Subaru Impreza 2.0 WRX im Test

Schnee-Flug

Beflügelt vom dreimaligen Titel-Gewinn in der WRC-Rallye-Weltmeisterschaft, geht die neue Generation des kompakten Turbo-Allradlers Subaru Impreza mit dem Kürzel WRX und einem Zweiliter-Boxermotor mit 218 PS an den Start.

Kein ausladendes Flügelwerk auf dem Heckdeckel verrät den einem Subaru Impreza WRX folgenden Autofahrern, dass es sich bei der unschein­baren Kompakt-Limousine um den zivilen Ableger eines Rallye-Autos handelt. Auch das Kürzel WRX bringen nur we­nige mit der World Rally Championship – kurz WRC –, der Königsklasse des Rallye-Sports, in Zusammenhang.

Böse Zungen sagen der Stufenheck-Variante des Impreza von hinten betrachtet sogar eine wenig schmeichelhafte Ähnlichkeit mit einem Daihatsu Applause nach. Erst wer dem WRX ins Gesicht schaut, erkennt, dass hinter der martialischen Front mit den zahlreichen vergitterten Luft­einlässen und den vier großen Rundscheinwerfern mehr stecken muss als einfach nur eine weitere kompakte Japan-Limousine.

Unter der Leichtmetall-­Motorhaube erzeugt dann auch ein per Turbolader zwangsbe­atmetes Zweiliter-Vierzylinder-Triebwerk – subarutypisch ein Boxer – bei Bedarf 218 PS.
Damit leistet er nominell genauso viel wie der Vorgänger. Das maximale Drehmoment stieg aber um zwei auf nunmehr 292 Nm an und wird schon
bei 3600/min erreicht, 400/min früher als beim alten Impreza Turbo. Ein neu abgestimmter Turbolader, dem ein dritter Katalysator vorgeschaltet ist, und ein um elf Prozent vergrößer-ter Ladeluftkühler sorgen für gleichmäßige Leistungsentfaltung und spontanes Ansprechen ohne spürbares Turboloch.

Diese bullige Charakteristik gestaltet den Umgang mit dem in allen Lebenslagen kultiviert und vibrationsarm laufenden Impreza WRX im Alltag angenehm stressfrei, weil auch das Dahinbummeln mit niedriger Drehzahl problemlos möglich ist. Da kommt der gewaltige, praktisch verzögerungsfrei einsetzende Schub beim schnellen Durch­treten des Gaspedals beinahe überraschend. Der Allradantrieb sorgt aber dafür, dass die Kraft nicht in Form von streng riechenden weißen Wölk­­­chen verpufft, sondern ­sicher in Vortrieb umgesetzt wird.

Sportlich orientierte Fahrer, die Leistung gerne über hohe Drehzahlen mobilisieren, werden allerdings ein wenig enttäuscht sein. Auch wenn der ­rote Bereich erst bei 7000/min beginnt und so Drehfreude ­suggeriert, empfiehlt es sich, bereits 1000 Touren früher hoch­­zuschalten, da die Leis­tungskurve schon kurz nach ­Errei­chen der Nenndrehzahl (5600/min) wieder stark abfällt.

Dank der – bis auf den lang übersetzten fünften Gang – gelungenen Abstufung des exakt schaltbaren Getriebes passen die Anschlüsse aber auch bei frühem Hochschalten. Die über­durchschnittlichen Beschleunigungswerte sprechen für sich.

Beruhigend zu wissen, dass die Bremsen mit den gebotenen Fahrleistungen mithalten können. Selbst bei der zehnten Voll­bremsung aus 100 km/h zeigen die vorn wie hinten innenbelüfteten Stopper kaum Konditionsschwächen und verzögern den Impreza innerhalb von 40,6 Metern bis zum Stillstand.

Subaru verzichtet auf eine zu starke Brems­kraft­unterstüt­zung, wodurch der Zusammenhang zwischen Fußkraft und Verzögerung nahezu linear verläuft. In Verbindung mit den steifen Festsattelbremsen führt das zu einem sehr exakten ­Pedalgefühl.

Gute Rückmeldung bietet auch die sehr direkte, aber keineswegs nervöse Lenkung. Auch Antriebseinflüsse sind ihr weitgehend fremd. Nur das serienmäßige Momo-Lederlenkrad erscheint etwas zu groß im Durchmesser für ein so sport­liches Auto.

Das ändert aber nichts an dem überaus agilen, spontanen Fahrverhalten. Ohne großen Lenkaufwand wieselt der WRX, unterstützt durch ein bei Lastwechseln mitlenkendes Heck, im Slalom durch die Pylonen. Kurvige Landstraßen sind sein Element.

Werden aber speziell enge Radien zu schnell angegangen, schiebt der Impreza über die Vorderräder. Nimmt man nun abrupt das Gas weg oder bremst sogar, drängt das Hinterteil für ungeübte Fahrer überraschend stark nach außen. Durch Gegenlenken und Gasgeben kann man ihn aber leicht wieder auf Kurs bringen. Auch Spurrillen lassen den Impreza leicht aus dem Ruder laufen, vor allem bei hohem Tempo.

Die Federung ist einem Auto dieses Charakters entsprechend straff abgestimmt. Trotzdem erscheinen Langsamfahr- und Abrollkomfort akzeptabel. Aber bei schneller Fahrt werden kurze Stöße beinahe ungefiltert weitergegeben, was auf Dauer unangenehm ist. Lange Bodenwellen verdaut der Impreza hingegen klaglos.

Obwohl der WRX-Motor in der Leistungsentfaltung eher ­einem großvolumigen Sauger äh­nelt, ist er im Verbrauch ein echter Turbo. Wer ihn beispielsweise auf langen, freien Auto­bahn­etappen ständig am Limit bewegt, darf sich an der Tankstelle nicht über D-Zug-Zuschlag wundern: 17 Liter je 100 Kilometer kommen dann unter dem Strich zusammen.

In kluger Voraussicht hat Subaru dem WRX deshalb einen 60 Liter fassenden Tank mitgegeben – an Stelle des
50-Liter-Reservoirs bei den schwächeren Varianten. Trotzdem ist der Aktionsradius bei Volllast stark eingeschränkt.

Andererseits erlaubt die füllige Drehmomentkurve beinahe ebenso zügige Fortbewegung mit Werten um zwölf Liter pro 100 Kilometer, was auch dem Testverbrauch entspricht. Wer zudem den Verlockungen wiederstehen kann, das Beschleunigungspotenzial des kraftvollen Turbo-Boxers allzu häufig auszunutzen, der kann sogar unter zehn Liter kommen.

Aber so bringt man sich dann selbst auch um das diebische Vergnügen, die nachfolgenden Autofahrer durch einfaches Gasgeben über die Bedeutung der drei Buchstaben am unbeflügelten Heck des Subaru Impreza – W, R und X – aufzuklären. Hermann-Josef Stappen

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Platzangebot im Innenraum ordentliche Verarbeitung geräumiger Kofferraum umfangreiche Serienausstattung funktionelles Cockpit
Fahrkomfort
  • bequeme Sportsitze akzeptabler Abrollkomfort geringer Innengeräuschpegel
  • eingeschränkter Federungskomfort auf kurzen Wellen
Antrieb
  • sehr gute Fahrleistungen kultivierter Motor gutes Durchzugsvermögen exakte Schaltung
  • nicht besonders drehfreudig lang übersetzter fünfter Gang
Fahreigenschaften
  • sehr agiles Handling hohe Querbeschleunigung präzise Lenkung mit guter Rückmeldung sehr gute Traktion
  • reagiert empflindlich auf Längsrillen zum Teil heftige Lastwechselreaktionen
Sicherheit
  • gute Bremswirkung Front- und Seitenairbags Isofix-Kindersitzbefestigung
  • kein ESP lieferbar
Umwelt
  • nur schadstoffarm nach Euro 3 hoher Verbrauch
Kosten
  • angemessener Kaufpreis drei Jahre Garantie
  • voraussichtlicher hoher Wertverlust teuer im Unterhalt

Fazit

Der Impreza WRX ist ein sehr fahraktives Auto mit Komfortschwächen. Seinem kultivierten, durchzugsstarken Turbomotor mangelt es an Drehfreude. Bei häufigem Ausnutzen der Leistungsreserven steigt zudem der Verbrauch rapide an.

Technische Daten
Subaru Impreza 2.0 WRX Comfort Navigation
Grundpreis 28.390 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4405 x 1730 x 1440 mm
KofferraumvolumenVDA 401 l
Hubraum / Motor 1994 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 160 kW / 218 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
0-100 km/h 6,2 s
Verbrauch 10,2 l/100 km
Testverbrauch 12,2 l/100 km
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