Smart Forfour CDI im Test

Trio Grande

Foto: Hans-Dieter Seufert

Ein neuer Dreizylinder-Diesel tritt in Aktion im viersitzigen Smart. Der CDI liefert 95 PS aus 1,5 Liter Hubraum, einen passablen Verbrauch und gute Fahreigenschaften.

Die Verbrauchsrunde von automotorundsport bietet ein gemischtes Programm, mit einem Autobahnanteil, Landstraßen und Stadtverkehr. Die Gangart ist immer zurückhaltend, was herauskommt deshalb der so genannte Minimalverbrauch auf 100 km. Beim neuen Smart Forfour CDI in der stärkeren 95-PS-Version sind es 3,9 Liter. Donnerwetter. Unter der kleinen Motorhaube steckt das Verbrauchswunder, dessen Testverbrauch aufgrund seines lebhaften Wesens mit 6,1 Liter/100 km allerdings nicht so extrem niedrig ausgefallen ist. „Engineered by Mercedes-Benz“ steht da in verchromten Lettern auf einer Kunststoffabdeckung über dem Zylinderkopf des knollig wirkenden Aggregats mit der immer noch exotisch wirkenden Zylinderzahl drei.

Der Motor ist ein Ableger jener zwei Liter großen Dieselmotoren- Generation, die Mercedes für die neue A-Klasse konstruiert hat. Ein Zylinder fehlt, die technischen Merkmale sind langer Kolbenhub (92 mm, 83 mm Bohrung), vier Ventile pro Zylinder, die über Rollenschlepphebel betätigt werden, und eine kettengetriebene Ausgleichswelle. Sie sorgt zusammen mit einem Zweimassen- Schwungrad für eine Reduzierung jener grundsätzlichen Ruppigkeit, die zum Wesen von Dreizylindern zählt. Einen Zahnriemen als Nockenwellen- Antrieb sucht man vergebens. In keinem Mercedes-Motor hat es ihn bislang gegeben. Nach einem hellen Anlasserwimmern fällt der Dreizylinder mit seinen thermodynamisch günstigen 500 Kubikzentimeter Einzelzylinder-Volumen in einen schnellen, trotzdem aber etwas unrund klingenden Leerlauf.

Mit zunehmender Last und Drehzahl wird dieses Pulsieren dann eher milder, obwohl der neue Diesel niemals ganz verleugnet, dass die Zylinderzahl nicht nur klein, sondern auch krumm ist. Unangenehm fühlt er sich jedoch in keinem Drehzahlbereich an, und akustisch erklingt immer etwas Besonderes. Vierzylinder tönen dagegen uniform und auch langweilig. Doch drei Common-Railgefütterte Zylinder baut man nicht wegen der Akustik, sondern weil sie kompakter, leichter, sparsamer und unter Umständen drehmomentstärker sind als gleich große Vierzylinder.

Man muss sich die maximalen 210 Newtonmeter bei nur 1800 Umdrehungen nicht erst aus dem Datenblatt fischen, sie sind immer spürbar. Mit Vehemenz zieht der kleine Athlet den fast 1200 Kilogramm schweren Forfour CDI aus engen Kehren heraus und dreht willig und ohne nennenswerte Vibrationsbelästigung bis 5000 Touren hinauf. Das gefühlte Temperament unterscheidet sich nicht von der gemessenen Lebhaftigkeit.

In nur 11,6 Sekunden ist der rasante Dreizylinder auf Tempo 100, und auch die Elastizitätswerte (zehn Sekunden von 80 auf 120 km/h im vierten Gang) zeugen von jenem Elan, den der viersitzige Smart mit seiner unkonventionellen, an einen modischen Sneaker erinnernden Optik vorgibt. Es ist ein Diesel, der Freude macht – trotz oder wegen seiner Zylinderzahl.

Die Lebendigkeit hat allerdings zusammen mit den guten Fahreigenschaften des Forfour Einfluss auf die Gangart, die man mit diesem Diesel fast automatisch einschlägt. Man lässt ihn gerne laufen – mit ein Grund für den absolut nicht rekordverdächtigen Testverbrauch von gut sechs Litern. Etwas Zurückhaltung zahlt sich sofort aus; auch mit fünf Litern pro 100 Kilometer zieht man keine Schlange hinter sich her. Auf der Autobahn stellen sich 150 km/h fast wie von selbst ein. Durch die lange Gesamtübersetzung ist das Drehzahl- Niveau niedrig, der Dreizylinder schnurrt, der Geräuschpegel in der Kabine ist auch aufgrund unaufdringlicher Laufund Windgeräusche angenehm. Bei 130 km/h zeigt das Phonmessgerät nur 71 dB(A) an.

Auch auf langen Strecken fühlt man sich im Forfour CDI rundherum wohl, zumal der Federungskomfort mit zum Besten zählt, was es in dieser Klasse einzukaufen gibt. Der Rest ist Forfour, wie man ihn kennt. Sichere Fahreigenschaften mit einem gut regelnden und serienmäßigen ESP überzeugen genauso wie die wirksamen und standfesten Bremsen. Der Einrichtungsstil ist betont cool, aber stellenweise auch etwas ärmlich. Die gute Stube stellt man sich anders vor. So gesehen ist er auch kein richtiger Mercedes, sondern ein hochprozentiger Teileträger des neuen Mitsubishi Colt. Der quirlige Dreizylinder-Dieselmotor ist dagegen so schwäbisch wie die Maultasche. Und er schmeckt. 

Vor- und Nachteile

  • Gute Fahrleistungen, gutes Raumangebot, ausgewogene Federung, sicheres Fahrverhalten, günstiger Verbrauch
  • Leichte Motorvibrationen, eingeschränkte Handlichkeit, nur zwei Jahre Garantie
Technische Daten
Smart forfour pulse cdi
Grundpreis 16.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3752 x 1684 x 1450 mm
KofferraumvolumenVDA 268 bis 910 l
Hubraum / Motor 1493 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 70 kW / 95 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
0-100 km/h 11,6 s
Verbrauch 4,6 l/100 km
Testverbrauch 6,1 l/100 km
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