Subaru Justy 1.3 GX 4WD im Test

Alter Bekannter mit Allradantrieb

Hinter dem neuen Subaru Justy 1.3 GX 4WD verbirgt sich ein Suzuki Swift, der um den markentypischen Allradantrieb bereichert wurde.

Der Justy ist tot, es lebe der Justy. Dennoch wird sich mancher wundern, daß ihm der neue irgendwie bekannt vorkommt. Tatsächlich entschloß sich Subaru, für den Nachfolger seines zehn Jahre lang gebauten Kleinwagens Form und Technik vom Suzuki Swift zu übernehmen. Bis auf eine Ausnahme: Der Swift hat Vorderradantrieb, der Justy vier angetriebene Räder. Gebaut werden beide im ungarischen Suzuki- Werk, was sich am Typenschild im Motorraum erkennen läßt.

Die Zusammenarbeit bringt Suzuki eine gute Auslastung der Montagebänder und dem Justy erstmals in seiner Geschichte einen permanenten Vierradantrieb mit Visco- Kupplung und einen Vierzylindermotor von Suzuki. Das Vorgängermodell war nur mit Dreizylindermotoren und elektrisch zuschaltbarem Allradantrieb zu bekommen. Wie beim Vormodell verspannt sich jedoch auch beim aktuellen Justy der Antriebsstrang. Diese Unart macht sich beim neuen Modell vor allem beim Rangieren und beim Fahren mit niedriger Geschwindigkeit bemerkbar. Man hat dann das Gefühl, die Handbremse sei angezogen.

Nach Ansicht des Subaru-Kundendienstleiters Bernhard Schäfer handelt es sich bei diesem Phänomen „um den Viskositätswiderstand des SilikonÖls in der Visco-Kupplung“. Die Getriebeabstufung ist ausreichend gut, das freut den Fahrer, der den wenig exakt geführten Schalthebel nach zügigem Hochschalten weitgehend vergessen kann. Das maximale Drehmoment des 68 PS starken Zweiventilers von 99 Nm reicht nicht aus, um dem 865 Kilogramm schweren Justy überdurchschnittliche Fahrleistungen zu bescheren.

Das in früheren Justy-Tests bemängelte Motorengeräusch hält sich dank des im unteren Drehzahlbereich recht kultiviert laufenden 1,3 Liter-Vierzylinders zumindest in der Stadt und auf der Landstraße in Grenzen. Bei höheren Drehzahlen und Geschwindigkeiten ab etwa 100 km/h klingt der Motor aber reichlich kernig.

Im Testbetrieb flossen im Schnitt 8,5 Liter Benzin pro 100 Kilometer in die Brennräume, im Drittelmix verringert sich der Wert auf 7,8 Liter. Als unkomfortabel erweisen sich Federung und Dämpfung des Justy, der unter Zuladung auf Bodenwellen durchschlägt und dabei Innenverkleidungen und Armaturenbrett Knarz- und Quietschgeräusche entlockt. Auf Autobahnquerfugen reagiert er mit lästigem Stuckern. Besser ist das Verhalten in schnell gefahrenen Kurven, die nur wenig untersteuernd, ohne nennenswerte Aufbauneigung und dank Allradantrieb mit ausreichend Traktion durchfahren werden.

Leicht in Vergessenheit geraten die Schalter für die serienmäßigen Nebelscheinwerfer, die beheizbare Heckscheibe und den Heckwischer. Sie liegen alle im verborgenen, hinter den Speichen des servounterstützten Lenkrades. Einen Beifahrer- Airbag oder ein ABS gibt es für den Justy auch gegen Aufpreis nicht. Problematisch auch das starke Fading der Bremse, wenn der Justy mit Beladung mehrmals hintereinander aus hoher Geschwindigkeit abgebremst wird. Dabei verschlechtern sich die bei kalter Bremse ausreichenden Verzögerungswerte erheblich. Das Raumangebot vorn reicht für durchschnittlich große Menschen zwar aus, hinten geht es aber eng zu, und auch Gepäckraum hat der Justy nicht viel zu bieten.

Bei stehender Sitzbank faßt das Kofferabteil lediglich 113 Liter. Immerhin kann die im Verhältnis 50:50 geteilte Sitzbank umgelegt werden, um das Volumen auf 359 Liter, gemessen bis zur Fensterunterkante, zu vergrößern. Ansonsten sammeln die Sitze nur wenige Pluspunkte. Fahrer und Beifahrer fühlen sich unwohl, schuld sind die zu kurzen Sitzflächen der Vordersitze. Immerhin lassen sich die Kopfstützen vorn auch auf große Leute einstellen. Die in die Lehne der hinteren Sitzbank integrierten Kopfstützen dagegen reichen allenfalls für Kinder, die die Pubertät noch vor sich haben. Für die richtige Gurtgeometrie auf den Vordersitzen sorgen höhenverstellbare Sicherheitsgurte. Besonders interessant ist der Justy nur durch seinen Preis von 19 990 Mark, in dem neben den erwähnten Ausstattungsdetails wie der Servolenkung und des Fahrer-Airbags auch elektrisch einstellbare Außenspiegel, Drehzahlmesser und Digitaluhr enthalten sind.

Wer mag, kann den einzigen Posten der Zubehör-Preisliste ordern und dem kleinen Subaru eine Metallic-Lackierung für 380 Mark gönnen. Die viertürige Version kostet 1000 Mark mehr als der Zweitürer. So bleibt der Justy ein eher unterdurchschnittlicher Kleinwagen, den allein der Allradantrieb aus der Masse der Konkurrenten hervorhebt.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Zweitürige Steilhecklimousine mit guter Übersichtlichkeit
  • vorn ausreichendes Platzangebot
  • variabler Kofferraum
  • kleiner Gepäckraum
  • hinten unbefriedigendes Platzangebot
  • mäßige Verarbeitung
Fahrkomfort
  • kleiner Wendekreis
  • geringe Bedienungskräfte
  • niedriges Geräuschniveau bis 4500 U/min
  • unbefriedigender Federungskomfort
  • Fahrwerk unterdämpft
  • kurze Sitzflächen
Antrieb
  • bei unteren und mittleren Drehzahlen kultivierter Vierzylindermotor
  • permanenter Allradantrieb
  • nur durchschnittliche Fahrleistungen
  • hakelige, wenig exakte Schaltung
Fahreigenschaften
  • gutmütiges Fahrverhalten mit Tendenz zum Untersteuern
  • guter Geradeauslauf
  • gute Traktion dank permanentem Allradantrieb
  • Fading bei hoher Beanspruchung
  • Verspannungen im Antrieb beim Rangieren
Sicherheit/Umwelt
  • Fahrerairbag serienmäßig
  • höhenverstellbare Sicherheitsgurte vorn
  • kein ABS erhältlich
  • kein Beifahrer-Airbag
  • keine ausreichenden Kopfstützen hinten
  • für die Fahrleistungen zu hohe Verbrauchswerte
Kosten
  • günstiger Anschaffungspreis
  • Garantie über 3 Jahre oder 100.000 Kilometer
  • 6 Jahre Garantie gegen Durchrostung
  • dünnes Servicenetz
  • hohe Ersatzteilpreise
  • vermutlich schwieriger Wiederverkauf
Technische Daten
Subaru Justy 1.3 GX
Grundpreis 10.732 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3745 x 1575 x 1350 mm
KofferraumvolumenVDA 359 l
Hubraum / Motor 1298 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 50 kW / 68 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 155 km/h
0-100 km/h 14,5 s
Testverbrauch 8,5 l/100 km
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