Subaru Impreza 2.0R

Boxer Sports

Foto: Achim Hartmann 20 Bilder

Seit zwei Generationen ist der Impreza die Basis für die Subaru Rallye-Autos. Der runderneuerte Nachfolger soll jetzt beweisen, dass die allradgetriebene Zivil-Version 2.0R Sport ein Siegertyp ist.

Subaru und Rallyesport – das gehört zusammen wie Schweden und Elchwurst oder Japan und Reiswein. Piloten wie Petter Solberg und Co. haben dafür gesorgt, dass besonders die turbogeladenen Impreza- Versionen von ihren Fans einiges an Verehrung erfahren.

Jetzt steht die Ablösung der Schotterrakete vor der Tür. Die wichtigste Nachricht für die eisernen Subaru-Liebhaber: Es bleibt bei Boxermotor und Allradantrieb. Ansonsten aber kommt der Neue völlig anders und moderner daher.

Dieser Wandel war dringend nötig, denn der Vorgänger zeigte im letzten Test Anfang 2007, wie sehr die Zeit über die zivile Version hinweggegangen war. Die Bremse erschreckte mit heftigem Fading, und ESP gab es für die 1,5-Liter- Basisvariante nicht einmal gegen Aufpreis.

Die Bremsen überzeugen jetzt, doch unverständlicherweise hat sich in der ESP-Frage beim Generationswechsel nichts geändert. Das elektronische Stabilitätsprogramm ist erst ab der Zweiliter- Version an Bord, also auch im getesteten Impreza 2.0R Sport mit Saugmotor und 150 PS.

Bis die zwangsbeatmete STi-Version im Februar 2008 auf den Markt kommt, ist diese Variante das Topmodell der Reihe. Sport steht bei ihm für einen Front-Spoiler, spezielle Schweller, Sportsitze, 17-Zoll-Alufelgen und eine verchromte Auspuffblende.

Außerdem sind Klimaautomatik, Soundsystem, Tempomat, Multifunktions-Lenkrad, Bordcomputer und Xenonlicht serienmäßig. Für 25 490 Euro ein faires Angebot, denn ein vergleichbar ausgestatteter VW Golf 2.0 FSI 4motion kostet immerhin gut 3000 Euro mehr.

Stets mit dabei ist der permanente Allradantrieb, der je 50 Prozent des Antriebsmoments an die Vorder- und Hinterräder verteilt. Bei Schlupf an einer Achse sorgt eine Viscokupplung dafür, dass die Kraft nicht wirkungslos verpufft. Sogar ein Reduktionsgetriebe gehört dazu, das Subaru fürs Anfahren am Berg mit Hänger oder auf Sand empfiehlt.

Aber es gibt noch eine dritte Einsatzmöglichkeit. Wählt man die kürzer übersetzten Gänge auf einer serpentinenreichen Bergstrecke, bereitet der Impreza mit seiner präzisen, aber rückmeldungsarmen Lenkung ungleich mehr Freude, als wenn man die normalen fünf Stufen nutzt. Im zweiten Gang zügig aus einer Kurve herauszubeschleunigen ist nämlich nicht die Sache des Zweiliter-Motors.

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Schlapp und mit Verzögerung gewinnt er an Drehzahl, wirkt wie künstlich gedrosselt. Dieser Vierzylinder überzeugt weder durch Drehwilligkeit noch mit Durchzugskraft. Zu allem Überfluss ist der Boxer nicht einmal besonders laufruhig und zu durstig. Knapp zehn Liter sind für einen Kompaktwagen ebenso zu viel wie der Wendekreis von über elf Metern, ein Ärgernis in der Stadt.


Mit mehr als 4,40 Meter Länge gehört der Impreza freilich zu den sehr stattlichen Kompakten, ohne einen entsprechend großzügigen Innenraum zu bieten. Personen bis etwa 1,90 Meter Körpergröße sitzen vorn zwar manierlich, vor allem weil Kopf- und Schulterfreiheit üppig vorhanden sind, aber für noch längere Zeitgenossen reicht die Längsverstellung nicht. Hinten wird der Beinraum schon knapp, wenn vorn jemand mit 1,80 Meter Länge Platz nimmt.

Immerhin ist die Fondbank erfreulich bequem geformt, während die vorderen Sportsitze zwar viel Seitenhalt, aber keinerlei Lordosen-Unterstützung geben. Knapp bemessen ist auch das Kofferraumvolumen, weil das Gepäckabteil aufgrund der sperrigen Hinterachse ungewöhnlich flach ausfällt und ohne doppelten Boden auskommen muss.

301 Liter im Normalzustand und 1216 Liter bei umgeklappter Rückbank liegen deutlich unter dem Klassendurch schnitt, nur die Zuladung fällt mit 484 Kilogramm recht großzügig aus. Wie fährt er nun, der neue Impreza? Er lässt sich weitgehend neutral durch enge Kurven zirkeln, beginnt bei forciertem Tempo sanft zu untersteuern, bevor das ESP eingreift. Ungewöhnlich ist dabei die starke Aufbauneigung, die nicht zum sportlichen Anspruch passt.

Überhaupt kommt die Karosserie bei Wechselkurven auf welligem Untergrund gehörig ins Wanken und Stampfen, so dass man sich eher in einem SUV als in einem Kompaktwagen wähnt. Bei den Fahrdynamiktests kann der Impreza keine Glanzlichter setzen, benimmt sich aber harmlos.

Tückische Lastwechsel-Reaktionen sind ihm fremd. Straßen, die nicht so glatt sind wie ein frisch gebügelter Rennanzug, regen das Fahrwerk zum Stuckern an. Lange Wellen werden dagegen angenehm weich absorbiert, und auch der Abrollkomfort verdient Lob. Zudem produziert der Impreza nur wenig Windgeräusche, wozu die erstmals verbauten Türfensterrahmen sicher ihren Teil beitragen.

Allerdings ist der Boxer akustisch stets präsent. Er entwickelt ein Laufgeräusch, das irgendwo zwischen wassergekühltem Porsche 911 und luftgekühltem VW Käfer liegt. Und die Bremse, die Achillesferse des Vorgängers? Sie ist jetzt endlich auf der Höhe der Zeit und verzögert stets kräftig, selbst wenn der voll beladene Impreza zehn Mal hintereinander aus 100 km/h zum Stillstand kommen muss. Da wird der Fortschritt erlebbar, sichtbar wird er im Innenraum.


Die verwendeten Kunststoffe wirken zwar nicht überall hochwertig, weil viel Hartplastik zum Einsatz kommt, aber die Verarbeitung bietet kaum einen Grund zur Kritik. Die ist an der Rundumsicht allerdings angebracht, weil massive A-Säulen den Blick in Kurven verstellen.

Ansonsten gestaltet sich der Umgang mit dem neuen Impreza weitgehend problemlos. Die Bedienung fällt leicht, sieht man einmal davon ab, dass sich das Navigationsgerät selbst vom Beifahrer nicht mehr einstellen lässt, sobald der Wagen rollt. Als störend erweist sich außerdem der schwache Radio- Empfang.

Zum Ausgleich bietet das Infotainment-System vielfältige Unterhaltungsmöglichkeiten und sogar eine Prozent-Anzeige für die aktuelle Beschleunigung. Sie kann aber kaum darüber hinwegtäuschen, dass der Impreza in dieser Variante die Sportlichkeit ausschließlich im Namen trägt.

Fazit

Mit seinem Allradantrieb ist auch der neue Subaru Impreza bei widrigen Straßenverhältnissen im Vorteil. Motor und Platzangebot enttäuschen allerdings ebenso wie das unterdämpfte Fahrwerk.

Technische Daten
Subaru Impreza 2.0R Sport
Grundpreis 26.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4415 x 1740 x 1475 mm
KofferraumvolumenVDA 301 bis 1216 l
Hubraum / Motor 1994 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 193 km/h
0-100 km/h 9,9 s
Verbrauch 9,6 l/100 km
Testverbrauch 9,8 l/100 km
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