V8 Vantage vs 911

Distanziertes Verhältnis

Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

Volks-Aston gegen Carrera-Creme: Kann der neue Aston Martin V8 Vantage auf Anhieb in der Champions League gegen den Platzhirsch Porsche 911 Carrera S antreten?

In ihren ursprünglichen Revieren sind sich die beiden Sportwagenmarken geflissentlich aus dem Weg gegangen: Als Aston Martin 1959 mit den DBR 1-Dreiliter-Rennsportwagen einen Doppelsieg in Le Mans holte, kämpfte Porsche mit dem 550 Spyder noch um Erfolge in den kleineren Hubraumklassen.

Als Porsche nach 1972 zum großen Seriensieger mutierte, war Aston Martin auf einen Geheimtipp für Geheimagenten und Thronfolger geschrumpft. Erst unter dem neuen Chef Ulrich Bez bietet die Traditionsmarke aus Gaydon in der lieblichen mittelenglischen Grafschaft Warwickshire eine in sich geschlossene, homogene Modellpalette an, die jedoch nicht in dem 528 PS starken Topmodell Vanquish S gipfelt, sondern im neuen V8 Vantage. Ur-Schwabe Bez, der von Kunden der Marke längst wie Q, der geniale Erfinder aus den James-Bond-Filmen, verehrt wird, hat sich mit dem neuen Basismodell auf Porsche-Terrain gewagt. 385 PS Leistung aus einem 4,3- Liter-V8-Frontmittelmotor, 4,38 Meter lang, 104 995 Euro teuer – da muss Porsche für einen Vergleich bereits den 355 PS starken Carrera S auspacken.

Um Parallelen zu entdecken, muss tief geschürft werden – entweder in der Historie oder unterm Blech. Ulrich Bez war als ehemaliger Porsche-Technik- Vorstand für den 997-Vorgänger 993 direkt verantwortlich.

Außerdem eint die beiden unterschiedlichen Sportwagen eine identische Position des Getriebes, nämlich an der Hinterachse mit dem Differenzial verblockt. Was beim 911 als Folge des Heckmotorkonzepts logisch ist, ergibt sich beim Aston V8 aus der Pflege jenes Transaxle-Prinzips, das Porsche zwecks ausgeglichenerer Achslastverteilung seinerzeit auch 928, 924/944 und 968 spendierte und das Ferrari im 575 Maranello und 612 Scaglietti weiter verfeinerte.

Immerhin kommt der Aston damit in den Genuss einer Sechsgang-Schaltzentrale vom Turiner Ferrari-Zulieferer Graziano. Bei den Radkästen ließ sich Ex- Aston-Designer Henrik Fisker vielleicht von Jennifer Lopez inspirieren.

Das Alublech ist an den Flanken eng gespannt, um die Üppigkeit der 19- Zoll-Reifen wie ein hautenger Minirock zu betonen. Gleichzeitig unterstreicht die elegante Sicke zwischen beiden Radläufen eine schlanke Taille, die mittels bündig eingelassener Türhebel – zuerst drücken, dann ziehen – türmäßig auch noch zart nach oben schwingt. Der coole Touch des Designs fließt nahtlos in den Innenraum.

Dort ergeben die gedeckten Farbtöne der durchweg edlen Materialien und zurückhaltenden Formen das Ambiente einer Armani-Boutique mit kleinen Schwächen. Die gegenläufigen Zeiger von Tacho und Tourenzähler sorgen zusammen mit der kleinen Skalierung des Geschwindigkeitszählers für noble Unruhe, die dem ebenfalls kleinklein gestrickten Porsche-Armaturenbrett leichte Vorteile verschafft.

Die tiefe Sitzposition verschränkt den Piloten ideal mit allen Befindlichkeiten der Technik, schränkt aber die Übersichtlichkeit ein. Wo beim Porsche der Schwung der Kotflügel einen Teil des Panoramas bildet, wird im Aston das Blickfeld vorne von den Scheibenwischern begrenzt. Außerdem verlangt das Graziano- Getriebe nach einem nachdrücklichen Unterarmmuskel, um die Gänge eins und zwei präzise einzulegen und die steife Gassenführung zwischen den Schaltebenen sauber zu nehmen. Beim Elfer flutschen Schalthebel und Getriebezähne einfach besser, weil sich in den Schikanen zwischen den Schaltebenen Abkürzungen fahren lassen.

Die Lenkung des Aston Martin V8 Vantage ist gut, vielleicht zunächst etwas zu träge aus der Mittellage, dann eine Spur zu leichtgängig, worunter der intensive Kontakt zur Straße leidet. Die des Porsche 911 Carrera S ist einfach besser: agiler, präziser, noch direkteren Fahrbahnkontakt vermittelnd.

Bei allen fahrdynamischen Messungen behält der Platzhirsch die Schnauze vorn, manchmal nur um Zehntelsekunden wie bei allen Elastizitätsmessungen, manchmal um ein Hauseck wie beim ISO-Wedelkurs, den der Porsche mit 146,1 km/h durchfährt, während der Aston Martin 138,9 km/h erreicht.

Die Qualität von Sportwagen entsteht nicht wie ein großes Puzzle, bei dem Teil um Teil akkurat zusammengefügt sein muss, sondern als Abfolge von Bestzeiten in den elementaren Streckenabschnitten.

Als Inkarnation des Sportwagens holt der Porsche seine Punkte natürlich auch auf der Bremse, standesgemäß beinahe mit dem Maximum an Punkten. Lediglich bei der μ-split-Stabilitätswertung muss er einen Punkt an den Aston Martin abgeben, der mit minimalen Lenkradkorrekturen beim Bremsentest auf Fahrbahnen mit unterschiedlichen Reibwerten die Spur hält.

Beim reinen Anhalteweg dagegen lässt der Aston deutlich Federn. Geht dem V8 Vantage mit über 150 Meter Bremsweg quasi die Fahrbahn aus, krallt sich der Porsche mit 92 Metern auch auf links und rechts unterschiedlichen Fahrbahnoberflächen in bewährter Manier fest. Im Kapitel Fahrkomfort steht der Aston Martin auf gleicher Augenhöhe. Speziell über lange Bodenwellen fühlt sich der etwas weicher abgestimmte Brite sogar komfortabler an, allerdings stoßen Federn und Dämpfer bei kurzen Unebenheiten und höherem Tempo rascher an Grenzen.

Beim Fahrverhalten sind beide eindeutig positioniert: Anfangs untersteuernd, wandelt sich der Porsche unter dem Einfluss des Gaspedals zum bekennenden, allerdings gut kontrollierbaren Übersteuerer, während der Aston Martin beim Untersteuern konsequent Kurs hält. Kein Wunder bei dieser Achslastverteilung: Beim Vantage ruhen 798 Kilogramm oder 48,7 Prozent des Fahrzeuggewichtes auf der Frontachse, während der Porsche mit 38,7 Prozent satte 229 Kilogramm weniger auf die Vorderräder gewichtet.

Speziell auf Rennstrecken – ob auf dem schmalen Handlingkurs der Bosch-Teststrecke Boxberg oder dem kleinen Kurs in Hockenheim – setzt der Porsche 911 Carrera S diesen Gewichtsvorteil auch in Zeitgewinn um und huscht im Schnitt zirka eine Sekunde früher über den Zielstrich als der Aston Martin V8 Vantage.

Wobei eine Sekunde abseits der Rennstrecke bestenfalls den Wimpernschlag eines typischen Bond-Girls ausmacht, das beim Bewundern des nächsten Dienstwagens von 007 blinzeln muss.

Technische Daten
Aston Martin V8 Vantage Porsche 911 Carrera S
Grundpreis 111.200 € 91.838 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4380 x 1865 x 1255 mm 4427 x 1808 x 1300 mm
KofferraumvolumenVDA 239 l 135 l
Hubraum / Motor 4282 cm³ / 8-Zylinder 3824 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 283 kW / 385 PS bei 7000 U/min 261 kW / 355 PS bei 6600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 280 km/h 293 km/h
0-100 km/h 5,1 s 4,7 s
Verbrauch 17,2 l/100 km 11,6 l/100 km
Testverbrauch 16,8 l/100 km
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