Hyundai i10 und Peugeot 107 im Test

Mehr sein als Klein

Foto: Hans-Dieter Seufert 43 Bilder

Wer bei den günstigen Minis punkten will, muss mehr bieten als eine rollende Verzichtserklärung. Wie schlägt sich der neue Hyundai i10 gegenüber dem etablierten Peugeot 107?

„Das letzte Auto, das gebaut wird, wird ein Sportwagen sein“, meinte einst Ferry Porsche. Doch beim aktuellen Stand der Diskussion läuft es eher auf eine ganz andere Kategorie von Autos hinaus: Klein, sparsam, günstig und praktisch sollen sie sein, dazu den Wunsch nach Sicherheit, Komfort und Umweltschonung befriedigen. Ein Spagat, den nach dem Peugeot 107 und seinen technisch baugleichen Geschwistern Citroën C1 und Toyota Aygo jetzt auch der neue Hyundai i10 versucht. Der Koreaner tritt die Nachfolge des verhärmten, kantig-schmalen Atos an.

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Doppeltest Hyundai i10, Peugeot 107
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Länge und Radstand blieben unverändert, aber die Breite wuchs um sieben Zentimeter. Obwohl der i10 mit 3,57 Meter Länge zu den kürzesten Viertürern auf dem Markt gehört, überragt er den Peugeot noch deutlich – 14 Zentimeter sind in dieser Klasse nicht wenig. Bemerkbar macht sich dieser Unterschied beim Entern der Rückbank und beim Öffnen der Gepäckraumklappe. Mit 225 Liter Volumen hat der Hyundai nicht wirklich viel zu bieten. Doch im Vergleich fällt der schmale und über eine hohe Ladekante schlecht zugängliche Schacht im Peugeot (130 Liter) geradezu winzig aus.

Zwei Winzlinge zum kleinen Preis

Abhilfe schafft in beiden Fällen das Umklappen der Rücksitzlehne, die beim 107 mittig, beim i10 im Verhältnis 60 zu 40 geteilt ist. Dass hier drei Personen sitzen dürfen, ist freilich reine Theorie. Nur zu zweit lässt es sich jeweils auf längeren Strecken aushalten, im Hyundai mit etwas mehr Bewegungsfreiheit. Nicht nur im Fond sitzt man etwas bequemer, auch vorn – dank längerer Oberschenkelauflage und besserem Seitenhalt. Eine praktische, verschiebbare Bank wie im Renault Twingo hat jedoch keiner von beiden. Immerhin hält der Peugeot mit einem auf sympathische Weise einfach gestalteten Interieur, frischen Farben, großem Zentralinstrument samt Tacho und wie beim Smart aufgesteckt wirkendem Drehzahlmesser dagegen, die Türverkleidungen zeigen lackiertes Blech.

Jede Menge offene Ablagen bieten diversem Kleinkram eine sichere Heimat, aber das viele Hartplastik dem Auge keinen sehr schönen Anblick. Mit hochwertigen Oberflächen kann auch der Hyundai nicht aufwarten. Dunkelgrauer Kunststoff, großflächig und solide verarbeitet, dominiert das übersichtliche, aber konventionellere Cockpit – unverkleidetes Blech ist bei ihm nicht zu sehen.

Zur Ausstattung der getesteten Einstiegsversion Classic E für 9.990 Euro gehören bereits Servolenkung und Zentralverriegelung (ohne Fernbedienung) sowie ein CD-Radio mit AUX-Anschluss für externe Abspielgeräte, allerdings weder Seitenairbags noch ein Heckwischer. Beides ist neben anderem im Style-Paket für 1.000 Euro enthalten. Um das Niveau des Peugeot in der 11 400 Euro teuren Urban Move-Variante zu erreichen, fehlt zudem die Klimaanlage für 790 Euro. Damit ist der Preisvorteil des Hyundai dahin. Kopfairbags, beim Peugeot für 260 Euro bestellbar, werden für den i10 überhaupt nicht angeboten.

Vorteile im Stadtverkehr

Ihre Trümpfe spielen die beiden Kleinwagen ohnehin am besten im Stadtverkehr aus. Kleiner Wendekreis und geringe Abmessungen machen die Parkplatzsuche zum Vergnügen. Dank der tiefgezogenen Heckscheibe ist der Peugeot beim Rückwärtsfahren besonders gut einzuschätzen. Trotzdem gäbe es an der Übersichtlichkeit noch einiges zu verbessern: Das vordere Ende entzieht sich jeweils dem Blickfeld des Fahrers, und die breiten C-Säulen können beim Rechtsabbiegen durchaus einen Radfahrer verdecken.

Knapp 70 PS starke Triebwerke unter den kurzen vorderen Hauben lassen auch außerhalb der Stadtgrenzen auf muntere Fahrleistungen hoffen – besonders im 853 kg leichten 107. Sein ebenso dreh- wie vibrationsfreudiger 1-Liter-Dreizylinder bringt ihn flott auf Trab, sofern es gelingt, mit der wenig exakten Schaltung auf Anhieb den richtigen Gang zu treffen. Im Hyundai funktioniert das deutlich präziser. Der erhöht angeordnete Schalthebel liegt gut zur Hand und flutscht exakt durch die klar definierten Gassen. Aber selbst fleißiges Sortieren der fünf Gänge kann das träge Temperament des knapp 100 Kilo schwereren i10 kaum kaschieren.

Mehr Hubraum, dennoch schwächer

Sein Triebwerk verfügt zwar über einen Zylinder und 88 cm³ mehr, erweist sich aber als zäh und drehunwillig. In der Stadt stört das weniger als auf der Autobahn, wo der Koreaner nur mit viel Geduld über Tacho 140 beschleunigt und bereits bei geringen Steigungen an Tempo verliert. Leise ist er dabei nicht, wenngleich eine Spur ruhiger und kultivierter als der in allen Lebenslagen sonor-brummige Peugeot-Motor. Unterlegen ist der Hyundai vor allem beim Verbrauch, der mit über sieben Litern pro 100 Kilometer für dieses Segment eindeutig zu hoch ausfällt.

Der Peugeot bleibt seiner dynamischen Ausrichtung auch beim Fahrwerk treu. Er folgt präzise den Einschlägen der etwas synthetisch anmutenden Lenkung und schiebt dabei nur sanft über die Vorderräder. So handlich, wie sich der 107 um die Ecken treiben lässt, vermittelt er eine gute Portion Fahrspaß. Mit seiner eher straffen Abstimmung federt er zwar nicht besonders sensibel, bietet aber leer wie beladen noch einen akzeptablen Komfort. Selbst Landstraßen dritter Ordnung bringen ihn kaum aus der Ruhe, und grobe Stöße treiben die Federung nicht auf Block. Im Hyundai kann das schon eher passieren.

Hyundai: Unruhiges Fahrverhalten – ESP nur mit Diesel

Seine längeren Federwege wecken die Hoffnung auf spürbar mehr Komfort, doch seine schwache Dämpfung veranlasst die Vorderachse zum Stuckern und bringt auf schlechter Piste deutlich mehr Unruhe ins Fahren. Im Extremfall führt das zum seitlichen Versetzen der Hinterachse. In aller Regel verhält sich aber auch der i10 unproblematisch, schon deshalb, weil er – verstärkt durch seine schmale Bereifung – frühzeitig zum Schieben über die Vorderräder neigt und trotz seiner angenehm präzisen Lenkung keine Lust auf flottes Kurvenräubern macht. Trotzdem ist es schwer einzusehen, dass die elektronische Fahrstabilitätshilfe ESP – beim Peugeot zumindest gegen Aufpreis lieferbar – für den i10 nur in Kombination mit dem alternativen Dieselmotor zu bekommen ist.

Immerhin kann der Hyundai beim Bremsen wieder etwas Boden gutmachen. Unter den kleineren 13-Zoll-Rädern trägt er an der Hinterachse Scheiben- statt Trommelbremsen, ohne deshalb viel besser zu verzögern. Das ändert aber nichts daran, dass sich der Newcomer aus Korea in der Gesamtabrechnung deutlich hinter dem Peugeot einordnen muss. Im reinen Stadtverkehr mögen die Schwächen des Hyundai weniger zum Tragen kommen, aber den Anforderungen an einen modernen Kleinwagen wird der ausgewogenere Peugeot besser gerecht.

Fazit

1. Peugeot 107 Urban Move
386 Punkte

Der kleine Franzose macht nicht nur in der Stadt, sondern auch beim Ausflug über die Landstraße Spaß. Abstriche müssen beim Komfort und vor allem beim Gepäckraum in Kauf genommen werden.

2. Hyundai i10 1.1 Classic E
362 Punkte

Raumangebot und bequeme Sitze sprechen für den i10. Dem stehen ein durstiger Motor und ein unhandliches Fahrverhalten gegenüber. Wichtige Sicherheitsextras gibt es auch nicht optional.

Technische Daten
Peugeot 107 1.0 Urban Move Hyundai i10 1.1 Classic E
Grundpreis 11.400 € 9.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3430 x 1630 x 1470 mm 3565 x 1595 x 1540 mm
KofferraumvolumenVDA 139 bis 751 l 225 bis 910 l
Hubraum / Motor 998 cm³ / 3-Zylinder 1086 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 50 kW / 68 PS bei 6000 U/min 49 kW / 67 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 157 km/h 151 km/h
0-100 km/h 13,8 s 16,4 s
Verbrauch 4,6 l/100 km 5,0 l/100 km
Testverbrauch 6,7 l/100 km 7,4 l/100 km
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