Toyota Prius Life

Das Hybridmodell im Top Test

Toyota Prius Life Foto: Hans-Dieter Seufert 30 Bilder

Weltweit hat Toyota bereits über 1,2 Millionen Prius verkauft. Jetzt kommt die dritte Generation der Hybrid-Limousine auf den Markt. Sie verspricht mehr Leistung und einen nochmals erheblich reduzierten Kraftstoffverbrauch.

Britischer Humor kann ganz schön gemein sein. Die Hybrid-Modelle von Toyota, so schrieb ein Fachjournalist von den Inseln, "sind etwas für Menschen, die Autos überhaupt nicht mögen". Steckt da ein Körnchen Wahrheit drin? Ist Sparen das Gegenteil von Spaß?

Beverly Hills fährt Toyota Prius

Die Amerikaner sehen das anders: Der Toyota Prius verbreitet sich im Land der dicken SUV und Pickup schnell wie eine Spam-Mail. In der Edel-Gemeinde Beverly Hills, wo das Auto wahrhaftig nicht dem traditionell verstandenen Fahrspaß, sondern allein der Stützung des eigenen Egos dient, fährt höchst selbstbewusst Toyota Prius (der Toyota Prius im Fahrbericht), wer sich als weltoffener und umweltbesorgter Intelligenzler präsentieren möchte. Im Rolls spielt man dort die prollige Prinzenrolle. Es kommt also auf den Standpunkt an. Mit minimaler Beanspruchung der natürlichen Ressourcen von A nach B zu kommen, hat durchaus seinen Reiz. Der Toyota Prius beweist das auf einer Tour von Stuttgart durch den Schwarzwald bis zum Kaiserstuhl.

Der Toyota Prius besteht die Öko-Prüfung

Ein bisschen Autobahn, viel gewundene Landstraße. Der Fahrstil: keineswegs bewusst öko, zügig überholend, wenn sich die Gelegenheit bietet. Nach 208 Kilometern der Tankstopp: Lächerliche 10,7 Liter gluckern in den Tank, der Durchschnittsverbrauch liegt bei 5,1 Liter/100 km. Rückfahrt auf der Autobahn. Es sind längere Vollgasetappen möglich, bei denen sich der Toyota Prius nach quälend langem Anlauf bis auf 190 km/h schraubt. Durchschnitt 8,4 Liter. Über den gesamten Test ergeben sich 5,9 Liter, und das ist ein Wort für ein familientaugliches Auto, das vier Personen bequem Platz bietet. Das Zusammenspiel eines Elektromotors mit einem in der jüngsten Prius-Generation nun 1,8 Liter großen Vierzylinder besteht die Öko-Probe also mit Bravour.

Im reinen Elektrobetrieb schafft der Toyota Prius 1,5 Kilometer

Weil im Alltag nicht getestet wird, wird die Vier vor dem Komma zur viel erlebten Realität. Allein schon die Anzeigen im Cockpit, die über den Kraftfluss und den Verbrauch informieren, stellen eine ständige Herausforderung dar, nach neuen Verbrauchsrekorden zu jagen. Wer das Gaspedal ganz niedertritt, tut dies automatisch mit schlechtem Gewissen. Da reizt es eher, den per Tastendruck anwählbaren EV-Modus zu prüfen. In dem fährt der Toyota Prius voll elektrisch, der Verbrennungsmotor ruht. Das geht bis maximal 45 km/h, also bestenfalls in der Stadt. Und nicht lange. Wer 1,5 Kilometer schafft, bis die Batterie mangelnde Kapazität signalisiert, darf sich schon auf die Schulter klopfen. Es reicht immerhin, um in Parkhäusern abgasfrei zu manövrieren oder im Stop and- go-Verkehr den Benzinmotor für längere Zeit zum Schweigen zu verurteilen.

Das Fahrverhalten des neuen Toyota Prius hat sich verbessert

Das lässt ahnen, welches Potenzial im Hybrid steckt und dass er in der Zukunft, mit der Weiterentwicklung der Batterietechnik, noch weit mehr können wird. Gegenüber seinem Vorgänger hat der Prius jedenfalls einen ordentlichen Sprung in der Antriebstechnik nach vorn gemacht. Aber auch sonst ist er ein eindeutig besseres Auto geworden. Die Lenkung reagiert spontan und direkt, sie vermittelt sogar einen Hauch sportlichen Handlings. Das Fahrverhalten wurde insgesamt behänder - ein moderner Fronttriebler eben, der problemlos und auf Wunsch auch schnell durch die Kurven schnürt, auf der Autobahn solide geradeaus läuft und sich durch gute, wenn auch nicht herausragende Bremsen auszeichnet. Wichtiger noch: Der Federungskomfort hat zugelegt. Der Toyota Prius bügelt die Straßen zwar nicht sänftenartig glatt, aber er vermag Bodenwellen so zu absorbieren, dass sie bei der reisenden Besatzung nicht zum diskussionswürdigen Thema werden.

Der Prius-Motor arbeitet mit dem Atkinson-Prinzip

Da gibt es andere. Beispielsweise die dominierenden Windgeräusche bei hohem Tempo und das ungewöhnlich laute Abrollen der Reifen, die sich auf der Autobahn zu einer lästigen Kakophonie vereinen. Oder auch der Motor. Der arbeitet nach dem so genannten Atkinson-Prinzip. Das hat etwas mit den Steuerzeiten der Einlassventile zu tun, verbessert die Effizienz im oberen Drehzahlbereich und reduziert die Notwendigkeit, unter Volllast das Gemisch anzufetten, was der Schadstoffemission und dem Verbrauch gut tut. Wer Details liebt: Wikipedia.de liefert mehr, als Sie vermutlich wissen wollen. Manches davon merkt man beim Fahren. Die Atkinson-Steuerung beeinträchtigt die Drehmomententwicklung im unteren Drehzahlbereich, weshalb man ruhig behaupten darf, dass der Verbrennungsmotor wohl kaum seinen mittlerweile über 100-jährigen Siegeszug angetreten hätte, wenn Atkinson die Grundlagen geliefert hätte.

Der Toyota Prius kann nicht rundum überzeugen

Aber in Verbindung mit einem Elektromotor, dessen Durchzugskraft aus dem Stand das ausgleichen kann, wird die Sache wieder interessant. Das Gesamtbild, das entsteht und zu dem als charakterbildender Bestandteil auch die stufenlose Automatik des Toyota Prius gehört, ist dennoch nicht rundum überzeugend. Das Ansprechen auf Befehle des sehr langhubig ausgelegten Gaspedals wirkt speziell im Eco-Modus ausgesprochen zäh. Es gibt auch die Stellung Power, die den Benzinmotor mehr in die Pflicht nimmt, aber die erhöht spürbar den Verbrauch. In jedem Fall wird die Geduld auf die Probe gestellt, bis sich ernsthafter Schub einstellt.

Der Fahrer soll zu einer passiven Fahrweise erzogen werden

Hinter dieser gewöhnungsbedürftigen Auslegung steckt das Bemühen, den Fahrer des Toyota Prius zu erziehen - zu einer passiven Fahrweise, die dem Konsumverhalten des Hybridantriebs zugute kommt. In diesem Fall wird auch der Verbrennungsmotor nur am Rande wahrgenommen. Er brummt friedlich vor sich hin und drängt sich nicht in den Vordergrund. Das ändert sich, wenn die Leistung abgefordert wird, die sich in der Summe dessen, was Kolben- und Elektromotor liefern, auf immerhin 136 PS beläuft. Dann heult der Motor gequält auf und verharrt beim Beschleunigen bei einer Drehzahl, in der er den besten Durchzug liefert. Der Toyota Prius klingt wie eine alte Waschmaschine im Schleudergang und zerrt auf die Dauer an den Nerven. Also runter vom Gas und Benzin sparen - auch auf freier Autobahn. Toyota Prius fahren heißt umlernen. Abschied nehmen von der Vielzylinder-Drehzahlund- Sound-Verliebtheit, von Turbo- Bumms und feinmechanischer Getriebetechnik.

Lieblose Kunststofflandschaft im Toyota Prius

Das Fahren reduziert sich wieder auf die Freiheit, die uns das Auto gibt: jederzeit dorthin fahren zu können, wohin wir gerade wollen. Auch das kann Fahr-Spaß sein. Steigerung verspricht eine angenehme Auto-Umgebung, und da wiederum springt der Toyota Prius zu kurz. Die schlechte Übersichtlichkeit seiner Karosserie wird im dichten Verkehr zum Ärgernis, die lieblose Kunststoff-Landschaft seines Interieurs ernüchtert angesichts der Preise, die für diese Toyota-Limousine gefordert werden. Auch die Ergonomie der Bedienung und die verschachtelte Digital-Instrumentierung verdienen keinen Beifall bei einem Produkt, das in die Auto-Zukunft weisen soll. Aber die steht ja auch gerade erst vor einem Neustart.

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Für diesen Aufpreis bekommt man 17- statt der 15-Zoll- Räder mit breiterer Bereifung (215/45 R 17 statt 195/65 R 15) sowie eine Geschwindigkeits-Regelanlage und ein Lederlenkrad.

Der Toyota Prius ist günstig im Unterhalt

Das Toyota Prius Topmodell Executive für 28.250 Euro fügt noch Abblendlicht-Automatik, LED-Scheinwerfer, Audio-System mit Bluetooth und CD-Wechsler sowie ein Smart-Key-System (schlüsselloses Öffnen und Starten) hinzu. Allen Toyota Prius gemeinsam ist die sehr günstige Einstufung bei der neu gestalteten Kfz-Steuer, wo sie von der geringen Kohlendioxid-Emission (bis zu 89 Gramm pro Kilometer im Normzyklus mit 15-Zoll-Bereifung) profitieren. Dies ist der derzeit geringste CO2-Ausstoß aller Benziner auf dem Markt. Vorteilhaft sind die günstige Versicherungseinstufung sowie die Wartungs- und Reparaturkosten. Sie konnten laut Toyota gegenüber dem Vorgänger gesenkt werden, unter anderem dadurch, dass es keinen herkömmlichen Anlasser, keine Lichtmaschine und keinen Riemenantrieb für Nebenaggregate gibt. Den wichtigsten Kostenfaktor bildet natürlich der Verbrauch. Der ist wie immer stark von der Fahrweise abhängig. Werte unter fünf Liter/ 100 km gelingen beim Toyota Prius aber ohne betontes Engagement.

Wäre da nicht das teilweise dominante Laufgeräusch des Benzinmotors, würde der Fahrer den Einsatz der beiden Antriebsquellen, der auf Wunsch auf einem Display im Cockpit dargestellt wird, gar nicht wahrnehmen.

Günstige Verbrauchswerte dank Eco-Modus

Immerhin kann er Einfluss darauf nehmen. Im Eco-Modus, der den Standard nach dem Start bildet, wird der Einsatz des Elektromotors favorisiert. Damit lassen sich die günstigsten Verbrauchswerte erzielen. Daneben gibt es die Power-Stellung. Der Otto-Motor reagiert dabei spontaner aufs E-Gas, die Leistungsentfaltung wird temperamentvoller. Die Kehrseite der Medaille: Der Verbrauch steigt an. Als dritte Variante gibt es den E-Modus, in dem der Prius rein elektrisch dahinrollt, solange die vorhandene Batteriekapazität dies erlaubt. Maximal 45 km/h sind dabei möglich, die Reichweite liegt unter günstigen Bedingungen (voll geladene Batterie, keine Steigungen, behutsame Fahrweise) bei rund 1,5 Kilometern. Die übrigen Bestandteile der Toyota Prius-Elektronik zeigen keine Highlights. Die Einparkhilfe bietet nichts Neues, das Navigationssystem lässt sich zwar leicht bedienen, bietet aber eine vergleichsweise grobe, nicht dem aktuellen Technikstand entsprechende Bildschirmgrafik.

Dass beim Einlegen des Rückwärtsgangs ein lautes Piepen wie bei einem Gabelstapler ertönt, macht die Sache nicht besser. Auf Landstraße und Autobahn legt der Prius eine ruhige Fahrweise nahe.

Komfort ist keine herausragende Stärke des Toyota Prius

Wenn es schnell vorangehen soll, werden das zähe Ansprechen des Benzinmotors und dessen aufdringliches Laufgeräusch bei hohen Drehzahlen zu Störfaktoren. Deutlich zugelegt hat der Toyota Prius auf jenen Feldern der klassischen Automobiltechnik, die mit dem Hybrid-Antrieb nichts zu tun haben. Die elektrische Servolenkung vermittelt nun ausreichend Rückmeldung, das Handling ist zwar nicht sportlich, aber behände genug für ein Auto, das im Öko-Bereich die Prioritäten setzt. Die Bremsen verzögern zuverlässig, die Federung arbeitet ordentlich, ohne den Komfort zur herausragenden Toyota Prius-Eigenschaft zu machen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Platzangebot im Innenraum
  • großer Kofferraum
  • schlechte Übersichtlichkeit
  • einfache Kunststoffanmutung
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • wirksame Klimatisierung
  • befriedigende Federung
  • teilweise gewöhnungsbedürftige Bedienung
  • lautes Abrollgeräusch
Antrieb
  • sehr effiziente Antriebseinheit
  • unauffällig arbeitende Automatik
  • große Reichweite
  • zähes Ansprechen aufs Gas
  • mäßige Fahrleistungen
  • brummiges Motorgeräusch
Fahreigenschaften
  • sichere Kurveneigenschaften
  • stabiler Geradeauslauf
  • gute Handlichkeit
  • exakte Lenkung
  • starkes Untersteuern unter Extrembedingungen
Sicherheit
  • gute Sicherheitsausstattung
  • standfeste Bremsen
Umwelt
  • sehr niedriger Verbrauch
  • geringer Schadstoff-Ausstoß
  • Euro 5-Einstufung
Kosten
  • geringe Kraftstoffkosten
  • drei Jahre Garantie (fünf Jahre auf Hybrid-Technik)
  • niedrige Kfz-Steuer
  • relativ hoher Preis

Fazit

Der Hybrid-Antrieb des Toyota Prius beweist hohe Effizienz. Bis auf das brummige Motorgeräusch gibt es wenig auszusetzen. Fahreigenschaften und Komfort sind besser geworden. Wer Öko will, wird den Prius lieben.

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Technische Daten
Toyota Prius Life
Grundpreis 27.050 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4460 x 1745 x 1490 mm
KofferraumvolumenVDA 445 bis 1545 l
Hubraum / Motor 1798 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 73 kW / 99 PS bei 5200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
0-100 km/h 12,0 s
Verbrauch 4,0 l/100 km
Testverbrauch 5,9 l/100 km
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