Suzuki Grand Vitara 2.0 im Test

Waldkauz

Foto: Hans-Dieter Seufert 9 Bilder

Wenn es um kleine Geländewagen geht, ist Suzuki von jeher groß im Geschäft. Schließlich haben die Japaner die winzigen Allrad-Krabbler erst so richtig zum Laufen gebracht. Suzuki setzt beim neuen Grand Vitara 2.0i auf offroadtaugliche Antriebstechnik. Kann er mehr als flott durch den Wald fegen?

Wenn es um kleine Geländewagen geht, ist Suzuki von jeher groß im Geschäft. Schließlich haben die Japaner die winzigen Allrad-Krabbler erst so richtig zum Laufen gebracht. Nicht technisch, aber imagemäßig. Der LJ war der erste massenkompatible Spaß-Offroader, in dessen Erfolgsspur der Vitara nahtlos eingeschwenkt ist.

Jetzt ist der neue Vitara da, Grand heißt er mit Vornamen, und trotzdem fällt er zwischen den aktuellen Allrad- Bestsellern Mercedes M-Klasse, BMW X3 und Co durch seine zierliche Statur auf. Wie seine Konkurrenten Nissan XTrail und Toyota RAV4 gehört er nicht in die Liga der ganz großen Brocken. Kein Nachteil bei der Suche nach einer Parklücke und erstaunlicherweise auch keiner beim Platzangebot. Vier Erwachsene, auch Nord-Europäer, sitzen gut im Vitara.

Es mangelt weder an Bein- noch an Kopffreiheit, nur um die Schultern wird es eng, wenn im Fond drei Personen Platz nehmen sollen. Auf kürzeren Strecken ist das aber kein Problem. Hinten wie vorn gibt es straffe und dennoch nicht unbequeme Polster. Die Sitzposition hinter dem lediglich höhenverstellbaren Lenkrad passt für unterschiedlichste Staturen. Fahrer und Beifahrer blicken auf eine Armaturentafel, deren Materialqualität und Verarbeitungssorgfalt dem Pendant in einem Lexus RX 300 ebenbürtig ist – das war man von Suzuki bisher nicht unbedingt gewöhnt.

Klar gezeichnete Instrumente stehen allerdings einem kompliziert zu bedienenden Radio mit integriertem Navigationssystem gegenüber. Ein intensives Studium der Betriebsanleitung ist unerlässlich. Hat man die wichtigsten Funktionen jedoch begriffen, lernt man die Steuerung über die Tasten am Multifunktionslenkrad (Serie beim Grand Vitara Comfort) schätzen.

Nachts wird es für Vitara-Novizen jedoch schwierig, denn die Lenkradknöpfe sind nicht beleuchtet. Da mutet es fast bizarr an, dass sich die Instrumentenbeleuchtung nicht an einem, sondern an zwei Reglern einstellen lässt.

Navigation und Beleuchtung sind fein justiert – es kann losgehen. Bahn frei für den durchaus kultivierten 140- PS-Zweiliter-Motor, der sich mit kräftiger Stimme in Szene setzt. Allerdings wird das Motorlaufgeräusch in der Stadt durch mechanische Geräusche vom Antrieb überlagert.

Die treten mit zunehmender Geschwindigkeit zwar in den Hintergrund, aber dann gewinnt der Motor mit hellem Klang weiter an Präsenz, auch weil sich die Windgeräusche in Grenzen halten. Der Zweiliter dreht ganz willig, wirkt aber schlapp. Bis 160 km/h geht es noch ganz flott voran, bis zur Höchstgeschwindigkeit – der Tacho zeigt dann beinahe 190 km/h – dauert es jedoch endlos lange.

Kommt dem Grand Vitara jetzt eine leichte Steigung in die Quere, ist an einen Geschwindigkeitszuwachs nicht zu denken. Idealerweise pendelt sich die Reisegeschwindigkeit um etwa 150 km/h ein.

Sparsam ist man dann freilich nicht unterwegs. Im Mittel laufen 12,2 Liter pro 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen. Bei Vollgas-Exzessen pumpt sich der Vierzylinder 15,9 Liter in die Brennräume, viel zu viel für ein ganz neues Auto dieser Größe.

Die Autobahn ist nun ohnehin nicht das Lieblings-Revier des Grand Vitara, nicht zuletzt weil sein Fahrwerk auf ausgeprägten Querfugen kräftige Nickbewegungen in die Karosserie einleitet. Anders sieht es auf der Landstraße aus. Hier kann die straffe Auslegung durchaus überzeugen, und der Allradler bereitet eine gute Portion Fahrfreude.

Der Suzuki ist zügig unterwegs, wobei ein weich einsetzendes Untersteuern vor zu hohen Kurvengeschwindigkeiten bewahrt.

Die Bremse lässt sich gut dosieren und verliert auch unter starker Belastung nur wenig von ihrer Wirkung. ESP ist erst ab Frühjahr 2006 lieferbar, wobei der Vitara damit der erste Suzuki ist, der in den Genuss des elektronischen Lebensretters kommt. Wer den Wiederverkauf seines Grand Vitara im Blick hat, sollte mit dem Neukauf warten, bis das System verfügbar ist.

Schon heute ist der permanente Allradantrieb Serie, dessen Zentraldifferenzial sich auch dann sperren lässt, wenn der Vitara fährt (bis 100 km/h), aber an Grip zu verlieren droht. Ein unschätzbarer Vorteil für all jene, die Pferde- oder Sportboot-Anhänger auf rutschigem Untergrund ziehen müssen. Überhaupt ist der neue Grand Vitara ein Freund der Outdoor-Fans. Seine 17-Zoll-Räder (Serie bei Comfort) helfen über Unebenheiten in Wald und Flur hinweg, der Kofferraum schluckt eine Menge Sportausrüstung.

Befestigen lässt sich das Gepäck an soliden Zurrösen, zum Einladen müssen nur knapp 70 Zentimeter Ladehöhe überwunden werden. Beste Voraussetzungen, um das Basislager auf einer einsamen Almhütte mit Proviant und Gerät für lange Bergtouren zu erreichen. Abgesehen von der teuren Vollkasko- Einstufung und den mit 15 000 km kurzen Ölwechselintervallen bietet der Grand Vitara 2.0i Comfort ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis.

Für seinen Preis von 26 290 Euro ist er mehr als ordentlich ausgestattet, selbst Komfort- Extras wie Klimaautomatik, das Radio mit Navigation oder Keyless-Go, mit dem sich der Vitara ohne Schlüssel öffnen und starten lässt, sind an Bord. Nachteile: Die Klimaautomatik kühlt nur unter spürbarer Zugluft-Produktion, und der Nutzen von schlüssellosen Schloss-Systemen ist auch eher fragwürdig.

Wer darauf verzichten möchte, kann die günstigere Variante Club (24 290 Euro) ordern, muss dann aber auf so sinnvolle Extras wie Tempomat, Navigationssystem oder Nebelscheinwerfer verzichten. Im Frühjahr 2006 kommt ein weiteres Extra, das den neuen Grand Vitara noch besser in seine Stadt-Land-Fluss- Allrounder-Rolle passen lassen dürfte: ein 129 PS starker Dieselmotor. Damit sollten dann Trinksitten und Schwachbrüstigkeit kein Thema mehr sein.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –gute Platzverhältnisse –übersichtlich nach vorn –solide Verarbeitung
  • –unübersichtlich nach schräg hinten
Fahrkomfort
  • –bequeme Sitze –geringe Windgeräusche
  • –eingeschränkter Federungskomfort –zugige Klimaanlage
Antrieb
  • –drehfreudiger Vierzylinder
  • –durchzugsschwacher Motor –mechanische Geräusche –Verspannungen
Fahreigenschaften
  • –agiles Handling –sehr gute Traktion –Allradantrieb mit Differenzialsperre und Reduktions- Getriebe
  • –seitenwindempfindlich
Sicherheit
  • –seitliche Kopfairbags Serie
  • –noch kein ESP lieferbar
Umwelt
  • –hoher Verbrauch
Kosten
  • –umfangreiche Serien- Ausstattung
  • –teure Vollkasko-Einstufung –kurze Ölwechselintervalle

Fazit

Allradantrieb und gutes Platzangebot machen den Grand Vitara zu einem Allrounder. Ärgerlich sind der schlappe, durstige Motor und das fehlende ESP. Ab Frühjahr 2006 ist es zu haben, genau wie ein Diesel.

Technische Daten
Suzuki Grand Vitara 2.0 Comfort
Grundpreis 26.590 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4445 x 1810 x 1685 mm
KofferraumvolumenVDA 398 bis 1386 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
0-100 km/h 12,2 s
Verbrauch 9,1 l/100 km
Testverbrauch 12,2 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Beliebte Artikel MTM-AUDI R8 V10 PLUS 802 SUPERCHARGED, Exterieur MTM-Audi R8 V10 Plus 802 im Test Am Limit des Machbaren Porsche 911 GT3 RS, Exterieur Porsche 911 GT3 RS im Test Mit Wolllust Richtung Begrenzer
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Porsche 911 991 (2018) GT3 Touring-Paket Porsche 911 Carrera bis GT2 RS Elfer-Einmaleins in 5 Minuten Subaru WRX STI Diamond Edition Subaru WRX STI Diamond Edition 354 PS aus Südafrika
Allrad Jeep Gladiator JT Pickup Jeep Wrangler Gladiator (2019) Erste Bilder durchgesickert Toyota Tundra Kalifornien Toyota Tundra im Waldbrand-Einsatz Retten bis das Rücklicht schmilzt
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu
Promobil Mobile Menschen im Hymercar 323 Von der Auszeit zum Vanlife Zwei Vollzeit-Nomaden im Camper Hartnäckiger Schmutz Moos, Regenstreifen, Harz Tipps für hartnäckige Fälle
CARAVANING Tabbert Vivaldi 550 E Tabbert Vivaldi im Supertest Neues, modernes Design für 2019 Bleder Insel Caravan-Tour Slowenien Schöne Städte und Landschaften