Subaru Impreza 1.5R im Test

Stop and no

7 Bilder

Der Subaru Impreza 1.5R wartet mit einem neuen, 1,5 Liter großen Boxermotor auf, der 105 PS leistet, mit permanentem Allradantrieb und großer Heckklappe – sowie eklatanten Schwächen bei der Bremsleistung.

Spätestens nach der sechsten Folgebremsung weiten sich die Augen des auto motor und sport-Testfahrers. Dort, wo die voll beladenen Probanden aus Tempo 100 normalerweise nach rund 40 Metern zum Stehen kommen, rauscht der Subaru Impreza bei voll getretenem Pedal ungerührt weiter. Von anfänglich 39 Metern verlängert sich der Bremsweg von Stopp zu Stopp auf 68 Meter. Und erreicht damit ein Niveau, das an die Anfangszeit der auto motor und sport-Bremsmessungen erinnert, als man mit Farbschussapparat und Maßband hantierte.

Das GPS-Zeitalter scheint an dem mit Scheiben vorn und Trommeln hinten sowie einem tauben Pedalgefühl ausgerüsteten Impreza jedenfalls vorbeigegangen zu sein. 68 Meter Anhalteweg aus Tempo 100 mit warmer Bremse sind unzumutbar, können im Ernstfall zur tödlichen Gefahr werden.

Umso beschämender angesichts der Tatsache, dass moderne Kleinwagen wie ein Fiat Panda 100 HP unter vergleichbaren Bedingungen bereits nach 36 Metern stoppen. Überhaupt versprüht der Impreza den Charme eines Neunziger-Jahre-Urgesteins. Dabei wirkt das von Ex-Alfa- Designer Zapatinas verordnete Gesicht mit dreiteiligem Wabenkühlergrill, vorgeschobener Spoilerunterlippe und spitz zulaufenden Klarglasscheinwerfern sowie den großzügig chrombestückten Exemplaren am Heck, als ob sich Bonnie Tyler mit Christina-Aguilera- Maske auf einer Ü-30-Party herumtriebe. Und noch dazu an einer Erkältung laboriere. Nicht nur wegen des krächzenden Anlassers, sondern auch der asthmatischen Kraftentfaltung.

Auf den ersten verhaltenen Metern im Stadtverkehr scheint sich der neue 1,5- Liter-Boxermotor aus unteren Drehzahlen noch in die Riemen werfen zu wollen. Sobald aber das Tempo auf Landstraße oder Autobahn ein wenig anzieht, klafft die Schere zwischen mechanischen Geräuschen und Vortrieb auseinander. In das Verbrennungsgeräusch mischt sich dann neben einem Heulen auch noch ein hochfrequentes Pfeifen aus dem Antriebsstrang, das Hundehalter oft beim Gassigehen benutzen. Halt, Subaru, Pfeifen – da war doch was. Richtig, die Trophäensammler aus der Abteilung STI. Blau lackiert, hufscharrend und mit dem Abblasventil jubilierend, sprich mächtig turbogeladen.

Nicht so der 1.5R. Am unteren Ende der Fahnenstange wird frei angesaugt. Mit dürftigem Erfolg. An Steigungen geht dem Impreza trotz seiner 105 PS die Puste aus, der Griff zum knochig rastenden Ganghebel mit dem haptischen Charme eines abgegriffenen Radiergummis wird zur Pflicht. Der Griff verkündet ebenso wie der Rest des pragmatisch geschnittenen und möblierten Innenraums mit serienmäßiger Klima- und Stereoanlage: Der Impreza bleibt – trotz seiner silbrig glänzenden Mittelkonsole – premiumfrei.

So entsprechen die klar ablesbaren Instrumente ebenso bekannter Nippon- Tradition wie die grün schimmernde Digitaluhr mit Zwölf-Stunden-Modus. Und auch das übrige Interieur kommt einem irgendwie bekannt vor. Fans preisen sogar diese unverkrampfte Robustheit, die eine einfache Bedienung bis hin zu den umklappbaren Rücksitzlehnen ebenso umfasst wie ein vollwertiges Ersatzrad. Hinzu kommen ein erträglicher Federungskomfort und die ausreichend präzise Servolenkung, die lediglich um die Mittellage etwas unentschlossen wirkt.

Entschlossener gibt sich das Handling: Der Impreza zählt zu den eindeutigen Untersteuerern, verkneift sich außerdem hinterlistige Heckschwenks bei Lastwechseln. Und das ist auch gut so, denn ein elektronisches Stabilitätsprogramm ist für ihn nicht zu haben. Im Gegensatz zum Allradantrieb, den es sogar serienmäßig gibt. Obwohl der ohne ausgefuchstvariable Kraftverteilung arbeitet, sorgt er für kontrollierten Vortrieb auch unter schwierigen Bedingungen. Und beim kombiartig geschnittenen Viertürer mit großer Heckklappe packt Subaru sogar noch eine per Hebel schaltbare Untersetzung dazu. Ob es damit allerdings für den Impreza 1.5R auch verkaufsmäßig bergauf geht, muss sich erst noch weisen.

Fazit

Der Impreza bietet einen angemessenen Preis, eine ordentliche Ausstattung und eine sehr gute Traktion. Minuspunkte sind aber die sehr schwache Bremse, der träge, durchzugsschwache Motor und die einfache Materialanmutung.

Technische Daten
Subaru Impreza 1.5R Comfort Navigation
Grundpreis 18.460 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4465 x 1695 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 356 bis 1266 l
Hubraum / Motor 1498 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 77 kW / 105 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
Verbrauch 7,9 l/100 km
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