Suzuki Jimny 4WD Cabrio

Das Fahrwerk des Suzuki Jimny weist gravierende Schwächen auf; daran ändert auch die neue Cabrio-Variante nichts. Sie bietet erst nach umständlicher Demontage des Verdecks Frischluftspaß.

Es sieht spektakulär aus, ist allerdings höchstens im Kinofilm akzeptabel: Bei plötz­lichen Lastwechseln in schnell gefahrenen Kurven kippt das Suzuki Jimny Cabrio, wird es nicht von kundiger Hand daran gehindert. Besonders schwer wiegt, dass der japanische Offroader nicht nur in der VDA-Ausweichgasse versagt. Schon niedrigere Geschwindigkeiten als 60 km/h können beim Umkurven von Hindernissen für artistische Einlagen auf zwei Rädern sorgen. Kritische Situationen sollte man niemals herausfordern. Im Fall des Sondermodells Jimny Cabrio Free stehen sonst 28‑860 Mark buchstäblich auf der Kippe. Suzuki sieht allerdings keinen Anlass, das mehrfach von auto motor und sport bemängelte unsichere Fahrwerk zu ver­bessern (siehe auch Heft 2/99). Ebensowenig wie die Bremsen. Ohne das optionale ABS lassen sie sich schwer dosieren, blockieren schnell. Die Verzögerung ist vor allem bei hoher Belastung mangelhaft. Da trifft es sich gut, dass der 1100 Kilogramm schwere Jimny trotz des kurz über­setzten Getriebes nicht so recht in Schwung kommen will: Für den Spurt auf 120 km/h benötigt er mehr als 25 Sekun-den. Nochmals die gleiche Zeit genehmigt sich der Offroader für die nächsten 20 km/h bis zur Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Beim Beschleunigen verursacht der raue Motor viel Lärm um nichts, 8,8 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer sind da gerade noch akzeptabel. Der schwachbrüstige 80-PS-Vierzylinder zwingt zu beschaulicher Fahrweise: Alle anderen ziehen vorbei.

Es bleibt genug Zeit, die Szenerie zu betrachten. Hohe Sitzposition und sehr gute Rundumsicht laden ein zum Schau-ins-Land. Fahr-ins-Land ist auch möglich. Schließlich zählt der Jimny zur Kategorie der Ge­ländewagen. Zuschaltbarer Allradantrieb und Getriebeuntersetzung sorgen immerhin jenseits des Asphalts für Spaß. Der Traktion setzen die Reifen dort relativ spät ein Ende – immer dann, wenn das Terrain fürs feinstollige Profil zu rutschig wird. Das zumindest klingt nach der Beschreibung eines praktischen Autos – geeignet etwa für Jäger, die ab und an offen durch die Flure flanieren wollen. Weit gefehlt: Nicht nur Waidmänner ärgern sich über den umständlichen Zugang zum Gepäckabteil. Um an den kleinen Kofferraum zu gelangen, muss entweder die Heckscheibe per Reiß­verschluss vom Verdeck oder aus den Clips der Hecktür gelöst werden. Beides ist ebenso umständlich wie die Handhabung des faltbaren Daches. So ist eine Nagelfeile dringend anzuraten, will man den Jimny jemals offen fahren. Oder irgendwann wieder einmal schließen. Hier ein Klettband, dort ein Reißverschluss und dann noch Plastikclips – nur extrem gekürzte Fingernägel werden nicht abbrechen. 

Deshalb spricht nicht einmal der Frischluftspaß für den Wackel-Kandidaten. Geschlossen taugt das Verdeck ebenfalls nicht. Es schließt schlecht zur Karosserie ab, auf der Autobahn nerven laute Wind­geräusche, in der Stadt dringen Abgase durch Ritze und Schlitze. Auch wenn die Fangemeinde der Geländewagen im Stile eines Suzuki Samurai oder SJ folgende Empfehlung nicht gerne hören mag: Von einem Kauf des Jimny Cabrios ist dringend abzuraten.

Technische Daten

Suzuki Jimny Cabrio 4WD
Grundpreis 13.610 €
Außenmaße 3625 x 1600 x 1665 mm
Hubraum / Motor 1298 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 59 kW / 80 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 140 km/h
0-100 km/h 14,7 s
Verbrauch 7,5 l/100 km
Testverbrauch 8,8 l/100 km
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