Toyota Landcruiser V8 im Test

Stop and No

Foto: Hans-Dieter Seufert 30 Bilder

Die achte Generation des Toyota Landcruiser betritt die Bühne – mit noch mehr Raum, Luxus und einem 4,5- Liter-V8-Diesel, aber auch mit starkem Bremsfading.

Es kommt selten vor, dass ein neues Modell schlechter ist als sein Vorgänger. Beim Toyota Landcruiser der achten Generation ist es aber der Fall. Das Problem: Die Bremsen des großen Geländewagens bauen unter Belastung stark ab. Schon kalt verzögern sie nur auf mittelprächtigem Niveau und bringen den Landcruiser aus 100 km/h erst nach 44 Metern zum Stehen. Erhitzt durch zehn Vollbremsungen und bis zum maximalen Gesamtgewicht beladen, werden daraus erschreckende 56 Meter.
Toyota sucht derzeit nach der Ursache für dieses Problem. Der Vorgänger – etwas leichter, aber auch mit Bremsscheiben von geringerem Durchmesser ausgestattet – kannte diese Schwäche nicht. Die Generationen sieben und acht haben dennoch vieles gemeinsam. Die Karosserie ruht wie bisher auf einem Leiterrahmen, und für Vortrieb sorgt weiterhin der permanente Allrad-Antrieb.

Technik grundlegend überarbeitet

Optisch trennen die beiden ebenfalls keine Welten, und doch ist die Technik grundlegend überarbeitet worden. Der Allrad-Antrieb wurde durch ein neues Torsen-Differenzial aufgewertet, das die Momente zwischen den Achsen variabel verteilt, falls der übliche Split (40:60) nicht optimal ist. An die Vorderachse können beispielsweise beim Beschleunigen auf rutschiger Fahrbahn maximal 50 Prozent geleitet werden, während die Hinterräder beim Bremsen mit maximal 70 Prozent des Antriebsmoments versorgt werden.

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Wird es ganz knifflig, lässt sich das Differenzial auch manuell sperren, um einen starren Durchtrieb zwischen den Achsen zu erreichen. Im Fahrwerk stecken weitere Innovationen, denn sowohl die Stabilisatoren wie die Stoßdämpfer arbeiten variabel, wenn man die Executive-Ausstattung wählt. So sollen Geländetauglichkeit und gleichzeitig das Fahrverhalten auf der Straße weiter optimiert werden.

V8-Motoren mit hohem Verbrauch

Nicht gerade klein fallen die Motoren aus, denn für den Landcruiser V8 gibt es entweder einen 4,7- Liter-Benziner mit 288 PS (79.900 Euro) oder den komplett neuen 4,5-Liter-Diesel, wie im Testwagen mit Executive-Ausstattung für 79.900 Euro. Im Vorgänger sorgte noch ein Reihensechszylinder mit 204 PS für Vortrieb, jetzt schiebt ein Common-Rail-V8 mit 286 PS den leer 2,8 Tonnen schweren Koloss voran.

Beeindruckend ist vor allem sein Drehmoment: 650 Newtonmeter, 220 mehr als zuletzt. Klar, dass so ein Kraftbolzen ordentlich Futter braucht. Den Scheich werden die 15,4 Liter/100 km, die der Motor im Testmittel wegsaugt, nicht erschüttern. Mitteleuropäer kommen da eher ins Grübeln, zumal schon der Minimalverbrauch mit zehn Liter/100 km nicht wirklich minimalistisch ausfällt. Zum grünen Image der Marke Toyota passen solche Werte jedenfalls nicht.

Allerdings passt der geschmeidige Motorlauf perfekt zum Luxus-Offroader, und angesichts des mächtigen Schubs, den der Achtzylinder entwickelt, lässt sich die Anfahrschwäche verschmerzen. Dabei sollte es vornehmlich geradeaus gehen, denn handlich ist der Landcruiser nicht. In engen Kurven schiebt er kräftig über die Vorderräder, während ESP dafür sorgt, dass der Straßengraben nicht zu nahe kommt. Zudem strafft ein Sicherheitssystem à la Pre-Safe in brenzligen Situationen blitzartig die vorderen Gurte, und eine Phalanx aus bis zu zehn Airbags schützt im Extremfall die Passagiere. Vor allem wegen seines Luxusklasse-Komforts wäre er ein begehrenswertes Auto. Schwache Bremsen und unzeitgemäße Trinksitten sprechen allerdings gegen ihn.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Sehr gute Platzverhältnisse für Passagiere und Gepäck, gute Übersichtlichkeit nach vorne
  • Teilweise schlechte Passungen im Interieur, gewöhnungsbedürftige Bedienung
Antrieb
  • Kultivierter, gut ansprechender Diesel, sehr gute Traktion, weich schaltende Sechsgang-Automatik
  • Leichte Anfahrschwäche
Fahrkomfort
  • Sehr bequeme Sitze, wirkungsvolle Vier-Zonen-Klimatisierung, sehr geschmeidige Federung, niedriges Geräusch-Niveau
  • Unbequeme Sitzposition im Fond
Fahreigenschaften
  • Stabiler Geradeauslauf, präzise, etwas gefühllose Lenkung
  • Schwerfälliges Handling, starkes Untersteuern
Sicherheit
  • Umfangreiche Sicherheitsausstattung
  • Schwache, fadingempfindliche Bremsanlage
Kosten
  • Üppige Ausstattung, drei Jahre Garantie
Umwelt
  • Hoher Verbrauch

Fazit

Hoher Komfort, sehr gute Geländetauglichkeit und üppiges Platzangebot sprechen für den großen Land Cruiser. Seine unzeitgemäßen Trinksitten und die schwachen Bremsen machen ihn wenig empfehlenswert.

Technische Daten
Toyota Land Cruiser 4.5 V8 D-4D Executive
Grundpreis 82.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4950 x 1970 x 1865 mm
KofferraumvolumenVDA 655 bis 2320 l
Hubraum / Motor 4461 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 210 kW / 286 PS bei 3600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
0-100 km/h 8,9 s
Verbrauch 10,2 l/100 km
Testverbrauch 15,4 l/100 km
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