Doppeltest Mini Cooper gegen VW Lupo 1.6 16 V GTI

Mit dem aktuellen Mini Cooper und dem Golf GTI-Erben VW Lupo GTI werden alte Träume wieder wahr. Wiederauferstehung zeitloser Volkssportler oder doch nur die Schönheit seliger Erinnerung?

Allein die Kombination ist immer für ein Wortspielchen gut:  Wenn unter der Motorhaube des kleinsten Volkswagens, des Lupo, die stärkstmögliche Motorisierung sitzt, dann wird aus dem braven Lamm schnell ein reißender Wolf im Schafspelz, aus dem Biedermann ein Brandstifter.

Weniger sprachgewaltige, aber in der Vergangenheit verwurzelte Zeitgenossen stellen den Autozwerg mit dem 125 PS starken 1,6-Liter-Benziner dagegen gerne in die Tradition des einzig wahren, wilden Volkswagens. Klar, wo sich der Kleine doch auch schon mit dem bedeutungsschwangeren Kürzel GTI schmückt.

Aber der Lupo GTI kann allenfalls als nette Hommage an den bösen Golf von 1976 gesehen werden, denn die Zeiten haben  sich geändert. Die das Autovolk vereinende Rolle des Ur-Golf hat der Lupo nämlich nicht, er ist lediglich ein Kleinwagen unter vielen.

Immerhin trifft Zwerg Rase neuerdings auf eine andere wiederbelebte Legende. Unter dem traditionsreichen Namen Mini Cooper fährt BMW eine ansehnliche Offensive auf dem Kleinwagenmarkt.

Gemessen am attraktiven Äußeren des Anglo-Bayern steht jetzt schon fest, wer hier wirklich der Wolf in der Schafsherde ist: Der biedere Lupo, Stolz aller Diakoniestationen, macht selbst in seiner frivolsten Variante gegen den flotten Neo-Mini keinen Stich.

Die GTI-Faszination verkommt zur Bauernbuben-Schwärmerei. Im Mini Cooper gerät dagegen jeder Weg ins Büro irgendwie zur Monte-Sonderprüfung. Im Autoradio die Stones, und auf den Rücksitzen quietschen zwei Miniröcke. Eine unterhaltsame Sinnestäuschung, die übrigens bei nicht vorbelasteten Generationen definitiv besser – wenn überhaupt erst – funktioniert.

Damen und Herren im echten Mini-Alter beklagen schmallippig die Zeitgeistigkeit des neuen Cooper, seine feiste Fettleibigkeit sowie die aus allen Fugen geratenen Abmessungen.

Eines haben sich die modernen Nachfolger allerdings bewahrt: Wie einst heißt GTI „viel Motor“, Cooper dagegen „viel Fahrwerk“. Der 1,6-Liter im Lupo tut alles, um die drei legendären Buchstaben am Heck zu rechtfertigen. Schon beim Anfahren ringen die angetriebenen Vorderräder um Bodenhaftung, das hektisch flackernde Lämpchen der Traktionskontrolle dürfte im Lupo zu den stark beanspruchten Verschleißteilen gehören.

So kämpft sich der Lupo GTI in nur 8,5 Sekunden aus dem Stand auf Landstraßentempo, die Elastizitätsprüfung (80 bis 120 km/h im sechsten Gang) absolviert er in 13,3 Sekunden. Zur quirligen Vehemenz, mit der der Vierventilmotor antritt, trägt das zwar etwas knochig zu schaltende, aber passend übersetzte Sechsganggetriebe einen nicht unerheblichen Teil bei. Zu jeder Drehzahl wird die richtige Übersetzung verabreicht, als Resultat beißt der kleine Wolf mit absolut überzeugendem Temperament.

Den Gegenpol bildet der sich arg mühende, 115 PS starke 1,6-Liter-Vierzylinder des Mini Cooper. Während der Motor im Stadtverkehr noch sehr homogen wirkt und durch gute Fahrbarkeit überzeugt geht ihm auf fordernden Landstraßen und der Autobahn schnell die Puste aus.

Erst recht im Vergleich mit dem Lupo GTI kann der Mini Cooper nicht überzeugen. Zumal das gut schaltbare, aber viel zu lang übersetzte Fünfganggetriebe dem sowieso nicht allzu drehfreudigen Motor jedes Temperament raubt. 7,7 Sekunden Rückstand auf den VW Lupo in Sachen Elastizität sprechen Bände.

Vorteil der langen Übersetzung ist allerdings die sehr zurückhaltende Geräuschentwicklung des Mini-Motors. Erst bei hohen Autobahngeschwindigkeiten macht er sich ein wenig bemerkbar, darunter ist aus dem Motorraum des Cooper nur sanftes Schnurren hörbar. Im Gegenteil dazu tönt der GTI-Antrieb stets präsent, sein kerniges Laufgeräusch wird bei Autobahntempo sogar regelrecht nervig.

Nicht kaschieren kann das lang übersetzte Mini-Getriebe den Durst des aus Brasilien stammenden Vierzylinders. Mit einem Testverbrauch von 9,1 Litern übertrifft der Retro-Brite den  besonders angesichts seiner kraftstrotzenden Lebensart fast sparsam (8,6 Liter Testverbrauch) zu nennenden Lupo GTI deutlich.

Dass der Volkswagen den Mini trotzdem nicht so recht hinter sich lassen kann, liegt aber nicht nur an seinem geringen Tankinhalt (34 Liter, Mini 50) und der damit verbundenen bescheidenen Reichweite, sondern vor allem an den exzellenten Handlingqualitäten des Cooper.

Wer dem Mini den schmeichelhaften Titel "Lotus unter den Kleinwagen" mitgab, lag nicht sehr daneben, denn was der kleine Engländer in kniffligen Kurven-Kombinationen zeigt, sucht seinesgleichen: fast ansatzlose, explosive Beweglichkeit, gepaart mit hoher Fahrstabilität. Der Cooper bleibt selbst bei den forschesten Manövern gut kontrollierbar. Über die exakte Lenkung lässt sich der Mini wunderbar feinfühlig dirigieren, trotz der hervorragenden Rückmeldung sind keine Fahrbahnstöße oder Antriebseinflüsse im Lenkrad spürbar. Und komplettiert wird das Landstraßen-Abenteuer-Paket durch wirksame Bremsen.

Aber auch der VW Lupo wirkt – in der Kürze liegt die Würze – ungemein flink. Ihm sind jedoch einige Punkte anzukreiden. Seine zu leichtgängige Lenkung ist nicht so exakt wie die des Mini, darüber hinaus bekommt der GTI-Treiber Fahrbahnstöße derb durch die Lenksäule gereicht und hat mit  ungezügelten Antriebseinflüssen zu kämpfen. Und der wieselflinke Lupo zeigt spürbares Eigenleben um die Hochachse. Egal ob bei plötzlichen Ausweich-Haken oder bei Vollbremsungen – der kleine wilde Wolf schlenkert fröhlich mit dem Schwänzchen wie ein junger Hund. Das serienmäßige ESP wird da nicht selten aktiviert, um die zuweilen recht forsche Eigendynamik des Lupo im Zaum zu halten.

In Sachen Fahrwerkskomfort zeigt sich der Lupo wesentlich gelassener. Lange Bodenwellen, kurze Fahrbahnschläge – der GTI nimmt Boden-Unebenheiten entspannter als der zum Test obendrein mit optionalem Sportfahrwerk angetretene Cooper. Nur der Abrollkomfort des Mini ist dezenter, der Lupo raspelt gar zu grob über Kopfsteinpflaster und raue Straßenbeläge Dass der Mini dennoch leichte Komfortvorteile für sich verbuchen kann, liegt an seinen anschmiegsamen Sitzen. Selbst im knapp, aber für zwei Mitfahrer ausreichend bemessenen Fond gefallen die Sitzschalen durch gute Beinauflage. Im größeren Lupo sitzt man da stets etwas verloren auf den doch sehr straffen Sitzgelegenheiten.

Über Sieg und Niederlage entscheiden jedoch andere Dinge: Der Lupo GTI – temperamentvoller Gewinner der Eigenschaftswertung – verliert durch eine ungünstige Kaskoeinstufung in die Kleine-Raser-Kategorie und damit eklatant höhere Festkosten die entscheidenden Punkte auf den konsequent lifedurchgestylten Mini Cooper.

Fazit

1. Mini Cooper
483 Punkte

Besonders sein unelastischer, wenig temperamentvoller Motor und das zu lang übersetzte Getriebe kosten den Cooper Punkte. Dank seiner wesentlich günstigeren Festkosten kann der handliche Mini aber den Gesamtsieg holen.

2. VW Lupo GTI
477 Punkte

Die Eigenschaftswertung dominiert der Lupo mit seiner funktionalen Karosserie sowie dem spritzigen Motor. In der Gesamtwertung werden ihm aber seine ungünstige Kaskoeinstufung und die damit hohen Festkosten zum Verhängnis.

Technische Daten
VW Lupo 1.6 16V GTI Mini Cooper
Grundpreis 18.650 € 16.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3524 x 1640 x 1457 mm 3626 x 1688 x 1408 mm
KofferraumvolumenVDA 130 bis 830 l 150 bis 670 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 92 kW / 125 PS bei 6500 U/min 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h 200 km/h
0-100 km/h 8,5 s 9,1 s
Verbrauch 7,3 l/100 km 6,7 l/100 km
Testverbrauch 8,6 l/100 km 9,1 l/100 km
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