Volvo C70 T5 im Test

Eilige Dreifaltigkeit

Foto: Hans-Dieter Seufert 22 Bilder

Drei kurze statt zwei längere Dach-Elemente faltet das neue Volvo C70 Coupé-Cabrio zu einem kompakten Kofferraum-Paket zusammen. Das Heck bleibt flach, die Optik schön.

Dass mit Beginn der wärmeren Tage die Cabrio-Fahrer wieder so ein Zucken in der Dachöffnungs- Hand bekommen, ist nichts Ungewöhnliches. Aber dass im Frühling auch in den Nicht-Cabrio-Fahrern automobile Glücksgefühle keimen, ist relativ neu. Der Grund ist optischer Natur: Wie Blütenkelche öffnen sich dann endlich wieder die viersitzigen Blechdach- Cabrios mit ihrer Geschlossenwirkt- mein-Heck-viel-zu-lang-Optik.

Dann mögen sie auch empfindsame Feingeister wieder anschauen – ganz so, als hätte eine Frau ihr Haar geöffnet und die dicke Hornbrille abgesetzt. So war das zumindest bislang. Das neue C70 Cabrio läutet eine andere Blechdach-Generation ein. Eine, die mit den Design-Kompromissen von Peugeot 307 CC und Co. nichts mehr zu tun haben will. Volvo konstruierte einfach ein Auto mit sauber schwingendem Coupé-Bogen, der fließend und harmonisch in das Heck übergeht. Ganz ohne Augenpein. Dafür ertüftelten die nordischen Ingenieure zusammen mit den Spezialisten des deutschen Dachherstellers Webasto eine Dach-Verklappungsmechanik mit besonders kurzen Elementen, gegen die jede Metamorphose eines japanischen Kinder-Roboters blass aussieht. In 30 Sekundenmischen und legen sich die drei von Pininfarina gefertigten Dachelemente wie bei einem Kartenspiel elektrisch zusammen. Frische Luft spült in den Wagen, und der ehemals opulente 404-Liter-Kofferraum schrumpft auf gerade mal 200 Liter. Wer dann noch an sein tief auf dem Boden kauerndes Gepäck heranmöchte, muss vorher per Knopfdruck die Dacheinheit etwas nach oben liften.

Ein cleveres Volvo-Köpfchen, das von Schöhnheitsfehlern getrübt wird: Bei heller Wagenfarbe geben die schwarzen Gummidichtungen dem geschlossenen Dach eine Schuppentier- Optik. Außerdem wirken die beiden auf das Heck aufgesetzten Antennen wie aus einem Elektroshop. Im Innenraum herrscht dagegen beste skandinavische Designsprache. Klar, ohne Schnörkel und etwas unterkühlt.

Besonders das am Armaturenbrett anlehnende, von Bang & Olufsen inspirierte Infotainment-Klimaanlagen- Alu-Bord zieht mit seiner Lifestyle- Strenge wie schon im S40 und V50 die Blicke auf sich.

Die Designliebe endet aber nicht im Bedienzerwürfnis mit den Passagieren. Die vielen Knöpfe sind schnell erlernbar. Mag der eine oder andere am Anfang über das aus dem Armaturenbrett ausklappende Navigationssystem mit der Lenkradbedienung schimpfen: Einmal daran gewöhnt, lässt es sich gerade während der Fahrt sicher steuern.

Doch es trüben noch ein paar Wolken den Frischluftspaß: Einige Passungen und Halterungen waren im Testwagen von größeren Toleranzen geplagt. An der Heckscheibe pfeift es bei schneller Autobahnfahrt wie um eine Holzhütte am Polarkreis. Zudem sind die Ablageboxen zwar zum Teil abschließbar, aber schmal gebaut. Ein dickes CD-Case bleibt da draußen. Wenig erquickend, gerade im Hinblick auf das sehr gute Dynaudio Surround- Soundsystem (siehe Spotlight).

Nicht nur das Interieur nimmt große Anleihen beim S40. Antriebskonzept und Fahrwerk transferierte Volvo ebenfalls in sein neues Cabrio. Der im schwedischen Uddevalla gebaute C70 setzt in seiner stärksten Variante auf einen quer eingebauten 2,5-Liter-Turbomotor mit 220 PS und einen Radstand, der dem des S40 auf den Zentimeter gleicht. Anbaumaßnahmen gab es dafür am Heck: Mit 4,58 Meter Länge spielt der C70 trotz seiner Kompaktklasse- Gene in der großen Cabrio-Liga und reckt seine Schnauze sogar einen Zentimeter mehr nach vorne als der offene Audi A4. Bei einem Stoffdach-Cabrio hätte die Langbein-Fraktion jetzt gejubelt. Doch das aufwendige Schwedenstahldach- Konstrukt kostet Räkelraum. Immerhin: Für vier 1,85 Meter große Passagiere herrscht Presspassung im Cabrio.

Zumindest den vorn Sitzenden bietet der Volvo dann kein tosendes, sondern ein kultiviertes Windkonzert. Die Härchen kommen zwar in Wallung, aber nicht so, dass jede Fahrt zwangsläufig vorm Friseursalon enden muss. Ganz Zugempfindliche können sich zudem mit einem faltbaren Monster-Windschott schützen. Ansonsten belästigt der C70 seinen Fahrer nicht. Auf längeren Autobahnstrecken ertappt man sich dabei, das Auto zu vergessen. Gemütlich sitzt man in Ledersesseln, cremig rasten die Gänge des Sechsganggetriebes, und das Fahrwerk boxt trotz leichter Stuckerneigung an der Vorderachse keine blauen Flecken ins Gesäß. Die zarten cabriotypischen Torsionsschwingungen wirken eher gemütlich als störend. Selbst das Lenkgefühl am etwas zu groß geratenen Volant ist locker und luftig. Es entwickelt sich eine samtige Distanziertheit, die besonders die Cruiser im Hauptmarkt USA von Volvo- Cabrios gewohnt sind und auch an ihnen mögen.

Einige handlingorientierte Fahrer werden jedoch nicht die gleichen Glücksgefühle erleben. Wenn der offene Schwede mal rangenommen wird und der Pilot Kurvenkräfte fühlen möchte, dann kneift der schwere Wagen etwas.

Die Seitenwangen der Frontsitze lassen ihre Passagiere hängen, die Lenkung bleibt rund um die Mittellage passiv, und es ist zu spüren, dass immerhin 1750 Kilogramm herumgewuchtet werden müssen. Zudem ärgert auch noch der große Wendekreis beim Rangieren. Dabei hat der C70 durchaus dynamische Qualitäten zu bieten.

Das Auto wankt zwar leicht, ist aber neutral und kontrollierbar. Selbst die Lenkung beißt, wenn sie den Mittelgraben einmal überwunden hat, beherzter zu. Bis ESP bei heftigen Lastwechseln das Heck zur Räson ruft, darf dieses sogar schon mal einen kleinen Schwenk wagen. Jedoch nie gefährlich, eher spaßig. Ein paar Emotionen tun dem eher kühl wirkenden Wagen durchaus gut. Emotionen, die auch der mit 12,4 Liter Super Plus auf 100 Kilometer nicht sonderlich sparsame 2,5-Liter- Turbomotor nur selten wecken will.

Der Reihenfünfzylinder treibt den Fronttriebler gleichmäßig kraftvoll voran, ist laufruhig und auch durchzugsstark, aber wo bleibt der anmachende Kick, das durchdringende Röhren der ungeraden Zylinderzahl? Etwas mehr Testosteron-Sound wie im Ford Focus ST wäre der schwarze Pfeffer auf der Erdbeere gewesen. Rein sachlich stören an der Leistungsentfaltung allerdings nur die leichten Antriebseinflüsse in der Lenkung und die fehlende Traktion bei sportlichem Gaseinsatz. Auf jeden Fall ein gutes Gefühl bietet die umfangreiche Sicherheitsausstattung. Im Falle eines Seitenaufpralls schützen sogar aufblasbare schwedische Gardinen (IC, inflatable curtain) die Insassen. Mit seiner fadingarmen Bremsleistung von 41 Metern aus 100 km/h bietet der C70 jedoch nur guten Klassendurchschnitt. Aber an Spätbremser und Frühbeschleuniger wendet sich das neue Volvo-Cabrio ohnehin nicht.

Es will einfach nur ein hübsches, etwas feineres Coupé-Cabrio sein, das seinen Fahrer nicht über Gebühr vom Hauptvergnügen ablenkt: dem Sonnetanken und Frischluftschnappen. 43 500 Euro muss man für die Variante Summum investieren, aber dafür ist hier auch die Ausstattung mit Abstand das Höchste.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –gutes Offenfahrgefühl –gute Materialanmutung –einfache Bedienung –sehr gutes Soundsystem
  • –eingeschränkter Fondraum –Verarbeitungsmängel –großer Wendekreis
Fahrkomfort
  • –guter Federungskomfort –bequeme Sitze
  • –leichtes Vorderachsstuckern
Antrieb
  • –gute Fahrleistungen –exakte Schaltung –hohe Laufkultur
  • –Traktionsprobleme
Fahreigenschaften
  • –neutrales Kurvenverhalten –agiles Handling
  • –Karosseriezittern –um die Mittellage gefühlsarme Lenkung
Sicherheit
  • –gute Bremsen –sehr gute Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • –hoher Verbrauch
Kosten
  • –gute Ausstattung
  • –hoher Anschaffungspreis –hohe Unterhaltskosten

Fazit

Der neue C70 ist ein kraftvoller, komfortabler und sicherer, aber etwas unterkühlter Reisebegleiter. Gefühlsarme Lenkung, großer Wendekreis und hohe Kosten sind die größten Schwächen.

Technische Daten
Volvo C70 T5 Summum
Grundpreis 44.630 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4582 x 1820 x 1400 mm
KofferraumvolumenVDA 200 bis 404 l
Hubraum / Motor 2521 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 162 kW / 220 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 240 km/h
0-100 km/h 8,2 s
Verbrauch 9,1 l/100 km
Testverbrauch 12,4 l/100 km
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