Smart Forfour 1.5 Pulse im Test

Fourwitzig

Foto: Achim Hartmann

Der Viertürer taucht mutig ins Haifischbecken der Kleinwagenklasse. Wie die Chancen des expressiv gestylten und 15.140 Euro teuren Neuen stehen, zeigt der Einzeltest der 1,5-Liter-Version mit 109 PS.

Revolutionen werfen ihre Schatten voraus – zum Beispiel unter die Augen der Smart- Mannschaft. Die dürfte sich vor dem Start des Forfour so manche Nacht um die Ohren geschlagen haben. Immerhin galt es, den radikalen Bruch mit ehernen Smart-Dogmen möglichst elegant zu bewerkstelligen. Für die Revoluzzermarke im Daimler-Chrysler-Konzern ist der 3,75 Meter lange Viertürer mit Frontmotor und -antrieb eine klare Wende. Obwohl – oder weil – es dieses Konzept woanders schon etwas länger gibt. Smart verlässt mit dem Forfour den bis dato sorgsam gehegten zweisitzigen Mikrokosmos und stellt sich erstmals echter Konkurrenz in Gestalt des Kleinwagen-Rudels Polo, Fiesta, Punto und Co. Allesamt quadratisch, praktisch, gut – doch vor lauter Vernunft bisweilen den stilistischen Pfiff eines Kastenweißbrots ausstrahlend. Diesen wunden Punkt nutzt der Forfour, verbindet die Unbeschwertheit eines vorgängerfreien Seins mit ausgeprägter Familienidentität.

So umklammert etwa der Smart-typische, farbig abgesetzte Stahlrahmen kunststoffbeplankte Türen aus Aluminium. Zweifarb-Konzept innen und außen, Karosserieteile aus Kunststoff, sich markant wölbende Kotflügel, ein stämmiger, breitspuriger Hintern mit kurzem Überhang sowie die tief heruntergezogene Heckscheibe plus drei getrennte Rückleuchten enthalten Wiedererkennungspotenzial. Ein eigenes Gesicht verleiht ihm die spitz zulaufende Schnauze mit vier Scheinwerfern und schmalem Kühlergrill. Hinter dem steckt beim Testwagen die vorläufige Top- Motorisierung, ein 1,5-Liter- Vierzylinder mit 109 PS. Basis ist ein Mitsubishi-Aggregat, zugleich Part einer Gleichteilestrategie, die den Forfour 60 Prozent seiner Komponenten mit dem neuen Mitsubishi Colt teilen lässt.

Nicht jedoch die Optik, die beim Forfour deutlich frecher ausfällt. Frechheit prägt auch sein Fahrverhalten, und zwar im positiven Sinne. Kurze Überhänge, das moderate Gewicht von 1.079 Kilogramm sowie ein ausgewogen abgestimmtes Fahrwerk bereiten den Nährboden für Fahrspaß. Die Ernte fährt der Forfour zunächst bei der obligatorischen Fahrdynamikprüfung ein. Agil wetzt er durch den Slalom, ohne allzu stark zu wanken. Bei schnellen Richtungswechseln sollte die elektrisch unterstützte Servolenkung direkter agieren und bessere Rückmeldung vermitteln. Die Ausweichgasse meistert der Forfour ebenso zügig wie beherrschbar, selbst wenn er beim harten Spurwechsel mit dem Heck nach außen drängt.

Das serienmäßige, nicht abschaltbare ESP hält den Forfour sanft und feinfühlig auf Kurs, ohne die Dynamik unnötig zu beschneiden. Dieses Talent kann der Smart auch auf der Straße umsetzen. Neutral zirkelt er durch Kurven aller Radien, wer will, kann ihn mittels provozierter Lastwechsel fast schon gierig abbiegen lassen. Und zügig herausbeschleunigen: Am E-Gas hängt ein drehfreudiger 1,5-Liter-Motor, der gut auf Befehle anspricht, ab 3.000 U/min eine Schippe zulegt, jenseits von 4.000 U/min allerdings zu lärmen beginnt. Bei voll durchgetretenem Pedal beschleunigt er den Smart in nur 9,7 Sekunden auf 100 km/h und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 190. Passend dazu verzögern die Bremsen – serienmäßig vier Scheiben inklusive ABS und Bremsassistent – außerordentlich kräftig und standfest.

Weniger überzeugend fällt das Abrollverhalten aus. Vor allem mit der Optionsbereifung 205/45 R 16 stuckert der Forfour trocken über Unebenheiten wie Kanaldeckel oder Querfugen. Gröbere Verwerfungen fördern allerdings die Arbeitswilligkeit von Federn und Dämpfern ebenso deutlich wie Zuladung und höheres Tempo. Nun filtern sie beflissen, ohne auf langen Wellen störende Vertikalbewegungen zuzulassen. Bis auf das dröhnende Motorgeräusch, das sich bei Dauertempi jenseits 140 im Ohr festsetzt, ist der Forfour damit gut für lange Strecken gerüstet. Wozu die ausreichend konturierten Vordersitze beitragen. Ihr weiter Verstellbereich ermöglicht selbst groß Gewachsenen eine passende Position. Auf der straffen Rückbank, gegen 120 Euro Aufpreis dreisitzig, geht es klassenüblich mit kurzer, tief angeordneter Sitzfläche sowie eingeschränkter Kopffreiheit spartanischer zu. Wenn da nicht das Lounge Concept wäre. Mit dem macht Smart endgültig Ernst mit dem Spaß. Andere nennen so etwas emotionslos „höhenverstellbare Vordersitze plus umklappbare Sitzlehnen“. Smart liefert für 195 Euro extra nicht nur eine schnöde Klappmechanik plus Hartplastik-Lehnenrückseiten, sondern auch die Aufforderung, mal die Beine hochzulegen. Farblich passende Schmusekissen (33 Euro) inklusive. Man könnte ja, wenn man nur wollte.

Ob partyerprobte Parkplatz- Raver die plüschige Rückbank ihres 74er Ford Granada gegen das eher straff gepolsterte Möbel des Smart tauschen werden, bleibt allerdings fraglich. Viel eher taugt das Sitzkonzept ganz pragmatisch zum Transport sperriger Güter, etwa wenn Regal Billy von Ikea abgeholt werden soll. Bereits serienmäßig ist die Rückbank um 15 Zentimeter verschiebbar, geteilt umund inklusive Sitzfläche komplett hochklappbar. Im Ruhezustand ragt der Klappbügel jedoch ein Stück in den Kofferraum und kann sensible Ladung beschädigen. Billigplastik-Allergiker hingegen können aufatmen, die Materialien im Forfour sehen nicht nur wertiger aus als bei vielen Konkurrenten, sie fühlen sich auch besser an. Zudem lässt das Radio „six“ mit groovenden Bässen nicht nur die Türverkleidungen erzittern, sondern räumt dank gehobener Anfassqualität radikal mit der „My-first- Sony“-Kinderzimmeroptik der bisherigen Smart-Modelle auf.

Außerdem machen unterschiedliche Strukturen sowie große mit Stoff überzogene Flächen an Armaturenbrett und Türverkleidungen Augen und Händen Freude. In den Türen befinden sich DIN A4-große Ablagen, weitere im Armaturenbrett nehmen Kleinkram auf. Details wie die runden Lüftungsdüsen sowie hell unterlegte Rundinstrumente, deren Zeiger im Dunkeln rot glühen, setzen Akzente. Unverständlich ist, warum die Tachoskalierung Tempo 50 und 100 nicht mit Zahlen kennzeichnet. Unpraktisch ist auch die Position der Fensterhebertasten zwischen den Vordersitzen. Klar, das spart Extra-Schalter für die Fondpassagiere. Ansonsten ist das Bedienkonzept gelungen.

Smartübliche Extravaganzen wie ein auf dem Mitteltunnel platziertes Zündschloss oder die serienmäßige Schaltautomatik sind passé, beim Forfour kostet das automatisierte Sechsgang-Schaltgetriebe 550 Euro extra. Thema Geld. Der Preis für den Forfour 1.5 Pulse beläuft sich auf 15 140 Euro, inklusive ABS, ESP und variable Rückbank. Nicht zu viel für ein pfiffig gemachtes Auto, das neben einer Extraportion Individualität durchaus habhafte Alltags- Qualitäten mitbringt. Ganz umsonst und mit Geld sowieso nicht zu bezahlen ist überdies der beträchtliche Sympathiefaktor des Newcomers. Fourwitzig halt.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • ordentliches Raumangebot hohe Variabilität gut nutzbare Ablagen
  • schmale Fondtüren eingeschränkte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • ausgewogene Federung einfache Bedienung Sitze mit weitem Verstellbereich
  • eingeschränkter Abrollkomfort
Antrieb
  • gute Fahrleistungen gutes Ansprechverhalten leichtgängige Fünfgangschaltung
  • Motor ab 4000/min laut
Fahreigenschaften
  • agiles, neutrales Handling fein regelndes ESP geringe Antriebseinflüsse
  • unbefriedigende Lenkexaktheit Lastwechselreaktionen
Sicherheit
  • gute Sicherheitsausstattung kräftige, standfeste Bremsen
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4 angemessener Verbrauch geringes Gewicht
Kosten
  • angemessener Kaufpreis
  • nur zwei Jahre Garantie

Fazit

Mit dem optisch außergewöhnlichen Forfour legt Smart einen viel versprechenden Start im Kleinwagen-Segment hin. Agile, sichere Fahreigenschaften, der kräftige 109-PS-Motor und das gelungene Innenraumkonzept gefallen.

Technische Daten
Smart forfour pulse
Grundpreis 15.940 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3752 x 1684 x 1450 mm
KofferraumvolumenVDA 268 bis 910 l
Hubraum / Motor 1499 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 80 kW / 109 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
0-100 km/h 9,7 s
Verbrauch 6,1 l/100 km
Testverbrauch 8,2 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Suzuki Jimny 1.5 Allgrip, Exterieur Suzuki Jimny (2018) im Test Rodel-Diplom in den Alpen
Beliebte Artikel Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ 4-Türer Coupé, Exterieur Mercedes-AMG GT 4-Türer im Test Wie gut ist der Panamera-Rivale? Mercedes-AMG GLC 63 S Coupe?, Exterieur Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé Schnittige Wuchtbrumme im Test
Anzeige
Sportwagen Jaguar Land Rover Fahrdynamik Advertorial Auf Knopfdruck: Sport Mehr Fahrspaß durch Technik Porsche 911 (992) Cabrio Erlkönig Erlkönig Porsche 911 Cabrio (992) Offener Elfer startet 2019
Allrad Toyota RAV 4 2018 New York Sitzrobe Toyota RAV4 (2018) SUV-Neuauflage ab 29.990 Euro Porsche Macan, Facelift 2019 Porsche Macan (2019) Facelift Scharfes Heck, starke Motoren
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) Carrera Coupe Porsche 911 (996) Kaufberatung Probleme des Schnäppchen-Elfer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Hymer B-MC I 580 Hymer B-Klasse MC I 580 Test Neues Konzept, neue Epoche? Weihnachtskalender 2018 Tür 15 Mitmachen und gewinnen Nighthawk von ROLLPLAY
CARAVANING Deichselschloss Diebstahlschutz für Caravans Deichselschlösser und Co Weihnachtskalender 2018 Tür 15 Mitmachen und gewinnen Nighthawk von ROLLPLAY