Seat Ibiza und Honda Jazz im Test

Vergleich des sportlichen Ibiza und funktionellen Jazz

Seat Ibiza 1.4 16V und Honda Jazz 1.4i – zwei Autos wie Feuer und Eis: hier der sportliche Ibiza, dort der funktionelle Jazz.

Da behaupte noch einer, in der Kleinwagenklasse herrsche banale Einheitslangeweile. Nur wenig abseits der – zugegeben – tatsächlich etwas tristen Klassenstreber-Achse Polo-Fiesta locken fröh­liche Auto-Alternativen ohne empfindliche Einbußen in Sachen Praktikabilität. Das muss einen zumindest im Fall des Seat Ibiza nicht wundern, steht der kleine Spanier doch auf der bekannt tadellosen Plattform des VW Polo. Trotzdem tritt der Ibiza den Beweis an, dass sich Plattform-Idee und Eigenständigkeit keinesfalls ausschließen.

Irgendwo zwischen Sitzposition, Geräusch, Fahrgefühl, Schwingungsentfaltung, Optik, Haptik und vielleicht sogar Geruch wird aus einem spanischen Polo ein heißblütiger Feger. Ein kleiner Alfa 147. Eine Fahrmaschine. Und ausgerechnet der men­tale Widerpart des Seat Ibiza in der Kleinwagenklasse, der Honda Jazz, untermauert diese „Charakter ist, was man daraus macht“-These: Der kühle, diensteifrige und mit samtiger Glätte daherschnurrende Jazz ist so ganz anders als der Ibiza, aber auch er hat unverkennbar Persönlichkeit. Im Vordergrund steht aber zunächst einmal die vanartige Karosserie. Die hohe Sitzposition und gewiefte Variabilität sorgen im Honda Jazz nicht nur für viel Platz und ein ­an­genehmes Raumgefühl, der für das Raumkonzept notwendige kurze Vorderbau macht auch eine pummelige Statur. Trotzdem wirkt der Jazz nicht lokomotivenplump, die sachliche Linienführung und besonders die scharf geschnittenen Scheinwerfer mit den ­insektenaugenartig gewölbten Glashauben stellen den Honda optisch auf schlanken Fuß.

Wie eine kompakte Arbeitsdrohne, ein futuristischer Transportroboter kommt der Jazz daher. Und das macht Spaß. Gänzlich andere Rezep­toren spricht der Seat an: Mit aggressiven Windhundaugen, angedeuteten Kotflügelwölbungen und modernen Rundheckleuchten unter Klarglas zielt der Ibiza auf junge Dynamiker. Unter der sportlichen Schale gibt sich der Spanier allerdings wesentlich konservativer als der Honda. Die Raumaufteilung des Seat entspricht der eines traditionellen Kleinwagens. Und das muss kein Beinbruch sein. Der Seat bietet zwar weniger Kopf- und Kniefreiheit als der Jazz, insgesamt kann er jedoch ebenfalls durch großzügige Platzverhältnisse trumpfen.

Erst auf Reisen oder beim Lastentransport kann sich der Jazz etwas absetzen: Er verfügt über spürbar mehr Platz im Fond, und mit umgeklappten Rücksitzen laden ein ebener Kofferraum-Boden und die niedrige Ladekante zum Einladen ein. Beide Kontrahenten besitzen gut geschnittene, komfortable Sitze; die unpraktische Lehnenverstellung per Hebel im Jazz wird durch die etwas kurzen Beinauflagen im Ibiza aufgewogen. Auch ausstattungsseitig schenken sich die beiden nichts. Bedienung und Funktionalität liegen auf vergleichbar hohem Niveau, die Verarbeitung wirkt in beiden Fällen solide und knisterfrei – hier gibt es spürbar viel Auto fürs Geld (Ibiza 13.560 EUR, Jazz 15.120 EUR). Davonziehen kann der Seat Ibiza seinem japanischen Gegenstück in Sachen Sicherheit. Allerdings nicht durch eine bessere Sicherheitsausstattung – beide besitzen Front- und Seitenairbags vorne, der Ibiza bietet ESP gegen Aufpreis, der Jazz nur einen Bremsassistenten serienmäßig, sondern durch eine etwas standfestere Bremse und gutmütiges Fahrverhalten.

Bei den Fahrdynamikprüfungen bleibt der Ibiza besser kontrollierbar. Der Honda braucht dagegen stets mehr Aufmerksamkeit. Wo der Seat mit flinker Neutralität zwischen den Pylonen aufspielt, kommt der Jazz nach anfänglichem Untersteuern in zunehmendes, sich progressiv aufbauendes Übersteuern. Diese Ergebnisse aus dem fahrdynamischen Messlabor spiegelt der Honda – dann freilich nur zart – auch im täglichen Straßenverkehr wider. Er wirkt leichtfüßig und flink, aber bei plötzlichen Schlenkern wird das Heck merklich leicht. Kein Problem für den Ibiza, der bleibt stets solide auf Kurs und jubelt geradezu mit bestechender Neutralität um die Ecken. Erschwerend kommt für den Honda seine indifferente, sehr leichtgängige Lenkung hinzu. Ein weiteres Fahrwerksmanko weist der Jazz im Komfortbereich auf. Mit stetigem Nicken und Trippeln verarbeitet er selbst leichte Bodenwellen, lange Fahrbahnwellen quittiert er dagegen mit kräftigem ­Pumpen. Der Seat bleibt fast stoisch, sein Komfort ist spürbar besser.

Pluspunkte sammelt der Honda Jazz erst wieder mit seinem kultivierten, samtweich drehenden 83-PS-Motor. Der 1,4-Liter-Benziner wird durch ein knackig schaltbares Fünfganggetriebe perfekt ergänzt, ermöglicht respektable Fahrleistungen (null auf 100 km/h in 12,7 Sekunden; Höchstgeschwindigkeit 170 km/h) und verbrauchte im Test lediglich 7,3 Liter Superbenzin/100 km. Aber auch der mit 75 PS etwas schwä­chere 1,4-Liter im Ibiza gefällt durch gute Fahrleistungen (13,8 Sekunden; 174 km/h). Etwas stärkere Vibrationen, ein leicht knochiges Getriebe und sein etwas höherer Testverbrauch (7,5 Liter) sind die wenigen Kritik­punkte gegenüber dem Honda-Antrieb. Fazit: Im Seat paaren sich teutonischer Perfektionsdrang und mediterrane Lebensfreude. Er addiert zur aalglatten Perfektion seines deutschen Plattform-Kollegen schlicht das gewisse Etwas. Dass der Honda Jazz auf diesem hohen Niveau in vielen Punkten mehr als mithalten kann, spricht auf jeden Fall für die Qualitäten des kleinen Japaners. Mit einiger Abstimmungsarbeit an Fahrwerk und Lenkung wäre er mit dabei. Ganz vorne. Das pfiffige Kerlchen.

Technische Daten
Seat Ibiza 1.4 16V Signo Honda Jazz 1.4i ES
Grundpreis 13.260 € 15.440 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3953 x 1698 x 1441 mm 3830 x 1675 x 1525 mm
KofferraumvolumenVDA 267 bis 960 l 380 bis 1323 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder 1339 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 5000 U/min 61 kW / 83 PS bei 5700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 174 km/h 170 km/h
0-100 km/h 13,8 s 12,7 s
Verbrauch 6,5 l/100 km 5,9 l/100 km
Testverbrauch 7,5 l/100 km 7,3 l/100 km
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