Toyota GT86 gegen Peugeot RCZ 1.6 200 THP

Zwei Volksvertreter im Vergleichstest

Toyota GT86, Peugeot RCZ 1.6 200 THP, Frontansicht Foto: Rossen Gargolov 25 Bilder

Sie haben etwa 30.000 Euro zur Verfügung und wollen sich einen Sportwagen gönnen? Da ist die Auswahl nicht groß. Passende Kandidaten wären der Toyota GT86 oder der Peugeot RCZ.

An die reiche Klientel scheinen viele Hersteller zu denken – nur die weniger reiche wird kaum bedacht. Oder wo sind die bezahlbaren Sportwagen um die 30.000 Euro? Schön, dass gerade Toyota ein Herz für Normalverdiener hat und den GT86 bringt. Flache Schnauze, stämmiges Heck und – jawohl! – Hinterradantrieb. Ob da ein frontgetriebenes Sportcoupé wie der Peugeot RCZ mithalten kann?

Peugeot RCZ etwas properer als der Toyota GT86

Immerhin hat der Beau aus Frankreich schon mehrfach die Pylonengasse zum Laufsteg umgemünzt. Denn obwohl der Peugeot RCZ auf der Plattform des eher komfortablen 308 basiert, sorgen zusätzliche Stabilisatoren vorne und hinten, straffere Dämpfer sowie kürzere Federn samt Verbundlenker-Hinterachse für fahrdynamisches Talent. Doch verglichen mit dem Toyota GT86 ist der Peugeot RCZ etwas properer und schleppt 110 Kilogramm mehr mit.

Der Toyota GT86 dagegen ist praktisch aus dem Nichts konstruiert und auf die Erfordernisse eines Sportwagens ausgelegt. Dazu zählt eben möglichst wenig Gewicht. Es ließe sich freilich weiter senken, wenn man die mangels Fußfreiheit kaum nutzbare Rückbank ausbauen würde – was genauso für den Peugeot RCZ gilt. Beide sind Zweisitzer mit zusätzlicher Ablage in Form von hinteren Sitzen.

Alles Bemühen richtete sich eindeutig auf den Fahrerplatz: Er ist schlicht, aber vorbildlich gestaltet, fast schon puristisch. Man sitzt im Toyota GT86 tief integriert im Fahrzeug und erreicht das Lenkrad perfekt. Die rechte Hand fällt wie von selbst auf den kurzen Schaltknüppel, und die Füße können zielsicher über die Pedale tänzeln.

Toyota GT86 mit einfachen Materialien

Dass die verwendeten Materialien eher einfacher Natur sind – geschenkt. Schließlich sollten die Kosten des agilen Volkssportlers ja niedrig bleiben. Und Wesentliches wie einen großen Drehzahlmesser sowie gut konturierte Sportsitze gibt es serienmäßig.

Damit das Nischenmodell GT86 auf nennenswerte Stückzahlen kommt, ging Toyota eine Kooperation mit Subaru ein – die Allrad-Spezialisten haben einen baugleichen, nur in der Form leicht geänderten Sportwagen namens BRZ auf den Markt gebracht. Subaru liefert den Boxer-Vierzylinder zu, der dank flacher Bauweise tief im Motorraum kauert. Das senkt den Schwerpunkt.

Doch abgesehen davon verdient der Zweiliter nicht gerade überschwängliches Lob. Zwar weisen die Leistungs- (200 PS bei 7.000/min) und die Drehmoment-Angabe (205 Nm bei 6.400/min) den doppeleinspritzenden Sauger als hochdrehenden Sportmotor aus, was den müden Antritt erklärt, doch selbst im mittleren Bereich geht es kaum munterer weiter. Lustlos dreht das Triebwerk des Toyota GT86 seinem Begrenzer entgegen und erweist sich schnell als Spaßbremse. So kommt der Toyota GT86 schlechter aus den Startlöchern, und sein Abstand auf den Peugeot RCZ vergrößert sich noch bei höheren Geschwindigkeiten.

Peugeot RCZ powert los

Auch auf dem kleinen Kurs von Hockenheim wünscht man sich einen Turbolader her, der dem saft- und kraftlosen Motor Beine machte. Aus den Kurven heraus fehlt es an Drehmoment, und der Toyota GT86 beschleunigt wie mit angezogener Handbremse. Dagegen powert der 1,6-Liter des Peugeot RCZ geradezu los – schon aus dem Drehzahlkeller. Und er tobt regelrecht bis zur Nenndrehzahl. Im Peugeot RCZ bremst etwas anderes: Die Vorderräder können den Vorwärtsdrang nicht überzeugend umsetzen, und beim Gasgeben zerrt es in der Lenkung.

Beim Anbremsen der Kurve auf letzter Rille zeigt sich eine lähmende Eigenheit: Im ABS-Regelbereich schiebt der Peugeot RCZ über die Front; man muss warten, bis die Reifen wieder Grip aufbauen – oder besser früher und damit vor der ABS-Schwelle bremsen. Dann lässt sich der Peugeot RCZ wunderbar einfach um alle Radien zirkeln. Scherereien mit dem Heck sind nie zu befürchten, selbst bei Lastwechseln nicht.

Im Gegenteil: Man muss Letztere sogar aktiv bemühen, damit der Fronttriebler williger einlenkt. Wer angesichts der straffen Fahrwerksabstimmung ein heckbetonteres Fahrverhalten erwartet hätte, sieht sich getäuscht. Offensichtlich stand leichte Beherrschbarkeit unter allen Bedingungen im Lastenheft.

Mäßige mechanische Traktion im Toyota GT86

Da waren die Ingenieure bei Toyota in ihrer Auslegung freier. Schon beim Slalom hilft die kreuzfidele Hinterachse mit: Der Toyota GT86 lässt sich wunderbar mit dem Gasfuß lenken, bleibt dennoch gutmütig. Frühzeitig kündigt sich das drängende Heck an, gleitet weich in den Grenzbereich hinüber. Dann liegt es am Fahrer, die Weichen zu stellen: Lenkwinkel zurücknehmen und neutral auf Kurs bleiben oder hart ans Gas gehen – schon driftet der Sportwagen.

Und genau das macht den Toyota GT86 so einzigartig: Er überfordert selbst Rennstrecken-Novizen nicht, gibt ihnen die Möglichkeit, ihren fahrdynamischen Horizont ohne Abflug-Ängste zu erweitern – und fühlt sich dabei dennoch ganz wie ein echter Sportwagen an. Bewusst entschieden sich die Japaner gegen eine allzu spitze Abstimmung des Fahrverhaltens.

Damit bleibt der Toyota GT86 mit mäßiger mechanischer Traktion zwar unter seinen theoretischen Möglichkeiten – doch die Bridgestone Potenza RE 050A bieten genug Grip, dass das japanische Sportcoupé bis auf ein Zehntel an die Runde des Peugeot RCZ herankommt. Hätte er noch dessen Motor, könnte er am Kurvenausgang locker aus dem Windschatten am Peugeot vorbeiziehen.

So aber reicht es in diesem Vergleich nur knapp zum Sieg und zur Erkenntnis: Der Volkssportwagen heißt Toyota GT86.

Technische Daten
Peugeot RCZ 1.6 l 200 THP Toyota GT86
Grundpreis 31.700 € 30.750 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4287 x 1845 x 1362 mm 4240 x 1775 x 1285 mm
KofferraumvolumenVDA 321 bis 639 l 243 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 5800 U/min 147 kW / 200 PS bei 7000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h 226 km/h
0-100 km/h 7,4 s 7,6 s
Verbrauch 6,7 l/100 km 7,8 l/100 km
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