Skoda Octavia Combi

Mit einem außergewöhlichen Raumangebot und einem günstigen Preis will der Skoda Octavia Combi der Konkurrenz Paroli bieten.

Die Marke Skoda, wie sie früher war: jenseits des Eisernen Vorhangs heißgeliebt, weil zuverlässig, diesseits aber vielgeschmäht, weil hoffnungslos veraltetes Einfachstauto. Dabei kann sich der tschechische Traditionsbetrieb einer großen Vergangenheit rühmen: Vor dem Krieg baute der Hersteller unter dem Namen Laurin & Klement luxuriöse, mit Achtzylindermotoren bestückte Autos, denen heute in den Köpfen kenntnisreicher Oldtimer- Fans ein Ehrenplatz gebührt. Mit dem vor gut anderthalb Jahren vorgestellten Octavia ist der inzwischen zum VW-Konzern gehörende Automobilbauer nun auf dem Weg zu alter Klasse – wie die sechs Monate langen Lieferzeiten belegen.

Zwar erhebt auch Skodas jüngster Sproß nicht den Anspruch, höchsten Komfortansprüchen gerecht zu werden, aber mit ihrer soliden Verarbeitungsqualität, dem guten Raumangebot und einem günstigen Preis hat sich die tschechische Limousine bereits einen Stammplatz in der deutschen Mittelklasse erobert. Ein Erfolg, dem der Combi nun nacheifern will. 33 600 Mark kostet der Einstieg in die dieselgetriebene Kombi-Klasse und gerät damit rund 2500 Mark teurer als der in die vergleichbare, 90 PS starke TDI-Limousine und 3250 Mark billiger als der in den VW Golf Variant TDI Comfortline.

Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorn und hinten, beheizbare Außenspiegel, ABS und Nebelscheinwerfer sind bei der GLX-Version Serie – ebenso höhenverstellbare Vordersitze und das axial wie vertikal verstellbare Lenkrad. Der zusätzlich mit Klimaanlage, Alufelgen und Zwischenboden im Kofferraum versehene Testwagen in SLX-Ausstattung kostet 36 600 Mark. Derart gerüstet läßt es sich in Skodas neuem Kombi gut leben: Die Vordersitze sind angenehm straff gepolstert und bieten ausreichend Seitenhalt, die funktionellen Bedienelemente geben keinerlei Rätsel auf. Großgewachsenen dürfte allerdings die hohe Sitzposition zu schaffen machen, die sich auch mit Hilfe der Höhenverstellung nur unzureichend korrigieren läßt.

Wenig Freude bereitet das tristgraue Armaturenbrett: Die hellen Kunststoffe wirken billig und sorgen für störende Reflexionen in der Windschutzscheibe. Pluspunkte sammelt das Octavia-Interieur für die grosszügig dimensionierten Ablageflächen, wo allerhand Kleinkram Platz findet. Größeren Gegenständen bietet der Kombi in seinem üppigen Gepäckabteil Raum. 548 Liter Fassungsvermögen bis zur Laderaumabdeckung zählen zum Besten, was diese Wagenklasse zu bieten hat.

Der 17 Zentimeter kürzere Golf Variant bringt es auf gerade einmal 466 Liter. Durch Umlegen der asymmetrisch geteilten Rücksitzbank entsteht eine ebene, gut zugängliche Ladefläche von 1,75 Meter Länge und ein Ladevolumen von 1512 Litern. Um den bündigen Abschluß des Kofferraums mit der hoch geratenen Ladekante zu gewährleisten, bemühten die Skoda- Werker einen alten Zaubertrick: Sie ließen das Hindernis unter einem doppelten Boden verschwinden. In dem mit einer soliden Abdeckklappe versehenen Unterflur- Gepäckabteil finden Aktentaschen und Kleinigkeiten einen rutsch- und blicksicheren Aufenthaltsort. Schwere und sperrige Gegenstände können am Boden mit Hilfe von Ösen sicher verzurrt werden.

Ohnehin stark eingeschränkt ist die Bewegungsfreiheit groß gewachsener Fondpassagiere: Hier zollt der Octavia seinem großen Laderaum Tribut, der den Knieraum spürbar schmälert. Angetrieben wird der optisch gelungene Kombi von dem aus anderen Modellen des VW-Konzerns bekannten 90 PS-TDI-Motor. Im Gegensatz zum Golf erfüllt er jedoch im Skoda, der über eine andere Motorelektronik und Abgasanlage verfügt, nicht die D3-Norm.

Auch sonst kann der sparsame Diesel, der sich im Test mit durchschnittlich 6,7 Litern auf 100 Kilometer begnügte, nicht verhehlen, daß er nicht mehr der Jüngste ist: Lautstarkes Kaltstart-Nageln und vernehmbare Verbrennungsgeräusche bei warmem Motor entlarven den TDI als Selbstzünder der älteren Generation. An den Fahrleistungen des Turbodiesels gibt es dagegen wenig auszusetzen – auch wenn der Testwagen etwas unter den Werksangaben blieb: 14,3 Sekunden für die Beschleunigung von null auf 100 km/h sind der PS-Klasse angemessen. Das für Überholvorgänge wichtige Durchzugsvermögen erreicht mit 17,8 Sekunden für den Antritt aus 80 auf 120 km/h im fünften Gang gleichfalls einen guten Wert. Häufiges Schalten ist somit unnötig, wäre aber aufgrund der leichtgängigen und präzisen Schaltung auch kein Problem.

Absolut zuverlässig arbeitet die Bremse des Kombis: Der Skoda Octavia realisiert trotz der hinteren Trommelbremsen Verzögerungswerte von 8,4 bis 8,9 m/s2. Fahrwerksseitig zeichnet sich der Octavia Combi durch Ausgewogenheit aus. Die Abstimmung ist straff, bietet aber ein hohes Maß an Federungskomfort. Den insgesamt guten Eindruck trüben die speziell auf schlechten Fahrbahnbelägen deutlich vernehmbaren Abrollgeräusche. Hier besteht ebenso Verbesserungsbedarf wie bei der Cockpitgestaltung. Letzteres haben die Skoda-Verantwortlichen erkannt und Abhilfe gelobt: Ab Herbst dieses Jahres werden sukzessive alle Modelle mit einem qualitativ höherwertigen Armaturenbrett bestückt.

Etwa zur gleichen Zeit könnte auch der Name Laurin & Klement eine Wiederbelebung erfahren: Auf dem Pariser Autosalon will Skoda ein luxuriöses Sondermodell des Octavia präsentieren, das nicht nur vom Erscheinungsbild, sondern möglicherweise auch vom Namen her an ruhmreichere Tage des tschechischen Automobilbaus anknüpfen soll.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • hohe Ladekapazität
  • gute Verarbeitungsqualität
  • funktionelle Bedienung
  • eingeschränktes Raumangebot im Fond
  • zu hohe Sitzposition auf den Vordersitzen
Fahrkomfort
  • guter Federungskomfort
  • bequeme Sitze
  • mäßiger Abrollkomfort
  • leichte Vertikalbewegungen
Antrieb
  • angemessene Fahrleistungen
  • exakte und leichtgängige Schaltung
  • gutes Durchzugsvermögen
  • rauher Lauf auch bei warmem Motor
Fahreigenschaften
  • neutrales Kurvenverhalten
  • tadelloser Geradeauslauf
  • exakte Lenkung
  • gute Handlichkeit
Sicherheit
  • standfeste Bremsen
  • Fahrer- und Beifahrer-Airbag
  • Gurtstraffer vorne
  • höhenverstellbare Gurte im Fond
Umwelt
  • Einsatz wasserlöslicher Lacke
  • erfüllt nicht die D3-Norm
Kosten
  • niedrige Kraftstoffkosten
  • günstige Vollkaskoeinstufung
  • lange Wartungsintervalle
  • günstiger Anschaffungspreis
  • kurze Garantie (1 Jahr)

Fazit

Der neue Skoda Octavia Combi ist kein aufregendes, aber ein sehr alltagstaugliches Auto. Dazu trägt das üppige Kofferraum-Volumen ebenso bei wie das ausgewogene Fahrwerk und die exakte, leichtgängige Schaltung.

Technische Daten
Skoda Octavia Combi TDI SLX
Grundpreis 19.352 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4511 x 1731 x 1448 mm
KofferraumvolumenVDA 548 bis 1512 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 178 km/h
0-100 km/h 13,3 s
Verbrauch 5,2 l/100 km
Testverbrauch 6,4 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Beliebte Artikel MTM-AUDI R8 V10 PLUS 802 SUPERCHARGED, Exterieur MTM-Audi R8 V10 Plus 802 im Test Am Limit des Machbaren Porsche 911 GT3 RS, Exterieur Porsche 911 GT3 RS im Test Mit Wolllust Richtung Begrenzer
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Mercedes E 400 Coupé, Frontansicht Sportwagen-Neuzulassungen Oktober Mercedes E Coupé vor Mustang 190 E, 3.2 AMG-C32, C43 AMG, Exterieur 190E 3.2, C 32, C 43 AMG AMG-Sechszylinder aus 3 Epochen
Allrad Jeep Gladiator Concept 2005 Jeep Wrangler Pickup Neuer Pickup-Jeep für 2019 Seat Ateca Schnee Winter SUV Die 30 billigsten 4x4-SUV Winter-SUV bis 30.000 Euro
Oldtimer & Youngtimer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu Renault 19 (1988) Renault 19 (1988-1995) 30 Jahre und fast verschwunden
Promobil Carado T 448 Dauertester Carado T 448 im Dauer-Test So war das Jahr mit Carlos Schlafsäcke Test Mantelschlafsäcke im Test Wohlig warm in der kühlen Zeit
CARAVANING Wohnmobile an Tankstelle Sprit sparen mit dem Gespann Tipps für eine sorgenfreie Reise Campingplatz Oakdown Campingplatz-Tipps Südengland Traumhafte Urlaubsorte