Toyota Starlet im Test

Viele Verbesserungen zum günstigen Preis

Im Kreise der Kleinwagen war der Starlet bislang nicht der große Star. Viele Verbesserungen bei unverändert günstigem Preis sollen nun der 5. Generation neuen Glanz verleihen. Ist mit dem kleinen Toyota ein neuer Stern am Autohimmel aufgegangen?

Zumindest im Stau-Busineß haben neben den großen Stars auch Starlets eine Chance. In Zeiten, wenn es nicht nur auf den Straßen, sondern auch in den Haushaltbudgets eng wird, verkündet der kleine Toyota eine erfreuliche Botschaft: Das Sternchen hat sich keine Star-Allüren zugelegt. Natürlich wurden Falten geglättet, etwas frische Farbe aufgelegt und ein paar neue Kunststücke einstudiert, doch in Größe und Preis bleibt er seinem Publikum treu.

Schon der Vorgänger gewann als solides Angebot zu fairen Konditionen viele Fans, und das dürfte dem jüngsten Modell wieder gelingen. Die Verarbeitungsqualität ist hoch, und bei der Anschaffung kann man gegenüber den meisten Konkurrenten noch immer einen ansehnlichen Betrag sparen. Effektiv wurde der Starlet sogar billiger, denn für nur 420 Mark mehr hat er jetzt serienmäßig eine Servolenkung und zwei Airbags. Erfreulich ist ebenfalls, daß der Starlet nun mit vier Türen (Aufpreis 900 Mark) bestellt werden kann, schon weil diese Version eine Gurthöhenverstellung vorn hat und die im Zweitürer lästige Neueinstellung des Fahrersitzes beim Einstieg nach hinten entfällt.

Auf ein größeres Platzangebot darf man deshalb nicht hoffen, denn wie die Außenmaße blieben die Innenabmessungen praktisch unverändert. Allein die Ellenbogenfreiheit und die Sitzhöhe im Fond wuchsen um wenige Zentimeter. Ähnliches gilt für den Kofferraum, der mit 214 Litern etwas weniger faßt als beim Vorgänger (226 Liter). Immerhin erleichtern die 25 Zentimeter breitere Heckklappe sowie die 1,5 Zentimeter niedrigere Ladekante den Zugang und die asymmetrisch umlegbare Rücksitzlehne die Nutzbarkeit des Heckabteils.

Die maximale Zuladung von 439 Kilogramm reicht hingegen für ein Auto dieses Kalibers allemal. Selbst an Ablagen im Innenraum fehlt es nicht, eher schon an einer wohnlichen Auskleidung. Ebenso muß man auf einen Drehzahlmesser sowie weit genug herausziehbare Kopfstützen vorn verzichten. Hinten sind diese Polster – anders als im Testwagen – erst gar nicht lieferbar. Unter den zu 58 Prozent weiblichen Kunden erwartet Toyota offenbar vorwiegend Mütter mit Kleinkindern, denn die zwei Automatikgurte im Fond verfügen über eine spezielle Kindersitz-Arretierung. Daß man trotz aller Einschränkungen auf Anhieb mit dem Starlet zurechtkommt, liegt an seiner guten Übersichtlichkeit und der leichtgängigen Bedienung.

Instrumente und Schalter machen schon deshalb keine Probleme, weil sich Toyota auf das wirklich Notwendige beschränkt hat. Zu den wenigen Extras gehören eine Klimaanlage (2100 Mark), die nur in Verbindung mit Zentralverriegelung und elektrischen Fensterhebern vorn (im Paket für 900 Mark) lieferbar ist, sowie das bemerkenswert preisgünstige Dreikanal- ABS (1100 Mark). Serienmäßig sind dagegen zwei Airbags und eine Servolenkung an Bord, die mit ihrer Präzision und Direktheit das Handling im Stadtverkehr erleichtert, aber bei höheren Geschwindigkeiten wenig Rückmeldung und Gefühl vermittelt.

Mit den ausreichend großen und konturierten Sitzen kann man jedoch selbst auf längeren Strecken leben. Zudem sind sie gut auf die Federung abgestimmt, die ihrerseits zum spürbar verbesserten Komfort beiträgt. Bodenwellen und Querfugen schluckt der Starlet inzwischen mit erstaunlicher Gelassenheit, ohne freilich an die Klassenbesten wie Citroën Saxo oder VW Polo heranzureichen. Außerdem bleiben Abroll-, Wind- und Aufbaugeräusche dezent im Hintergrund, was nicht zuletzt der nunmehr steiferen Karosseriestruktur zu verdanken ist.

Bei voller Beladung könnte sein Fahrwerk aber mehr Dämpfung vertragen. Die insgesamt weiche Abstimmung macht sich besonders in Kurven bemerkbar. Dort neigt sich der kleine Toyota kräftig zur Seite, und bei schnellen Spurwechseln oder abruptem Gaswegnehmen wird man bisweilen von Lastwechselreaktionen überrascht. Dies erstaunt um so mehr, als er ansonsten gutmütig untersteuert und recht kurvenwillig wirkt. Seine größte Schwachstelle offenbart er beim Bremsen: Die ohnehin geringe Verzögerung läßt bei hoher Belastung dramatisch nach (siehe Kasten).

Am richtigen Drive fehlt es diesem Sternchen allerdings nicht. Denn während die meisten Konkurrenten mit bescheidenen 45 bis 60 PS geordert werden, bietet der nur mit 75 PS angebotene Toyota sogar einen Hauch von Fahrspaß. Verantwortlich dafür ist der aus dem Corolla übernommene Vierventilmotor, der bis auf die Leistung kaum etwas mit dem 1,3 Liter-Dreiventiler des Vorgängers gemeinsam hat. Die Segnungen größeren Hubraums und eines günstigeren Drehmomentverlaufs (115 Nm bei 4300/min statt 101 Nm bei 4800/min) zeigen sich schon im besseren Durchzugsvermögen bei Überholmanövern. Man muß einfach seltener zum Schalthebel greifen, was angesichts dessen exakter, aber etwas knochiger Führung freilich keine schwere Belastung darstellt.

Mehr noch profitiert von dieser Leistungscharakteristik die Laufkultur, die erst jenseits von 4000/min durch zunehmende Dröhngeräusche getrübt wird. Auch mit den gebotenen Fahrleistungen – Sprint von null auf 100 km/h in 12,0 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 170 km/h – braucht sich der Starlet im Kreis seiner Kontrahenten nicht zu verstecken, selbst wenn der Vorgänger etwas temperamentvoller zur Sache ging.

Mehr Sicherheit, Ausstattung und Komfort fordern zweifellos ihren Tribut, doch mit einem Gewichtszuwachs von 125 Kilogramm (leer) setzt Toyota falsche Zeichen. Die zusätzlichen Pfunde treiben vor allem den Verbrauch in die Höhe. Statt einstmals 7,2 Liter Normalbenzin schlürfte die Einspritzpumpe nun 7,8 Liter Super pro 100 Kilometer aus dem Tank. Extreme zwischen 5,1 und 9,7 Liter im Testbetrieb zeigen hier noch Reserven, während der Griff zum 2000 Mark billigeren Sparmodell Starlet j wenig empfehlenswert erscheint: Neben der Servolenkung fehlt ihm auch der Beifahrer-Airbag, und beides gibt es – wie ABS – nicht einmal gegen Aufpreis. Schließlich gehört das Sternchen schon ohne diesen Striptease zu jenen Wesen, die einem nicht gleich das Hemd ausziehen. Der Einstandspreis liegt rund 2000 Mark unter dem eines vergleichbaren Ford Fiesta, und günstige Versicherungsprämien sowie eine Dreijahresgarantie sind im Honorar mit inbegriffen. Da kann man schon auf manche Star-Qualitäten verzichten.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Kleinwagen mit guter Verarbeitungsqualität und variablem Laderaum
  • befriedigendes Platzangebot vorn
  • leichtgängige und übersichtliche Bedienung
  • wenig Beinfreiheit im Fond
  • kleiner Kofferraum
  • erschwerter Einstieg nach hinten (Zweitürer)
Fahrkomfort
  • bequeme, ausreichend bemessene Sitze
  • verbesserter Federungskomfort mit befriedigendem Schluckvermögen
  • geringe Windgeräusche
  • Fahrwerk insgesamt etwas unterdämpft
  • kerniges Motorgeräusch bei höheren Drehzahlen
Antrieb
  • drehfreudiger Vierventilmotor mit gleichmäßiger Leistungsabgabe
  • gute Laufkultur und Elastizität
  • klassenübliches Temperament
  • exakte Schaltung mit kurzen Wegen
  • Getriebe etwas knochig zu schalten
Fahreigenschaften
  • untersteuerndes, weitgehend sicheres Kurvenverhalten
  • guter Geradeauslauf
  • sehr direkte, leichtgängige Servolenkung
  • Bremsen mit starkem Fading bei hoher Belastung
  • Neigung zu Lastwechseln
  • Lenkung mit geringer Rückmeldung
Sicherheit/Umwelt
  • 2 Airbags und Gurtstraffer vorn serienmäßig
  • preiswertes Antiblockiersystem (550 EUR)
  • gekennzeichnete Kunststoffe
  • Fondgurte mit spezieller Kindersitz-Sicherung
  • keine Gurthöhenverstellung (Zweitürer)
  • Kopfstützen zu niedrig
Kosten
  • günstiger Anschaffungspreis,
  • niedrige Versicherungsprämien
  • 3-Jahres-Garantie mit Kilometerbegrenzung (100.000 km)
  • angemessene Service-Intervalle (alle 15.000 km)
  • Wiederverkaufschancen und Benzinverbrauch nur durchschnittlich
Technische Daten
Toyota Starlet
Grundpreis 10.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3740 x 1635 x 1400 mm
KofferraumvolumenVDA 214 bis 500 l
Hubraum / Motor 1332 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
0-100 km/h 12,0 s
Verbrauch 6,8 l/100 km
Testverbrauch 7,8 l/100 km
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