schafft mehr Deformationsweg beim Crash. Auch sonst verspricht der kleine Seat ein hohes Sicherheitsniveau, denn er wurde bereits auf die für nächstes Jahr gültigen europäischen Sicherheitsgesetze ausgelegt, die außer dem Frontalaufprall auch einen Seitencrash vorsehen. Neben einer steifen Seitenstruktur weist der Arosa darum auch Türen mit Deformationsteilen (Paddings) auf. Seitenairbags werden zu einem späteren Zeitpunkt lieferbar sein. Vorläufig ist der Arosa nur mit dem neu entwickelten Einliter- Aluminiummotor (50 PS) erhältlich. Später folgt noch der aus dem Polo bekannte 1,4 Liter mit 60 PS, zunächst mit Automatik, dann auch mit Schaltgetriebe.

Die Basismotorisierung ist freilich gerade für den anspruchsvollen deutschen Verkehr keine optimale Lösung. Denn die im Prinzip akzeptablen Meßwerte entsprechen keineswegs dem zähen subjektiven Leistungseindruck, den die kleine Maschine in dem mit Fahrer rund 1000 kg schweren Arosa hinterläßt. So ist zügige Fortbewegung mit häufigem Schalten und hohem Drehzahlniveau verbunden.

Doch selbst dann geht am Berg oder bei hoher Zuladung dem kleinen Vierzylinder rasch die Puste aus. Auch akustisch wirkt der Motor stets angestrengt und beeinträchtigt so den wegen seiner niedrigen Wind- und Abrollgeräusche insgesamt recht guten Geräuschkomfort des Arosa. Bleibt als positive Begleiterscheinung der relativ günstige Verbrauch anzumerken, der sich in der normalen Fahrpraxis zwischen sechs und sieben Litern pro 100 km einpendelt. Zu den Schokoladenseiten zählt auch das Fahrwerk des Arosa. Die Federung ist straff, aber dennoch angenehm, und vermag selbst gröbere Unebenheiten gut wegzustecken. Nur bei voller Zuladung kommt sie an die Grenzen ihres Schluckvermögens.

Der gute Federungskomfort geht mit problemlosen Fahreigenschaften und einer dank Servolenkung guten Handlichkeit einher, so daß es am Fahrwerk nichts Ernsthaftes auszusetzen gäbe, wären da nicht die Bremsen. Sie neigen ohne ABS früh zum Blockieren, lassen sich schlecht dosieren und bieten kalt wie warm nur schwache Verzögerungswerte. Das erstaunt eigentlich, wo man doch bei Volkswagen gerade in diesem oft auch beim Golf bemängelten Problembereich grundsätzliche Besserung gelobt hatte. Denn auch Kleinwagenfahrer müssen gelegentlich unvermittelt anhalten. Doch der Seat Arosa steht ja erst am Anfang seines Autolebens. Wenn er freilich seiner Prinzen-Rolle im Kleinwagensegment gerecht werden soll, ist noch Entwicklungsarbeit nötig. Auch im Hinblick auf das in neun Monaten erwartete kleine Brüderchen namens VW Lupo.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot vorne
  • saubere Verarbeitung
  • hohe Funktionalität
  • kleiner Kofferraum
  • wenig Kniefreiheit
Antrieb
  • sparsamer Motor
  • mäßige Fahrleistungen
  • hakelige Schaltung
  • hohes Drehzahlniveau
Fahrkomfort
  • niedrige Windgeräusche
  • sehr gute Sitze
  • angemessener Federungskomfort
  • lautes Motorgeräusch
Fahreigenschaften
  • neutrales Kurvenverhalten
  • guter Geradeauslauf
  • exakte Lenkung
  • gute Handlichkeit
  • großer Wendekreis
Sicherheit
  • 2 Airbags
  • Dreipunktgurte auf allen Plätzen
  • Gurtstraffer vorn
  • 4 Kopfstützen
  • keine Rücknahmegarantie
Kosten
  • niedriger Grundpreis
  • günstige Aufpreise
  • geringe Unterhaltskosten
  • lange Ölwechselintervalle (30.000 km)
  • kurze Garantie (1 Jahr)
Technische Daten
Seat Arosa 1.0 Basis
Grundpreis 8.917 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3536 x 1639 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA 130 bis 830 l
Hubraum / Motor 999 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 37 kW / 50 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 151 km/h
0-100 km/h 17,8 s
Verbrauch 5,7 l/100 km
Testverbrauch 6,8 l/100 km
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