Seat Leon 2.0 FSI im Test

Löwenherz

Foto: Achim Hartmann 11 Bilder

Mit dem neuen Seat León zeigt die spanische VW-Tochter in der Kompaktklasse die Löwen-Zähne. Vermag das anmutige und dennoch sehr dynamische Äußere zu halten, was es verspricht? Der León 2.0 FSI mit 150 PS im Einzeltest.

Dynamisch, etwas außer der Reihe, ein Gesicht in der Menge – er sieht gut aus, der jüngste Seat, was man leider von der Lage des Unternehmens nicht behaupten kann. Seat, das Fass ohne Boden im VW-Konzern, kämpft ums Überleben. So ist die spanische Marke ein Schulbeispiel für unausgegorene Expansionspläne. Es reicht halt nicht, Marken einzukaufen und sie synergetisch unter die Fittiche zu nehmen. Ohne ein zugkräftiges Image ist nichts zu gewinnen.

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Einzeltest Seat León
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Genau daran hapert es. Wofür steht Seat? Für preiswerte Sportlichkeit mit mediterranemTouch, das träumt man im Mutterkonzern. Draußen in der Realität freilich dominiert nach wie vor die alte Schmuddelkomponente: billig in der Anschaffung, billig in der Machart, mit einem Hang zum frühzeitigen Exitus.

Was die aktuelle Modellpalette betrifft, so ist das ebenso tragisch wie unfair. Wahr ist, dass es der neue León – was im Spanischen Löwe heißt – mit so ziemlich allem aufnehmen kann, was in seiner Klasse kreucht und fleucht. León?

Genau, da fängt das Problem bereits an. Wer vermag mit diesem wohlklingenden Autonamen hier zu Lande schon etwas anzufangen? Kleine Nachhilfe: In der Seat-Palette spielt der León die Rolle des VW Golf, Kompaktklasse also. Und ein Golf steckt auch drin: Unter der eigenständigen Karosserie befinden sich die Bodengruppe und alle Technikkomponenten des Bestsellers.

Nur die Abstimmung würzt Seat in eigener Regie. Nun geht er in die zweite Generation, und die Absicht, mediterran zu wirken, ist diesmal durchaus von Erfolg gekrönt. Man fühlt sich spontan an Alfa Romeo erinnert, was auch kein Wunder ist.

Verantwortlich für das Design zeichnet Walter de Silva, inzwischen bei Audi, aber einst Schöpfer der aktuellen Alfa-Mode. Die schnittige Hülle ruht auf dem Radstand des Golf, ist aber etwas länger und flacher.

Drinnen geht es dementsprechend geräumig zu. Die Unterschiede beschränken sich auf ein paar Millimeter weniger Innenbreite, der Kopfraum auf den Rücksitzen ist geringfügig knapper, und der Raumeindruck leidet etwas unter der hohen Gürtellinie. Aber wer sich im Golf gut aufgehoben fühlt, der dürfte auch mit dem León zufrieden sein.

Klassenüblich der Kofferraum: 341 Liter, maximal 1166 Liter, Zuladung 463 Kilogramm, doch die hohe Ladekante und der schmale Türausschnitt erschweren das Beladen. Auch sonst folgt die Form hier nicht zuallererst der Funktion. Im Gegenteil: Versteckte Türgriffe im Fond sind ein Gag, aber fummelig.

Die Sicht nach vorn trübt ein Designmerkmal, das den Begriff Modetorheit verdient. Jedenfalls entpuppt sich die extrem flache Frontscheibe von innen als ständiges Ärgernis: Sie fördert die Aufheizung durch Sonneneinstrahlung, spiegelt detailgetreu das Armaturenbrett und behindert mit ihren Fensterpfosten derart die Übersicht, dass man Abbiegen nur mit Blindfluglizenz gestatten sollte.

Erfreulich dagegen der Nahbereich. Das Cockpit des León wirkt schick, aber unaufgeregt. Die gefühlte Qualität beeindruckt, woran sogar das viele Hartplastik nichts ändert. Zumindest dem Testwagen nach zu urteilen, hat es sich bei Seat ausgeklappert – in Sachen Verarbeitung braucht sich der León vor seinen Konzernbrüdern nicht zu verstecken.

Außerdem nimmt man dankbar zur Kenntnis, dass die Designer wenigstens bei den Bedienungselementen nüchtern bleiben: große, klare Instrumente, praxisgerecht platzierte Schalter, Navigations-/Audio- System wie im Golf (gegen Aufpreis).

Im vorliegenden Fall handelt es sich um die Topversion namens Stylance inklusive „Sport-up“-Paket, was bedeutet, dass es an nichts fehlt. Zwei- Zonen-Klimaanlage, 17-Zoll-Räder, CD-Radio, bequeme Sportsitze, Tempomat – da kann keiner meckern, zumal bei 20 390 Euro (2.0 FSI-Benziner mit 150 PS).

Wer den einfacher ausgestatteten „Reference“ nimmt, kommt auch mit 17 990 Euro weg. Gegenüber einem ähnlich ausstaffierten Golf bedeutet das einen Minderpreis von über 2000 Euro und das bei gleichem Motor, der auch im Seat dank guter Laufkultur und genügend Leistung eine erstrebenswerte Antriebsquelle ist.

Bei annähernd gleichem Gewicht zieht der León ebenso bei den Fahrleistungen mit dem Golf gleich (null auf 100 km/h in 9,3 Sekunden). Für einen Vertreter der gut motorisierten Kompaktklasse geht schließlich auch der Verbrauch in Ordnung: 9,6 L/100 km im Durchschnitt.

Am vom Golf V geerbten Fahrwerk geht der Umzug zu Seat indessen nicht spurlos vorüber. Im León verhält es sich einen Schuss sportlicher: Er erwidert Lenkbewegungen impulsiver, zeigt sich in Kurven quicklebendig und zuckt dort beim Gaswegnehmen auch schon mal mit dem Heck, bevor die ESP-Regelung mit der gebotenen Strenge eingreift.

Das agile Wesen bezahlt man freilich mit erheblichen Komforteinbußen. Die härtere „Sport-up“-Auslegung zumindest kennt da kein Erbarmen. Selbst auf vermeintlich ebenen Autobahnen lässt sie die Insassen in den Sitzen hüpfen – besser man verzichtet auf das Sportfahrwerk, was den León kaum weniger handlich, aber deutlich komfortabler macht.

Braucht die Welt dieses Auto? Nicht zwingend, das ist ganz klar. Aber langweiliger wäre sie ohne den Kastagnetten-Golf schon.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –gute Platzverhältnisse –steife, ordentlich verarbeitete Karosserie
  • –schlechte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • –niedriges Innengeräusch –bequeme Sportsitze – einfache Bedienung
  • –geringer Federungskomfort –deutliche Abrollgeräusche
Antrieb
  • –gute Fahrleistungen –kultivierter Motor –exakte Schaltung
  • –mäßige Elastizität
Fahreigenschaften
  • –neutrales Kurvenverhalten –agiles Handling –präzise Lenkung
  • –leichte Lastwechselreaktionen
Sicherheit
  • –gute Bremsen –ESP mit Anhängerstabilisierung –umfangreiche Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • –angemessener Verbrauch
Kosten
  • –günstiger Anschaffungspreis
  • –kurze Wartungsintervalle

Fazit

Der León ist ein Golf im Designergewand. Gravierende Schwächen sind ihm deshalb fremd, zumal auch die Qualität stimmt. Seine Spezialität: das sportlichere Fahrerlebnis. Größter Nachteil: die harte Federung.

Technische Daten
Seat Leon 2.0 FSI Stylance
Grundpreis 21.225 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4315 x 1768 x 1458 mm
KofferraumvolumenVDA 341 bis 1166 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
0-100 km/h 9,3 s
Verbrauch 7,9 l/100 km
Testverbrauch 9,6 l/100 km
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