Skoda Roomster 1.4 16V im Test

Room-Kugel

Foto: Achim Hartmann 14 Bilder

Mit humorvollem Design und einem ordentlichen Schuss Nutzwert will der Skoda Roomster das Segment der Hochdach-Kombis aufrollen. Und das gelingt ihm mit dem 1,4-Liter großen Vierzylinder mit 86 PS ganz gut.

Eines kann man dem Skoda Roomster nicht vorwerfen: nüchterne Uniformität. Hinter den Kulissen setzt er zwar budgetschonend auf vorhandene Technik (siehe Spotlight), nach außen gibt er aber den eigenständig-pfiffigen Verführer für Familien und andere Aktive. Obwohl das Serienmodell gegenüber der mutigeren Studie optisch etwas an Fahrt verloren hat, blieb noch genug schräger Charme erhalten. Etwa der krasse Bruch in der Fensterlinie, mit dem die Mannschaft um Ex-Skoda-Designchef Thomas Ingenlath Vorder- und Heckbereich voneinander separiert. Auf einen fließenden Start mit Jet-Appeal folgt ab der BSäule ein kastenförmiges Glashaus. Vorn Sitzende wähnen sich hinter den knapp geschnittenen Scheiben somit eher in einem Kompaktwagen als in einem Van.

Auch deshalb, weil Skoda sich bei der Innenarchitektur staubtrockenen Pragmatismus ebenso verkneift wie Design-Sperenzchen. Außer bei der ungewohnt gerundeten Seitenscheibe, die stets als schwarzer Fleck im Augenwinkel präsent ist. Am Heck kümmern sich King-Size-Rückleuchten um Wiedererkennungs-, die Heckklappe um Nutzwert. Sie öffnet ein Stück ins Dach hinein, was gemeinsam mit der gerade einmal kniehohen Ladekante das Hineinwuchten von Plasmafernsehern, Waschmaschinen oder Regalwand-Bausätzen zur orthopädisch unbedenklichen Angelegenheit macht. Wer will, kann auch Laderaum-Tetris spielen, also die drei einzeln verschieb-, klapp- und demontierbaren Rücksitze geschickt mit Fracht kombinieren. Maximal 1780 Liter passen hinein, womit der Roomster klar hinter Genre-Größen wie Citroën Berlingo, Fiat Doblò oder Renault Kangoo rangiert. Außerdem besitzt er hinten statt Schiebetüren konventionelle Portale, die zwar weit öffnen, aber viel Platz brauchen – in schmalen Parklücken kann es beim Befestigen von Filius samt Kindersitz eng werden. Alles andere als eng geht es auf den Fondplätzen zu. Der Mittelsitz taugt zwar höchstens für schmalhüftige Pygmäen, doch wer das Elf-Kilo-Teil entfernt und die ebenfalls etwas knapp geschnittenen Außenplätze zusammenrückt, gewinnt nochmals Schulterfreiheit hinzu. Beine unter die Vordersitze strecken, Rückenlehne etwas zurückstellen und die Landschaft in den Cinemascope-Scheiben vorüberziehen lassen, dann bietet der Roomster großes Kino. Überhaupt weist die 15 690 Euro teure Style-Version mit mehrfarbigen, unterschiedlich genarbten Kunststoffflächen, silbern gehaltenen Details sowie poppigen Sitzbezügen jeden Tristesse- Verdacht von sich.

Einfache Plastik- Türöffner, der nonchalant befestigte Dachhimmel oder preisbewusst wirkende Sonnenblenden lassen zwar ökonomische Zwänge erkennen, der Rest des Roomster-Interieurs präsentiert sich jedoch trotz des Einsatzes von pflegeleichtem Hartplastik durchweg appetitlich verarbeitet.

Skodaüblich: die gleichmäßigen Spaltmaße sowie die solide Anfassqualität. Klar gezeichnete Rundinstrumente mit digitalem Mittendisplay sowie sämtliche Bedienelemente folgen ebenfalls bekannten Schemata – bis auf den Satelliten für die Steuerung der Stereoanlage links am Lenkrad: Hier hat man sich von der französischen Konkurrenz inspirieren lassen. Wie bei den Türablagen, die 1,5-Liter- Flaschen aufnehmen und mit einem Gummiband Zeitungen oder ähnliches fixieren. Weitere Ablagen beherbergen Kleinkram – ebenso wie das zweiteilige Handschuhfach. Zwar taugt dessen Untergeschoss dank Klimaanlagen-Anschluss während der Fahrt als sicherer Schoko-Bunker, voluminöse Atlanten müssen aber draußen bleiben. Als zeitgemäße Atlas-Alternative offeriert der Roomster das portable Via Michelin- Gerät mit Dockingstation im Armaturenbrett für 599 Euro. Preiswerter als die ebenfalls erhältliche, 1050 Euro teure Festlösung, eleganter als übliche Mitnahmegeräte mit ihrem Ladekabelund Saugnapfgefummel – und eine dynamische Routenführung mit TMC gibt es obendrein. Was Sinn macht, denn der Skoda kann mehr als nur Schulbus oder Baumarkt- Brummi spielen. Langstreckentaugliche Sitzposition, wirksame Klimatisierung durch die bei der Style- Version serienmäßige Climatic sowie verhältnismäßig geringe Windgeräusche rüsten ihn für längere Trips.

Zum dynamischen Bahn-Burner taugt der 171 km/h schnelle 1,4-Liter- Roomster dennoch nicht. In Topspeed- Nähe wirkt der 86-PS-Benziner etwas gestresst, verliert seine bei niedrigen Drehzahlen durchaus umgänglichen Manieren. Die spielt er bei einem Durchschnittsverbrauch von 8,8 Liter/ 100 km lieber diesseits der 140- km/h-Marke und beim Cruisen durch Stadt und Land aus. Hier tröstet er von TDI-Drehmomentbrandungen Verwöhnte mit geschmeidiger Laufkultur, gleichmäßigem Leistungseinsatz und einem präzisen Fünfganggetriebe. Ähnlich akkurat präsentieren sich Lenkung, Handling und Bremse: Der Roomster passiert Kurven zart untersteuernd, drängt bei provoziertem Lastwechsel ganz zart mit dem Heck, bevor das elektronische Stabilitätsprogramm – ab 80-PS-Motorisierung Serie – zügig, sanft und sicher eingreift.

Die straffe Fahrwerksabstimmung kontert hochdachübliche Schlagseite dabei ebenso zuverlässig wie magenreizendes Wanken. Im Gegenzug filtern Federn und Dämpfer kurze Unebenheiten und Querfugen nur widerwillig und vernehmlich polternd. Lange Wellen kassiert der Roomster zuverlässiger. Bleibt abzuwarten, ob ihm das mit der Konkurrenz ebenso gut gelingt.

Fazit

Mit üppigem Platzangebot, hoher Variablilität und problemlosen Fahreigenschaften wandelt der Skoda Roomster gekonnt zwischen Charme und Funktionalität. Nur der Komfort könnte besser sein.

Technische Daten
Skoda Roomster 1.4 16V Style
Grundpreis 16.330 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4205 x 1684 x 1607 mm
KofferraumvolumenVDA 450 bis 1555 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 63 kW / 85 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 171 km/h
0-100 km/h 13,7 s
Verbrauch 6,8 l/100 km
Testverbrauch 8,8 l/100 km
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