VW Beetle Cabrio 2.0 TDI im Test

Diesel im Bug, Sonne im Sinn

VW Beetle Cabrio 2.0 TDI, Fahrersicht Foto: Rossen Gargolov 31 Bilder

Schluss jetzt mit diesem XL-Winter. Wir nehmen uns das VW Beetle Cabrio 2.0 TDI dort zur Brust, wo es getestet werden muss: erst auf dem Testgelände, dann in der Sonne – wo auch immer wir sie finden werden.

Die Wolkenlücke im Wetter-Elend kommt in Form des VW Beetle Cabrio. Ein Test als Vorwand, das Büro und gleich das ganze nasskalte Deutschland zu verlassen. „Chef, hier eine tolle Idee: Das VW Beetle Cabrio hat das harte Testprogramm absolviert. Für die Fotos fahren wir so lange Richtung Süden, bis wir Cabrio-Wetter finden ...“ Er nickt überzeugt – wir brechen auf.

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Test VW Beetle Cabrio 2.0 TDI Auf der Suche nach Sonne
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Der mitreisende Fotograf flucht allerdings bereits beim Einladen seiner Ausrüstung, weil erstens beim Öffnen des Kofferraumdeckels am VW Beetle Cabrio ein Schwall Wasser in den mickrigen Laderaum fließt und zweitens ein Teil der Ausrüstung auf die Rücksitze muss. Es ist ein wenig wie beim Porsche 911: Vier Sitze zu haben heißt noch lange nicht, ein Viersitzer zu sein. Wer den Weg in den Süden auf der Rückbank des VW Beetle Cabrio antritt, muss leiden.

VW Beetle Cabrio 2.0 TDI, Heckansicht, Marcus Peters
Fahrbericht VW Beetle Cabrio 2.0 TDI 3:08 Min.

VW Beetle entfernt sich vom Retro-Image

Als grobe Richtung gibt die Wetterkarte Italien vor. Ist es hinter dem Brenner nicht immer schön? Auf der heimischen Autobahn jedenfalls haben wir erst einmal urdeutsches Wetter: Es regnet, was den Fluchtreflex verstärkt. Ab Tempo 180 fängt der Wind an, ungemütlich laut zu brausen, und die Hifi-Anlage im VW Beetle Cabrio muss alles geben. Sie wurde vom berühmten amerikanischen Gitarren- und Verstärker-Hersteller Fender konzipiert, geht aber gerade bei harter Gitarrenmusik enttäuschend früh in die Knie.

Für den VW Beetle jedenfalls ist sie zu weich, denn er liebt es knackig. Die feminine Anmutung seines Vorgängers hat er ebenso abgelegt wie die Retro-Allüren und spielt nicht mehr den Clown in der Produktpalette; Blumenvasen haben in ernst zu nehmenden Autos nichts verloren.

Lässt man das Fahrwerk den Charakter bestimmen, liegt der VW Beetle zwischen Golf und GTI: Die Federung nimmt Bodenwellen die Härte, die Dämpfer fackeln nicht lange und bringen die Karosserie schnell zur Ruhe. Diese alltagsnahe Straffheit des VW Beetle Cabrio taugt auch für die Fernstrecke.

Diesel agiert kräftig und unauffällig

So nehmen wir im VW Beetle Cabrio die Distanz bis zum Brenner in einem Rutsch und registrieren, dass wir die 360 Kilometer völlig stressfrei absolviert haben. Als Cabrio wirkt der VW Beetle eher beruhigend als anstachelnd, was auch am 140 PS starken Zweiliter-TDI liegt: Er tönt mittlerweile so unauffällig, dass er auch als rauer Benziner durchgehen könnte.

Und er ist lang übersetzt, was im sechsten Gang das Geräuschniveau des Motors angenehm senkt, aber Wind-Rumoren in den Vordergrund spielt. Bei 160 km/h ist der Stoffverdeck-VW Beetle gemessen nur drei Dezibel lauter als die Blechdach-Variante – gefühlt deutlich mehr. Immerhin wurde das sechslagige Stoffverdeck gut gegen Feuchtigkeit imprägniert, denn am Brenner fängt es an zu schneien. Man könnte einen Wutanfall bekommen, doch die Behaglichkeit der Sitzheizung wirkt Aggressionen entgegen. Sie gehört wie die Klimaanlage zur so genannten 70s Edition. Gemütlichkeit dagegen ist im VW Beetle Cabrio eher Mangelware, der Innenraum aus harten Kunststoffen jedenfalls versprüht sie nicht. Er bezieht sich ungewollt auf die Siebziger, die der chromverzierte Testwagen zum Vorbild wählt.

VW Beetle bietet authentisches Cabrio-Feeling

Am Brenner wechselt das Wetter also nicht zwangsläufig in die bessere Richtung. Wäre da noch die zweite Plattitüde, nach der es am Gardasee immer schön sein soll. Wir rollen im VW Beetle Cabrio weiter, um auch diese zu überprüfen. Aus dem Schnee wird gerade wieder Regen. Deutsches Wetter in Italien.

Abfahrt Rovereto. Das Thermometer zeugt von zunehmender Temperatur, aber bis zum warmen Tropenregen fehlen 20 Grad. Gerade ein Bergrücken trennt uns noch von der drohenden Erkenntnis, dass „Am-Gardasee-ist-es-immer-schön“ ebenfalls nur dahergeredetem Kokolores entspricht.

Doch hinter dem Berg ist nicht vor dem Berg: Das Wetter wird italienischer, sobald sich das große Alpengewässer ins Panorama drängt. Heute zumindest trifft die Gardasee-Plattheit zu, der rechte Zeigefinger greift zielgerichtet zum Knopf am Dachrahmen, drückt ihn –, und das Verdeck des VW Beetle faltet sich automatisch zusammen.

Es zieht – und das ist gut so

Weil wir gerade mit weniger als 50 km/h bummeln, funktioniert das während der Fahrt und dauert etwa zehn Sekunden. Sofort strömt die noch kühle, aber immerhin sonnendurchwirkte Luft herein. Bereitwillig lässt die steil stehende Frontscheibe alle möglichen Äußerungen der Umwelt hinein. Definitiv löst man mit dem VW Beetle Cabrio ein Ticket fürs Infield – nicht für eine überdachte Stadiontribüne.

Echte Windgesichter kommen hier also auf ihre Kosten, was in Zeiten weichgespülter Cabrios fast schon als Alleinstellungsmerkmal gelten dürfte. Und selbst die Seitenscheiben können im VW Beetle Cabrio beruhigt unten bleiben, weil sie die Luftverwirbelungen kaum glätten können. Es zieht mächtig, und das ist auch gut so.

Unaufhaltsam klettert die Temperatur nach oben, mittlerweile sind knapp 20 Grad Celsius erreicht, was sich nach einem Endlos-Winter praktisch wie ein Mini-Sommer anfühlt, und wir lassen den Gardasee hinter uns.

Der Berg ruft. Es lockt die Trento Bondone, jene spektakuläre Bergrennstrecke, die den Monte Bondone hinaufführt. Und tatsächlich beweist der VW Beetle, dass er kein Heckspoiler-Poser ist. Ohne jämmerlich mit den angetriebenen Vorderrädern zu scharren, wedelt er die Spitzkehren hinauf. Ohne plump zu wanken, setzt er in den Wechselkurven um. Und das Drehmoment reicht jederzeit, um Steigungen einzunehmen.

Sonne, ein Cabrio und eine Bergrennstrecke – das hält vor. Winter, gib auf, du kannst uns nicht mehr unterkriegen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Solides, elektrisches Verdeck
  • Gute Verarbeitung
  • Einfache Bedienung
  • Übersichtliche Instrumente
  • Ausreichende Zuladung
  • Umständliche Persenning
  • Wenig Platz im Fond
  • Kleiner Kofferraum
  • Schlechte Übersichtlichkeit
  • Sehr einfache Kunststoffe
Fahrkomfort
  • Straffe, aber gut abgestimmte Federung
  • Bequeme Vordersitze
  • Niedriges Motorgeräusch
  • Laute Windgeräusche
Antrieb
  • Gute Fahrleistungen
  • Laufruhiges Dieseltriebwerk
  • Strammes Durchzugsvermögen
  • Leicht schaltbares Getriebe
Fahreigenschaften
  • Agiles Handling
  • Präzise Lenkung
  • Hohe Fahrstabilität
  • Guter Geradeauslauf
Sicherheit
  • Sehr gute Bremsleistung
  • Kaum Assistenzsysteme erhältlich
  • Nur Front- und Seitenairbags
  • Bremspedal mit weicher Ansprache
Umwelt
  • Angemessener Verbrauch
  • Kein Start-Stopp-System erhältlich
  • Erfüllt nur Euro 5
Kosten
  • Lange Wartungsintervalle
  • Günstige Versicherungseinstufungen
  • Voraussichtlich geringer Wertverlust
  • Nur zwei Jahre Garantie

Fazit

Ein Luftikus für Windgesichter, der beim Offenfahren garantiert jede Betonfrisur einreißt. Abzug gibt es für fehlende Sicherheitsausstattung, laute Windgeräusche und den bei Regen kleckernden Kofferraumdeckel.

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Technische Daten
VW Beetle Cabriolet 2.0 TDI 70's
Grundpreis 31.675 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4278 x 1808 x 1473 mm
KofferraumvolumenVDA 225 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 196 km/h
0-100 km/h 9,8 s
Verbrauch 5,1 l/100 km
Testverbrauch 6,7 l/100 km
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