Volvo V70 T5 vs. Saab 9-3 V6

Nord-Lichter

Foto: Achim Hartmann 14 Bilder

Mit dem neuen Sport-Combi, der ein modisches Schrägheck trägt, bereichert Saab die 9-3-Baureihe. Wie gut sich das Top-Modell mit V6-Turbomotor schlägt, zeigt der Vergleich mit seinem Landsmann Volvo V70.

Spät kommt sie, die Kombi-Version des Saab 9-3. Schließlich gibt es die Limousine dieser Baureihe bereits seit rund drei Jahren. Die Verspätung ist nicht nur deshalb erstaunlich, weil elegante sportliche Kombis in der Mittelklasse Hochkonjunktur haben, sondern auch, weil man bei Saab mit einem deutlich höheren Kombi- als Limousinen-Absatz bei dieser Baureihe rechnet.

Bereits ins sechste Produktionsjahr geht der ebenfalls aus Schweden stammende Konkurrent Volvo V70. Er ist ein alter Bekannter in dieser Klasse, bestens etabliert und hat einen treuen Freundeskreis. Dass er schon ein wenig grau um die Schläfen und mit seiner kantigen Figur ein Kombi alter Schule ist, bringt ihn nicht wirklich ins Hintertreffen. Ganz im Gegenteil: Die wenigen Zentimeter, die er in Länge (sechs) und Breite (vier) dem Saab voraus hat, schlagen sich vor allem im Fond in einem deutlich besseren Raumgefühl nieder.

Zudem bietet der Volvo Hinterbänklern gut geformte Sitze mit bequemer Polsterung, auf denen sie sich sofort wohl fühlen. Im Saab-Fond geht es etwas enger zu: Das abfallende Dach, die ansteigende Fensterlinie und die schrägen Seitenscheiben schränken die Bewegungsfreiheit speziell im Kopfbereich ein. Auch das Sitzen mit stärker angewinkelten Beinen auf relativ harten, kurzflächigen Polstern macht den Aufenthalt hier nicht so angenehm.

Was die Heckformen der beiden Konkurrenten suggerieren, bestätigen die gemessenen Werte: Der kastenförmige V70 bietet den größeren Stauraum – er fasst in der Standard-Konfiguration (485 Liter) rund 60 Liter mehr. Wird die Rücksitzbank umgeklappt (1641 Liter), wächst die Differenz sogar auf nahezu 400 Liter an. Das ist ein stattlicher Unterschied. Er kommt auch deshalb zustande, weil die asymmetrisch geteilte Rückbank im V70 so umgeklappt wird, wie es sich für einen gestandenen Kombi gehört: Sitzflächen hoch, Lehnen runter – schon steht ein topfebener, großflächiger Laderaum zur Verfügung.

Wenige einfache Handgriffe machen diesen Vorgang zu einem Kinderspiel, auch weil die Kopfstützen nach einem Zug an der Schlaufe aus dem Weg kippen. Mehr Mühe bereitet das Zurückbauen: Die Lehnen sind unerwartet schwer.

Beim SportCombi hingegen klappen nur die geteilten Lehnen nach vorne und bilden, weil sie auf dem Sitzpolster liegen, den schrägen Teil der Ladefläche. Das mag für manchen Transport ein Nachteil sein, ebenso wie das Fehlen eines aufrollbaren, stabilen Trennnetzes.

Alternativ dazu bietet Saab als Zubehör ein starres Trenngitter (180 Euro) an, das hinter den Rücksitzen befestigt wird. Als praktisches Detail entpuppt sich der doppelbödige Stauraum, denn dessen mittlere Abdeckung ist auch als Trennwand einsetzbar. In der dann entstehenden Vertiefung können beispielsweise Einkaufstaschen stehend verstaut und mit den serienmäßigen Gepäcknetzen gesichert werden. Ein asymmetrisch geteiltes Trennnetz, das sich im Gehäuse des Laderollos verbirgt und dessen Handhabung eine etwas fummelige Angelegenheit ist, bringt der Volvo serienmäßig mit.

Ebenfalls zwei flache Staufächer unter dem Ladeboden, eines davon praktischerweise mit aufstellbarem Deckel und einer Kunststoffschale zur Aufnahme nasser Gegenstände. Kritik handeln sich beide Schweden dagegen mit labbrigen, unhandlichen Gepäckraumabdeckungen und zu kleinen Öffnungswinkeln ihrer Heckklappen ein.

Über 1,75 Meter lange Personen laufen zudem Gefahr, sich beim V70 an der oberen Kante der Ladeluke den Kopf anzuschlagen. Die Dachreling kostet extra, 200 Euro beim Saab und 290 Euro beim Volvo. Dem höheren Nutzwert allein verdankt der V70 den klaren Sieg im Karosseriekapitel aber nicht.

Vielmehr punktet er auch mit besserer Steifigkeit, hochwertigeren Materialien im Innenraum, besserer Solidität und umfangreicherer Serienausstattung. Zu ihr zählen unter anderem in der Summum- Ausführung Ledersitze mit Heizung und elektrischer Verstellung sowie ein CD-Wechsler. Ob mit voller Zuladung (Saab 520, Volvo 490 kg) oder nur dem Piloten an Bord – beide Kombis bleiben stets gutmütig und überraschen ihre Fahrer nicht mit heimtückischen Reaktionen.

Fahrfreude kommt bei sportlicher Gangart aber nicht auf – zu viel gibt es dann für den Fahrer und seine elektronischen Helfer ASR und ESP zu tun, um die Kraft der starken Turbomotoren zu bändigen. Vor allem der schwerfällige, unterdämpfte Volvo zickt beim kräftigen Beschleunigen auf unebenen Straßen und läuft schlecht geradeaus.

Sein kräftiges Untersteuern und die starke Seitenneigung in Kurven sind gutem Handling ebenso abträglich wie die indirekte, stößige Lenkung und der riesige Wendekreis (über 13 Meter).

Im deutlich straffer abgestimmten, etwas neutraler ausgelegten Saab meistert man kurvenreiche Strecken nicht wesentlich entspannter, denn die Aufgaben Antreiben und Führen überfordern auch seine Vorderräder rasch.

Aber der 9-3 SportCombi ist viel handlicher als der V70, was er seiner beinahe giftig ansprechenden, sehr direkten und leichtgängigen Lenkung verdankt. Der Punktverlust beim Bremsen resultiert aus geringerer Stabilität beim Verzögern auf Belägen mit unterschiedlichem Reibwert (μ-split) und dem weichen Pedalgefühl. Nicht überzeugen kann der SportCombi im Komfort. Seine Federung teilt auf langen Wellen gerne katapultartige Stöße aus und kopiert alle kleinen Unebenheiten unerbittlich. Seine straffen Sitze können die Ruppigkeiten nicht kaschieren.

Der V70 hingegen entpuppt sich als angenehmer Reisewagen, wozu auch seine bequemen Sitze einen guten Teil beitragen. Auf schlechten Autobahnen aber nervt die Stuckerneigung, mit verursacht durch zu weiche Motorlager. Lauter als im Saab sind die Fahrgeräusche, wozu auch der etwas dröhnige, akustisch stets präsente Motor seinen Teil beiträgt.

Der raue 2,4-Liter-Fünfzylinder mit 260 PS ist ein Turbomotor alter Schule: Aufs Gasgeben folgt erst eine Gedenksekunde und dann vehementer Schub. Diese unangenehme Art der Leistungsentfaltung wiegt schwerer als das knappe Verfehlen der Werksangabe im Spurt von null auf Tempo 100 (7,1 statt 6,8 s).

Ganz anders der 250 PS starke 2,8- Liter-V6 im Saab. Er überrascht nicht nur mit ausgezeichneter Laufkultur, sondern auch mit Drehfreude, guten Übergängen und einem harmonischen Leistungseinsatz, der ihn nicht sofort als Turbomotor entlarvt. Sein Durst tut das schon – mit durchschnittlich 12,8 Liter Super Plus ist er so trinkfreudig wie die Volvo-Maschine.

Den knappen Vorsprung, den sich der Volvo in der Eigenschaftswertung hart erarbeitet, büßt er vor allem wegen seines um 6800 Euro höheren Anschaffungspreises im Kosten-Kapitel fast vollständig ein.

So gewinnt der V70 nach Punkten mit dem kleinsten möglichen Vorsprung – als wahrer Sieger geht er aber nicht aus dem Ring.

Fazit

1. Volvo V70 T5
460 Punkte

Der V70 hält, was seine Form verspricht: viel Platz für Gepäck und ein gutes Raumgefühl für die Passagiere. Dazu bietet er einen ansprechenden Gesamtkomfort, der ihn zu einem angenehmen Reisewagen macht.

2. Saab 9-3 2.8 Turbo V6 SportCombi
459 Punkte

Seine Bezeichnung Sport-Combi und das schräge Heck zeigen: Der 9-3 möchte kein Raumwunder, sondern ein fescher, sportlicher Kombi sein. Das unterstreichen gutes Handling und der harmonische V6-Turbo.

Technische Daten
Saab 9-3 2.8 Turbo V6 SportCombi Aero Volvo V70 T5 Summum
Grundpreis 39.800 € 46.110 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4654 x 1762 x 1492 mm 4710 x 1804 x 1464 mm
KofferraumvolumenVDA 419 bis 1273 l 485 bis 1641 l
Hubraum / Motor 2792 cm³ / 6-Zylinder 2401 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 184 kW / 250 PS bei 5500 U/min 191 kW / 260 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 245 km/h 250 km/h
0-100 km/h 6,8 s 7,1 s
Verbrauch 10,4 l/100 km 9,4 l/100 km
Testverbrauch 12,8 l/100 km 12,7 l/100 km
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