Volvo C70 T5 Coupé im Test

Windjammer

Nobody is perfect - eine Feststellung, die trotz seiner athletischen Figur und seines 240 PS starken Herzens auch für den Volvo C 70 gilt: Störende Windgeräusche und mäßiger Komfort trüben die Freude am eleganten Schweden.

Wenn die Form nicht der Funktion folgt, folgt sie zumeist einer Leidenschaft. „Ich wollte einen modernen, schwedischen Aston Martin DB4 machen“, bekennt Volvo- Designchef Peter Horbury und erklärt zugleich, warum Coupés derzeit eine Renaissance erleben: „Für meine Generation waren solche Sportwagen die Traumautos schlechthin“, meint der 47jährige Brite, „und mit dem C70 lassen wir diesen Traum neu aufleben.“ Nach siebenjähriger Abstinenz steht an der Spitze des Volvo-Programms wieder ein elegantes Coupé, das mit dem kantigen Vorgänger 780 freilich kaum etwas gemeinsam hat.

Um so mehr teilt es mit den beiden anderen Modellen der 70er-Reihe, die in ihren starken Turboversionen mit dazu beigetragen haben, das betuliche Volvo-Image in eine sportliche Richtung zu lenken. Bei Liebhabern des Understatements wird ihr dynamisches Potential weiter hoch geschätzt, doch man muß es künftig nicht mehr in braver Limousinen- oder Kombigestalt verstecken. Mit seinem kraftvollen, wohlproportionierten Design zeigt der C70 aufs schönste den neuen Volvo-Stil. Es verzichtet auf modische Gimmicks und wirkt dadurch zeitlos elegant. Da läuft keine Linie, die keine Sehne sein könnte; da baucht sich nirgendwo eine Wölbung, die nicht ein Muskel wäre – alles konzentriert sich auf die Bewegung nach vorne. Ein kerniger Sportwagen will der C70 dennoch nicht sein, viel eher ein gepflegter Reise-Expreß in der Tradition der Gran Turismo.

Wie bei den Konkurrenten Lancia Kappa, Mercedes CLK und Peugeot 406 stammen Fahrwerks- und Antriebstechnik aus dem Baukasten, und erhalten bleiben auch Radstand (2,66 Meter) und Länge (4,72 Meter) des S70, weshalb das Coupé unter seinesgleichen ausgesprochen stattlich wirkt. Der Eindruck gediegener Machart täuscht nicht, denn die Karosserie gefällt durch hohe Steifigkeit und Verarbeitungsqualität.

Das Interieur im skandinavischen Stil ist geschmackvoll und funktionell, wobei 17 Außenfarben nach Wunsch des Kunden bisweilen eine gewagte Kombination mit vier verschiedenen Polsterbezügen und drei Edelholzdekors eingehen. Soviel Individualität muß in feinen Coupé-Kreisen sein, und offenbar gilt das auch für die rahmenlosen Türscheiben. Im C70 sorgen sie allerdings für heftige Windgeräusche, die oberhalb von 120 km/h zu einem wahren Getöse anschwellen. Dagegen kann selbst das vorzügliche Dolby- Surround-Audiosystem (auf Wunsch) wenig ausrichten. Abhilfe dürfte wohl nur eine Lösung à la BMW schaffen, wo sich die Fenster des Dreier- Coupés beim Öffnen der Tür etwas senken und nach dem Schließen selbsttätig ins Dichtgummi hochfahren. Weniger Einbußen gegenüber der Limousine muß man beim Raumangebot hinnehmen. Das Gepäckabteil mit einer Durchladeeinrichtung faßt familientaugliche 405 Liter, und selbst im Fond gibt es zwei vollwertige Sitze mit genügend Kopf- und Beinfreiheit, so daß sich dort bis 1,80 Meter große Menschen auch auf längeren Strecken wohl fühlen.

Die Platzverhältnisse auf den Vordersitzen sind geradezu üppig, wenngleich ihr Verstellbereich für hochgewachsene Fahrer etwas weiter reichen sollte. Dafür genießt man hervorragende Körperunterstützung und eine fast perfekte Sitzposition. Anders als das in Länge und Höhe justierbare Lenkrad kostet die elektrische Sitzverstellung Aufpreis, beinhaltet aber eine zusätzliche Einstiegshilfe, die das vordere Gestühl beim Entriegeln der Lehne automatisch vorfahren läßt.Trotzdem erfordert der Einstieg in den Fond Gelenkigkeit, und um die Übersichtlichkeit nach hinten ist es wegen der hohen, ansteigenden Gürtellinie noch schlechter bestellt. In dieser Hinsicht kann das Cockpit, das unverändert aus dem S70 übernommen wurde, mehr überzeugen. Es wirkt hochwertig und klar gegliedert, nur die von dem großen Lenkrad verdeckte Schalterleiste stört die Ergonomie. Doch solche Kleinigkeiten nimmt man bereitwillig in Kauf, solange das gewünschte Fahrvergnügen geboten wird – und dazu kann der kräftige Turbomotor im T5 einiges beitragen.

Der 2,3 Liter-Fünfzylinder mit 240 PS und einem maxi- malen Drehmoment von 330 Newtonmeter stellt derzeit das Spitzentriebwerk im Coupé dar und verhilft ihm zu wahrhaft sportlichem Temperament. Nur 7,1 Sekunden nach dem Start ist bereits Tempo 100 erreicht, und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Diese hervorragenden Werte können aber nicht verbergen, daß der Vierventiler zwei Gesichter hat. Während er unter 2000/ min wegen eines tiefen Turbolochs nur zögernd Gas annimmt, stürmt er dezent grollend und mit Macht voran, wenn der Ladedruck aufgebaut ist. Dann dreht er ohne Widerwillen bis an den roten Bereich, wobei er zwar kernig klingt, aber niemals aufdringlich laut wird und kaum Vibrationen spüren läßt. Dafür genehmigt er sich im Mittel reichliche 13,5 Liter Super auf 100 Kilometer. Die sportlichen Ambitionen des Coupés unterstreicht sein modifiziertes Fahrwerk: Feder und Dämpfer wurden geändert, die hintere Spur um fünf Zentimeter verbreitert und die Karosserie ge ringfügig tiefergelegt. Obwohl die Unterschiede zur Limousine nicht gravierend sind, wirkt das Coupé handlicher und agiler.

Die Lenkung reagiert spontaner, das Kurvenverhalten ist fast neutral, und auf gewundenen Straßen stellt sich Fahrspaß ein, wie man ihn bislang von Volvo nicht kannte. Trotz serienmäßiger Traktionskontrolle erreicht der stärkere C70 aber in engen Kehren die Grenzen des Frontantriebs. Dann bringt er kaum noch Leistung auf die Straße und zerrt statt dessen an der Lenkung, die ohnehin mit den breiten Reifen (225/45 ZR 17) zu kämpfen hat: Sie trüben den Geradeauslauf und erfordern auf Spurrillen ständige Richtungskorrekturen. Als Teil des zum T5 gehörenden Sportfahrwerks sind sie auch für den mageren Federungskomfort mitverantwortlich, der in Verbindung mit den hohen Windgeräuschen die Reisetauglichkeit einschränkt.

Lange Bodenwellen werden noch einigermaßen passabel absorbiert, aber auf kurze Wellen und Querfugen reagiert die Vorderachse mit Stuckerbewegungen, die sich als Vibrationen den Insassen mitteilen. Bei Raumangebot, Fahrleistungen und Preis (72 800 Mark) liegt der C70 T5 auf dem Niveau des Mercedes CLK 320, doch der Federungs- und Geräuschkomfort entspricht noch nicht den Erwartungen. Offenbar hat Volvo selbst erkannt, daß die Entwicklungszeit von 30 Monaten zu knapp war, denn die Produktion kommt nur zögernd in Gang. Zum Volvo- Traumwagen gehört eben auch, daß manche Standards von Alltagsautos ein Traum bleiben.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot
  • hochwertige Verarbeitungsqualität
  • umfangreiche Serienausstattung
  • funktionale Bedienung
  • schlechte Übersicht nach hinten
Fahrkomfort
  • bequeme, gut profilierte Sitze
  • sehr wirksame Klimatisierung
  • geringes Schluckvermögen der Federung
  • Stuckerneigung auf kurzen Wellen
  • laute Windgeräusche
Antrieb
  • sehr gute Fahrleistungen
  • drehfreudiger Motor
  • exakte Schaltung
  • Durchzugsschwäche bei niedrigen Drehzahlen
  • kerniges Motorgeräusch
Fahreigenschaften
  • neutrales Kurvenverhalten
  • sehr gutes Handling
  • präzise Lenkung
  • Traktionsprobleme
  • eingeschränkter Geradeauslauf
Sicherheit
  • Kopfstützen und Dreipunktgurte auf allen Plätzen
  • Gurtstraffer vorn
  • 4 Airbags
  • steife Karosseriestruktur
  • leichtes Bremsfading
Umwelt
  • Einsatz wasserlöslicher Lacke
  • recyclebare Kunststoffe
  • hoher Benzinverbrauch
Kosten
  • 8 Jahre Garantie gegen Durchrostung
  • beträchtlicher Wertverlust
  • hohe Unterhaltskosten
  • kurze Garantie (1 Jahr)

Fazit

Der C 70 ist ein Auto fürs Herz, wie man es bisher von Volvo nicht kannte. Ansprechend sind nicht nur Form und Ausstattung, sondern auch Raumangebot, Fahrleistungen und Handling. Zum echten Grand Tourismo fehlen aber ein angemessener Federungs- und Geräuschkomfort.

Technische Daten
Volvo C70 T5
Grundpreis 38.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4716 x 1817 x 1414 mm
KofferraumvolumenVDA 403 l
Hubraum / Motor 2319 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 177 kW / 240 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 7,1 s
Verbrauch 11,3 l/100 km
Testverbrauch 13,5 l/100 km
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