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Suzuki Swift im Gebrauchtwagen-Check

Ist er so fit, wie er tut?

Seit 1983 bereichert der Suzuki Swift den Club der wendigen kleinen Automobile – und hat sich dabei vom Sparbrötchen zur Rennsemmel entwickelt. Gemeinsam mit Meister Wünsch nehmen wir die fünfte Generation unter die Lupe, die von 2010 bis 2017 auf dem Markt war.

Wie schön!„, ruft Meister Wünsch, als er den schwarz glänzenden Suzuki Swift entdeckt. “Der hat mir immer schon sehr gut gefallen – vor allem, weil er sich so schön sportlich bewegen lässt„, erklärt der Meister und streicht dem Japaner über die Haube. Dann sammelt er sich, holt die Checkliste heraus und fragt: “Wollen wir?„

Schon 1985 mit Turbo-Dreizylinder

Kann sofort losgehen. Wir kramen nur noch rasch die wichtigsten Fakten zum Swift hervor: Der Kleinwagen kam 1983 zum ersten Mal auf unsere Straßen. Keine 3,60 Meter lang, war er ab 1985 auch mit Dreizylinder-Turbobenziner zu haben. Die zweite Generation startete 1989 ebenfalls mit sehr knappen Abmessungen – damit blieben Gewicht (ab 850 Kilogramm) und Verbrauch (ab rund 5 l/100 km) schön übersichtlich. Seine sportlichen Talente durfte der damalige Swift als GTi mit 101 PS erstmals zeigen. Zum Seriensportler wurde der Kleinwagen ab der vierten Generation, die 2005 auf den Markt kam. Ähnlich wie der Mini gilt der Swift seither als Kurvenspezialist. Meister Wünsch hat die Faktenreise mit einem Ohr verfolgt und dabei schon die Spaltmaße gecheckt.

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Spaltmaße? Verlaufen sie ungleichmäßig, ist das ein Indiz für einen schlecht behobenen Unfallschaden.

Mit dem Zeigefinger fuhr er dabei langsam über die Fugen zwischen den Kotflügeln, der Motorhaube und der Stoßstange. Hätte es einen Frontschaden gegeben, der nicht sauber instand gesetzt wurde, wäre es jetzt aufgefallen. “Hier trifft alles sauber aufeinander, keine unregelmäßigen Abstände zu erkennen„, murmelt Wünsch und widmet sich dem Heck. Auch hier findet er nichts. Beim Tankdeckel wird er dagegen stutzig, der steht auf der einen Seite etwas zu weit ab. “Ausgerechnet da, wo das Scharnier sitzt„, sagt er leise, betätigt die Fernentriegelung im Fußraum und schaut sich die Sache genauer an. “Kein Farbnebel, keine Lackunterschiede, keine neuen Schrauben, der wurde einfach nur schlampig eingebaut„, urteilt der Meister, greift den Deckel mit beiden Händen und biegt ihn ganz vorsichtig in Form. Anschließend schwingt er sich pfeifend auf den Fahrersitz und lässt den Anlasser des 1,2-Liter-Benziners schnurren – die Probefahrt steht an. Die Extraprise Fahrspaß, die es bei dieser Swift-Generation serienmäßig gibt, basiert auf zwei einfachen Zutaten. Suzuki hat es geschafft, das Gewicht des Kleinwagens klein zu halten; daher kommt er mit zeitgemäßer Sicherheitsausstattung auf gerade 1.000 Kilogramm – und schafft dabei fünf Sterne im Crashtest. Die zweite Zutat? Ein straffes Fahrwerk inklusive einer direkten Lenkung. Dadurch stellt sich ein gewisses Gokart-Feeling ein, wie es das sonst nur beim Mini gibt.

Probefahrt ohne Auffälligkeiten

“Können wir?„, fragt der Meister und legt den ersten Gang ein. Die Kupplung ist nach 20.000 Kilometern quasi noch im Neuzustand, Anfahren und Gangwechsel funktionieren mit präzisem Druckpunkt und ohne Rupfen. Die Stadtgrenze ist schnell erreicht, ab jetzt bekommt der Swift Auslauf und saust schnell übers Land.

Dabei gibt Meister Wünsch folgende Kommentare ab: “Keine Windgeräusche bei Tempo 100, kein erkennbares Spiel in der Lenkung, Bremsen wirken nicht einseitig, Schaltwege sind leicht hakelig, aber das ist ja ein serienmäßiges Problem.„ Nach einer Viertelstunde parkt er den Dreitürer vor der Hebebühne und steigt schmunzelnd aus: “Macht immer wieder Spaß, mit dem Swift eine Runde zu drehen. Mal sehen, wie es um seine Verschleißteile steht.„

Sind Motor und Getriebe trocken?

Kurz danach surrt die Hebebühne mit dem Suzuki nach oben. Auf halber Höhe überprüft der Meister alle vier Radlager auf Geräusche und checkt die Bremsbeläge und Scheiben auf Verschleiß. Bei der geringen Laufleistung ist erwartungsgemäß alles in bester Ordnung. Als Nächstes wandert der Schein seiner Taschenlampe über die Ölwanne und die Unterseite des Schaltgetriebes – dabei sind nirgends Spuren von Öl zu erkennen. Alles dicht, alles wunderbar. Auch bei den Achsmanschetten findet der Meister keine alterstypischen Risse. Bei den Spurstangenköpfen und Achsgelenken kann er dagegen ein ganz leichtes Spiel ausmachen – noch nicht gefährlich, aber ein Vorzeichen. Man sollte sie in regelmäßigen Abständen überprüfen lassen: Vergrößert sich das Spiel, müssen die Gelenke getauscht werden. Danach widmet sich Meister Wünsch den Kraftstoff- und Bremsleitungen, die an keiner Stelle eingeknickt oder verrostet sind. Apropos Rost: An keiner Karosseriekante des Unterbodens ist die braune Pest zu erkennen, Suzuki hat hier vorbildlich versiegelt.

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Meister Wünsch schaut sich den Suzuki Swift von allen Seiten an.

Nachdem dann auch noch die Fahrwerksfedern auf Brüche und die Hinterachsaufhängung auf Verschleiß kontrolliert wurden, kommt Meister Wünsch zu dem klaren Ergebnis: “An diesem Swift wird der neue Besitzer seine Freude haben – optisch wie technisch befindet er sich in einem sehr guten Zustand und hat noch ein langes Autoleben vor sich.„ Letzte Frage: Was muss man für die Swift-Modelle der fünften Generation finanziell einplanen? Scheckheftgepflegte Autos aus den ersten beiden Baujahren (2010/2011) starten mit etwas weniger als 100.000 Kilometern bei knapp 4.000 Euro, inklusive Händlergarantie. Soll der Suzuki Swift dagegen nur rund drei Jahre alt sein und erst maximal 50.000 Kilometer auf der Uhr haben, beginnen die Verhandlungen bei knapp 7.000 Euro. Auch dieser Preis versteht sich mit Garantie.

Unkomplizierte Technik erleichtert die Wartung

“Kann man nicht meckern„, urteilt der Meister und fügt hinzu: “Bei uns ist der Swift auf jeden Fall ein seltener Gast, was für seine Qualität spricht. Die Japaner haben keine raffinierte Technik eingebaut, das kommt diesen Autos vor allem im zweiten Lebensabschnitt zugute. Es gibt nichts, was aufwendig zu reparieren wäre.„

Versionen, Motoren & Ausstattung

Der Swift ist um einiges älter, als man glauben mag: Suzuki brachte ihn erstmals im Herbst 1983 auf den Markt. Der übersichtliche Kleinwagen war das Produkt einer Zusammenarbeit mit General Motors. Anfangs wurde er auch als SA 310 sowie als SA 413 verkauft. Dabei arbeitete zunächst nur ein Einliter-Dreizylinder mit 50 PS unter der kleinen Haube, der ab 1985 sogar mit einem Turbolader erhältlich war (71 PS). Von 1989 bis 1995 gab’s die zweite Generation, die an Länge und Breite deutlich zulegte, aber mit 740 Kilogramm noch immer zu den Leichtgewichten der Branche zählte.

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Im Laufe der Jahre gab es zwei Benziner und einen Diesel.

Zu dem Dreizylinder gesellten sich zwei Vierzylinder, wobei einer davon 101 PS leistete und der GTi-Version ordentlich Pfeffer verlieh. Noch mehr Aufsehen erregte nur das damalige Swift Cabrio mit softem Verdeck, es bereicherte den Markt von 1991 bis 1995. Bei der dritten Generation gingen Suzuki dann leider die Ideen aus, daher lief der Kleinwagen von 1995 bis 2003 lediglich als sehr unauffällige Weiterentwicklung des Vorgängers vom Band. Dies machten die Japaner aber mit der vierten Generation wieder gut, indem sie sich Hilfe beim italienischen Designstudio Vercarmodel Saro holten. Das Ergebnis kann sich bis heute sehen lassen, der Swift legte nämlich nicht nur optisch und bei den Abmessungen zu, sondern wurde so fahraktiv wie nie zuvor. Das hier vorgestellte Modell (FZ/NZ) kam 2010 als Drei- und Fünftürer auf den Markt und war logischerweise nur eine dezente optische Weiterentwicklung des großen Wurfs aus Italien.

Unter der Haube: zwei Benziner, ein Diesel

Drei Motoren hielt Suzuki für völlig ausreichend. Einer davon war ein Diesel, der über 1,3 Liter Hubraum verfügt und daraus 190 Newtonmeter Drehmoment und 75 PS zaubert. Allerdings ergibt die Kombination aus Kleinwagen und Diesel in diesen Tagen keinen Sinn mehr – es sei denn, man spult mehr als 25.000 Kilometer pro Jahr ab. Aber selbst dann droht das Fahrverbot in Innenstädten. Daher lieber einen der beiden Benziner nehmen, zwei Vierzylinder gibt es: einen 1,2-Liter mit 94 PS und einen 1,6er mit 136 PS. Letzterer treibt die Sportversion an, die vor allem dynamische Fahrer erfreut. Der kleine Benziner lässt sich optional mit Allradantrieb und Automatikgetriebe finden (beides Extras).

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Fazit

Ein Suzuki Siwft ist ihr Typ, wenn Sie einen sportlichen Kleinwagen suchen, der nicht so viel Tamtam macht wie ein moderner Mini und trotzdem Fahrspaß bietet. Den es gegen Aufpreis sogar mit Allradantrieb gibt. Wenn Sie keinen Wert auf unterschiedlich farbige Innenraumbeleuchtung, auf feine Kippschalter oder ein großes Navi legen, wenn Sie ihm sogar ein paar Ungenauigkeiten bei der Verkleidung durchgehen lassen können – wohl wissend, dass sein Preis vergleichsweise günstig ist –, dann werden Sie mit dem Swift glücklich.

Das gefällt uns:

Vor allem sein quirliges sportliches Wesen. Damit unterscheidet sich der Swift ganz klar von den meisten anderen Kleinwagen dieser Preisklasse. Und lässt fast schon ein wenig Mini-Feeling aufkommen – als dieser noch mini war … Löblich: Der Suzuki braucht nicht viel Ausstattung, um uns von seinen Talenten zu überzeugen.

Das stört uns:

Sagen wir es frei heraus: die Lieblosigkeit im Detail. Drei von fünf Passungen im Innenraum sind meist nicht sauber verarbeitet, was man bei dem Preis gern unter „Na ja, ist halt so“ abtut. Störend wirkt diese Schludrigkeit trotzdem. Außerdem könnte die Basisausstattung besser ausgeformte Sitze mit mehr Beinauflage vertragen.

So ist die Marktlage:

Keine Engpässe in Sicht! Die kleinen Suzuki kurven ja bereits seit Jahren über unsere Straßen und werden nicht zuletzt durch ihre günstigen Preise häufig gekauft. Entsprechend viele tummeln sich auf den einschlägigen Gebrauchtwagen-Marktplätzen im Internet – interessante Exemplare stehen bestimmt auch in Ihrer Nähe.

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