Vergleichstest Renault Mégane dCi, Ford Focus TDCi und Skoda Octavia TDI

Foto: Hans-Dieter Seufert 17 Bilder

Das extrovertierte Design des Renault Mégane könnte auch ein wenig Farbe in die Diesel-Kompaktklasse bringen. Also alles ganz munter oder doch nur fauler Budenzauber?

Der Erfolg der Mégane-Idee scheint besiegelt zu sein. Und das war zu Beginn alles andere als sicher. Mit derart extrovertiertem Design in der wertkonservativen Kompaktklasse punkten? Da herrschte auch in der Pariser Renault-
Firmenzentrale nervöses Nägelkauen.
Seine Feuertaufe hat der neue Mégane nun aber bestanden: Testsieger in der 1,6-Liter-Kompaktklasse (Heft 25/2002), ein Vier-Sterne-Prädikat für den zweitürigen Renault Mégane dCi in Heft 22/2002 – und die deutschen Autofans scheinen den extravaganten Franzosen obendrein zu mögen. Eines fehlt dem schrägen Renault aber: Lorbeeren in der heiß umkämpften Diesel-Kategorie. Hier trifft er mit seinem 120-PS-Diesel auf starke Konkurrenten wie den Ford Focus TDCi oder Skoda Octavia TDI. Oder mit anderen Worten: Der unkonventionelle Lebenskünstler muss sich gegen den ambitionierten Underdog und den ewigen Geheimtipp beweisen. Und die im Einzeltest für den Renault-Dieselmotor ausgesprochenen Lobesworte unterstreicht er auch hier: Sanfte Laufkultur, strammer Durchzug und ein gut abgestuftes Sechsgang-Getriebe – der Mégane-Diesel startet in die Oberliga durch. Allerdings hat das gut schaltbare Sechsgang-Getriebe, das es prinzipiell ermöglicht, die Motorcharakteristik feiner zu verwalten als eine Fünfgang-Schaltbox mit ihren größeren Übersetzungssprüngen, in Sachen Durchzug auch Nachteile. Zum Tragen kommen nämlich die Elastizitätswerte im vorletzten und letzten Gang – Skoda und Ford werden also im Vierten und Fünften gemessen, während der Mégane im fünften und sechsten Gang auf die Reise geht. Mit dem Resultat, dass der Mégane hier gegen die drehmomentschwächeren, aber kürzer übersetzten Konkurrenten keinen Vorteil für sich verbuchen kann. Und der kultivierte Renault-Diesel büßt auch durch seine zähe Leistungsentfaltung einige Punkte ein. Dagegen tritt der ebenfalls recht laufruhige, 115 PS starke 1,8-Liter-TDCi des Focus mit spürbarer Leidenschaft an, und der 110-PS-TDI des Skoda Octavia scheint ab mittleren Drehzahlen sogar regelrecht zu explodieren. Die souveräne Leistungsentfaltung des Motors aus dem VW-Regal wird allerdings durch kräftige Vibrationen und ein kerniges Laufgeräusch untermalt. Der subjektive Kraft-Vorsprung des Skoda schlägt sich allerdings nicht in entsprechenden Fahrleistungen nieder. Focus und Mégane liefern sich einen Kopf-an-Kopf-Sprint und erreichen exakt dieselbe Höchstgeschwindigkeit – den Skoda lassen sie dabei stets hinter sich. Mit einem Testverbrauch von unter sieben Litern/100 Kilometer liegt der Octavia TDI allerdings knapp einen halben Liter unter dem Testverbrauch des Mégane dCi und schluckt sogar 0,8 Liter weniger als der Ford Focus TDCi.

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Vergleichstest Renault Megane, Ford Focus, Skoda Octavia
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Am Ende kann sich trotzdem vor allem der Diesel des Ford Focus am besten in Szene setzen: Hervorragende Fahr-
leistungen, zufriedenstellende Laufkultur, ein knackig schaltbares Getriebe und sein sportliches Temperament machen ihn zum Motorentipp im Feld. Ebenso souverän marschiert der Focus durch die Fahrwerkswertung. Mit dem höchst fahrdynamischen und gleichzeitig fehlerverzeihenden Fahrwerk in straßenräubernder Aktion und einer hervorragend abgestimmten, von Antriebseinflüssen nahezu völlig freien Lenkung ausgestattet, fährt der Focus auf den Punkt genau. Besser macht das in dieser Klasse momentan keiner. Besonders im Vergleich mit dieser Traumvorstellung tritt das Hauptmanko des Renault Mégane deutlich zutage: Seine elektrohydraulische Lenkung arbeitet gefühllos und unlinear, die Lenkunterstützung nimmt plötzlich zu oder ab, als Folge wirkt der Geradeauslauf regelrecht verwaschen. Die stärker ausgeprägte Kopflastigkeit des Dieselmotors macht sich im Vergleich mit dem früher getesteten 1,6-Liter-Benziner zudem in ausgeprägterem Eigenlenkverhalten und etwas schlechterer Beherrschbarkeit bemerkbar. Nicht nur was die Fahrpräzision anbelangt, auch in Sachen Komfort kann sich dagegen der Focus hervortun. Seine Federelemente sprechen spürbar besser an als die des Renault, und so filtert er trotz seiner eher straffen Federungsabstimmung kurze wie lange Fahrbahnschläge ganz gelassen. Der Mégane ist zwar nicht ausgesprochen unkomfortabel, weist aber ein kerniges Abrollverhalten auf und erreicht auch sonst nicht das hohe Niveau des Focus. Der Skoda ist zwar mit stärkeren Karosseriebewegungen unterwegs, wirkt unterdämpft und untersteuert stärker, kann sich aber mit seiner gut abgestimmten Lenkung trotzdem gut behaupten. Den meisten Ansprüchen dürfte der Skoda sowieso genügen, er ist sehr gutmütig, bei ruhiger Gangart ausreichend komfortabel und wirkt im Vergleich mit dem Mégane homogener. Obendrein darf selbst der Ford Focus in der Fahrwerks-Disziplin nicht die volle Punktzahl mit nach Hause nehmen. Ihm fehlt zum vollendeten Glück ein ESP, das es für den Diesel nicht einmal gegen Aufpreis gibt – der Mégane und der Octavia können mit serienmäßigem ESP einige Punkte auf ihr Konto verbuchen. Und eigentlich verliert der Focus bereits hier den Test an den Mégane: Der neue Renault ist nämlich deutlich besser mit moderner Sicherheitstechnik ausgestattet als der Focus. Zum umfangreichen Sicherheitsangebot passen die
besten Bremsen in diesem Vergleich.

Die Bremsen des Mégane mögen ein wenig giftig
ansprechen – dafür bringen sie den bei Bedarf fast 200 km/h schnellen Franzosen souverän zum Stehen. Die große Stunde des Skoda schlägt dann im Karosseriekapitel. Er ist in der getesteten Elegance-Variante ähnlich gut ausgestattet wie der Renault – da-für mit einem Preis von 22‑390 Euro allerdings hier auch der Teuerste – und lässt sich weder beim Platzangebot noch in der Funktionalität abhängen. Im Gegenteil. Er besitzt unter der großen Klappe seines Schräghecks mit 528 Litern beziehungsweise 1328 Litern sogar den größten Kofferraum. Hier enttäuscht besonders der Renault (330/1190 Liter), und auch der Focus (350/1205 Liter) muss sich dem konservativ gestylten Tschechen beugen. Das Raumgefühl ist bei allen drei ähnlich gut, allerdings besitzen der Renault und der Ford die besseren Sitze. Die Materialqualität hinterlässt bei allen dreien keinen überragenden, aber einen zufriedenstellenden Eindruck. Die Endabrechnung spricht dann für den Renault Mégane dCi. Der kann zwar keineswegs einen klaren Start-Ziel-Sieg einfahren, aber mit guten All-round-Eigenschaften lässt er
sich nicht zu sehr abhängen
und punktet dann besonders durch gute Sicherheit und eine günstige Kostenbilanz. Dass der betagte Skoda Octavia TDI hier nur den dritten Platz erreicht, mag ja verständlich sein, der zweite Platz des motorisch und fahrwerkstechnisch überlegenen Ford Focus TDCi müsste aber nicht sein: Mit einer besseren Sicherheitsausstattung sowie kräftigeren Bremsen könnte sich der Ford als Sieger feiern lassen.

Fazit

1. Renault Mégane dCi
500 Punkte

Vor allem die gute Sicherheitsausstattung bringt den Mégane dCi nach vorne. Der Testsieg ist aber sehr knapp, weil er besonders bei Antrieb und Fahreigenschaften Punkte verliert

2. Ford Focus TDCi
496 Punkte

Sein temperamentvoller Dieselmotor und das gute Fahrwerk sind ausgeprägte Pluspunkte des Focus TDCi. Die schlechte Sicherheitsausstattung wirft ihn aber sichtlich zurück.

3. Skoda Octavia TDI
487 Punkte

Der Octavia TDI ist ein homogenes Auto mit hoher Funktionalität. Sein Rückstand auf die modernere Konkurrenz fällt - Bremsen, Motor, Komfort - dennoch deutlich aus.

Technische Daten
Skoda Octavia 1.9 TDI Elegance Renault Mégane 1.9 dCi Luxe Privilège Ford Focus 1.8 TDCi Finesse
Grundpreis 22.390 € 21.800 € 19.875 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4507 x 1731 x 1413 mm 4209 x 1777 x 1458 mm 4292 x 1702 x 1481 mm
KofferraumvolumenVDA 528 bis 1328 l 330 bis 1190 l 350 bis 1205 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder 1870 cm³ / 4-Zylinder 1753 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 81 kW / 110 PS bei 4000 U/min 88 kW / 120 PS bei 4000 U/min 85 kW / 115 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 191 km/h 196 km/h 196 km/h
0-100 km/h 11,0 s 10,3 s 10,2 s
Verbrauch 5,0 l/100 km 5,4 l/100 km 5,5 l/100 km
Testverbrauch 6,8 l/100 km 7,2 l/100 km 7,6 l/100 km
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