Toyota RAV4 2.5 VVT-i, Honda CR-V 2.0 i-MMD, Exterieur Achim Hartmann

Toyota RAV4 2.5 VVT-i und Honda CR-V 2.0 i-MMD

Kompakte Hybrid-SUV im Test

Fast mag man es nicht glauben: Die Kompakt-SUV der Hybridpioniere Honda und Toyota mussten bis vor Kurzem ohne elektrischen Zusatzantrieb auskommen. Welcher stromt gekonnter, CR-V oder RAV4?

Es ist ja nun bereits 20 Jahre her, da kamen die ersten Großserien-Hybridautos auf den Markt: Toyota Prius und Honda Insight. Umso erstaunlicher, dass die beiden Marken ihre umsatzstarken Kompakt-SUV erst kürzlich unter Strom setzten – und zugleich auf Dieselmotoren verzichteten. Den Honda gibt es sonst nämlich nur mit einem 173 oder 193 PS starken 1,5-Liter-, den Toyota mit einem Zweiliter-Benziner mit 175 PS, jeweils mit Vorderrad- oder Allradantrieb.

So gesehen scheinen die Hybridversionen gute Alternativen zu sein, zumal sich die Aufpreise für die zusätzlichen Elektroantriebe und Energiespeicher in Grenzen halten. 3.000 Euro sind es beim RAV4, 3.800 im Falle des CR-V – eigentlich gute Deals, bedenkt man den Aufwand, der im komplexen Antrieb steckt. Dabei sind die beiden SUV nicht gerade billig, denn der Toyota kostet als Hybrid mindestens 32.990 Euro und in der getesteten Club-Ausstattung sogar 37.190 Euro. Der Honda mit Hybrid- und Vorderradantrieb ist schon ab 32.790 Euro zu haben, der Testwagen mit Allradantrieb und Elegance-Trimm liegt mit 37.690 Euro etwas über dem Tarif des Rivalen.

Honda CR-V 2.0 i-MMD, Exterieur
Achim Hartmann
Der Honda CR-V ist ein sogenannter Mischhybrid, der meist elektrisch fährt.

Bei der Hybridtechnik gehen die beiden Hersteller sehr unterschiedliche Wege. So ist der Honda ein sogenannter Mischhybrid, der meist elektrisch fährt. Der Benziner lädt lediglich den Li-Ionen-Akku auf, treibt nur bei bestimmten Fahrzuständen und höheren Geschwindigkeiten direkt mit festem Übersetzungsverhältnis die Vorderräder an. Im Toyota kommt der bekannte leistungsverzweigte Hybridantrieb mit zwei Motorgeneratoren, einem Planetengetriebe – Power Split Device genannt – sowie einem Vierzylinder-Benziner und einem Nickel-MH-Akku-Pack zum Einsatz.

Der Fahreindruck wird geprägt von dem stufenlosen Getriebe – ein ganz spezielles Toyota-Hybrid-Feeling, das sich trotz der Weiterentwicklung in den letzten 20 Jahren kaum geändert hat. Geändert hat sich dagegen das Leistungsniveau, denn der 2.5 VVT-i bringt es im Verbund mit dem E-Motor auf eine Systemleistung von 218 PS. Damit beschleunigt der RAV4 aus dem Stand in 8,5 Sekunden auf 100 km/h, in 4,5 Sekunden kann er von Tempo 60 auf 100 spurten. Respektabel also, nur der eher unwillig auf- heulende Vierzylinder suggeriert mangelnde Leistungsbereitschaft. So wirkt der Toyota zäher, als er nach den Messwerten ist.

Der RAV ist sparsamer

Das bekommt der schwächere Honda CR-V MMD Hybrid AWD deutlich besser hin. Sein Zweiliter-Vierzylinder dreht geschmeidiger hoch und klingt im optimalen Lastbereich etwas weniger gequält als das Toyota-Triebwerk. Dabei arbeiten beide Benzinmotoren nach dem sogenannten Atkinson-Zyklus, in dem – vereinfacht gesagt – verspätet schließende Einlassventile den Ansaugvorgang verlängern und die Verdichtungsphase verkürzen. Das ist gut für den Wirkungsgrad, doch schlecht für die Leistung, weshalb das Prinzip gern bei Benzinern mit Hybridunterstützung verwendet wird, wenn also ein E-Motor mitschieben kann.

Besonders gut setzen sich die beiden Hybrid-SUV im Teillastbetrieb in Szene, die auto motor und sport-Eco-Runde absolvieren sie mit Verbräuchen um sechs Liter je 100 Kilometer. Dabei zeigt sich der Toyota sogar rund einen halben Liter sparsamer: 5,7 Liter Super sind für einen 1,6 Tonnen schweren SUV ein sehr beachtlicher Wert. Etwas mehr verbrennen die beiden im Testdurchschnitt: der CR-V 7,2 Liter, beim RAV4 sind es nur 6,9 Liter.

Toyota RAV4 2.5 VVT-i, Exterieur
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14 Gramm Kohlenstoffdioxid je km spart der Toyota auf der Eco-Runde gegenüber dem Honda ein. Das entspricht etwa dem Inhalt von vier bis fünf nicht zu prall gepusteten handelsüblichen Luftballons.

In der alltäglichen Fahrpraxis sieht das so aus, dass man in beiden mit rund 6,5 Liter auf 100 km Durchschnittsverbrauch sehr gut über die Runden kommt. Das gilt freilich nicht, wenn hohe Reisegeschwindigkeiten auf der Autobahn gefordert sind, bekanntlich keine Lieblingsdisziplin von Hybridbenzinern. Schneller als mit 180 km/h geht es in beiden Fällen ohnehin nicht voran.

Für Autobahn-Hetzereien kauft sich vermutlich sowieso keiner einen Hybrid-SUV, wobei die Testwagen ihren Job bis etwa 160 km/h sehr ordentlich machen. Darüber hinaus wird es zäh und laut, wobei der Honda eine Spur souveräner wirkt. Objektiv gemessen offenbaren sich jedoch nur minimale Unterschiede, der CR-V zieht auch hier etwas gelassener durch. Nur bei Volllast dröhnt sein Vierzylinder aufdringlicher als jener des RAV4. Hohe Laufkultur erlebt man in beiden nur, wenn die E-Motoren am Zug sind und sich die Verbrenner weitgehend im Hintergrund halten – bei konstanter Fahrt und wenig Last also.

Durch die Knopfdruckbedienung der Fahrstufen und den häufigen Eingriff des Elektroantriebs wirkt der Honda elektrischer, fast wie ein E-Auto mit Range Extender. Im Toyota fällt der elektrische Zusatzantrieb allenfalls beim kultiviert-weichen Losfahren auf.

Der Honda ist agiler

So wirkt der Honda um einiges dynamischer, auch weil er agiler ums Eck kommt – falls man das bei diesem Vergleich sagen kann. Beide sind ja nicht gerade als Kurvenkünstler bekannt, dazu sind sie zu träge und zu diffus im Fahrverhalten. Dass sich der CR-V dabei etwas lebendiger anfühlt, liegt unter anderem an der präziseren Lenkung. Erstaunlicherweise tanzt der RAV4 etwas flinker um die Standard-Slalom-Pylonen, aber nur, wenn man feinfühlig genug fährt, um nicht vom übereifrig eingreifenden Stabilitätsprogramm eingebremst zu werden.

Honda CR-V 2.0 i-MMD, Exterieur
Achim Hartmann
Der Honda CR-V wirkt um einiges dynamischer, auch weil er agiler ums Eck kommt – falls man das bei diesem Vergleich sagen kann. Beide sind ja nicht gerade als Kurvenkünstler bekannt, dazu sind sie zu träge und zu diffus im Fahrverhalten. Dass sich der CR-V dabei etwas lebendiger anfühlt, liegt unter anderem an der präziseren Lenkung.

Wobei – das wahre Leben eines Hybrid-SUV besteht ja nur zu kleinen Teilen aus überschwänglichem Kurvenfahrspaß. Viel häufiger stehen praktische Fragestellungen im Vordergrund, unter anderem die nach Transportkapazität und Insassen-komfort.

In diesen Disziplinen liegen Toyota und Honda ziemlich nah beieinander, und wenn man ein paar ruhige Tage mit einem der beiden verbringt, versteht man besser, warum sie weltweit zu den meistverkauften Kompakt-SUV zählen. Beide sind Autos jener Sorte, die dich in Ruhe lassen und ihren Job unauffällig erledigen, ohne große Aufmerksamkeit zu erfordern. Und natürlich sind vier Erwachsene samt Reisegepäck in beiden gut untergebracht – mit leichten Vorteilen für den Honda: Sein Interieur ist hinten wie vorn je ein paar Millimeter breiter, und das merkt man auch.

Der RAV4 hat eine neigungsverstellbare Rückenlehne hinten, die zum Wohlbefinden der Fondinsassen beiträgt. Über den besseren Federungskomfort dürfen sie sich dagegen wiederum im CR-V freuen. Der überbügelt Unebenheiten ein wenig geschmeidiger, wenngleich festzuhalten ist, dass keiner der beiden SUV rundum überzeugend abgestimmt ist. Querfugen überrollen sie ungehobelt, bei gröberen Unebenheiten zeigt sich der Honda souveräner und mit größeren Federwegreserven. Dagegen wirkt der RAV4 unharmonisch – mit straffen Federn und polterigem Losbrechmoment.

Viel Sicherheit ab Werk

Die entscheidenden Punkte für die Endabrechnung holt sich der Toyota bei der Sicherheit. Er verzögert um einiges besser, nur bei einer Vollbremsung aus 130 km/h kommt der Honda etwas früher zum Stehen. Und der Toyota bringt ein etwas umfangreicheres Sicherheitspaket mit, wobei beide ab Werk sehr gut ausgestattet sind.

So hat der RAV4 etwa serienmäßig einen zusätzlichen Knieairbag für den Fahrer, automatischen Notruf, Pre-Collision-Warner mit Fahrrad- sowie Verkehrsschilderkennung und Spurassistenten. Im CR-V gibt es die gängigen Helfer wie Müdigkeitswarner, Abstandsregeltempomat, aktive Spurhalter und Kollisionswarner ebenfalls serienmäßig, wenn man die Elegance-Ausstattung wählt.

Im Fall des Spurassistenten ist das allerdings kein ungetrübtes Vergnügen, denn der nervt mit voreiliger Warnung inklusive Lenkradvibrationen. Ein weiterer kleiner Punkt, der dazu beiträgt, dass der Honda in diesem Vergleichstest am Ende knapp hinter dem Toyota ins Ziel kommt.

Toyota RAV4 2.5 VVT-i, Honda CR-V 2.0 i-MMD, Exterieur
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Fazit

1. Toyota RAV4 2.5 VVT-i 412 Punkte

Der sparsamere Antrieb, die besseren Bremsen, die einfachere Bedienung und der üppigere Kofferraum bringen den RAV4 nach vorn. Nicht so toll: der Federungskomfort.

2. Honda CR-V 2.0 i-MMD 406 Punkte

In vielen Disziplinen agiert der CR-V auf Augenhöhe, beim Komfort und bei der Agilität ist er besser. Allerdings stören der unharmonische Antrieb und die schwächeren Bremsen.

Technische Daten

Honda CR-V 2.0 i-VTEC Hybrid AWD Elegance Toyota RAV4 2.5 Hybrid Club
Grundpreis 37.690 € 37.690 €
Außenmaße 4600 x 1855 x 1689 mm 4600 x 1855 x 1685 mm
Kofferraumvolumen 497 bis 1694 l 580 bis 1690 l
Hubraum / Motor 1993 cm³ / 4-Zylinder 2487 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 107 kW / 145 PS bei 6200 U/min 131 kW / 178 PS bei 5700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h 180 km/h
0-100 km/h 8,6 s 8,5 s
Verbrauch 5,5 l/100 km 4,5 l/100 km
Testverbrauch 7,2 l/100 km 6,9 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
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