Toyota Yaris, Ford Fiesta, Hyundai Getz

Kurzer Prozess

Foto: Hans-Dieter Seufert 39 Bilder

Jeder von ihnen macht die Parkplatz-Suche leicht, und dennoch sind sie schon erwachsene Autos: Der neue Toyota Yaris trifft mit Ford Fiesta und Hyundai Getz auf frisch überarbeitete Rivalen.

Manchmal ist es mit Autos wie mit Menschen: Es gibt diese leisen Typen, die wir täglich sehen, die uns eines Tages trotzdem nicht mehr auffallen und beinahe in Vergessenheit geraten.

Der Ford Fiesta ist so ein Fall: Ewig auf dem Markt, als Modellreihe fast schon ein Fall für die große Ü-30-Party, im vergangenen Jahr fast 60 000 Mal verkauft, dazu frisch modellgepflegt – und doch ist er ein Auto, das im Straßenbild scheinbar kaum in Erscheinung tritt. Ach ja, der Fiesta, Deutschlands Mädchenschwarm der späten Siebziger: Damals, als er seine größte Zeit erlebte, waren Alternativen rar, nicht nur solche aus Wolfsburg oder Rüsselsheim. Heute heizen dem Alt-Star auch Mitbewerber wie der Toyota Yaris ein – und sogar ein Hyundai Getz. Seine immer noch tapfere Platzierung in den Verkaufscharts haben sie zwar nicht kassiert, aber ein wenig zusetzen können sie ihm doch: Rund 23 000 Yaris und 14 000 Getz kamen 2005 neu auf die Straße. Möglich, dass die Geschäfte in diesem Jahr noch flüssiger laufen.

Denn jetzt steht die zweite Yaris-Generation bei den Händlern: Sie muss Abstand zum kleineren Aygo halten, fällt deshalb etwas stattlicher aus und wirkt nun auch erwachsen, wenn sie nicht den Nachnamen Verso trägt. Hyundai verteidigt den Claim des Getz derweil mit neuen und stärkeren Motoren sowie strengerem Scheinwerfer-Blick, während sich die jüngste Auffrischung des Fiesta vor allem auf das Interieur beschränkt. Hochwertigere Kunststoffe sollen ihn gegen die Wettbewerber abgrenzen –das ist gelungen: Auf Anhieb überzeugt der Fiesta mit dem besten Qualitätseindruck aller drei Testkandidaten. Stimmige Materialauswahl, angenehme Haptik und akkurates Finish zeigen, dass Ford aus der Kritik früherer Fiesta-Jahre gelernt hat. Als größter Ausrutscher fällt die schlabbrige Matte im Kofferraum auf – geschenkt, besonders mit Seitenblick auf die flott gestylte, aber lieblos realisierte Toyota-Wohnlandschaft. Hartplastik total, dazu Grate im Griffbereich und unsauber eingepasste Cockpit-Teile offenbaren das allzu ehrgeizige Sparprogramm. Nicht wesentlich griffsympathischer, dafür aber präziser montiert wirken die Kunststoff-Komponenten an Bord des Hyundai.

Zu hohe Ansprüche? Die Preislisten liefern eine Antwort, denn richtig billig sind alle drei Rivalen nicht. Der Hyundai Getz 1.4 GLS kostet 12 590 Euro, er bringt dafür zwar den stärksten Motor (97 PS) und das Ausstattungslevel GLS mit, schämt sich sonst aber keiner Blöße. ESP kostet ebenso Aufpreis (600 Euro) wie die Klimaanlage und eine Funkfernbedienung für die Türen. Und obwohl es ein CD-Radio bei Hyundai schon zum Discounttarif von 149 Euro gibt, kratzt ein ordentlich ausgestatteter Getz an der 15000-Euro-Marke.

Er nähert sich damit einem Toyota Yaris 1.3 Executive, der zwar zehn PS schwächer und rund 1500 Euro teurer ist, dafür aber das Studium der Mehrpreis-Liste erübrigt. Neben ESP sind selbst Klimaautomatik, Leichtmetallräder und Keyless-Go im Preis enthalten.

Dass es nicht viel billiger geht, zeigt schließlich auch der 80 PS starke Fiesta 1.4 Trend: Sein Grundpreis von 13 475 Euro klingt zwar attraktiv, aber populäre Extras sind teuer: Saftige 710 Euro kassiert Ford für das CD-Radio, 1405 Euro werden für die Klimaautomatik fällig und weitere 155 für Nebelleuchten. Ein Stabilitätsprogramm gibt es erst für Typen mit dem deutlich teureren 1,6-Liter-Motor: Das ist der größte Schocker im Fiesta-Programm. Genug gerechnet. Aber vor dem Fahren kommt die Parade-Disziplin moderner Kleinwagen, das Verstauen. Und die erste Sitzprobe: Sie dient in allen drei Fällen zur Beruhigung großer Passagiere, die es zumindest vorne gut aushalten können. Annehmbarer Fond-Komfort endet hingegen bei einer Körpergröße von 1,75 Metern.

Die Kopffreiheit für Größere ist bescheiden, und nur in einem geringen Plus an Beinfreiheit setzt sich der Yaris gegen seine Konkurrenten ab. Mit Basis-Kofferräumen von 254 bis 284 Litern sind sich die drei Kanidaten noch ähnlich, nicht aber in den Spielarten der Erweiterung. Hier punktet der Yaris: Kleingepäck verschwindet diskret im Staufach unter dem Ladeboden, die verschiebbare Rückbank erlaubt die variable Nutzung des Gepäckabteils. Und wenn die kleine Kommode mitreisen soll, lassen sich die Fondsitze mit zwei, drei Handgriffen flachlegen. Beim Getz kann die asymmetrisch klappbare Rückbank oder Lehne gegen die vorderen Sitze gefaltet werden. Dagegen vertrauen die Väter des Fiesta wie einst darauf, dass umlegbare hintere Lehnen sowie eine hochklappbare Sitzfläche genug sind. Könnte ja sein – wenn die Bank wenigstens teilbar wäre.

Als Chef-Praktiker empfiehlt sich der Toyota zudem mit einer Vielzahl von Ablagen und drei Handschuhfächern. Prima gemacht, da kommen die Wettbewerber nicht mit. Dafür vergrätzen sie ihre Benutzer aber nicht mit einem mittig platzierten Mäusekino. Der Fiesta tut sich mit kleineren Schrullen wie versteckten Tasten für die Sitzheizung (170 Euro) und einem Tankdeckel hervor, der separat per Schlüssel geöffnet werden muss. Und der Hyundai? Er wirkt im Vergleich zum Yaris mit seinem durchgestylten Cockpit im Lounge-Stil so überholt wie ein Kassetten-Walkman, funktioniert aber tadellos.

Kein spektakulärer Typ also, der Getz. Aber einer, der seine Kräfte gut einteilt. Seine stärkste Stunde schlägt im Fahrvergleich, weil er sein Drehmoment- Maximum deutlich früher bereitstellt als seine etwa gleich muskulösen Kollegen. Speziell der Toyota fordert höhere Drehzahlen als der Hyundai, der sich mit den besten Beschleunigungs- und guten Elastizitätswerten nach vorne schiebt, seiner Arbeit aber nicht am leisesten nachkommt. Wobei Ruhe ein relativer Begriff ist: Denn alle drei zählen nicht zu den wirklich dezenten Typen, wenn ihnen forcierte Gangart abverlangt wird.

Zum Protest ihrer Motoren kommen deutliche Windgeräusche – auch darin gibt es keinen wesentlichen Unterschied. Sicher, die Testwagen-Preise laden zum Jammern auf hohem Niveau ein. Selbstverständlich, es lässt sich leben und sogar reisen mit den gut motorisierten Kleinen. Ihre Leistung reicht aus, um auf der linken Spur nicht jedem Kurier-Transporter aus dem Weg gehen zu müssen. Aber wenn das Ortsschild hinter ihnen liegt, offenbaren sich auch unangenehme Wesenszüge. Toyota und Hyundai etwa parieren Querfugen und Bodenwellen auf vergleichsweise hölzerne Art: Während die Hinterachse des Getz mehr zum trockenen Austeilen neigt, verfällt der Yaris in kleine, hektische Dauerschwingungen.

Beide sind keine Marterinstrumente, wirken aber unkomfortabler als der Ford mit seiner ebenfalls straffen, aber harmonischer abgestimmten Federung. Einen weiteren Vorsprung erarbeitet sich der Fiesta mit seiner direkten Lenkung. Auch hier ist es der neue Yaris, der spürbar zurückbleibt: Speziell bei schneller Landstraßen-Fahrt fühlt sich sein Fahrer nur unzureichend an Richtungsänderungen beteiligt.

Die nimmt der Fiesta allerdings selbsttätig vor, wenn der nutzbare Asphalt knapp wird, beim schnellen Ausweichen etwa: Abrupte Lastwechsel beantwortet er in Ermangelung von ESP mit spontanem Heckschwenk. Das überfordert Laien umso mehr, weil er im Normalfall ebenso narrensicher untersteuert wie Yaris und Getz. Zudem könnte der Fiesta entschiedener bremsen, was allerdings für jeden der drei Kandidaten gilt: Selbst der Yaris braucht von 100 auf null km/h mehr als 40 Meter. So kann der Ford jedenfalls nicht gewinnen, er schiebt sich aber wenigstens vor den Hyundai, den die höchsten Festkosten des Trios beuteln. Und der Yaris kassiert den Sieg nach Punkten.

Fazit

1. Toyota Yaris 1.3 VVT-i
464 Punkte

Ein Kleinwagen auf dem neuesten Stand – speziell in puncto Variabilität und Sicherheit. Finish und Lenkung überzeugen nicht, er könnte auch geschmeidiger federn.

2. Ford Fiesta 1.4 16 V
439 Punkte

Er ist kein Virtuose des praktischen Fachs, aber ein gut verarbeitetes und vor allem fahrdynamisch überzeugendes Auto. Großes Manko: ESP gibt es auch nicht als Option.

3. Hyundai Getz 1.4
419 Punkte

Seine stärkste Seite: das Temperament. Ansonsten ist der Getz ein braves, etwas blasses Auto, das unterm Strich kaum billiger kommt als seine beiden Mitbewerber.

Zur Startseite
Technische Daten
Toyota Yaris 1.3 VVT-i Executive Hyundai Getz 1.4 GLS Ford Fiesta 1.4 16V Trend
Grundpreis 17.475 € 13.390 € 13.475 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3750 x 1695 x 1530 mm 3825 x 1665 x 1490 mm 3924 x 1685 x 1432 mm
KofferraumvolumenVDA 275 bis 1183 l 254 bis 977 l 284 bis 947 l
Hubraum / Motor 1296 cm³ / 4-Zylinder 1399 cm³ / 4-Zylinder 1388 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 64 kW / 87 PS bei 6000 U/min 71 kW / 97 PS bei 6000 U/min 59 kW / 80 PS bei 5700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h 170 km/h 167 km/h
0-100 km/h 12,6 s 11,4 s 13,1 s
Verbrauch 6,0 l/100 km 6,5 l/100 km 6,2 l/100 km
Testverbrauch 7,4 l/100 km 7,8 l/100 km 7,7 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
SUV Nissan Altima-te AWD Kettenfahrzeuge aus aller Welt Die schärfsten Kisten mit Ketten Erlkönig Land Rover Discovery Sport Land Rover Discovery Sport (2019) Künftig auch als Hybrid-SUV
Promobil
Hobby Vantana K60 Fs en vogue Seite Hobby Vantana K60 Fs-Veredelung Mit dem en vogue voll in Mode? Hymer B MC Verkauf der Erwin Hymer Group Thor will nachverhandeln
CARAVANING
Ford Ranger Pick-up mit Power Ford Ranger zieht 15 Caravans Automatikgetriebe Automatik-Getriebe im Vergleich Effizient und schnell Schalten
Anzeige
Alle Automarken von A-Z
Markenbaum Sideteaser Erlkönige, Neuvorstellungen und Tests von allen Marken