Volvo S40 T5 im Test

Schwedischer Saus-Freund

Foto: Hans-Dieter Seufert

Wie eine verkleinerte Kopie des S60 sieht der neue Mittelklasse-Volvo aus. Mit ihm hat der schwedische Autohersteller die deutschen Premium-Modelle BMW Dreier, Audi A4 und Mercedes C-Klasse im Visier.

Bäumchen, wechsle dich: Während der alte Volvo S40 in Kooperation mit Mitsubishi entstand, entstammt der Nachfolger aus der Partnerschaft mit der Ford Motor Company, die vor fünf Jahren Volvo in das Reich des zweitgrößten Autounternehmens der Welt einverleibt hat. Die Folge: Der S40 nutzt wie auch Ford C-Max und Mazda 3 die Konzern-Plattform, die auch für den nächsten Focus vorgesehen ist. Bleibt da noch Raum für Volvo-typische Eigenständigkeit? Was das Design angeht, ist der Volvo ganz klar ein Volvo. Er wirkt wie ein geschrumpfter S60, der wiederum starke Ähnlichkeit mit dem großen S80 hat. Volvo scheint bei den Limousinen dieselbe Designstrategie zu verfolgen wie BMW in den neunziger Jahren. Muskulöse Schultern, eine stark abfallende Dachlinie, die vorgezogene Nase und weit in die Kotflügel gezogene Scheinwerfer sind inzwischen Volvo- typische Stilelemente. Zwar kann der S40 damit nicht mehr überraschen, ein ansehnliches Auto ist er aber auf jeden Fall.

Das Design-Highlight ist nicht außen, sondern innen zu finden. Wo früher trutzburghafte Mittelkonsolen wie aus Stein das Raumgefühl einschränkten, schwebt nun ein silberner Raumteiler. Die nur wenige Zentimeter starke Mittelkonsole steht frei im Raum, beherbergt CD-Radio und Klimaanlage. Beide sind über Drehregler leicht zu bedienen. Für die Nebenfunktionen jedoch gibt es nur kleine Tasten, die schwer zu treffen sind. Eine Bodenwelle genügt, und schon hat man statt der Heckscheibenheizung die Umlufttaste erwischt. Auch das optionale DVDNavigationssystem krankt an der Bedienung über verborgene Lenkradtasten. Dafür entschädigt eine unerhört freundliche Damenstimme, die sicher durch den Verkehr lotst. Einen Volvo stellt man sich praktisch vor. Von den Erfindern der Tüten- und Parkscheinhalter hätte man daher zumindest ausreichend Ablagen erwartet.

Doch weder die Nische hinter der Mittelkonsole noch das Handschuhfach können eine normale Ladung Krimskrams aufnehmen, die winzigen Türtaschen erst recht nicht. Dafür herrscht kein bisschen Kompaktklasse-Feeling. Hebel und Instrumente sind zu 100 Prozent Volvo. Den Fehler, Ford-Teile offensichtlich in sogenannte Premium-Produkte zu packen, macht Ford nicht mehr. Materialauswahl und Verarbeitungsqualität sind auf hohem Niveau, und auch das Innenraumgefühl überzeugt. Vorn findet man auf hart, aber nicht unbequem gepolsterten Sitzen schnell eine optimale Position, das Lenkrad ist vertikal und horizontal verstellbar. Eine Reihe weiter hinten schmilzt zwar der Kopfraum durch die stark abfallende Dachlinie für groß Gewachsene auf ein Minimum, an Beinfreiheit mangelt es aber nicht.

Allerdings verlangen die hinteren Türen mit ihren schmalen Öffnungswinkeln beim Einsteigen nach einem gelenkigen Hüftschwung und die coupéhafte Dachlinie nach einem demütigen Nicken. Eng wird es auch fürs Gepäck. Der nur 404 Liter große Kofferraum lässt sich zwar durch die geteilt umklappbare Rücksitzbank erweitern, Sperriges passt aber nicht durch die schmale Ladeöffnung. Ein echtes Familienauto ist der S40 also nicht, trotz optionaler Ausstattung mit zwei integrierten Kindersitzen und serienmäßigem Isofix. Mehr Familienraum bietet die Kombiversion V50. Kombi und Limousine gemein ist das anscheinend bedeutendste Accessoire der Premium- Klasse: Seitenblinker in den Außenspiegeln sogar mit Bodenleuchten.

Als Schutz vor Feindberührung in engen Straßen sollte man die elektrische Anklappfunktion für 290 Euro mitbestellen, denn Ersatz für einen abgefahrenen Spiegel kostet wegen des Premium-Gehalts 392 Euro. Solche Spielereien sind nicht typisch für Volvo. Die Turbomotoren dagegen schon. Früher demonstrierten die T-Modelle Turbo- Power der alten Sorte. Wie ein zu starker Espresso schlugen sie auf den Magen, wenn das Turboloch überwunden war, und die ganze Kraft plötzlich über Reifen und Insassen herfiel. Der neue T5 mit so genannter Softturbo-Aufladung dagegen zieht knapp über Leerlaufdrehzahl – leider des typischen Fünfzylinder-Grummelns verlustig gegangen – auch in den oberen Gängen vehement nach vorn. Subjektiv hat man nicht den Eindruck, mit einem 2,5-Liter- Turbo zu fahren, eher mit einem Dreiliter-Sauger. Der Turbo ist kein wilder Reißer, sondern ein kultiviertes, souveränes und sparsames Triebwerk. Durch die gute Elastizität kann sehr niedertourig und schaltfaul gefahren werden. Dabei macht die knackige Sechsgangschaltung mit ihren kurzen Wegen richtig Spaß. Dazu passt das sportliche Fahrwerk, das gerade noch ausreichend komfortabel ist.

Auf kurzen Unebenheiten federt der T5 hölzern, lange Bodenwellen verdaut er besser. Mit geringer Seitenneigung geht es flott um die Kurve. Sportlicher ließ sich noch kein Volvo fahren. Einziger Mangel: Der schwere Motor drückt den Fronttriebler vehement zum Kurvenaußenrand. Das DSTC genannte Stabilitätsprogramm muss oft korrigierend eingreifen. Ist der Schleuderschutz abgeschaltet, wedelt der Volvo beim schnellen Spurwechsel mal übermütig, aber gut kontrollierbar mit dem Heck. Die leichtgängige elektrohydraulische Servolenkung könnte allerdings präziser sein. Beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven ist sie nicht frei von Antriebseinflüssen, aber insgesamt bringt der T5 seine 220 PS und 320 Newtonmeter sehr manierlich auf die Straße. Eine weitere Verbesserung verspricht der ab Sommer lieferbare Allradantrieb. So hinterlässt der S40 in der Topversion T5 einen zwiespältigen Eindruck. Eine agile Sportlimousine ist entstanden, mit einem kräftigen Motor, guten Bremsen und üppiger Ausstattung, aber kaum noch mit Volvo-Flair.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • ausreichendes Platzangebot Verarbeitung auf hohem Niveau reichhaltige Ausstattung
  • unbequemer Einstieg hinten unübersichtliches Heck kaum Ablagemöglichkeiten
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze mit viel Seitenhalt niedriger Innengeräuschpegel größtenteils funktionelle Bedienung
  • zu harte Federung
Antrieb
  • durchzugsstarker Motor sehr gute Fahrleistungen leichtgängiges Sechsganggetriebe
Fahreigenschaften
  • sicheres und agiles Handling gute Traktion
  • Lenkung mit wenig Rückmeldung ausgeprägte Untersteuertendenz
Sicherheit
  • umfassende Sicherheitsausstattung Bremsen mit guter Verzögerung
Umwelt
  • angemessener Verbrauch erfüllt Euro 4-Abgasnorm
Kosten
  • fairer Preis überschaubare Unterhaltskosten
  • vorraussichtlich hoher Wertverlust

Fazit

Verarbeitung, Sicherheitsausstattung und Design orientieren sich an den traditionellen Werten. Der S40 sollte einen besseren Federungskomfort und mehr Ablagen haben. Das alte Volvo-Feeling geht dem T5 ab.

Technische Daten
Volvo S40 T5 Summum
Grundpreis 33.750 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4468 x 1770 x 1452 mm
KofferraumvolumenVDA 404 bis 883 l
Hubraum / Motor 2521 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 162 kW / 220 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 240 km/h
0-100 km/h 7,4 s
Verbrauch 8,6 l/100 km
Testverbrauch 10,7 l/100 km
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