Vier Allradler baggern um die Kundschaft

Kran Tourismo

Foto: Hans-Dieter Seufert 47 Bilder

Drei bullige Neuzugänge im Macht-Club der großen Geländewagen mit V8-Motor: Mercedes ML 500, Range Rover Sport und Volvo XC 90 baggern um die gleichen Kunden wie der etablierte VW Touareg.

Reden wir über Geld, ganz kurz nur, auch wenn das für viele Besitzer von Achtzylinder-Geländewagen nicht das Hauptthema ist. Die Marketing- Menschen bei Land Rover etwa haben herausgefunden, dass die Käufer eines Range im Durchschnitt über das doppelte Haushalts-Einkommen von Mercedes S-Klasse-Bestellern verfügen. Viele von ihnen halten sich ihre Premium-Geländegänger als Zweit- bis Sechstwagen.

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Vergleichstest Mercedes ML 500, VW Touareg, Volvo XC 90, Range Rover Sport
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Die Verbrauchswertung dieses Vergleichstests wird sie vermutlich ebensowenig interessieren wie die Gestaltung von Aufpreisen. Aber vielleicht lesen sie ja auch dann weiter, wenn sie jährliche Vollkasko-Prämien von 4500 Euro für günstig halten. Oder deshalb, weil es immer spannender wird im zunehmend dichter besiedelten Geländewagen-Oberhaus.

Der Touareg V8 ist die bekannte Größe der Gattung. Geräumig, druckvoll, kultiviert, gediegen verarbeitet, dazu noch mit dem neiddämpfendsten Emblem am Bug. Aber taugt er noch zum Klassen-Maßstab?

Die M-Klasse ist nach dem großen Modellwechsel zum Glück nicht mehr wiederzuerkennen: Sie teilt sich mit ihrem etwas reizarm gestylten Vorgänger zwar noch ein paar kleine Design-Merkmale, aber weder das lieblose Finish noch das behäbige Handling.

Volvo hat sich von Yamaha den ersten V8-Motor der Firmengeschichte in den XC 90 pflanzen lassen: Er soll vor allem die US-Verkäufe anschieben, empfiehlt sich aber auch den Understatement-Freunden der alten Welt. Und die Briten haben ihren Range geschrumpft. Der Range Rover Sport steht auf der Plattform des Discovery, aber gekürzt und sieht aus wie ein Customizing-Produkt vom Tuner. Er wirkt also schwer lifestylig, ist aber billiger als der große Range Rover. Auch wenn das am Ende ja nicht so entscheidend ist.

Mit dem großen Verwöhn-Paket namens HSE kostet er 67 800 Euro. Er ist damit noch einmal 4500 Euro teurer als ein ML 500, erübrigt allerdings den Kampf mit der Mehrpreis-Liste. Luftfederung? Gibt es serienmäßig, während sie für den Volvo gar nicht zu haben ist und bei Mercedes 1856 Euro kostet.

Beim Touareg fordert sie sogar den Gegenwert eines kleinen Gebrauchten, weil sie nur in Verbindung mit Xenonscheinwerfern und Kurvenlicht erhältlich ist – macht zusammen deftige 4520 Euro.

Auch Navigation und mächtige 19-Zöller sind im Range-Preis inbegriffen. Vor allem aber hat der Range Sport von der Discovery- Basis das Offroad-Fahrsystem namens Terrain Response übernommen, mit dem sich eine Auswahl spezieller Geländeprogramme per Knopfdreh vorwählen lässt (siehe Spotlight). Das überfordert selbst Großstadt- Cowboys beim ersten Geländeritt nicht.

Die Mitbewerber können es jedenfalls nicht besser, obwohl zur Touareg-Grundausstattung immerhin ein Untersetzungsgetriebe mit Differenzialsperre gehört. Mercedes lässt sich Geländereduktion und zwei Differenzialsperren mit 1914 Euro extra bezahlen. Und Volvo verzichtet auch optional ganz auf solche Offroad-Extras.

Sicher, die meisten großen Geländewagen führen ein behütetes Leben zwischen Chef-Parkplatz und Golfclub, manche von ihnen dürfen sich gelegentlich immerhin mit Yacht oder Oldtimer im Genick abmühen.

Da schert nur der Volvo mit 2250 Kilogramm Anhängelast aus: Mercedes, VW und Range Rover zerren legale dreieinhalb Tonnen hinter sich her. Bei keinem der vier scheint es, dass sie sich mit so viel Nutzlast besonders schinden müssten.

Aber speziell der Mercedes schiebt so entschieden an, als glaube er an keinen nächsten Tag. Er brennt – unaufgeregt säuselnd – Fahrwerte in die Asphaltdecke, wie sie zu Beginn der achtziger Jahre noch einem hechelnden Porsche 911 gut anstanden: 7,3 Sekunden auf 100, 240 km/h Höchstgeschwindigkeit. Ein ML 500 legt selbst dann noch mit stoischer Selbstverständlichkeit zu, wenn die Tachonadel bereits die 200er-Marke gestreift hat, dazu führt er eine Idealbeziehung mit seinem Siebengang-Schaltautomaten, der die Fahrstufen mit fast unwirklicher Zartheit wechselt.

Und der Airmatic gelingt es, selbst grobe Stöße von den Bandscheiben der Passagiere fernzuhalten. Nur auf Landstraßen der vierten Ordnung nehmen sie rustikale Verwerfungen deutlicher wahr. Seine Kontrahenten bleiben da spürbar zurück. Sie fallen nicht drastisch ab, nichts an ihnen wirkt tragisch, keiner zeigt im Grenzbereich garstige Seiten. Aber sie vermitteln auch nicht das Gefühl, ähnlich kultiviert aus dem Vollen zu schöpfen.

So gibt sich speziell der Range Rover Sport beim Vordringen in höhere Drehzahlbereiche seltsam zurückhaltend: Er lässt sich von der M-Klasse auf dem Weg von null auf 100 km/h knapp drei Sekunden abnehmen und verfehlt damit klar die Werksangabe von 8,9 Sekunden. Auch fällt seinem Luftfeder-Fahrwerk speziell das Verarbeiten grober Stöße schwer, und die grundsätzlich präzise Lenkung macht sich auf zerklüfteter Strecke mit ihrer Stößigkeit bemerkbar.

Diese Eigenschaft teilt der Range mit Volvo und VW, deren Lenkungen zartere Benutzer zwar mit ausgeprägter Leichtgängigkeit verwöhnen, den Wunsch nach Richtungsänderungen aber weniger spontan befolgen.

Wirklich überragend federn auch sie auf üblen Pisten übrigens nicht: Selbst die teure Luftfederung des VW bemüht sich hier mit nur durchwachsenem Ergebnis. Der XC 90 erfreut seinen Benutzer zwar mit seiner Drehfreudigkeit, leidet jedoch etwas unter der Auslegung des Automatikgetriebes, das bei engagierter Fahrweise allzu häufig zwischen dem langen sechsten und dem fünften Gang hin- und herschaltet.

Zudem wirkt die Karosserie des Volvo auf zerfurchtem Untergrund nicht sonderlich steif, was sich in leisem Zittern und Knarzen äußert. Auch der VW neigt zum akustischen Protest, der den Menschen in Mercedes und Range Rover nicht zu Ohren kommt. So enteilt die M-Klasse ihren Wettbewerbern. Sie sammelt ihre Punkte auch mit der umfangreichen Sicherheitsausstattung, den effizientesten Bremsen – und sie führt mit Abstand das Karosserie-Kapitel an.

Tatsächlich bietet sie nicht nur das luftigste Raumgefühl, sondern auch den größten Maximal-Kofferraum und die komfortabelsten Plätze im Fond. Speziell hoch gewachsene Passagiere fühlen sich beim Umstieg aus der M-Klasse buchstäblich strafversetzt: Die Hinterbank des Range Rover etwa fühlt sich so hart an wie ein gut aufgepumpter Fußball und verfügt auch über ähnlich geformte Sitzflächen, die Volvo-Sessel lassen sich zwar verschieben, sind aber arg zierlich, und auch die niedrige, straff gepolsterte Sitzfläche des VW zwingt zum Anwinkeln langer Beine.

Den Volvo gibt es gegen Aufpreis auch als Siebensitzer, aber diese Spielart ist wirklich nur für kleine Gäste gedacht. Und weil Variabilität auch ganz oben ein gutes Argument ist, bietet Mercedes die optionale Möglichkeit an, die hinteren Sitzflächen ausbauen zu können: Für jene M-Klasse-Fahrer, die in diesem Preissegment nicht transportieren lassen, eine ebenso clevere Lösung wie die aufklappbaren Heckscheiben des Touareg und Range Sport.

Ob das aber tatsächlich entscheidend ist? Ein Fazit, das die potenzielle Zielgruppe wirklich interessiert: Die M-Klasse ist neuerdings richtig gut.

Nicht als Allradler, aber als Allrounder.

Fazit

1. Mercedes ML 500
506 Punkte

Ausgewogenheit und Durchzugsstärke, sehr guter Komfort und komplette Sicherheitsausstattung füllen das Punktekonto des ML 500.

2. Volvo XC 90 V8 Summum
470 Punkte

Mit seiner bissigeren Motorcharakteristik, dem größerem Kofferraum und niedrigerem Verbrauch schiebt sich der XC 90 am Touareg vorbei.

3. VW Touareg V8 Luftfederung
468 Punkte

Ein Premium-SUV ohne gravierende Schwächen, aber auch kein neues Auto mehr, spürbar speziell in puncto Fahrwerk und Handling.

4. Land Rover Range Rover Sport V8 HSE
459 Punkte

Der teuerste Test-Kandidat punktet mit guter Ausstattung und Offroadtauglichkeit, wirkt aber etwas schlapp und verbraucht dafür zu viel.

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Technische Daten
Range Rover Sport V8 HSE VW Touareg V8 Luftfederung Mercedes ML 500 Volvo XC90 V8 7-Sitzer Summum
Grundpreis 74.200 € 66.500 € 66.343 € 62.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4788 x 1928 x 1784 mm 4754 x 1928 x 1703 mm 4780 x 1911 x 1815 mm 4798 x 1898 x 1743 mm
KofferraumvolumenVDA 450 bis 2013 l 555 bis 1525 l 551 bis 2010 l 249 bis 1837 l
Hubraum / Motor 4394 cm³ / 8-Zylinder 4172 cm³ / 8-Zylinder 4966 cm³ / 8-Zylinder 4414 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 220 kW / 299 PS bei 5500 U/min 228 kW / 310 PS bei 6200 U/min 225 kW / 306 PS bei 5600 U/min 232 kW / 315 PS bei 5850 U/min
Höchstgeschwindigkeit 209 km/h 225 km/h 240 km/h 210 km/h
0-100 km/h 10,2 s 8,9 s 7,3 s 8,2 s
Verbrauch 15,1 l/100 km 14,8 l/100 km 13,4 l/100 km 13,4 l/100 km
Testverbrauch 18,2 l/100 km 18,0 l/100 km 16,7 l/100 km 16,7 l/100 km
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