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Seat Arosa 1.7 SDI Electron im Test

Kompakter Kleinwagen mit starkem Saugdiesel

Zu Preisen ab 9.990 Euro offeriert Seat den kompakten Arosa mit 60 PS starkem Saugdiesel. Reicht diese Kombination aus kleinem Auto und voluminösem Direkteinspritzer-Dieselmotor für den ganz großen Spaß beim Spritsparen?

25.03.1998 Michl Koch

Wenn vom Drei-Liter-Auto die Rede ist, führt VWChef Ferdinand Piëch gerne das große Wort. Für 1999 hat er das erste serienreife Drei-Liter-Auto versprochen: Es wird ein VW Lupo mit Dreizylinder-Turbodiesel sein. Mit dem Schwestermodell Arosa SDI präsentiert VW-Tochter Seat schon jetzt die erste vollwertige Kompaktlimousine zu Preisen ab 9.990 Euro, die dieses Ziel in greifbare Nähe rücken läßt. Der Arosa SDI gilt als das sparsamste Serienauto der Welt, denn die vorgeschriebene EU Angabe nennt 5,9 Liter/100 km für den innerstädtischen Verbrauchszyklus und 3,6 Liter pro 100 Kilometer für den außerstädtischen Zyklus.

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Den Durchschnittsverbrauch beziffert Seat mit 4,4 Liter pro 100 Kilometer – Rekord unter Europas Limousinen, wenn man vom nicht mehr gebauten Citroën AX mit seinem 50 PS starken Saugdiesel absieht. Der Arosa verblüfft allerdings mit zwei weiteren exotischen Daten, nämlich mit nur 34 Liter Tankvolumen und mit der optimistisch klingenden Seat-Prognose, daß trotz des kleinen Tanks eine ganz enorme Reichweite von rund 1.000 Kilometern möglich sein sollte. Mit so einem Radius müsste man nach einem letzten Tankstopp an der deutschen Grenze bequem und ohne nachzutanken das Mittelmeer erreichen – eine Etappe, die jeden Sommer von mehreren Millionen sonnenhungrigen Urlaubern unter die Räder genommen wird. Erster Eindruck des mit 3,53 Metern kürzesten Serienautos aus deutscher Produktion: Für zwei ausgewachsene Insassen und eine umfangreiche Fotoausrüstung reicht der Raum bequem.

Das reine Kofferraumvolumen von 130 Litern ist zwar mit einer einzigen Reisetasche ausgefüllt, doch der Rest findet Platz auf den Rücksitzen, deren geringe Kopffreiheit (935 mm) ohnehin wenig Appetit auf eine 1000 Kilometer-Tour im Fond macht. Weil die übliche Stellung der hinteren Sitzlehne im Kofferraum keinen Platz für die gängigen Formate der Getränkekisten läßt, ist eine zweite Arretierung für die Sitzlehne vorgesehen, die diesem Raumbedarf Rechnung trägt. Doch die Sitzposition auf den Rücksitzen ist dann so steil und aufrecht, daß sie nur noch sehr kleinen Kindern oder sehr großen Arosa- Fans zuzumuten ist. Dafür sitzt man vorne bequem: Gute Sitze aus dem VW Regal machen die Langstrecke zum kurzweiligen Erlebnis. Die Ellenbogenfreiheit reicht knapp aus, Armaturentafel und Instrumente strahlen VW-typische Übersichtlichkeit und Solidität aus, wobei modische Aspekte im Hintergrund bleiben.

Vollgetankt bis zur Halskrause rollt der kompakte Testwagen über die Schweizer Grenze und fügt sich in das unvermeidliche, streng überwachte Tempolimit der Alpenrepublik. Tempo 80 auf Landstraßen wird akkurat eingehalten, nur auf der Autobahn ist Tempo 120 erlaubt. Der Test-Seat rollt brav im Schlendertrab, nur das Radio hat bereits im Autobahntrott seine Mühe, den dominant klingenden Diesel zu übertönen. Der 1,7 Liter-Motor stammt aus dem VW-Dieselbaukasten, weist aber neben dem identischen Block einen kürzeren Hub (86,4 mm) und längere Pleuel als der 1,9 Liter-Motor auf. Durch den kürzeren Hub entsteht jedoch nicht zwangsläufig mehr Laufruhe, dafür sorgt schon der Verzicht auf eine üppige Geräuschdämmung.

Kein Wunder: Der 60 PS-Diesel paßt auch ohne die bei VW und Audi übliche Schalldämmkapsel nur knapp unter die flache Motorhaube des Arosa. Als Lohn der Sparsamkeit ist der Seat Arosa mit 995 Kilogramm ein leichtes Auto, das in Verbindung mit der flach verlaufenden Drehmomentkurve des 60 PS-Saugdiesel akzeptable Fahrleistungen bietet. Der Motor tritt schon bei niedrigen Drehzahlen kräftig an und verdrängt energisch den unangenehmen Eindruck, in einem schmalbrüstigen Sparmobil unterwegs zu sein. Der Sprint von null auf 100 km/h ist in 16,4 Sekunden erledigt, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 157 km/h. Doch auch die Elastizität des kleinen Viersitzers ist beachtlich, und beinahe gelingt es, die Schweiz bis Genf zu durchqueren, ohne den Schalthebel auch nur ein einziges Mal anzufassen. Der Genfer Hausberg Mont Salève lädt zur Kletterpartie 1000 Meter über dem See und zur Fotofahrt mit dem Montblanc- Massiv im Hintergrund.

Doch als der Arosa nur 30 Kilometer weiter auf die französische Autobahn rollt, 350 Kilometer nach der letzten deutschen Tankstelle, da steht die Tankuhr bereits auf halb. Erste Zweifel an der versprochenen vierstelligen Reichweite machen sich breit.

Ein Grund mehr, die 130 km/h-Begrenzung auf der französischen Autobahn sklavisch einzuhalten, genauer jedenfalls als die zügig nach Süden reisenden Franzosen. Der Arosa bleibt gesetzeskonform, nervt allerdings stärker als zuvor, weil der langhubige Diesel just im Drehzahlbereich um 3200/min eine lästige Brummfrequenz aufweist. Welche Erleichterung, den Col de la Croix bei Grenoble unter die Räder zu nehmen, bietet er doch grandioses Alpenpanorama, serviert bei moderaten Drehzahlen. Nur selten machen es die gemäßigten Paßsteigungen erforderlich, in den vierten Gang herunterzuschalten.

Paßabwärts rollt der Arosa zügig, ohne mit der Tanknadel zu zucken, doch die steht nach rund 500 Kilometern ohnehin schon verdächtig nahe am roten Bereich der Tankreserve. Obwohl der ausgeprägte Federungskomfort des kurzen Seat auf den südfranzösischen Landstraßen angenehmer auffällt als zuvor auf den Querfugen der Autobahn, herrscht Spannung an Bord über das Ende einer Dienstfahrt. Schließlich kommt es ganz unspektakulär: Vor einem Zebrastreifen in Digne verröchelt der Arosa-Motor ohne Sprit. Zum Glück ist gerade Mittagszeit, und 14 Kinder helfen, den Seat auf den nächsten Parkplatz zu schieben. Echte 705 Kilometer Reichweite und 35,5 Liter Fassungsvermögen des Tanks ergeben exakt fünf Liter pro 100 Kilometer – kein schlechtes Ergebnis für ein vollwertiges Auto bei 90 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit.

Auf den nächsten Kilometern kommt gar große Begeisterung auf, während der Arosa auf den Spuren der Rallye Monte Carlo Monaco zustrebt: Abgesehen vom Untersteuern in flotten Kurven, das auf das Konto des schweren Dieselmotors auf der Vorderachse geht, sind Handlichkeit und Fahrkomfort für einen Kleinwagen ebenso Spitzenklasse wie die standfesten Bremsen. Wie standfest der Arosa SDI ist, wird auto motor und sport exakt überprüfen: Der gut eingefahrene Test-Arosa SDI bleibt für weitere 100.000 Kilometer als Dauertestwagen im Haus.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • akzeptables Raumangebot vorne
  • hochwertige Verarbeitung
  • gute Übersichtlicheit
  • kleiner Kofferraum
  • knappes Raumangebot hinten
Fahrkomfort
  • guter Komfort auf langen Wellen bequeme Sitze vorn
  • dominantes Motorgeräusch
  • eingeschränkter Federungskomfort auf Querfugen
Antrieb
  • gute Leistungscharakteristik
  • akzeptable Fahrleistungen
  • exakte Schaltung
  • gut gestuftes Getriebe
  • rauher Lauf über 3000 U/min
Fahreigenschaften
  • ausgeprägte Handlichkeit
  • ordentlicher Geradeauslauf
  • exakte Lenkung
  • kaum Traktionsschwächen
  • kräftige Seitenneigung in Kurven
Sicherheit
  • standfeste Bremsen
  • Dreipunktgurte auf allen Plätzen
  • Gurtstraffer vorn
  • zwei Airbags
  • aufwendige Sicherheitskarosserie
Umwelt
  • Einsatz wasserlöslicher Lacke
  • schadstoffarm nach Euro 3
  • niedriger Verbrauch
  • zu 85 % recyclingfähig
Kosten
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • 15.000 km-Wartungsintervalle
  • vermutlich geringer Wertverlust
  • niedrige Unterhaltskosten
  • kurze Garantie (1 Jahr)

Fazit

Der Seat Arosa 1.7 SDI Electron wirkt nur von außen wie ein Kleinwagen. Bei Komfort und Fahrverhalten müssen im Vergleich zu größeren Autos kaum Abstriche gemacht werden. Der Verbrauch ist niedrig, aber noch verbesserungsfähig.

Technische Daten
Seat Arosa 1.7 SDI Electron
Grundpreis11.576 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3536 x 1639 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA130 bis 830 l
Hubraum / Motor1716 cm³ / 4-Zylinder
Leistung44 kW / 60 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit157 km/h
0-100 km/h16,4 s
Verbrauch4,4 l/100 km
Testverbrauch5,8 l/100 km
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