Toyota Auris gegen Audi A3

Dampf-Ansage

Foto: Seufert 34 Bilder

Aufrüstung in der Kompaktklasse: Mit dem stärksten Vierzylinder-Diesel seines Motorenprogramms hat der Audi A3 Sportback die Messlatte hoch gelegt. Doch der Toyota Auris soll mit seinem Top-Modell D-Cat nicht nur in Sachen Leistung Paroli bieten. Schafft er es?

Gleich und Gleich gesellt sich gern. Mit in der Golf-Klasse üblichen Abmessungen, vier Türen plus Heckklappe sowie Frontantrieb und Dieselmotoren in der 170-PS-Leistungsklasse sind Audi A3 Sportback und Toyota Auris D-Cat Brüder im Geiste.

Doch damit ist aber auch schon Schluss mit der Gleichmacherei, von nun an regiert das Streben nach markentypischer Differenzierung. Und dazu gehört bei Audi in erster Linie der selbstgewählte Premium-Anspruch, den man sich mit einem um 3100 Euro höheren Grundpreis honorieren lässt. Doch der spiegelt noch nicht die ganze Wahrheit wider, denn der Auris D-Cat ist das Top-Modell der Baureihe mit serienmäßiger Executive- Ausstattung.
Dazu gehören etwa eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, eine CDRadioanlage oder das schlüssellose Smart-Key-System, das der Audi-Kunde vergeblich sucht. 

Selbst in der höherwertigen Ambition- Ausstattung des Sportback sind eine vergleichbare Klimaautomatik (1425 Euro) oder ein Tempomat (255 Euro) aufpreispflichtig, sogar die Isofix-Verankerung für den Beifahrersitz kostet 80 Euro extra.
Aber dazu ist – premiumgemäß eben – die Liste möglicher Sonderausstattungen länger als die des Serienumfangs. Hingegen stehen sowohl Auris als auch A3 serienmäßig auf 45er-Niederquerschnittreifen mit Alufelgen. Qualitativ scheint der Audi seinen Preis durchaus zu rechtfertigen.

Hochwertige Innenraummaterialien, passgenaue Verarbeitung und eine exakte Schalthebel-Führung des Sechsgang- Getriebes vermitteln eine Gediegenheit, die der Toyota nicht ganz zu erreichen vermag. Zwar liegt auch bei ihm der Schalthebel ergonomisch günstig zur Hand, doch thront er auf einem Bogen billig wirkenden Kunststoffs, der aus Design-Gründen die Mittelkonsole weit nach hinten verlängert.
Treibt man den Auris zu Autobahntempo an, machen sich störende Windgeräusche bemerkbar. Und bezüglich Dämmung der Abrollgeräusche haben die Toyota- Techniker offenbar etwas weniger Aufwand betrieben als ihre Kollegen bei Audi.
Beim Raumangebot sind die Unterschiede zwischen den Konkurrenten eher subtil. Vorn thronen die Auris-Insassen auf Sitzen mit knapper Oberschenkel- Auflage und wenig Seitenhalt.

Der vanartige Zuschnitt mit weit nach vorn gezogener Frontscheibe trägt zum nutzbaren Volumen zwar kaum bei, erweitert aber den gefühlten Innenraum. Der Nachteil: Beim Einparken lässt sich selbst mit gerecktem Hals das Frontende nur schwer abschätzen. Im Fond beeindrucken weniger die flachen, nur schwach konturierten Sitze, sondern mehr die erstaunlich guten Raumverhältnisse. Die bieten sich auch den Audi-Hinterbänklern, die in der Sportback-Karosserie zudem ein Plus an Kopffreiheit genießen.

Für Großgewachsene ist die Höhenverstellung der Kopfstützen allerdings bei beiden Kontrahenten nicht ausreichend. Dass der Audi vor allem ein Auto für den aktiven Fahrer ist, signalisieren die gut ausgeformten Sportsitze vorn. Die auf Wunsch elektrisch verstellbaren Lendenwirbelstützen (245 Euro) steigern das Wohlgefühl.

Profane Kombi-Assoziationen waren nie die Sache von Audi.

Auch deshalb heißt der viertürige A3 bewusst Sportback. Obwohl er gegenüber dem Zweitürer um 72 Millimeter verlängert wurde, bietet er nur 16 Liter mehr Kofferraum. Ein Transport-Crack für die freizeitorientierte Familie wird er damit nicht, hat mit 370 Litern aber die Nase knapp vor dem Auris.

Auskleidung und Detailgestaltung des Kofferraums machen selbst mit verlängertem Rucksack dem Premiumanspruch Ehre. Dass Sportlichkeit ebenfalls zu den Kernwerten der Marke gehört, untermauert speziell das in der Ambition- Version serienmäßige Sportfahrwerk. Hart, aber gerecht, so lassen sich dessen Eigenschaften auf einen kurzen Nenner bringen.
Natürlich büßt der Sportback damit beim Federungskomfort Punkte ein, das hält sich jedoch in erträglichen Grenzen. Im Gegenzug wird der Audi- Fahrer mit hoher Kurvenwilligkeit und guten Sicherheitsreserven belohnt.

Da kann der Toyota nicht ganz mithalten, der mit komfortorientiert wei- cher Federung und schwacher Dämpfung in Kurven und besonders auf welliger Fahrbahn mitunter zum Aufschaukeln neigt. Auch die Lenkung, die zielgenau und mit guter Rückmeldung agiert, spricht eher für den Audi. Die des Auris ist deutlich anders ausgelegt. Sie ist spürbar leichtgängiger, lässt jedoch vor allem in der Mittellage die gewünschte Präzision vermissen. 

Klar in Führung geht der A3 im Kapitel Bremsen.

Die Schwächen des Auris schälen sich erst dann heraus, wenn er bis zu seinem zulässigen Gesamtgewicht beladen wird.
Doch wirklich gravierend wird der Unterschied, gerät man beim Bremsen zum Beispiel einseitig auf glatten Untergrund. Um hier die Abstimmung des Bremsensystems zu analysieren, schickt auto motor und sport die Testkandidaten auf eine μ- Split-Messstrecke, auf der die Bewässerung auf einer gekachelten Streckenseite die Haftung auf ein Niveau ähnlich dem von Glatteis reduziert.
Damit die Fahrstabilität durch die unterschiedlichen Haftwerte auf der nassen Asphaltseite nicht zu sehr beeinträchtigt wird, besteht die Kunst der Bremsenabstimmung in einer ausgewogenen Rücknahme der Bremskraft auf der hohen Reibwertseite. Fahrstabilität auf Kosten eines längeren Bremswegs heißt hier die Devise, und da haben die Toyota- Entwickler eindeutig übertrieben.
Zwar bleibt der Auris vorbildlich stabil, doch verlässt er die 150 Meter lange Messstrecke mit über 50 km/h – schlicht inakzeptabel.

Auf komfortables Beschleunigen versteht er sich eindeutig besser, denn der Common- Rail-Dieselmotor ist das Sahnestück des Auris.

Kultivierter als der rustikal klingende Pumpe-Düse-Motor des Audi, glänzt er ohne spürbare Anfahrschwäche mit sattem Durchzug. Dennoch erstaunlich, dass er sein Plus an Leistung und Drehmoment nicht in einen Vorsprung bei Beschleunigung und Elastizität ummünzen kann. Die etwas längere Gesamtübersetzung mag hierfür eine Begründung sein. Doch bringt sie im normalen Alltagsbetrieb keinen niedrigeren Kraftstoffverbrauch.
Der Partikelfilter gehört inzwischen bei Audi zum Serienumfang. Bei Toyota wird das Euro-4-Abgaslimit mit dem D-Cat erreicht, der auf einem modifizierten Brennverfahren und der gleichzeitigen Reduktion von Stickoxiden und Rußpartikeln beruht. So zeigt sich am Ende, dass durchaus ganz Unterschiedliches herauskommen kann, wenn zwei das Gleiche versuchen.

Fazit

1. Audi A3 Sportback 2.0 TDI Ambition
485 Punkte

Sparsam, spritzig und fahrsicher - damit holt sich der Audi den Sieg. Als Sportback gewinnt der A3 zusätzliche Qualitäten für Mitfahrer und Reisegepäck.

2. Toyota Auris 2.2 D-Cat
466 Punkte

Gelungenes Raumkonzept, üppige Serienausstattung und Preis sprechen für den Auris. Lenkung, Bremsen und Fahrwerk bergen noch Verbesserungspotenzial.

Technische Daten
Audi A3 Sportback 2.0 TDI Ambition Toyota Auris 2.2 D-CAT Town
Grundpreis 28.500 € 25.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4286 x 1765 x 1423 mm 4220 x 1760 x 1505 mm
KofferraumvolumenVDA 370 bis 1100 l 354 bis 1335 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder 2231 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min 130 kW / 177 PS bei 3600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 222 km/h 210 km/h
0-100 km/h 9,1 s 10,0 s
Verbrauch 5,8 l/100 km 6,2 l/100 km
Testverbrauch 7,9 l/100 km 8,7 l/100 km
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