Vergleichstest

VW Touareg V6, Volvo XC 90 2.5 T und Mercedes ML 350

Foto: Hans-Dieter Seufert 22 Bilder

Großreinemachen bei den Sport Utility Vehicles: Volvo XC 90 2.5 T und VW Touareg V6 haben sich herausgeputzt, um dem langjährigen Klassenprimus in seiner aktuellsten Variante als Mercedes ML 350 an die Wäsche zu gehen.

Otto Normalverbraucher scheint gar nicht mehr so normal zu sein: Günstige Kompaktautos wie Golf, Astra, Focus und Co. locken im Zeitalter der Konjunkturkrise kaum Kunden auf den Hof des Händlers, während die teuren Geländewagen weggehen wie attraktive Sonderangebote aus dem Winterschlussverkauf.

Mit 21 263 verkauften Einheiten war die Mercedes M-Klasse 2002 selbst im sechsten Jahr ihres Lebenszyklus die unangefochtene Nummer eins in Deutschland und will diesen Erfolg mit neuen Motorvarianten wie dem 234 PS starken ML 350 mit 3,7-Liter-V6 auch 2003 erneut einfahren. Doch ob es wieder zum Klassenprimus reicht, ist äußerst fraglich.

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Vergleichstest Volvo XC 90 2.5 T, VW Touareg V6, Mercedes ML 350
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Der Kunde scheint neue Superstars gefunden zu haben, denn Konkurrenten wie VW Touareg oder Volvo XC 90 sind schon zum Verkaufsstart solche Publikumsrenner, dass bereits Lieferfristen von einem Jahr und mehr entstanden sind.
Volvo will deshalb die Jahresproduktion von 50 000 auf 75 000 XC 90 erhöhen, während VW beim Touareg mit zusätzlichen Motoren wie dem neuen Fünfzylinder-TDI mit 174 PS (siehe Seite 38) und dem 310 PS starken 4,2-Liter-V8 zusätzliche Kaufanreize schafft.
Ob die Vorschusslorbeeren berechtigt sind, zeigt der Vergleich der serienmäßig mit ESP ausgerüsteten Einstiegs-Benziner der 200-PS-Klasse.
Die Wege zu dieser Leistung sind unterschiedlich. Während Mercedes auf einen 90-Grad-V6 mit großem Hubraum setzt, entspringen die 220 PS des VW Touareg einem hoch drehenden 3,2-Liter-Aggregat, dessen Zylinder auch V-förmig angeordnet sind, aber lediglich einen Winkel von 15 Grad bilden.
Ungewöhnlich in dieser Klasse ist die Antriebsquelle des Volvo: ein quer eingebauter 2,5-Liter-Fünfzylinder-Reihenmotor mit Turboaufladung, 210 PS bei 5000/min und 320 Nm, die bereits bei 1500/min anliegen. Sollte der Motor tatsächlich ein Turboloch haben, so wird es durch die weiche Wandlerauslegung und die geregelte Wandlerüberbrückungskupplung wirkungsvoll überspielt. Damit fühlt sich das Triebwerk wie ein großvolumiger Saugmotor an, wenn es auch nicht ganz den kraftvollen Antritt des Mercedes-V6 bietet.

Im Vergleich zu diesen beiden wirkt der VW-Sechszylinder wesentlich weniger souverän. Er braucht hohe Drehzahlen, um mit den beiden anderen mithalten zu können. Außerdem hat er mit dem höchsten Gewicht zu kämpfen. Das treibt den Verbrauch zusätzlich in die Höhe. Knapp 18 Liter für 100 Kilometer sind eindeutig zuviel. Selbst die 20-Liter-Marke wird bei flotter Fahrweise schnell erreicht und überschritten. Mercedes und Volvo liegen trotz ihrer unterschiedlichen Antriebskonzepte etwa gleichauf und genehmigen sich im Mittel rund zwei Liter weniger.

Die mangelnde Durchzugskraft des Touareg-Motors führt zwangsläufig zu erhöhter Aktivität der eng abgestuften Sechsgang-Automatik. So genügt beim Dahingleiten im sechsten Gang bereits ein Zucken im Gasfuß, um ein Runterschalten um zwei Gänge auszulösen. Die Gangwechsel erfolgen aber weicher und ruckfreier als beim Volvo XC 90, dessen Fünfgangautomatik vor allem bei zügiger Überlandfahrt nervös schaltet und nicht immer auf Anhieb den passenden Gang parat hat.

Den ausgereiftesten Eindruck hinterlässt hier der ML 350. Der kräftige Motor harmoniert gut mit der sanft agierenden Automatik. In Laufkultur und Akustik hat der bei hohen Drehzahlen brummige V6 gegenüber dem seidenweich laufenden Touareg-Sechszylinder aber das Nachsehen.
Das breiteste Einsatzspektrum deckt der Touareg ab. Er bietet nicht nur sichere, limousinenhafte Fahreigenschaften auf der Straße, sondern gleichzeitig das höchste Potenzial für Touren abseits befestigter Pisten. Er besitzt wie die M-Klasse eine Geländereduktion und darüber hinaus eine manuell zuschaltbare Lamellensperre für das Zentraldifferenzial.

Das Allradsystem des XC 90 mit einer elektronisch geregelten Haldexkupplung verzichtet auf den Geländegang. Zudem wird erst bei Schlupf an den Vorderrädern die Kraft zusätzlich zu den Hinterrädern geleitet. Scharfes Anfahren quittieren die Vorderräder daher mit kurzem Pfeifen, ehe die Hinterräder mit zupacken. Das Fahrverhalten auf der Straße ist mit dem des Touareg vergleichbar. Allerdings ist die Lenkung des XC 90 nicht ganz frei von Antriebseinflüssen, und auch Fahrbahnunebenheiten dringen bis zum Lenkrad durch.

Die Lenkung des Mercedes ist im Vergleich zum Vorgänger zwar besser geworden, vermittelt aber immer noch wenig Fahrbahnkontakt und benötigt große Ausschläge. Das trägt ebenso zu den insgesamt wenig dynamischen Fahreigenschaften bei wie die starken Wankbewegungen in Wechselkurven. Auch in puncto Federungskomfort ist die M-Klasse von gestern. Unwillig ansprechend auf kurzen Wellen und schaukelnd bei langwelligen Anregungen muss sie sich vor allem dem sehr harmonisch federnden Touareg geschlagen geben. Der etwas hölzern ansprechende Volvo kommt an die Geschmeidigkeit des VW mit Stahlfederung ebenfalls nicht heran.

Beim maximalen Gepäckraum setzt der ML aber immer noch die Maßstäbe. Der Volvo schluckt nur knapp 200 Liter weniger. Dafür ist der Innenraum des Schweden – gerade als Siebensitzer – ähnlich variabel wie ein Van. Wenn die zusätzlichen Sitze nicht gebraucht werden, lassen sie sich mit wenigen Handgriffen in den Ladeboden versenken. Werden außerdem die Lehnen der zweiten Sitzreihe vorgeklappt, entsteht ein gut nutzbarer Laderaum mit ebenem Boden. Für die M-Klasse gibt es zwar auch zwei Extra-Sitze, aber die schränken selbst seitlich weggeklappt den Gepäckraum stark ein.

Bei der Innenraumgestaltung geht jeder einen eigenen Weg. Das Volvo-Cockpit erinnert mit seinen zahlreichen, aber eindeutig gekennzeichneten Schaltern auf der breiten Mittelkonsole an ein Flugzeug. Der voll versenkbare Navigationsmonitor ist blickgünstig platziert.

Die Materialien wirken allerdings nicht ganz so hochwertig wie im Touareg, dessen Instrumententafel in dieser Form auch gut zu einer Luxuslimousine passen würde. Beim Mercedes möchte sich trotz Wurzelholz und diverser Zutaten aus den Limousinen des Hauses kein Nobel-Ambiente einstellen. Außerdem erinnert die Sitzposition auf den wenig Seitenhalt gewährenden Sitzen eher an einen Kutschbock. Die Sessel von Volvo und VW bieten da spürbar mehr Sitzkomfort.

Aber nicht nur deshalb sind die Karten bei den Nobel-SUVs neu gemischt. Vor allem der Touareg setzt neue Maßstäbe, und auch der XC 90 hat den ehemaligen Bestseller überholt. Da nützt der M-Klasse auch der neue Motor nichts mehr.

Fazit

1. VW Touareg V6
495 Punkte

Gute Eigenschaften auf der Straße und hohe Offroad-Tauglichkeit machen den Touareg derzeit zur besten Wahl in seiner Klasse. Nicht akzeptabel: der hohe Benzin-Verbrauch.

2. Volvo XC 90 2.5 T Premium
489 Punkte

Der XC 90 ist eine Mischung aus Van, Kombi und Geländewagen. Er empfiehlt sich damit vor allem als geräumiger Begleiter für aktive Familien.

3. Mercedes ML 350
475 Punkte

Trotz des harmonischen Antirebs kann der ML 350 die jüngere Konkurrenz nicht in Schach halten. Zu unhandlich wirkt der Raumriese in diesem Vergleich.

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Technische Daten
Mercedes ML 350 Volvo XC90 2.5T 7-Sitzer Premium VW Touareg V6 Stahlfederung
Grundpreis 45.298 € 49.000 € 42.050 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4638 x 1840 x 1820 mm 4798 x 1898 x 1743 mm 4754 x 1928 x 1726 mm
KofferraumvolumenVDA 633 bis 2020 l 249 bis 1837 l 555 bis 1570 l
Hubraum / Motor 3724 cm³ / 6-Zylinder 2521 cm³ / 5-Zylinder 3189 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 173 kW / 235 PS bei 5750 U/min 154 kW / 210 PS bei 5000 U/min 162 kW / 220 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h 210 km/h 197 km/h
0-100 km/h 9,4 s 10,2 s 9,9 s
Verbrauch 12,7 l/100 km 12,0 l/100 km 13,9 l/100 km
Testverbrauch 15,7 l/100 km 15,8 l/100 km 17,8 l/100 km
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