Volvo S60 2.4 T im Test

Nordsspaß

Volvo S60 2.4 T 13 Bilder

100.000 Kilometer mit dem Volvo S60 2.4 T hinterlassen überwiegend positive Eindrücke, auch wegen des temperamentvollen Turbomotors.

Nach 100.000 Kilometern waren sich die Tester einig: Das Beste an diesem Volvo sind die Sitze. Sie tragen wesentlich zu dem Urteil bei, dass der Volvo S60 ein sehr angenehmes Langstreckenauto ist. Hier stimmt einfach alles. Die Position, die sich auf der Fahrerseite mühelos elektrisch einstellen und abspeichern lässt, der große Einstellbereich, der Seitenhalt, die Unterstützung der Oberschenkel und des Rückens sowie die Langzeitqualität. Selbst nach 100 000 Kilometern zeigten die beiden vorderen Sessel genauso geringe Verschleiß- und Ermüdungserscheinungen wie ihre Benutzer im Verlauf dieser langen Strecke.

Leider ebenfalls noch vorhanden, wenn auch ein wenig abgeschwächt nach anderthalb Jahren: der aufdringliche Ledergeruch. Doch die Sitzqualität in Leder kostet Geld: Sie ist Bestandteil der Premium-Ausstattung, die, ergänzt durch ein Luxuspaket und einige individuelle Optionen, den Preis des Dauerläufers schon zu Beginn des Tests auf stolze 42 450 Euro treibt. Heute kostet er nochmals 750 Euro mehr. Dafür sollte schon etwas geboten werden, zumal Volvo sich ja inzwischen als sportliche Premium-Marke des Ford-Konzerns versteht. Fünf Zylinder, 2,4 Liter Hubraum und 200 Turbo-PS schaffen denn auch gute Voraussetzungen, um antriebsseitig im Konkurrenz-Umfeld gut mitzuhalten. Die rasanten Fahrleistungen, die gegen Ende des Dauertests sogar noch etwas zulegen, und der dennoch moderate Verbrauch (10,9 L/100 km) werden daher ebenso geschätzt wie der Tankinhalt von 70 Liter, der je nach Fahrweise Reichweiten von über 600 Kilometern ermöglicht.

Motorschäden? Im Prinzip keine, wenn man die defekte Lambda-Sonde als außenliegendes Regelorgan nicht dem Motor anlastet. Dazu minimaler Ölverbrauch (Nachfüllmenge nur 0,5 Liter), aber zu kurze Inspektionsintervalle (20 000 km) und große Ölwechselmengen (sechs Liter), was die Wartungskosten nach oben treibt.

Eine peinliche Panne ereignete sich freilich gegen Ende der Laufzeit: Bei feuchter Kälte gab es Startprobleme. Der Anlasser versagte seinen Dienst, und der noble Volvo musste angeschoben werden. Korrodierte Kontakte des Starters verursachten den Liegenbleiber, nach ihrer Reinigung war alles wieder gut. Dennoch Pech für den Volvo: Dadurch handelt er sich im Mängelindex zehn Minuspunkte ein und landet auf dem dritten statt auf dem zweiten Rang. Nicht so viel Freude wie der Motor bereitet das Getriebe, dessen untere Gänge sich nur widerstrebend einlegen lassen.

Die schlecht dosierbare Kupplung verstärkt diesen Effekt und führt gelegentlich zum Abwürgen des Motors beim spontanen Ampelstart. Den sportlichen Charakter des S60 prägt auch seine coupéhafte Karosserieform, die freilich Zugeständnisse an die Funktionalität einfordert. Der Einstieg zum Fond wird durch das früh abfallende Dach behindert, die Übersicht nach hinten ist auch bei heruntergeklappten Kopfstützen miserabel. Die akustische Einparkhilfe (nur hinten lieferbar, 500 Euro Aufpreis) ist daher eine dringend empfohlene Option. Die knappe Öffnung für den Kofferraum verwehrt sperrigem Ladegut den Zugang. Der Gepäckraum selbst ist groß genug, vor allen Dingen aber tief. Da lernt man die praktische Trennklappe schätzen, die bei unvollständiger Ausnutzung des Volumens das Vorrutschen der Gepäckstücke in schwer erreichbare Zonen verhindert. Die Rückenlehnen lassen sich geteilt umklappen, wovon man freilich nur in Sonderfällen bei langem Transportgut Gebrauch machen muss. Der hohe Wohlfühlfaktor im Volvo wird mit geprägt von einer gut funktionierenden Klimaautomatik (im Luxuspaket), die sich auch mühelos individuell regulieren lässt. Selbst an frostigen Tagen spricht die Heizung rasch an, thermische Unterstützung leistet die kräftige Sitzheizung, deren Heizmatten im Rückenbereich etwas höher reichen sollten. Schlösser, Fensterheber und Wischer funktionieren auch bei strenger Kälte. Einzig die Defrosterwirkung im oberen Drittel der Windschutzscheibe ist unbefriedigend. Dafür sind die Schalter leicht zu bedienen und die Instrumente gut abzulesen. Das 900 Euro teure Audio-Paket HU-803 empfängt Sender aber nicht immer störungsfrei. Außerdem scheppern die Lautsprecher der rechten Tür bei Sprachdurchsagen. Und ausreichend große Ablagen sind, wie so oft bei modernen Autos, Mangelware. So angenehm und nützlich das hohe Drehmoment des nahezu verzögerungsfrei ansprechenden Turbomotors (285 Newtonmeter) für Beschleunigung und Elastizität auch ist, das Fahrwerk ist damit häufig überfordert. Die an sich leichtgängige und exakte Lenkung leidet unter Antriebseinflüssen, ebenso wie der Geradeauslauf beim Beschleunigen. Die schlechte Grundtraktion der Vorderachse führt sogar bei trockener Straße und vollem Leistungseinsatz zu Antriebsschlupf, der von dem serienmäßigen elektronischen Regelsystem DSTC durchweg zu spät eingebremst wird. Auch sonst ist das Fahrwerk nicht frei von Schwächen. Vorder- und Hinterachse melden Unebenheiten durch Poltern statt sie wegzufedern. Das schränkt den Fahrkomfort insgesamt ein, der im Wesentlichen durch die guten Sitze und den niedrigen Innengeräuschpegel hochgehalten wird.

Premium ist das nicht. Die optionalen 17-Zoll-Räder mit 225/45er Reifen reduzieren zusätzlich den Federungskomfort und verstärken noch die Fahrwerksakustik. Wegen ihrer speziellen Lenkanschläge treiben sie den ohnehin zu großen Wendekreis in unzumutbare Dimensionen. Außerdem knackte es nach drei Viertel der Dauertest-Distanz bei vollem Lenkeinschlag, was sich durch Fetten der Anschläge nur kurzfristig beheben ließ. Letztlich mussten die Puffer ausgewechselt werden. Trotz überwiegend zügiger Fahrweise hielt sich der Reifenverschleiß in Grenzen, wegen der üppigen Reifendimension sind die Kosten dennoch beträchtlich ­– ein Preis, der für die Sportlichkeit zu zahlen ist. Die vorderen Bremsbeläge halten im Schnitt etwa so lange wie die Reifen. Weniger erfreulich war, dass bei km-Stand 90.000 vorn und hinten sowohl die Beläge als auch die Bremsscheiben erneuert werden mussten. An der unangenehmen Eigenschaft der Bremsen, bei nasser Fahrbahn verzögert anzusprechen, änderte sich dadurch wenig. Der Premium-Anspruch des Volvo S60 macht sich auch in den Kosten bemerkbar. 15,7 Cent pro Kilometer sind nicht wenig, hinzu kommt ein Wertverlust von über 50 Prozent, der den Restwert des Volvo S60 nach 100.000 Kilometern auf 20 475 Euro festschreibt. Bei Audi, BMW und Mercedes sind deutlich geringere Abschläge einzukalkulieren. Hinzu kommt, dass der Schätzwert, zumal in der jetzigen Marktsituation, eher eine obere Orientierungshilfe darstellen dürfte. Denn trotz des guten Zustands, in dem sich Lack und Interieur des Volvo zuletzt noch befanden, wird ein Verkauf zu diesem Preis schwerer fallen als bei den deutschen Premium-Produkten. Volvo-Fahren kann also teuer kommen, besonders wenn man das sportliche Potenzial dieses Autos ausschöpft. Aber es macht auch Spaß und vermittelt etwas, was es bisher bei dieser Marke so nicht gab: ein völlig neues Volvo-Gefühl.

 

Abgastest: Der Renault Laguna wurde nach den E3-Bestimmungen typgeprüft und zugelassen. Er muss damit jene Schadstoffgrenzwerte einhalten, die etwas milder ausgefallen sind als die ursprünglich einmal geplanten Limits. Weil auch der Fahrzyklus für die Abgasmessung modifiziert wurde, ist die EU3 trotzdem etwa doppelt so streng wie die alte D3.

Die Abgasmessung am Ende des Dauertests auf dem Rollenprüfstand der TÜV Automotive GmbH (Unternehmensgruppe TÜV Süddeutschland) in Böblingen ergab die folgenden Werte (Limits in Klammern): Kohlenmonoxid (CO): 0,38 (0,64) Gramm pro Kilometer, Stickoxide (NO) 1,11 (0,5) Gramm pro Kilometer, Summenwert Kohlenwasserstoffe und Stickoxide (HC+NO) 1,13 (0,56) Gramm pro Kilometer und Partikel (PM) 0,02 (0,05) Gramm pro Kilometer. Damit verfehlt der Laguna das Klassenziel.

Ernsthafte Schäden traten nicht auf. Bagatell-Störungen verursachten insgesamt drei unplanmäßige Werkstattbesuche

Seit gut einem Jahr fahre ich einen Volvo 560 T5 mit mittlerweile 20 000 km auf dem Tacho. Das Auto weist einen hohen Qualitätsstandard auf und begeistert mich täglich mit seinem sicheren Fahrverhalten und seinem enormen Spurtvermögen. Leider ist dabei der Frontantrieb vor allem bei nasser oder glatter Straße überfordert, was dann die relativ spät eingreifende Traktionskontrolle wieder zu korrigieren versucht. Dies gelingt nur teilweise, denn in diesem Lastzustand wird der Vorderwagen unruhig und hinterlässt ein ungutes Gefühl. Alles in allem bin ich aber sehr zufrieden mit diesem Wagen, den ich sofort wieder kaufen würde. Der Gesamtverbrauch beträgt 9,3 U100 km Super Plus.
Klaus Locher, CH-5361 Leuggern
 
Seit einem Jahr fahre ich einen Volvo S60 T5. Fahrtechnisch bin ich sehr zufrieden, da die sportliche Variante hält, was Volvo versprochen hat. Leider gab es aber über ein halbes Jahr Probleme mit der Fernbedienung der Türverriegelung. Bei niedrigen Temperaturen sägt der Motor nach dem Kaltstart. Die Werkstatt bekommt das nicht in den Griff. Einen Chip am Schlüsselbund musste ich entfernen, da sonst der Volvo nicht anspringt.
Guido Brückmann, 72348 Rosenfeld

Seit Dezember 2001 bin ich absolut zufriedener Besitzer eines Volvo S60 T5. Das Auto macht einfach nur Spaß. Die Fahrleistungen sind überdurchschnittlich gut, und die Qualitätsanmutung ist über jeden Zweifel erhaben. Der Verbrauch (ca. 11,5 U100 km) ist gemessen an der Leistung durchaus akzeptabel. Einziges Manko, das ich bisher festgestellt habe, ist eine zigarettenschachtelgroße, unlackierte Stelle an der Fahrertür innen. Störend auch der unbeleuchtete Aschenbecher.
Reiner Klös, 65824 Schwalbach
 
Meinen S60 (2.4, 170 PS) habe ich im September 2001 übernommen und bin nach 36 000 km bisher ausgesprochen zufrieden. Der Volvo ist endlich wieder ein Fahrzeug, bei welchem ausreichend Drehmoment vorhanden ist, so dass man auf der Autobahn nicht immer in den vierten oder dritten Gang zurückschalten muss. Obwohl ich meinen Volvo nicht unbedingt zurückhaltend bewege, liegt der Verbrauch mit 9,6 U100 km auf einem angemessenen Niveau. Der Ölverbrauch ist minimal und liegt bei 0,5 U1000 km. Als Negativpunkte fallen die Unübersichtlichkeit nach hinten, der große Wendekreis und die etwas schwache Dämpfung auf. Zusammenfassend handelt es sich bei dem 560 um ein sehr gutes Fahrzeug, welches ich jederzeit wieder anschaffen würde, aber mit dem 200-PS-Motor.
Michael Kuhn, NL-4631 BM Hoogerheide

Seit sieben Monaten fahre ich einen Volvo S60 (2.4, 140 PS), der inzwischen 10 000 km auf dem Tacho hat. Seit der Übernahme gab es keine Beanstandungen. Zu loben sind die Verarbeitung, der kultivierte Motor und die erstklassigen Sitze. Zu wünsche wären Bügeltürgriffe, größere Ablagen und ein kleinerer Wendekreis.
Hans-Hugo Schütze, 55543 Bad Kreuznach

Vor- und Nachteile

  • sehr gute Sitze
  • strapazierfähiges Interieur
  • kraftvoller Motor
  • niedriger Innengeräuschpegel
  • sportliche Fahrleistungen
  • gutes Raumangebot
  • akzeptabler Verbrauch
  • komfortabler Reisewagen
  • angenehme Klimatisierung
  • leichtgängige Lenkung
  • zu großer Wendekreis
  • poltriges Fahrwerk
  • schlechte Übersichtlichkeit nach hinten
  • nässeempfindliche Bremsen
  • kleiner Kofferraumdeckel
  • hakeliges Getriebe
  • schwer dosierbare Kupplung
  • Mangel an Ablagen
  • schlechte Traktion
  • Antriebseinflüsse in der Lenkung
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Technische Daten
Volvo S60 2.4T
Grundpreis 29.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4576 x 1804 x 1428 mm
KofferraumvolumenVDA 424 bis 1034 l
Hubraum / Motor 2435 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Verbrauch 9,1 l/100 km
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