Volvo XC 90 D5 im Test

Schweden-SUV für Sieben

Mit dem XC 90 wildert jetzt auch Volvo im Revier der Sport Utility Vehicles (SUV). Ausgestattet mit Allradantrieb will er lifestyleorientierten Käufern eine Alternative zu BMW X5 oder Mercedes M-Klasse sein.

Vorbei sind die Zeiten, als Volvo sichere, aber dröge Autos für Oberstudienräte baute. Die schwedische Ford-Tochter setzt verstärkt auf Emo­tionen und Vielseitigkeit. Die starken R-Versionen waren vor neun Jahren der erste Schritt, auf den 1997 der hochgesetzte V70 Cross Country mit Allradantrieb, inzwischen in XC70 umbenannt, folgte. Mit dem XC 90 wollen die Schweden nun die nächste Emotionalisierungs-Stufe der Marke zünden und stoßen in das Marktsegment der SUV (Sport Utility Vehicles) vor. Urlaub mit der ganzen Familie, die Wochenend-Tour mit großem Sportgepäck oder der Kurztrip mit der halben Nachbarschaft sollen ohne Kom­promisse bei Raumangebot und Fahrkomfort auch abseits befestigter Wege möglich sein. Die Konkurrenz in diesem Segment ist aber groß. Bestseller wie BMW X5 und Mercedes M-Klasse, die sich seit langem sowohl im alten Europa wie in der Neuen Welt großer Beliebtheit erfreuen, balgen sich mit Porsche Cayenne und VW Touareg um die Käufergunst. Hier möchte Volvo ab sofort mitmischen. Und es spricht einiges dafür, dass der große Schwede eine ernst zu nehmende Alternative darstellt, denn nicht nur die Preise sind interessant. XC 90 D5 fahren kostet mindestens 38.600 Euro. Allerdings ist diese handgeschaltete Ver­sion erst ab Sommer verfügbar. Das Automatikgetriebe des Test­wagens erhöht die Anschaffungskosten um 2000 Euro. Die direkten Konkurrenten von BMW und Mercedes sind allerdings deutlich teurer. Ihren Preisen nähert sich der XC 90 D5 ­jedoch zügig, wenn man statt der Basis-Variante die Comfort- oder gar die getestete Premium-Version wählt. Ob es Premium sein muss, ist fraglich, denn selbst in der Basis ist fast alles eingebaut, was Autofahren angenehm macht. Selbst Bordcomputer, Radio mit CD-Laufwerk, Colorverglasung und Lederlenkrad sind schon enthalten. Comfort bringt ein aufwendigeres Radio-Paket mit Kopfhörer-Anschlüssen und indi­vidueller Senderwahl für die Fondpassagiere an der C-Säule, Tempomat, Ledersitze mit Heizung und Regensensor. Premium umfasst zusätzlich im Wesentlichen den elektrisch verstellbaren Fahrersitz, ein sehr gut in Radio und Mittelkonsole integriertes Telefon und elektrisch einklappbare Außenspiegel. Optional sind diese Details jedoch auch für die Basis-Va­riante verfügbar. Wer sieben statt fünf Sitze ordert, zahlt stets 1200 Euro Aufpreis. Allen XC 90 gemein ist der Allradantrieb, der im Normalfall 95 Prozent der Motorleis­tung an die Vorderräder abgibt. Dreht eines dieser Räder durch, soll die elektronisch gesteuerte Haldex-Kupplung den Kraftfluss an die Hinterräder intensivieren. Das funktioniert tadellos, und die variable Kraftverteilung gefällt durch ausgeprägte Unauffälligkeit. Traktion ist nie ein Problem, solange man den XC 90 nicht überfordert, denn ein Geländewagen will er trotz 22 Zentimeter Bodenfreiheit und Allradantrieb nicht sein.

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Kein Nachteil, denn Vollwert-Geländewagen sind in der Regel raue Gesellen. In diese Kategorie fällt der XC 90 jedoch keineswegs, im Gegenteil. Er überrascht zunächst mit äußerst kommoden Sitzen vorn und in der mittleren Reihe, wobei sich Erwachsene allerdings nur auf den äußeren Plätzen wohlfühlen. Der Platz dazwischen ist von Volvo ausdrücklich als Kindersitz angelegt. Ganz hinten findet dann auch der etwas größere Nachwuchs bis 1,65 Meter bequemes Gestühl vor. Positiv fällt die Leichtigkeit auf, mit der sich die Einzelsitze des Allradlers in Reihe zwei und drei umlegen und wieder aufstellen lassen. Natürlich bleibt in der siebensitzigen Version kein rekordverdächtiger Kofferraum (249 Liter). Als Fünfsitzer mit 483 Liter Gepäckvolumen spielt der XC 90 aber in seiner Liga mit und liegt zwischen Mercedes M-Klasse (633 Liter) und BMW X5 (465 Liter). In Sachen Variabilität können sie ihm freilich nicht das Wasser reichen. Zu den großen Pluspunkten des Allrad-Volvo zählt seine Fahrwerks-Abstimmung. Straff und gleichzeitig komfortabel, wiegt sie die Passagiere im Glauben, in einer Oberklasse-Limousine Platz genommen zu haben. Lange Wellen reitet der Volvo geschmeidig ab, ohne dabei nachzuwippen. Kurze Stöße werden zwar nicht ganz so gekonnt gefiltert, vom hölzernen Gestucker vieler Konkurrenten setzt sich der Volvo aber wohltuend ab. Auch die typische starke Aufbauneigung eines SUV bei schneller Kurvenfahrt ist dem XC 90 weitgehend fremd. Die Lenkung überzeugt dabei mit Zielgenauigkeit und guter Rückmeldung. Allenfalls die bei zunehmendem Tempo steigenden Haltekräfte am Lenkrad können bei sensibleren Naturen zu Irritationen führen. Gut, dass die Bedienung dazu keinen Anlass bietet. Die Armaturentafel scheint auf den ersten Blick so viele Schalter aufzuweisen wie ein Flugzeug-Cockpit, aber die Funktion der einzelnen Tasten erschließt sich unmittelbar. Selbst die auf der Rückseite einer Lenkradspeiche untergebrachte Bedienung für das Navigationssystem gibt nach kurzer Dauer keine Rätsel mehr auf, eine Fernbedienung gibt es obendrein.

Wer den vollen Umfang der Navigation nutzen möchte, kommt aber um das Studium der Betriebsanleitung nicht herum. Um zu erfahren, ob der D5 einen Otto- oder Dieselmotor im Bug verbirgt, muss niemand in die technischen Unterlagen schauen. Dass hier ein Selbstzünder am Werk ist, wird im Winter schon durch die lange Vorglühzeit, vor allem aber durch das Laufgeräusch sofort klar. Ein Reißer ist der quer eingebaute Reihenfünfzylinder allerdings nicht, auch wenn er sich akustisch sehr energisch gibt. Zwischen 1800/min und 2600/min spielt er unter Last mit einem Ton auf, der nach besserer Schalldämmung verlangt. Rollt der D5 dagegen in der Ebene dahin, nimmt sich auch der Motor in seinen Lebensäußerungen stark zurück. Dann zeigt der Bordcomputer Momentanverbrauchswerte von deutlich unter zehn L/100 km an. Fordert man den knapp 2,2 Tonnen schweren Wagen, sind freilich auch 14 Liter für dieselbe Distanz möglich. Auch wenn die fünfte Stufe der Automatik für den D5 zu lang gewählt scheint, sprechen die sanften und meist exzellent angepassten Gangwechsel für die Automatik. Wer glaubt, es besser zu können, findet in der Geartronic manuelle Eingriffsmöglichkeiten. Volvo wäre nicht Volvo, wenn man dem jüngsten Spross nicht umfangreiche Sicherheitstechnik implantiert hätte. Standfeste Bremsen, seitliche Kopfairbags für alle drei Sitzreihen, Straffer für alle Gurte und ein ESP – bei Volvo DSTC genannt –, das die Aufbaubewegungen in seine Regelstrategie mit einbezieht, sind Pfunde, mit denen der Volvo wuchern kann. Aber die Elektronik nimmt dem XC 90 schon sehr früh den Wind aus den Segeln und bremst ihn ein, weit bevor der natürliche Grenzbereich am Horizont auftaucht. Das ist zwar sehr sicher, vermindert aber neben der Überschlagsgefahr auch den Fahrspaß. Davon sollte Volvo der anvisierten lifestyle-orientierten Kundschaft ruhig noch ein bisschen mehr gönnen. Das Potenzial dazu hat der XC 90 zweifellos.

Fazit

Der erste SUV von Volvo hat das Zeug zum Bestseller. Fahrkomfort und Platzangebot sind sehr überzeugend, der antrittsschwache Dieselmotor allerdings nicht.

Technische Daten
Volvo XC90 D5 7-Sitzer Premium
Grundpreis 47.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4798 x 1898 x 1743 mm
KofferraumvolumenVDA 249 bis 1837 l
Hubraum / Motor 2401 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 120 kW / 163 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
0-100 km/h 13,3 s
Verbrauch 9,1 l/100 km
Testverbrauch 10,8 l/100 km
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