Skoda Octavia 1.9 TDI im Test

Zweiter Bildungsweg

Foto: Hans-Dieter Seufert 12 Bilder

Auch die neue Generation des Mittelklassewagens basiert auf aktueller VW Golf-Technik. Im Test die 1.9-TDI-Variante mit Ambiente-Ausstattung für 19.890 Euro.

Die Zeit der sozialistischen Einheitsware ist bei Skoda längst vorüber: Mit dem ersten, vor acht Jahren präsentierten Octavia verabschiedete sich Tschechien endgültig von jener Autotechnik, die noch so manche Anleihe am Lokomotivenbau genommen hatte. Um den Techniksprung zu ermöglichen, hat VW der jungen Konzerntochter kräftig unter die Arme gegriffen und den Octavia damals mit der neuen Golf-Technik ausgerüstet, lange bevor sie im Golf IV zu kaufen gewesen war. Man bekam im Grund bei Skoda zuerst den neuen Golf, wenn auch verpackt in eine Fließheck-Karosserie. Jetzt gibt es die zweite Octavia- Generation, und wieder basiert sie auf aktueller Golf- Technik.

Mit der Markteinführung hat man sich dieses Mal aber mehr Zeit gelassen. Erst ein halbes Jahr nach dem Golf V startet nun der Octavia – ebenfalls mit Einzelrad-Aufhängung an der Hinterachse. Neben vieler Vorzüge bietet die Konkurrenz aus dem eigenen Konzern eine Gefahr: Sie kann dem mühsam gestarteten Golf das Leben noch schwerer machen – besonders in der hier getesteten, gut ausgestatteten Ambiente-Version zum Skoda- Kampfpreis von 19 890 Euro. Beim ersten Octavia stand die Fließheck-Variante in der Käufergunst weit hinter dem Kombi. Auf den Neuen müssen die Kunden allerdings noch bis Ende Oktober 2004 warten.

Die Freunde großer Gepäckabteile können aber beruhigt werden. Auch der Fließheck-Octavia ist ein echter Lademeister. Sein Kofferraum, in dessen Boden ein vollwertiges Ersatzrad schlummert, bietet 560 bis 1350 Liter Platz. Erst beim Transport besonders sperriger Güter muss er passen, aber eine Waschmaschine lässt man sich sowieso besser anliefern. Kritik verdienen jedoch die hohe Ladekante, über die schwere Lasten gewuchtet werden müssen, und eine Kante im Kofferraumboden bei umgelegter Fondsitzlehne. Jede Menge Platz findet aber nicht nur das Gepäck vor, auch den Passagieren steht eine Menge Raum zur Verfügung. Vier Erwachsene fasst der Octavia ohne nennenswerte Einschränkungen bei Beinoder Schulterfreiheit. Selbst in einigen der größeren Mittelklasse- Limousinen (Audi A4, BMW Dreier) geht es beengter zu als im Octavia – vorn wie im Fond wohlgemerkt. Lenkrad und Vordersitze lassen sich in weiten Bereichen verstellen, eine passende Position ist schnell gefunden. Nur sehr große Menschen werden den Skoda auf Dauer unbequem finden.

Die Sitzhöhenverstellung lässt die Sitzfläche nicht parallel absinken, sondern kippt sie unter einem Winkel nach hinten. Wer über 1,80 Meter groß ist, wird dadurch zu einem Rundrücken gezwungen. Dabei können die angenehm straffen und trotzdem bequemen Polster eigentlich überzeugen und bieten bei schneller Kurvenfahrt sogar noch viel Seitenhalt, ohne die Passagiere wie in Rennsitzen einzuengen. Zum guten Sitzkomfort kommt die völlig stressfreie Bedienbarkeit des Skoda. Hier gibt es keine vielfach belegten Schalter und Anzeigen mit zahllosen Untermenüs, die mühsam erforscht werden wollen. Alle Bedienelemente liegen gut zur Hand, und man findet sich im Octavia sofort zurecht, zweifellos eine Tugend aus dem Golf. Dazu gehört auch die gelungene Verarbeitung der Kunststoffe im Interieur.

Der Skoda wirkt mindestens so hochwertig wie viele deutlich kostspieligere Kompaktwagen. Wer ganz genau hinschaut, findet freilich einige scharfe Grate, beispielsweise im Bereich der Handschuhfachklappe. Irritierend billig in diesem hochwertig gemachten Umfeld zeigt sich das Lenkrad, das sich schon im Neuzustand leicht abgegriffen anfühlt und dessen Oberflächenstruktur nicht durchgängig ausfällt. Lenkradkranz und Pralltopf wirken dadurch nicht ganz zusammengehörig. Noch an anderer Stelle hat Skoda gespart, denn Gesamtund Tageskilometer teilen sich eine Anzeigefläche, lassen sich also nicht gleichzeitig darstellen. Das erstaunt umsomehr, wenn man entdeckt, dass die Außentemperatur sogar auf zwei Displays gleichzeitig erscheint: im Bordcomputer und auf dem CD-Radio-Display (beides ab Ambiente serienmäßig). Ansonsten hat Skoda bei der Ausstattung nicht gegeizt. Sechs Airbags, aktive Kopfstützen vorn, Isofix-Kindersitzbefestigung und Zentralverriegelung sind schon in der Basis Standard.

Entscheidet man sich für die Ambiente-Variante, kommen ESP, Klimaanlage, geteilte Rückbanklehne, Fernbedienung für die Verriegelung und Einparkhilfe hinten dazu. Gerade die Parksensoren sind sehr sinnvoll, denn das Octavia- Heck ist extrem unübersichtlich. Wogegen sich die Motorhaube relativ gut überschauen lässt. Dennoch offenbart der Blick aus der Windschutzscheibe ein Manko. Sie wird von zwei sehr massiven A-Säulen gehalten, von denen besonders die linke den Blick in enge Kurven stört. Aber der Skoda sieht nicht nur stabil aus, er ist es auch. Knarzen oder Klappern lässt sich der Karosserie auch auf übelsten Straßen nicht entlocken. Das Fahrwerk mit der neuen Mehrlenker-Hinterachse (Einzelrad-Aufhängung) erweist sich als narrensicher, seine Reaktionen auf Lastwechsel sind vorhersehbar und leicht zu parieren. Der Grenzbereich liegt hoch, kündigt sich durch leichtes Untersteuern und mit kräftiger Seitenneigung an. Zum Kurvenaußenrand rutschende Vorderräder lassen sich aber durch kurzes Gaswegnehmen vom Fahrer oder über das unauffällig eingreifende ESP ohne Schwierigkeiten wieder auf Kurs bringen.

Große wie kleine Unebenheiten werden souverän weggefiltert. Allerdings führen tiefe Fahrbahnwellen zu Pumpbewegungen an der Hinterachse, und auf Querfugen spricht die Federung zu holzig an. Bei hoher Geschwindigkeit oder rauer Straßenoberfläche treten Reifengeräusche auf. Dass man sie so deutlich hört, zeigt aber, wie gering die Wind- und sogar die Motorengeräusche ausfallen. Denn im Octavia präsentiert sich der bekannte 1,9-Liter- TDI von seiner besten Seite. Nur mit verhaltenem Brummen unter Last und geringen Vibrationen macht der Diesel auf sich aufmerksam, ohne wirklich zu stören. Sein Hauptmanko ist die Schadstoff-Einstufung (nur Euro- 3 für den Handschalter) und die Tatsache, dass es keinen Rußpartikelfilter gibt. Das kostet den Octavia den fünften Stern in der Bewertung.

Ansprechende Beschleunigungs- und Durchzugswerte bei verhaltenem Verbrauch stehen wieder auf der Habenseite. Ab 160 km/h geht dem TDI allerdings die Puste aus, die Höchstgeschwindigkeit wird nur mit viel Anlauf erreicht. Das ist aber ein akademisches Problem und ändert nichts daran, dass der Octavia mit seinen Qualitäten zum günstigen Preis auf den Käufer wirken muss. So war es, der eine oder andere mag sich daran erinnern, einst auch beim Golf.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr gutes Platzangebot vorn
  • im Fond und im Kofferraum gute Verarbeitung
  • einfach zu bedienen
  • viele gut nutzbare Ablagen
  • nach hinten sehr unübersichtlich
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • gute Federung
  • wenig Windgeräusche
  • laute Abrollgeräusche
Antrieb
  • gut gestuftes Getriebe
  • angemessener Verbrauch
  • nur durchschnittliche Laufkultur
  • leichte Vibrationen
Fahreigenschaften
  • sehr sicheres, leicht untersteuerndes Fahrverhalten
  • exakte, leichtgängige Lenkung
  • gutes Handling
Sicherheit
  • umfangreiche Sicherheitsausstattung
  • mittlere hintere Kopfstütze nicht verstellbar
Umwelt
  • nur EU-3-Einstufung
  • kein Rußpartikelfilter lieferbar
Kosten
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • umfangreiche Serienausstattung

Fazit

Wer Wert auf ein ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis, saubere Verarbeitung, großzügiges Platzangebot und ansprechenden Komfort legt, ist mit dem neuen Octavia gut bedient. Nachteile: keine EU-4-Einstufung und kein Rußfilter.

Technische Daten
Skoda Octavia 1.9 TDI-PD Ambiente
Grundpreis 20.810 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4572 x 1769 x 1462 mm
KofferraumvolumenVDA 560 bis 1430 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 77 kW / 105 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 192 km/h
0-100 km/h 11,1 s
Verbrauch 5,0 l/100 km
Testverbrauch 6,9 l/100 km
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