Touran gegen Zafira

Sieben-Gescheit

Foto: Hans-Dieter Seufert 18 Bilder

Rund zweieinhalb Jahre nach dem ersten Zusammentreffen tritt der Opel Zafira erneut gegen den VW Touran an. Diesmal jedoch in seiner zweiten Generation. Wer baut den besseren Kompaktvan mit sieben Sitzen?

Ein Regal, ein riesiger Terracotta-Pflanzenkübel, viel Kleinkram und noch vier Erwachsene – herkömmliche Kompaktwagen wie Opel Astra und VW Golf müssen angesichts dieser Transportaufgabe kapitulieren.

Aber zum Glück gibt es ja die Van-Varianten der beiden deutschen Topseller: der Opel Zafira in seiner neuesten Auflage und der Touran von Volkswagen. Auf der gleichen technischen Basis wie die jeweiligen Kompaktmodelle bieten sie bei etwas mehr Länge und Radstand deutlich größere und variablere Innenräume sowie Platz für bis zu sieben Personen.

Beim Touran kosten die beiden im Ladeboden versenkbaren Sitze in der dritten Reihe allerdings 650 Euro Aufpreis. In der Architektur der Innenräume unterscheiden sich Touran und Zafira deutlich. Opel hält auch in der zweiten Generation am so genannten Flex7-Sitzsystem fest, bei dem ein Ausbau einzelner Sitze nicht vorgesehen ist. Beim Touran können die drei Einzelsitze in der zweiten Reihe – der Zafira hat hier eine Dreier-Sitzbank – jeweils separat verschoben, umgeklappt oder ganz ausgebaut werden (siehe Spotlight auf Seite 53).

Mit Leichtigkeit meistern beide zwar die eingangs erwähnte Ladeaufgabe, aber doch sehr unterschiedlich. Zunächst verschwinden bei beiden Vans die Sitze Nummer sechs und sieben im Ladeboden. Dann wird beim Opel der linke Teil der im Verhältnis 40:20:40 geteilten Rückbanklehne umgelegt.

Nun kann ein Regal längs darüber bis zur Fahrersitzlehne vorgeschoben werden, ein Blumenkübel daneben eingeladen und der Rest dazwischen verstaut werden. Einer der beiden Fond-Passagiere muss allerdings auf dem unbequemen Mittelteil der Rückbank Platz nehmen. Im Touran ergibt sich folgende Konfiguration:

Der etwas schmaler geschnittene Mittelsitz bleibt daheim. Das Regal muss schräg durch die entstandene Lücke geschoben werden, damit der Pflanzkübel im Laderaum daneben Platz hat und die Heckklappe sich noch schließen lässt. Die Mitfahrer sitzen rechts und links auf den Einzelsitzen. Allein an der Zahl der möglichen Sitzkonstellationen gemessen bietet der Touran mehr Variationsmöglichkeiten.

Eingeschränkt wird man jedoch dadurch, dass die ausgebauten Sitze auch irgendwo gelagert werden müssen und am Zielort nicht zur Verfügung stehen. Dieses Dilemma kennt der Zafira- Fahrer nur vom Hörensagen. Er hat schließlich immer alle sieben Sitze dabei. Das ist aber wiederum Fluch und Segen zugleich.

Denn wenn beispielsweise zwei Fahrräder im Innenraum transportiert werden sollen, ist nur noch Platz für Fahrer und Beifahrer. Beim Touran können, wenn zwei Sitze in der zweiten Reihe ausgebaut sind, die Räder an einer Seite längs verstaut werden. Es bleibt so immer noch Platz für zwei zusätzliche Passagiere. Ist maximales Ladevolumen gefragt, hat der Touran mit 1913 Litern die Nase um knapp 100 Liter vorn.

In der Fünfsitzer-Konfiguration ist es aber umgekehrt: 645 Liter beim Zafira gegenüber 600 Liter beim Touran. Beim Ausbau der Sitze entsteht im VW eine Stufe im Ladeboden. Außerdem liegen die gut gefetteten Halterungen der Sitze frei. Und die provisorisch wirkenden Stützen, mit denen die nach vorn geklappten Sitze gesichert werden müssen, schränken die Funktionalität ein.

Glattflächig und gut nutzbar ist dagegen das Ladeabteil des Zafira – auch bei ganz nach vorn geschobener Sitzbank. Viele Lösungen im Opel verraten zudem mehr Liebe zum Detail: Das Gepäckraum-Trenn-Netz wird in einer Kassette unter der Vorderkante der Sitzbank verstaut. Die hinteren Sitze können weggeklappt werden, ohne die Kopfstützen auszubauen.

Das Gepäckraum-Rollo ist weniger hakelig und lässt sich dank eines speziellen Mechanismus sehr leicht ausbauen. Und Magnete halten die nicht benutzten Sicherheitsgurte für die dritte Reihe. Fahrer und Beifahrer sitzen im Touran besser als im Zafira, weil hier das vordere Gestühl hart und eng ist.

Man findet zudem nur schwer eine passende Sitzposition. Das Rad für die Lehnenverstellung ist kaum zu erreichen und der Längsverstellbereich zu knapp bemessen. Außerdem verwechselt man ständig den Hebel für die Einstellung der Sitzflächenneigung mit jenem für die Längsverstellung.

Hinten sind die Passagiere im Zafira aber besser aufgehoben. Auf der Sitzbank genießen zwei Mitfahrer etwas mehr Bewegungsfreiheit als auf den zwar mehr Seitenhalt bietenden, aber schmalen Einzelsitzen des Touran. Die Sitze in der dritten Reihe zwingen Erwachsene im VW zu einer Froschhaltung und sind daher lediglich als Notsitze geeignet.

Im Zafira sitzt man ganz hinten nicht nur höher, sondern kann auch die Füße locker unter die Sitzbank schieben. So ließe es sich im Zafira ganz bequem reisen, wenn nicht wie im Testwagen das IDS-plus-Fahrwerk für 615 Euro installiert wäre. Denn das ist im Zafira nur in Verbindung mit einer sportlich-harten Abstimmung von Federn und Dämpfern lieferbar, worunter der Abrollkomfort und das Ansprechen auf Querfugen deutlich leidet.

Mit steigender Zuladung, bei höherem Tempo und auf langen Wellen federt der Zafira dann zwar etwas geschmeidiger, aber immer noch nicht so komfortabel wie der Touran. Andererseits sorgt das IDS-plus- Fahrwerk mit seinen sich den jeweiligen Fahrbedingungen stufenlos anpassenden Stoßdämpfern für sehr gute Werte in den Fahrdynamik- Tests. Auffallend ist hier vor allem, dass der Zafira sowohl unbeladen als auch mit voller Zuladung nahezu identische Geschwindigkeiten erzielt.

Auch jenseits des Testgeländes zeigt der Zafira einen Schuss mehr Agilität als der etwas träger einlenkende Touran. Dafür vermittelt dessen elektromechanische Lenkung deutlich mehr Rückmeldung als das leicht schwammige elektrohydraulische Steuer des Zafira. Der Opel-Fahrer muss den Lenkeinschlag im Kurvenverlauf deshalb öfter korrigieren, vor allem bei hohem Tempo auf der Autobahn. Sehr flott unterwegs sein kann man mit beiden.

Dazu tragen auch die kräftigen, aber nicht besonders sparsamen Dieselmotoren bei. Nur im direkten Vergleich spürt man, dass der 150 PS starke 1,9-Liter-Motor im Zafira den etwas besseren Antritt bietet als der zehn PS schwächere Zweiliter im Touran. Der klingt zudem deutlich kerniger und läuft nicht so kultiviert wie das Opel-Triebwerk. Hinzu kommt, dass sich bei Geschwindigkeiten über 150 km/h Windgeräusche und Dröhnfrequenzen der Karosserie in die Geräuschkulisse des Touran mischen.

Heftige Punktabzüge kassieren beide in der Bremsenwertung, weil der Anhalteweg bei der zehnten Bremsung mit voller Zuladung deutlich zunimmt – beim Zafira noch mehr als beim Touran. Auch die langen Bremswege bei der μ-split-Bremsung sind nicht akzeptabel.

Unter dem Strich gewinnt der Touran erneut, obwohl der neue Zafira mächtig aufgeholt hat. Besonders bei den Fahreigenschaften und im Antriebskapitel.

Fazit

1. VW Touran 2.0 TDI Highline
490 Punkte

Der Vorsprung des Touran ist deutlich geschmolzen. Mit großem Abstand gewinnt er nur noch die Komfort-Wertung. Das Nachsehen hat er im Antriebskapitel. Eine schwache Vorstellung: die Bremsen.

2. Opel Zafira 1.9 CDTi Edition
476 Punkte

Die starken Seiten des Zafira sind der kräftige und kultivierte Motor sowie die gute Fahrdynamik. Die Lenkung könnte allerdings präziser sein. Auch bei Komfort und Bremsen besteht Nachholbedarf.

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Technische Daten
Opel Zafira 1.9 CDTI Edition VW Touran 2.0 TDI Highline
Grundpreis 27.765 € 28.860 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4467 x 1801 x 1635 mm 4391 x 1794 x 1635 mm
KofferraumvolumenVDA 140 bis 1820 l 600 bis 1913 l
Hubraum / Motor 1910 cm³ / 4-Zylinder 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 202 km/h 200 km/h
0-100 km/h 10,1 s 10,6 s
Verbrauch 6,2 l/100 km 6,1 l/100 km
Testverbrauch 8,5 l/100 km 8,8 l/100 km
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