Suzuki SX4 1.9 DDiS i-AWD im Test

Cross-Tat

Foto: Hans-Dieter Seufert 12 Bilder

Suzuki füllt eine der letzten Lücken in seinem Allrad-Programm und stellt den Crossover SX4 zwischen den winzigen Jimny und den kräftig gewachsenen Grand Vitara.

In den Entwicklungsabteilungen der Autohersteller geht es zu wie bei der TV-Kochshow „Schmeckt nicht, gibt’s nicht“. Wenn das Standard- Menü nicht mehr zieht, werden immer neue Gaumenfreuden kreiert. Dabei sind die Zutaten schon bekannt: Man nehme Allrad-Antrieb, hohe Sitzposition, viele Sitzplätze, gute Variabilität und einen großen Kofferraum, schmecke gut ab und garniere das Ganze mit einer appetitlichen Verpackung. Trotz der vielen Nährstoffe müssen daraus nicht zwingend Kalorien-Bomben entstehen, wie sie vor allem die US-Amerikaner schätzen, die Europäer aber eher selten. Mit dem SX4 serviert Suzuki nun quasi einen leicht bekömmlichen Crossover-Extrakt für die Stadt, im Marketingdeutsch Urban- Cross-Car genannt.

Genau genommen sind sogar zwei Modelle dabei herausgekommen, denn der Fiat Sedici ist mit dem SX4 praktisch baugleich und wird auch im selben Werk in Ungarn gefertigt. Bei knapp 14 000 Euro geht es mit der Basisversion los, die von einem 99 PS starken 1,5-Liter-Benzinmotor angetrieben wird. Zum Test ist allerdings das Topmodell, der 1.9 DDiS i-AWD Comfort für 20 990 Euro, angetreten, der einen Vierzylinder-Diesel mit 120 PS unter der Haube hat.

Dessen Kraft gelangt wahlweise an die Vorder- oder per Knopfdruck auch an die Hinterräder. Wer auf den Allrad-Antrieb verzichten möchte, kann die Version 2WD wählen und spart dann 2000 Euro. Allerdings taugt auch die 4WD-Variante nicht für schweres Gelände. Ihr Allrad- Antrieb ist nicht für den ständigen Betrieb geeignet und darf lediglich auf rutschigem Untergrund wie Schnee oder Matsch eingesetzt werden. Das dürfte reichen, denn seine Stärken spielt der SX4 ohnehin auf trockenem Asphalt aus. Trotz Offroad-Optik ist der kleine Suzuki keiner, der mit überlangen Federwegen träge um die Kurven wankt. Im Gegenteil: Er lässt sich ähnlich agil bewegen wie ein Kleinwagen. Aufbaubewegungen werden von einer straffen, gleichwohl aber komfortablen Feder- Dämpfer-Abstimmung bei Kurvenfahrten weitgehend unterbunden.

Das Fahrverhalten bleibt dabei gutmütig neutral. Trotzdem unverständlich: Eine elektronische Fangleine gibt es erst ab September gegen 300 Euro Aufpreis.

Wer seinen SX4 mit ESP will, kann es zwar jetzt schon bestellen, muss aber noch bis zum Herbst auf die Auslieferung seines Autos warten. Schon beim Losfahren wirkt der Allradler erfreulich spritzig. Sein Common- Rail-Diesel, den Fiat beisteuert, kennt praktisch kein Turboloch und sorgt für zügigen Vortrieb. Unterstützt wird er dabei von einem gut abgestimmten, präzise schaltbaren Sechsgang- Getriebe.

Weil die Karosserie nur wenig Windgeräusche entwickelt, fällt aber umso deutlicher auf, dass der Motor kein Leisetreter ist. Dabei wird sein freundliches Brummeln nie lästig. Auch an der Zapfsäule sorgt der 1,9- Liter-Diesel nicht für Stirnrunzeln: Sein Testverbrauch von 8,0 L/100 km ist angemessen, und mit leichtem Gasfuß lassen sich sogar 6,2 L/100 km realisieren. Doch wie ist es um die sonstigen Qualitäten bestellt? Mehr als fünf Sitzplätze gibt es nicht, was angesichts von 4,14 Meter Außenlänge kaum verwundert. Vorn ist das Platzangebot ausreichend, auch auf langen Strecken kommt nicht das Gefühl von Enge auf. An den gut geformten Vordersitzen vermisst man aber Lordosenstützen. Im Fond geht es trotz üppiger Kopffreiheit insgesamt etwas beengt zu. Wenn Fahrer und Beifahrer lange Beine haben und ihre Sitze entsprechend weit zurückschieben, finden hinter ihnen nur Kinder eine dauerhaft bequeme Bleibe.

Das Platzangebot liegt damit nur knapp oberhalb dessen, was die neuen großen Kleinen vom Schlag eines Fiat Grande Punto oder Peugeot 207 zu bieten haben. Was schade ist, denn die Fondbank empfiehlt sich mit sehr weit ausziehbaren Kopfstützen und angenehm großen Knickwinkeln für die Beine geradezu für den Transport von Großgewachsenen. Außerdem ist sie schnell und einfach weggeklappt, wenn es gilt, sperriges Gepäck zu transportieren. Das vergrößert den Stauraum von 270 auf 1045 Liter Volumen, aber mit 376 Kilogramm Zuladung spielt der SX4 selbst im Kleinwagen-Segment alles andere als die erste Geige.

Ein VW Polo beispielsweise darf mehr einpacken (426 Kilogramm). Außerdem stört beim Beladen die hohe Kofferraumladekante, über die schwere Lasten nur mit Mühe ein- und ausgeladen werden können. Im Alltag erschweren zudem extrem breite A-Säulen, eine nach hinten ansteigende Fensterlinie und das für den Fahrer völlig unsichtbare Ende der Motorhaube den Umgang mit dem SX4 nachhaltig.

Eine derart schlechte Übersichtlichkeit bringt vor allem in der Stadt Nachteile mit sich, und sei es nur beim Einparken. Obendrein werden die Stoßfänger nicht von Scheuerleisten vor Kratzern bewahrt, und die silbern glänzenden Unterfahrschutz-Imitate schützen auch nicht bei Parkremplern.

Im Unterhalt ist der SX4 der Kleinwagenklasse entwachsen. Seine Festkosten liegen auf dem Niveau eines Jaguar XType mit 2,2-Liter-Diesel. Zieht man den Anschaffungspreis für die Topversion Comfort mit ins Kalkül, entpuppt sich der Kleine als ganz schön teures Früchtchen. Dafür entschädigt er immerhin mit einer üppigen Serien-Ausstattung: Klimaanlage, CD-Radio mit integriertem Navigations-System, getönte Scheiben, 16-Zoll-Aluminium- Felgen, Zentralverriegelung und sogar ein schlüsselloses Zünd-System (Keyless Start) sind beim hier getesteten Modell mit an Bord. Allerdings hinterlässt gerade die Kombination aus Zentralverriegelung und Keyless Start in diesem Fall keinen guten Eindruck.

Denn wer nur die Heckklappe zum Laden ohne Schlüssel öffnet, kann danach die Türen nicht mehr aufsperren, ohne zuvor per Fernbedienung das Auto wieder zu verschließen. Dann kann man auch gleich das ganze Auto per Fernbedienung aufschließen. Auf diese Zutat kann man beim SX4-Rezept also getrost verzichten. Insgesamt dürfte das SX4-Crossover- Menü aber durchaus etwas für den Massengeschmack sein. Kein Wunder, hatte das Suzuki-Küchen-Team doch seit der Kreation des legendären LJ 80 immer wieder die Gelegenheit, Allrad-Gerichte neu abzuschmecken.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Platzverhältnisse vorn
  • einfache Bedienung
  • unübersichtlich nach vorn und hinten
  • hohe Kofferraum-Ladekante
Fahrkomfort
  • insgesamt guter Federungskomfort
  • wenig Windgeräusche
  • leichte Motorvibrationen
  • stößig auf kurzen Wellen
Antrieb
  • gute Fahrleistungen
  • passend gestuftes Getriebe
  • exakte Schaltung
  • kein vollwertiger Allrad-Antrieb
Fahreigenschaften
  • neutrales Kurvenverhalten
  • agiles Handling
  • gute Traktion
  • seitenwindempfindlich
  • etwas gefühllose Lenkung
Sicherheit
  • standfeste Bremsen
  • ESP erst ab September
Umwelt
  • Partikelfilter serienmäßig
  • angemessener Verbrauch
Kosten
  • umfangreiche Serien-Ausstattung
  • 3 Jahre Garantie
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Kräftiger Motor, gute Auststattung und agiles Fahrverhalten machen aus dem SX4 ein potentielles Vier-Sterne-Auto. Die schlechte Übersichtlichkeit ist ein Manko, un ddas fehlende ESP führt zur Abwertung.

Technische Daten
Suzuki SX4 1.9 DDiS i-AWD Comfort
Grundpreis 21.290 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4140 x 1755 x 1620 mm
KofferraumvolumenVDA 270 bis 1045 l
Hubraum / Motor 1910 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 88 kW / 120 PS bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
0-100 km/h 10,9 s
Verbrauch 6,6 l/100 km
Testverbrauch 8,0 l/100 km
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