Subaru BRZ 2.0 Sport im Test

66 Tage und 10.000 Kilometer purer Fahrspaß

Subaru BRZ, Straßburg, Frankreich Foto: Rossen Gargolov 21 Bilder

Der kürzeste Dauertest in der Geschichte von sport auto hinterließ lange Spuren im Gedächtnis der Redakteure: Der Subaru BRZ liefert nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch im ultimativen Alltags-Check. Für 66 Tage und 10.000 Kilometer war er unser Begleiter.

Jetzt steht das Gegengift in der Garage. Hoch dosiert gegen alles: gegen Frontantrieb, gegen Turbo-Einheitsbrei, gegen wachsweiche Kompromisse, gegen automobile Fettleibigkeit, gegen den Kontaktverlust zur Straße – überhaupt gegen die manchmal toxische Langeweile der Moderne. Und vor allem: gegen das Früher- war-alles-besser-Gewäsch. Denn es geht auch heute noch besser – man muss nur wollen.

66 Tage währender Kurz-Dauertest mit dem Subaru BRZ

Vorhang auf: Der Subaru BRZ steht zum Kurz-Dauertest – zugegeben ein kleiner Widerspruch in sich – in der Tiefgarage von sport auto. 66 Tage erinnerte er uns streng, aber bestimmt daran, was wir über die Jahre vergessen hatten: Leichtigkeit beschwingt, Heckantrieb sticht und Leistung ist nicht alles.

Wer am Wochenende einen BMW M6 fuhr und im Kopf ganz kirre wurde über so viel solide Brachialität und dann am Montag in den Subaru BRZ einstieg, der hatte zwar statusmäßig verloren, aber trotzdem viel gelernt. Im Fahrtenbuch des BRZ steht geschrieben: „Selten hat mir ein Auto schon auf den ersten Metern so viel Freude bereitet – trotz des schwachbrüstigen Motors.“ Genau. Zum Beispiel wenn man sich morgens im Regen aus der Tiefgarage zügig in den Verkehr einfädelte, leicht driftend, leicht grinsend – der Tag war für Petrolheads sofort gerettet.

Bezahlbar? Sportlich? Leicht? Coupé, mit Heckantrieb? Und mechanischem Differenzial? Nun gut, da gibt es nicht viel. Man muss den Mut von Subaru (und Toyota) bewundern, so radikal gegen den Strom zu schwimmen, ein sportliches Einstiegsmodell für 30.000 Euro auf Kiel zu legen, das die Herzen der Sportfahrer jauchzen lässt: ein 2+2-sitziges No-Bullshit-Coupé, hochdrehender Saugmotor in flachbauender Boxeranordnung, eine gute Gewichtsverteilung (55,5 : 44,5 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse), ein 1.251 Kilo leichtes, spartanisches Fliegengewicht mit Heckantrieb und Torsen-Differenzial. Sehr mutig, dieser Subaru BRZ.

Mickrige 200 PS und trotzdem 66 Tage Dauergrinsen

66 Tage Spaß, 66 Tage Dauererdung, 66 Tage Grinsen. Obwohl nur mickrige 200 PS unter der Haube des Subaru BRZ hecheln, mit Drehmomentwerten, die am Krückstock zu laufen scheinen: 205 Newtonmeterchen bei 6.400/min – gegen 350 Nm bei 1.600/min in einem Audi TT 2.0. Das produziert Durchzugswerte aus den 80er-Jahren, und ja, die Top-End-Power ist auch nicht umwerfend, dafür ist die Kraftentfaltung linear.

Der Motor spricht dafür sehr gut an, dank variabler Einspritzung, einer Kombination aus Saugrohrund Direkteinspritzung. Die logische Linearität hat aber auch emotionale Folgen, denn sie produziert ein progressives, beherrschbares Übersteuern, sozusagen als Teil der Serienausstattung. Da reißen keine Urgewalten die Reifen unterm Subaru BRZ weg, Leistung und Traktion stehen in einem harmonischen und gesunden Verhältnis.

Nein, der Subaru BRZ fährt nicht auf Schienen, eher wie auf Skiern: Wer auf der Rennstrecke die letzten Zehntel herauspressen will, nutzt die zentimetergenaue Carving-Fähigkeit des Subaru, wer lässig driften will, nutzt den progressiven Übergang in die rutschende Fortbewegung. Alles an diesem Auto ist dafür gebaut: die zielgenaue und direkte Lenkung, die perfekt arbeitende Sperre, das neutrale Eigenlenkverhalten des Subaru BRZ dank der tadellosen Balance mit niedrigem Schwerpunkt – die Schwerpunkthöhe beträgt gerade mal 46 Zentimeter – und ein gut sortiertes Fahrwerk, das sich zwar hart, aber doch fair gibt.

Subaru BRZ mit dem Biss eines Krokodils, der Wendigkeit einer Schlange

Von der tiefen Sitzposition im Subaru BRZ aus schaut man von unten auf die automobilen Gegner herab: Fast alle haben mehr Leistung, ja sicher, aber nur der Subaru hat in diesem Segment mit Heckantrieb den Biss eines Krokodils, die Wendigkeit einer Schlange und die Souveränität eines Löwen.

Zu viel des Lobes? Von wegen! Gut, der Antriebsstrang neigt bei Langsamfahrt zu einer marginalen Ruckeligkeit, und die Schaltpräzision wirkt bei gemäßigter Gangart so knorpelig wie chinesisches Schweinefleisch. Doch bei artgerechter Fortbewegung sind diese Einschränkungen sofort wie weggeblasen.

Bleibt der Motor des Subaru BRZ, dem man furchtlos das Prädikat Luftpumpe verleihen könnte, doch auch das stimmt nur zum Teil. Fleißige Schaltarbeit und das volle Ausloten der Drehzahlreserven bis 7.500/min belohnt das agile Coupé beispielsweise in Hockenheim mit Rundenzeiten auf dem Niveau der viel durchzugsstärkeren Turbo-Konkurrenz – sei es nun Audi TT oder Peugeot RCZ.

Am Ende wäre doch etwas mehr Motor-Power wünschenswert

Ja, etwas mehr Biss obenherum wäre durchaus wünschenswert, aber die aktuellen Abgasnormen machen das furiose Sauger-Stakkato, das einst der vierzylindrige Civic-Type-R-Motor entfachen konnte, heute unmöglich. Es ist nicht so, dass der Subaru BRZ-Fahrer in lauen Nächten von Turbo-Power träumen würde, eher schon vom alten Honda-S2000-Motor mit 240 PS – eben von der kleinen Extra-Schippe obendrauf.

Der Innenraum des Subaru ist eine kleine Zeitreise, und das ist nicht abwertend gemeint. Da ist alles solide verarbeitet, aber eben etwas karg und puristisch: Das schwarze Hartplastik-Armaturenbrett sieht so aus, wie diese Dinger eben vor 20 Jahren schon aussahen. So what?

Die wirklich wichtigen Dinge hat Subaru gut auf die Reihe gebracht: In den Sportsitzen fühlt sich auch ein langer Lulatsch sofort wohl, der Seitenhalt ist ausreichend, die Kopffreiheit ebenso wie der Langstreckenkomfort. Das ergonomische Dreieck aus Lenkrad, Pedalerie und Sitz passt.

Den Sportfahrer übermannen beim Anblick des einsam-großen, zentral angeordneten Drehzahlmessers im Subaru BRZ mit seinen roten Schaltlämpchen ganz nostalgische Gefühle, und ein demütig-schlichtes Lenkrad ohne Tasten für weiß der Kuckuck was ist heute schon eine Extra-Erwähnung wert. Beim Aufspüren möglicher Verbesserungsvorschläge muss man sich schon tüchtig anstrengen: Der Handbremshebel kollidiert bei groß gewachsenen Menschen gerne mal mit der Kniekehle, und das Sportlenkrad könnte einen noch größeren Verstellbereich haben. Fertig, abgehakt.

Subaru BRZ als effizientes Gegengift gegen den Turbo-Wahn

Bei der Effizienz schlägt der Sauger jeden Turbo um Länge mal Breite: Der Durchschnittsverbrauch von 8,7 Litern ist ein bescheidener Obolus für sehr viel Fahrspaß und sorgt für eine gute Reichweite – trotz kleinem Tank.

Der Subaru BRZ ist ein sympathischer Gegenentwurf aus Japan – gegen den Turbo-Wahn aus Europa, gegen die Frontantriebs-Muschpoke und die grassierende Allrad-Seuche, natürlich auch gegen die automobile Fettsucht.

Der BRZ gehört als Gegengift immer in die Garage.

Subaru BRZ in der Dauertest-Gesamtbilanz

  • Dauertestbeginn 684 km
  • Dauertestende 10.863 km
  • Gefahrene Kilometer 10.179
  • Spritverbrauch insgesamt 885 Liter
  • Verbrauch minimal 7,2 Liter/100 km
  • Verbrauch maximal 11,3 Liter/100 km
  • Durchschnittsverbrauch 8,7 Liter/100 km
  • Ölverbrauch 0,0 Liter
  • Grundpreis 31.500 Euro
  • Extras 1665 Euro: Navigationssystem 1.115 Euro,
  • Metallic-Lackierung 550 Euro
  • Testwagenpreis 33.165 Euro
Technische Daten
Subaru BRZ Sport
Grundpreis 31.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4240 x 1775 x 1320 mm
KofferraumvolumenVDA 243 bis 330 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 7000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 226 km/h
0-100 km/h 7,9 s
Verbrauch 7,8 l/100 km
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