Vergleich BMW Dreier-Cabrios

Der offene Dreier von BMW bietet Luftfahrt für jeden Geschmack. Das Leistungsangebot reicht vom 115 PS starken Vierzylinder bis zum Hochleistungs-Sechszylinder des M3 mit 286 PS. Die Frage ist: Wächst mit den Pferdestärken auch das Fahrvergnügen?

Woher kommt der Spaß am Autofahren? In den meisten Fällen, das darf wohl auch bei einem so emotionsgeladenen Thema unwidersprochen bleiben, ist es der Motor, der den Charakter eines Autos und den Fahreindruck prägt. Starke Maschinen sind da im Vorteil. Ihre Kraftreserven können einem gelassenen Fahrstil dienlich sein, sie machen das Fahren angenehm und komfortabel, auch wenn der Fahrer nur in Ausnahmefällen die Gelegenheit wahrnimmt, die Fülle der Leistung und des Drehmoments voll auszuschöpfen. Jene Automodelle, die eine besonders breite Motorisierungspalette zu bieten haben, beweisen das eindeutig: Es ist ohne Zweifel viel vergnüglicher in einem Mercedes E 420 zu fahren als in einem E 200 Diesel. Ausgerechnet beim Cabrio, jener Abart des Automobils, die schon den Weg zum Ziel macht, soll das anders sein – das behaupten jedenfalls durchaus ernstzunehmende Zeitgenossen, denen nicht unterstellt werden darf, daß sie dem bescheideneren Antrieb den Vorzug geben, weil sie sich stärkere Maschinen nicht leisten können.

Im Vordergrund, so ihre Argumente, stehen schließlich das geöffnete Verdeck, der brausende Fahrtwind und der unmittelbare Kontakt zur Umgebung. Die mehr oder weniger frische Luft ist die gleiche für den Fahrer des bescheidenen Vierzylinders wie für den Zwölfzylinder- Protz. Außerdem sollte Cabrio-Fahrern nichts ferner liegen als der beharrliche Tritt aufs Gaspedal, um – meist ohnehin eine Illusion – ein paar Minuten früher anzukommen. Ob man da unterwegs in zwölf Sekunden auf 100 beschleunigen kann oder in nur sieben, das spielt nun wirklich keine Rolle.

Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte. Kein Mensch braucht ein Cabrio, das 250 km/h läuft. Und keiner ist verrückt, der Hubraum und Leistung die Rolle der wahren Spaßmacher zuordnet. Im Fall eines der attraktivstes Cabrios unserer Zeit, dem offenen Viersitzer von BMW, kommt jeder auf seine Rechnung. Das Angebot beginnt mit dem 318i, dessen Vierzylindermotor ausreichende, aber gewiß nicht berauschende 115 PS liefert. Und es endet erst beim M3, der mit seinem Dreiliter- Sechszylinder und 286 PS schon auf dem Niveau reinrassiger Sportwagen liegt. Dazwischen liegen der 320i und der 328i, beide mit dem neuentwickelten Leichtmetall- Sechszylinder, der vor allem in der Durchzugskraft einen erheblichen Fortschritt gegenüber den gußeisernen Vorgängern darstellt. Ist das teuerste Cabrio nun das beste, oder stellt womöglich schon die Basis ein so gelungenes Paket dar, daß keine Wünsche mehr offenbleiben? Eines ist sicher. Der M3 muß es wahrhaftig nicht sein. So eindrucksvoll der hochgezüchtete M-Motor mit seinem giftigen Biß beim Gasgeben, seinem satten Durchzug in jedem Drehzahlbereich und seinem hohen Drehvermögen auch sein mag – im Cabrio ist er ähnlich überflüssig wie eine HiFi-Anlage im Formel 1.

Denn zum genüßlichen Langsamfahren taugt die MMaschine weniger gut. Nicht, daß der Sechszylinder dabei schlechte Manieren an den Tag legen würde. Aber schon sein heiserer Sound stellt eine ständige Herausforderung dar. Der M-Motor ist ein Triebwerk, das zum Schnellfahren reizt, zum Ausdrehen der Gänge, zum Sprint bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Der eigentliche Cabrio-Genuß – der kommt dabei leicht zu kurz. Und geschlossen? Da wird das Leistungspotential zu einer theoretischen Größe. 250 km/h gehen dem M3-Cabrio zwar locker von der Kurbelwelle, aber die akustische Untermalung durch die Windgeräusche ums Verdeck, die hält nur ein discogeschädigtes Gehör aus. Für schnelle Reisen nimmt man besser eine Limousine.

Auch das sportlich-straffe Fahrwerk der M-Version schafft im Cabrio zwiespältige Gefühle. Gut, es ermöglicht nochmals höhere Querbeschleunigung, verbessert das ohnehin vorbildliche Handling des Dreier- BMW noch um einige Nuancen. Aber die Nachteile überwiegen – selbst für den, der Federungskomfort nicht auf seiner Wunschliste stehen hat. Denn die härtere Abstimmung erschüttert die offene Karosserie, die normalerweise keine ernsthaften Mängel der Struktursteifigkeit offenbart, nachhaltig. Auf einmal wird offenbar, wie der Aufbau erzittert, wie schlechte Straßen ächzende und knarrende Geräusche hervorrufen. Und das beeinträchtigt den ansonsten vorherrschenden Qualitätseindruck empfindlich.

Die schwächeren Ausführungen sind davon weitgehend frei. Den Eindruck solider Festigkeit wie die Limousine oder das Coupé rufen auch sie nicht hervor, aber das Eigenleben der Karosse hält sich in engen Grenzen, störende Geräusche sind nicht auszumachen. Dazu kommt ein durchaus verbindlicher Federungskomfort, der dem Reisen mit geöffnetem Verdeck sehr zuträglich ist. Und an den Lenk- und Fahreigenschaften eines solchen BMW werden auch verwöhnte Sportwagen-Naturen nichts auszusetzen haben. Die Genügsamkeit bis zum 318i zu treiben, ist bestimmt nicht die schlechteste Wahl. Der Vierzylinder bewegt den BMW mit befriedigendem Temperament, und auch seine Laufkultur gehört mit zum Besten, was derzeit im Vierzylinderbereich geboten wird. Der kraftvolle Antritt sorgt zudem dafür, daß der 318i einen deutlich spritzigeren Eindruck hinterläßt, als es die Meßwerte vermuten lassen.

Solange es die Sechszylinder der neuen Generation noch nicht gab, sprach vieles dafür, dem 318i den Vorzug vor dem 320i zu geben, weil der kleinere Motor subjektiv das Gefühl deutlich besserer Durchzugskraft im unteren Drehzahlbereich vermittelte. Der stärkere Sechszylinder, in der Laufkultur überlegen, war auf relativ hohe Drehzahlen angewiesen, um BMW-typische Lebendigkeit zu entwickeln. Doch jetzt ergibt sich ein weitgehend verändertes Bild. Noch immer kann man mit dem 1,8 Liter-Modell glücklich werden, dann empfiehlt es sich nur, auf eine Probefahrt mit dem 320i zu verzichten. Der neue Zweiliter-Sechszylinder – das ist ohne schwärmerische Übertreibung ein Gedicht von einem Motor. Er hängt erstklassig am Gas, er dreht freudig hoch und er entwickelt einen kraftvollen Schub schon bei Drehzahlen, bei denen sein Vorgänger noch lustlos vor sich hinlümmelte. Und erst die Laufkultur: wie Samt und Seide, ein Paradebeispiel dafür, daß das Prinzip des Reihensechszylinders allerbeste Voraussetzungen bietet für ruhigen Lauf und Vibrationsarmut.

Das 320i Cabrio ist eine runde Sache, ein Auto ohne nennenswerte Schwächen, mit allen Tugenden, die der weißblauen Marke zu ihrem guten Ruf verholfen haben. Der 328i natürlich auch. Die superben Qualitäten seines Sechszylinders hat auto motor und sport schon im Test der Limousine (Heft 4/1995) mit Bestnoten honoriert. Seine Leistungsfähigkeit läßt es erst recht überflüssig erscheinen, nochmals deutlich mehr Geld in den M3 zu investieren. Ganz so leise wie der Zweiliter läuft der größere Motor zwar nicht, aber sein sportlicher Unterton ist weit davon entfernt, jemals störend in den Ohren zu klingen.

Gegenüber dem Zweiliter setzt sich das hubraumstärkere Triebwerk vor allem durch die erheblich bessere Durchzugskraft bei niedrigen Drehzahlen vorteilhaft in Szene. Und die Beschleunigung erreicht ein Niveau, das ohne Einschränkung die Bezeichnung Sportwagen rechtfertigt. Nur: Braucht man den zusätzlichen Dampf gerade im Cabrio? Nüchtern betrachtet sicher nicht – aber Spaß macht er schon. Auch wenn man offen fährt, spielt eben der Motor die erste Geige.

Technische Daten
BMW 318i Cabrio BMW 320i Cabrio BMW 328i Cabrio BMW M3 Cabrio
Grundpreis 27.610 € 32.058 € 35.484 € 47.806 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4433 x 1710 x 1348 mm 4433 x 1710 x 1348 mm 4433 x 1710 x 1348 mm 4433 x 1710 x 1340 mm
KofferraumvolumenVDA 230 l 230 l 230 l 230 l
Hubraum / Motor 1796 cm³ / 4-Zylinder 1991 cm³ / 6-Zylinder 2793 cm³ / 6-Zylinder 2990 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 5500 U/min 110 kW / 150 PS bei 5900 U/min 142 kW / 193 PS bei 5300 U/min 210 kW / 286 PS bei 7000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 194 km/h 211 km/h 230 km/h 250 km/h
0-100 km/h 11,6 s 9,8 s 7,1 s 6,2 s
Testverbrauch 9,4 l/100 km 10,6 l/100 km 10,9 l/100 km 12,3 l/100 km
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