Sportliche Cabrios

Audi RS4 gegen BMW M3 DKG

Foto: Hans-Dieter Seufert 41 Bilder

Leistungsdaten von Kraftsportlern, dazu die nach oben offene Freiheit eines Cabriolets: Audi RS4 und BMW M3 folgen der gleichen Idee, bringen sie aber unterschiedlich auf die Straße. Welcher ist die größere Offenbarung?

Die schiere Leistung setzt das erste große Ausrufezeichen: 420 PS – da verstecken sich jeweils Hochleistungssportler im V8-Format unter der Motorhaube gutbürgerlicher Mittelklasse-Cabrios. Nur die breiten Backen und aufgeblähte Nüstern in den vorderen Stoßfängern lassen das Potenzial der Kraftprotze ahnen. Für Aufsehen ist vor allem im offenen Zustand gesorgt. Da geben beide den schicken Flaneur – mit komfortablem Raumangebot in der ersten Reihe und Platz für zwei Mitfahrer hinten. Die müssen sich zwar speziell beim Audi in beengten Verhältnissen zurechtfinden, aber für die Fahrt zur nächsten Sommerparty im Grünen reicht es. Geschlossen ist das Sitzen mit wenig Kopfraum im Fond ohnehin keine reine Freude – ob Blechdach beim M3 oder Stoffmütze beim RS4 macht da keinen Unterschied.

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In beiden Fällen genügt fürs Öffnen des Dachs ein Knopfdruck. Binnen 28 Sekunden ist die ganze Mimik automatisch im Kofferraum verstaut. Dass dort dann jeweils nur noch Platz für ein flaches Gepäckstück bleibt, dürfte höchstens Buchhalternaturen wirklich stören. Wichtiger erscheint das akustische Verhalten. Im Wettstreit Stoff gegen Blech hat sich Audi bisher standhaft dem Zeitgeist widersetzt. Und das serienmäßige Akustik-Verdeck hat den Aufwand gelohnt: Auch bei hohem Autobahntempo ist es keineswegs lauter als die BMW-Blechhaut mit ihrer unschönen Querfuge, die allerdings die Gefahr von Schlitzattacken unterbindet. Die Dachfrage bleibt also eher Geschmackssache. Das gilt noch mehr für die Motoren, die zwar leistungsgleich, aber von ganz unterschiedlichem Charakter sind.

Der BMW-V8 ist auf Krawall gebürstet

Lässt man den M3 von der Leine, stürmt er heiser fauchend voran, als wolle er Passanten auf der Straße erschrecken. Die gleiche Vorstellung erledigt der RS4 mit ähnlicher Dynamik, aber verhalten grummelnd in einer Stimmlage, in der schon Generationen von V8-Chören sangen. Der BMW-V8 ist auf Krawall gebürstet. Nicht nur akustisch, auch sein Hochdrehzahlkonzept, mit dem er sich erst bei 8.300/min zur Höchstleistung aufschwingt, offenbart das sportliche Bekenntnis.

Downsizing und Downspeeding sind Fremdwörter aus einer Welt ökonomischer Zwänge, die ihm so fremd scheinen wie dem Lebemann klösterliche Kontemplation. Der Vierliter-V8 mit Doppel-Vanos-Ventilsteuerung giert geradezu nach Drehzahl. Solche Rahmenbedingungen lassen großzügigen Umgang mit dem Sprit erwarten. Mit weniger als 15 Liter auf 100 Kilometer gibt sich der M3 nur zufrieden, wenn man ihn ganz gegen seinen Charakter im Sonntagnachmittag-Spaziertempo bewegt. Da erscheint es geradezu rührend, dass BMW selbst dem Spitzensportler ein klitzekleines Öko-Feigenblatt umhängt und er beim Bremsen wieder ein bisschen Energie zurückgewinnt.

Ebenfalls kein Kostverächter ist jedoch der Audi-V8, der mit FSI-Direkteinspritzung den Spritkonsum eindämmen will. Auch in Ingolstadt spricht man von einem Hochdrehzahlkonzept, bei dem der rote Bereich jenseits von 8.250/min beginnt. Doch hier sind solche Höhen eine Kann-Regelung, keine Forderung. Der gedopte V8 muss nicht hochgejubelt werden, um mit seiner Potenz zu protzen. Praktisch in jedem Drehzahlbereich ist er präsent, sowohl beim Cruisen als auch beim Reisen auf sportlichem Niveau. Schaltfaulheit nimmt er in allen sechs Gängen gelassen hin – ein Stil wie geschaffen fürs offene Fahren.

M3 mit neuer Siebengang-Doppelkupplung

Das eigentlich Spannende beim M3 Cabrio ist das neue Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das zusammen mit der Drivelogic-Steuerung eine Spielwiese von Einflussmöglichkeiten bietet. Obwohl Schaltpaddel am Lenkrad sicherstellen, wer Herr im Schaltgehäuse ist, wird sich auch der M3-Pilot gern von der Automatik bedienen lassen. Ohne jegliches Zucken produziert das Doppelkupplungsgetriebe Schaltübergänge, die oft nur das drehzahlfixierte Ohr wahrnimmt. Solch lineares Beschleunigen kannte man bisher – Pardon – nur von Elektromotoren.

Natürlich ist das M3-Fahrwerk für alle Wechselfälle gerüstet, besonders dann, wenn die optionalen variablen Dämpfer (EDC, 1.900 Euro) geordert werden. Je nach Geschmack lässt sich ihr Charakter in drei Stufen ändern und dem via Lenkradtaste abrufbaren persönlichen M-Drive-Setup beifügen. Trotz seiner eindeutig sportlichen Ausrichtung ist das M3 Cabrio langstreckentauglich, fast schon sanft. Auch offen verwindet sich die Karosserie selbst auf Schlechtwegstrecken kaum. Und in Kurven bleibt der BMW dank einem sehr gut abgestimmten ESP berechenbar wie die Zeiger der Uhr. Drohen der Hinterachse doch irgendwann die Pferde durchzugehen, greift eine Differenzialsperre helfend ein.

Auf anderem Weg bietet das Sportfahrwerk des Audi mit Quattro-Antrieb, dynamischer Kraftverteilung zwischen den Achsen sowie variabler Dämpfung (DRC) in Serie beste fahrdynamische Voraussetzungen. Das hält lähmendes Untersteuern genauso wirkungsvoll im Zaum wie den allzu großen Drang der Hinterräder, den Gesetzen der Fliehkraft zu folgen. Die Endabrechnung zwischen dem drehzahlfordernden BMW und dem gelassenen Audi-Cruiser läuft nahezu auf ein Unentschieden hinaus. Da kommen schließlich jene nüchternen Bewertungkriterien des Tests zu Hilfe, bei denen der M3 in fünf von acht Kapiteln mehr Punkte einsammelt. Bleibt am Ende nur die Frage: Braucht es fürs Open-Air-Erlebnis 420 PS unter der Haube? Antwort: Natürlich nicht, aber Spaß hat es dennoch gemacht.

Live Abstimmnung 5 Mal abgestimmt
Stoffdach oder Blechdach - was muss ein Cabrio haben?
Cabrioflair gibts nur mit Stoffdach.
Blechdach - zwei Autos in einem (Cabrio und Coupé).
Egal, solange das Dach verschwindet.

Fazit

1. BMW M3 Cabrio DKG
479 Punkte

Trotz seines sportlich-nervösen Motors bietet das M3 Cabrio ein insgesamt stimmiges Allround-Konzept mit akzeptablem Raum und Komfort. Doppelkupplungsgetriebe, Drivelogic- Konzept und der günstigere Preis festigen den Gesamtsieg.

2. Audi RS4 Cabrio
461 Punkte

Vor allem mit seinem hohen Preis verspielt das RS4 Cabriolet alle Chancen auf einen Gesamtsieg. Dennoch hinterlässt der agile und elastische V8 einen ebenso überzeugenden Eindruck wie die gute Allradtraktion, das agile Handling und die sehr guten Bremsen.

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Technische Daten
BMW M3 Cabrio Audi RS 4 Cabriolet
Grundpreis 79.800 € 85.050 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4615 x 1804 x 1392 mm 4555 x 1814 x 1391 mm
KofferraumvolumenVDA 350 l 315 l
Hubraum / Motor 3999 cm³ / 8-Zylinder 4163 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 309 kW / 420 PS bei 8300 U/min 309 kW / 420 PS bei 7800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 5,5 s 5,4 s
Verbrauch 11,5 l/100 km 13,9 l/100 km
Testverbrauch 15,6 l/100 km 15,1 l/100 km
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