Toyota Avensis Combi 2.2 D-4D im Test

Dritte Generation mit 150 PS Diesel

Toyota Avensis Combi 2.2 D-4D Foto: Hans-Dieter Seufert 22 Bilder

In seiner dritten Auflage will der Avensis mit aller Macht aus der Mittelmäßigkeit heraus. Schafft es die Kombi-Version mit 150-PS-Diesel?

Jetzt schmeicheln sie uns aber, die Japaner: Besonders europäisch sollte er werden, der neue Toyota Avensis, wobei man darunter ausdrücklich Kreativität und Dynamik versteht – im Einklang mit der Natur. Chefkonstrukteur Takashi Yamamoto bereiste eigens zehn europäische Staaten, um abendländische Auto-Bedürfnisse zu ergründen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit gepfeilter Schürze und nach hinten gezogenen Scheinwerfern steht die dritte Avensis-Generation selbstbewusst auf der Straße. Aber besonders europäisch oder gar dynamisch? Wozu auch, schätzen doch viele Auto-Käufer gerade das Unauffällige ohne die wichtigtuerischen Attitüden aufgerissener Kühlerschlunde, greller LED-Augen oder breitbeinig ausgestellter Radkästen.

Kompletten Artikel kaufen
Einzeltest Toyota Avensis Combi 2.2 D-4D
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 5 Seiten)
1,99 €
Jetzt kaufen

Bei der Größe auf VW Passat-Niveau

Mit dezentem Auftreten hat es Toyota immerhin zur Nummer eins in der Welt gebracht. Trotz Längenwachstums um 50 Millimeter kommt der Neue nicht an die Mittelklasse-Riesen Ford Mondeo oder Opel Insignia heran, landet mit 4,77 Metern jedoch auf dem innenstadtkompatiblen Niveau eines VW Passat. Seine ansteigende Seitenlinie macht die hinteren Scheiben jedoch schmal, worunter die Übersicht leidet. Die beim Navigationssystem (1.900 Euro) enthaltene Rückfahrkamera ist daher mehr als nur Spielerei.

Zu wenig Ablagen

Dass Japaner im Schnitt etwas kleiner sind als Europäer, lernen Personen ab 1,80 Meter Länge schmerzhaft an der nicht weit genug öffnenden Heckklappe. Dafür gibt sie einen mit 543 Litern geräumigen Gepäckraum frei, der sich durch Umklappen der Rücksitzlehne ohne Kraftaufwand auf 1.609 Liter vergrößern lässt. Mit 473 Kilogramm fällt die Zuladung für einen Kombi jedoch äußerst knapp aus, die Flexibilität verschieboder demontierbarer Einzelsitze sucht man ebenfalls vergebens. Immerhin schützt gegen 240 Euro Aufpreis ein Ordnungssystem mit Teleskopstange und Befestigungsgurt Transportgut vor dem Verrutschen. Zudem schlucken Fächer unter dem Kofferraumboden jede Menge Kleinkram. Im Innenraum fehlt es hingegen an Ablagen. Als Ausgleich für winzige Türtaschen und zu kleine Flaschenhalter findet sich lediglich ein üppiges Fach unter der Mittelarmlehne – für ein Familienauto zu wenig. Dafür reist es sich auf den großzügig geschnittenen und in weiten Bereichen verstellbaren Vordersitzen bequem und luftig. Wer sich jedoch an der Heckklappe eine Beule geholt hat, wünscht sich auch auf der Rückbank mehr Kopffreiheit.

Sparzwang im Detail

Nicht ganz einheitlich der Qualitäts-Eindruck: Toll, dass Handschuhfach und Münz-Versteck mit ihrer samtigen Auskleidung schmeicheln und sich bei Bestellung von Leder (2.000 Euro) sogar das Lenkrad elektrisch in Position bringt. Andererseits künden grob gerasterte LCD-Anzeigen für Tankinhalt und Kühltemperatur vom Sparzwang der Entwickler, während Fingerkuppen an Türgriffen und Lautsprechergittern auf scharfe Gussgrate oder abstehende Kunststoffkanten stoßen. Unverständlich auch, weswegen sich trotz ausreichend Platz auf der Mittelkonsole einige Knöpfe hinter dem Lenkrad verstecken – darunter so prominente Funktionen wie die elektrische Feststellbremse oder der Parkpiepser.

Inspiriert von deutschen Autobahnen

Von welchen Straßen Europas Chefentwickler Yamamoto bei der Fahrwerksabstimmung inspiriert wurde, ahnt man schon nach wenigen Metern: von deutschen Autobahnen. Erst bei höheren Geschwindigkeiten federt der 1.667 Kilogramm schwere Kombi geschmeidig und schafft mit stabilem Geradeauslauf Vertrauen. Kurze Wellen schütteln die Insassen jedoch heftig durch, auch Frostaufbrüche und Asphaltflicken sorgen für Unruhe. Dafür bleibt er selbst bei hohem Kurventempo neutral, ohne kapitulierend über die Vorderräder zu schieben. Wegen hoher Seitenneigung, glatter Sitzbezüge und mangelnder Traktion machen enge Kehren dennoch wenig Spaß. Dabei hätte die präzise, nicht zu leichtgängige Lenkung durchaus das Zeug zu mehr Sportlichkeit. Zur insgesamt sicheren Abstimmung passen kräftige Bremsen, die nicht einmal unter starker Beanspruchung nachlassen.

Vibrationsarmer Lauf und souveräner Durchzug

Beim im Testwagen eingebauten Diesel mit 150 PS handelt es sich um eine abgespeckte Variante des bekannten 2,2-Liters mit 177 PS, der als Topmotor weiterhin erhältlich ist. Doch auch die etwas schwächere Variante überzeugt durch vibrationsarmen Lauf und souveränen Durchzug, vor allem aber mit ihrem niedrigen Verbrauch. Wer sich an die Anzeige im Drehzahlmesser hält und früh hochschaltet, kommt mit sechs Litern 100 Kilometer weit – angesichts der Transportkapazität ein Top-Wert. Da lässt es sich verschmerzen, dass sich bei höherem Tempo Motor-, Wind- und Abrollgeräusche zu einem lästigen Gesamtgemisch addieren. Weniger akzeptabel erscheint hingegen die Ausstattungspolitik von Toyota.

Eher der Durchschnittstyp

Wer in den Genuss moderner Sicherheitsfunktionen wie des radargestützten Notbremssystems oder Spurhalteassistenten kommen möchte, muss zur knapp 39.000 Euro teuren Top-Variante Tec-Edition greifen, die zudem nur mit Automatikgetriebe lieferbar ist. Immerhin hat schon der Basis-Kombi mit seinem 1,6-Liter-Benziner für 23.700 Euro alles Wesentliche an Bord, während die getestete Executive-Version mit schlüssellosem Zugangssystem, 17-Zoll-Rädern, Soundsystem samt Freisprecheinrichtung und anklappbaren Seitenspiegeln verwöhnt.

Rassiges italienisches Design, französischen Komfort oder deutsche Fahrpräzision kann der Avensis also nicht bieten. Er repräsentiert vielmehr den Durchschnittstyp, den man nicht kauft, um sich beim Jahrgangstreffen in die Ich-hab’s-geschafft-Pose zu werfen. Bis auf die zu geringe Zuladung leistet er sich jedoch keine echten Schwächen, ist reichhaltig ausgestattet und fährt sicher sowie sparsam. Eigenschaften, die auch in Europa gut ankommen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Platzverhältnisse für Fahrer und Beifahrer
  • großer Laderaum
  • wenig Kopffreiheit hinten
  • schlechte Übersichtlichkeit
  • teils einfache Materialqualität
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • gute Klimatisierung
  • bequeme Sitze
  • gute Klimatisierung
Antrieb
  • vibrationsarmer und durchzugskräftiger Dieselmotor
  • geringer Verbrauch
  • hakelige Schaltung
Fahreigenschaften
  • sicheres Kurvenverhalten
  • stabiler Geradeauslauf
  • präzise Lenkung
  • Traktionsschwächen
  • wenig agil
Sicherheit
  • wirksame, standfeste Bremsen
  • umfangreiche Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • günstiger Verbrauch
  • Euro 5-Schadstoffeinstufung
Kosten
  • akzeptabler Anschaffungspreis
  • umfangreiche Ausstattung
  • kurze Service-Intervalle

Fazit

Auch in der dritten Auflage bleibt der Avensis ein braver Alltagsbegleiter, der weder mit besonderem Flair glänzt noch mit Allüren nervt. Dem sparsamen Kombi fehlt es bei Fahrwerk und Verarbeitung an Feinschliff.

Technische Daten
Toyota Avensis Combi 2.2 D-4D Executive
Grundpreis 31.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4765 x 1810 x 1480 mm
KofferraumvolumenVDA 543 bis 1609 l
Hubraum / Motor 2231 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 3600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
0-100 km/h 9,6 s
Verbrauch 5,7 l/100 km
Testverbrauch 7,4 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ 4-Türer Coupé, Exterieur Mercedes-AMG GT 4-Türer im Test Wie gut ist der Panamera-Rivale?
Beliebte Artikel Vergleichstest Opel Insignia im Vergleich Kampf um die Mittelklasse Toyota Prius Toyota Prius Neuer Hybrid in dritter Generation
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Nissan GT-R50 by Italdesign Nissan GT-R50 by Italdesign 990.000 Euro-Sportwagen zum 50ten Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ 4-Türer Coupé, Exterieur Mercedes-AMG GT 4-Türer im Test Wie gut ist der Panamera-Rivale?
Allrad Audi SQ5 3.0 TFSI Quattro, Exterieur, Heck SUV Neuzulassungen November 2018 Audi und Porsche unter Druck Erlkönig Land Rover Defender 110 Erlkönig Land Rover Defender (2020) Der Landy kehrt zurück!
Oldtimer & Youngtimer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker BMW 507 Graf Goertz Die teuersten Promi-Autos 2018 2,6 Millionen für Goertz-507
Promobil Mitmachen und gewinnen Movera Cleanmaxx Handstaubsauger Ford Nugget Plus Ford Nugget Plus im Test Campervan mit Heck-Bad
CARAVANING Mitmachen und gewinnen Movera Cleanmaxx Handstaubsauger Campingplatz-Tipp Costa Verde Campingplatz-Tipp Portugal Orbitur-Camping Rio Alto