Volvo S60, Lexus IS 220d, Jaguar X-Type

Style aufwärts

Foto: Achim Hartmann 30 Bilder

Mit einem attraktiven neuen Designstil und dem ersten Dieselmodell der Marke will Lexus kräftig wachsen. Ob der IS 220d die hohen Erwartungen erfüllt, klärt der Vergleich mit Jaguar X-Type 2.2D und Volvo S60 2.4D.

Preisfrage: Was gibt der Arzt oder Apotheker seiner Familie, wenn ihn der ganz private Zwang zur Kostendämpfung erreicht? Antwort: einen Diesel natürlich, aber einen mit Stil, Dampf und weißer Weste. Bei Volvo etwa, erst seit Anfang 2002 mit einem eigenen Ölbrenner im Geschäft, haben bereits zwei Drittel aller S60 einen Common-Rail-Fünfzylinder unter der Haube. Noch eindeutiger das Votum der Jaguar-Käufer, denen man bis vor drei Jahren überhaupt keinen Diesel zumuten wollte: Der X-Type 2.2D mit dem von Ford übernommenen, im letzten Herbst vergrößerten Vierzylinder bestreitet inzwischen 78 Prozent des Absatzes in der kleinen Baureihe. Ähnlichen Schub verspricht sich Lexus von seinem ersten Dieselmodell, und seine technischen Daten stimmen durchaus hoffnungsvoll.

Der bereits aus diversen Toyota- Modellen bekannte Motor kann sogar als Schrittmacher für einen weiteren Diesel-Boom gelten. Mit seinen Piezo-Einspritzdüsen und dem serienmäßigen NOX-Speicherkat, der neben den Rußpartikeln auch die Stickoxide reduziert, ist er den Rivalen in puncto Laufruhe und Sauberkeit um eine Nasenlänge voraus. Bei Leistung (177 PS) und Drehmoment (400 Nm) setzt er sich hier ebenfalls an die Spitze. Die nackten Zahlen sind allerdings nur die halbe Wahrheit. Kann der 2,2-Liter-Vierzylinder zunächst mit mustergültig dezenter Akustik schon beim morgendlichen Kaltstart glänzen, macht sich angesichts des müden Temperaments bald Ernüchterung breit.

Unter 2000 Touren geht nichts, in engen Kehren kommt der IS 220d kaum vom Fleck. Wegen des weit gespreizten Sechsgang-Getriebes fällt die Drehzahl nach jedem Hochschalten in den Keller. Im dritten durch die Stadt? Vergiss es. So bleibt der theoretische Verbrauchsvorteil der langen Übersetzung auf der Strecke, weil seine Drehwilligkeit speziell beim Überholen und an Steigungen zur Drehpflicht wird. Wie groß seine Durchzugsschwäche ist, zeigt schon der Vergleich mit dem Volvo.

Trotz weniger Leistung und Drehmoment zieht der S60 dem Lexus in Elastizität und Beschleunigung klar davon. Sein stämmiger Antritt aus jeder Lebenslage wird untermalt vom charaktervollen, nie störenden Fünfzylinder-Knurren, das kaum stärker als bei den Benzinern in Erscheinung tritt.

Neben dem harmonischen Vortrieb bringt ihn auch seine Sparsamkeit nach vorne: Der Testwert von 8,4 L/100 km ist gut für über 800 Kilometer Reichweite und einen Bonus auf dem Punktekonto. Obwohl der Jaguar hier mit dem höchsten Verbrauch (9,2 L/ 100 km) und der geringsten Leistung (155 PS) aufwartet, wirkt der Diesel im X-Type keineswegs deplatziert. Er geht spontan und leichtfüßig zur Sache, enthält sich unziemlicher Geräusche und liefert sogar die besten Elastizitätswerte. Die gelassene Kraftentfaltung, von Freunden der Marke besonders geschätzt, beherrscht der kultivierte Diesel überraschend gut.

Und seit auch er serienmäßig mit einem Partikelfilter sowie einem exakt schaltbaren Sechsgang- Getriebe geliefert wird, bleibt antriebsseitig höchstens eine Automatik auf der Wunschliste. Sie würde jedenfalls zum gehobenen Ambiente und Federungskomfort passen, mit dem der Jaguar für sich einzunehmen weiß. Bisweilen fühlt man sich sogar an den weichen Wiegeschritt klassischer Modelle erinnert, ohne deshalb Seekrankheit oder mangelnde Fahrsicherheit befürchten zu müssen. Wenn etwas in diesem Umfeld stört, dann sind es die Sitze – vorne zu eng und stramm, hinten zu kurz und die Lehne zu steil – sowie die indirekte, gefühllose und polternde Lenkung. Auch Sicherheitsausstattung und Bremsen, die viel Nachdruck erfordern und sich schlecht dosieren lassen, zeigen noch Nachholbedarf. Der Lexus hingegen schwächelt erneut bei der Standfestigkeit und der Verzögerung auf unterschiedlich griffigen Belägen, wo er aus 100 km/h erst nach 174 Metern zum Stillstand kommt – inakzeptabel.

Ebenfalls wenig berauschend ist sein Komfort, obwohl das Fahrwerk der hier angetretenen Luxury Line viel harmonischer wirkt als bei der zuvor getesteten Sport-Version (Heft 5/2006). Doch auf kurze Wellen spricht der IS steif und mit ständigen Vibrationen an, bei groben Verwerfungen keilt er schon mal mit der Hinterhand aus. Im Gegenzug offenbart der einzige Hecktriebler in dieser Runde klare Vorteile bei den dynamischen Qualitäten: Agil, neutral und völlig problemlos meistert er Kurven und brenzlige Situationen.

Die störfreie elektrische Lenkung könnte jedoch etwas mehr Rückmeldung vermitteln. Im S60 verhindern zusätzlich Antriebseinflüsse, ausgeprägtes Untersteuern und der riesige Wendekreis, dass beim Fahren echte Freude aufkommt. Mit seinen weitschweifenden Karosseriebewegungen fühlt man sich gelegentlich wie ein Wikinger auf See und selbst bei gemächlichem Cruisen von der Federung verschaukelt, denn sie reicht speziell kurze Stöße ziemlich unverblümt an die Insassen weiter. Andererseits verwöhnt der Volvo mit sehr bequemen, gut geformten Sitzen, dem besten Raumangebot sowie einem hochwertigen Interieur, wo es bei den anderen zum Teil an Feinschliff im Detail mangelt. Fällt der Jaguar hier mit schlecht entgrateten, ungleichmäßigen Plastikfugen ab, so führen beim Lexus das beengte Raumgefühl, das kleine Gepäckabteil und die unzähligen, weit verstreuten Tasten zur Abwertung.

Auch die teuren Festkosten werfen ihn weiter zurück, während er für den höchsten Grundpreis mit einer üppigen Serienausstattung entschädigt. Wem schlüsselloser Zugang, Knieairbags vorn sowie Bi-Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht nicht reichen, der kann sogar ein Navigationssystem mit Rückfahrkamera oder eine adaptive Geschwindigkeitsregelung ordern. Doch trotz der langen Vorglühzeit, die Lexus für sein erstes Dieselmodell brauchte, springt der Funke beim IS 220d nicht richtig über. So zieht ihm der stämmige, elastische S60 nicht nur auf der Straße, sondern auch beim Finale davon.

Fazit

1. Volvo S60 2.4D Summum
484 Punkte

Geräumige Karosserie, gute Bremsen, günstige Kosten und der kräftige, sparsame Motor bringen den S60 nach vorn. Nicht optimal: Fahreigenschaften und Handling.

2. Lexus IS 220d Luxury
472 Punkte

Nur mit seinen sicheren, agilen Fahreigenschaften und der üppigen Ausstattung kann der IS richtig Punkte machen. Besonders Motor und Bremsen enttäuschen hingegen.

3. Jaguar X-Type 2.2D Executive
469 Punkte

Viele kleine Schwächen ohne herausragende Stärken werfen den X-Type zurück. Am besten gefallen Interieur, Federung und der spritzige, kultivierte Dieselmotor.

Technische Daten
Jaguar X-Type 2.2 Diesel Executive Lexus IS 220d Luxury Line Volvo S60 2.4D Summum
Grundpreis 35.600 € 37.390 € 35.540 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4672 x 1789 x 1430 mm 4575 x 1800 x 1440 mm 4576 x 1804 x 1428 mm
KofferraumvolumenVDA 452 l 378 l 424 bis 1034 l
Hubraum / Motor 2198 cm³ / 4-Zylinder 2231 cm³ / 4-Zylinder 2400 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 114 kW / 155 PS bei 3500 U/min 130 kW / 177 PS bei 3600 U/min 120 kW / 163 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h 220 km/h 210 km/h
0-100 km/h 10,5 s 10,1 s 9,6 s
Verbrauch 6,0 l/100 km 6,3 l/100 km 6,6 l/100 km
Testverbrauch 9,0 l/100 km 8,4 l/100 km
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