VW Eos Cabrio gegen Opel Astra Twin Top Cabrio

VW und Opel Stahldachcabrio im Vergleichstest

Foto: Achim Hartmann 43 Bilder

Moderne Stahldachcabrios wie VW Eos und Opel Astra Twin Top verheißen Frischluftspaß für vier ohne Abstriche bei der Alltagstauglichkeit. Die Frage ist nur: Wie groß ist das Vergnügen mit den Basismotoren?

Häufig reicht es ja schon zu wissen, dass man könnte, wenn man wollte. Beispielsweise eine Fahrt im Auto an schönen Tagen mit Urlaubsgefühlen anzureichern, indem man das Dach öffnet. Cabriofahren ohne die üblichen Nachteile eben. Die eine Lösung ist einfach, aber für viele zu teuer und lautet Zweitwagen. Die andere verbindet zwei Autos in einem - in Form von bodenständigen Stahldachcabrios à la VW Eos Cabrio oder Opel Astra Twin Top Cabrio.


VW Eos Cabrio mit Turbo-Direkteinspritzer

Die Frage ist nur: Kommt der Spaß schon mit der günstigen Basismotorisierung auf? Der Einwand ist berechtigt, weil in beiden Fällen anderthalb Tonnen Fahrzeugmasse zu bewegen sind. Volkswagen setzt auf Downsizing, statt dem bisherigen 1.6 FSI mit 115 PS arbeitet jetzt im Einstiegs-VW Eos Cabrio der 122 PS starke, aber nur 1,4 Liter große Turbo-Direkteinspritzer. Eine gute Entscheidung, denn dank Aufladung liefert der Vierzylinder bereits im Drehzahlkeller ordentlich Muskelschmalz, maximal 200 Nm stehen schon bei 1.500/min an. Und das nicht nur in der Theorie: Ansatzlos einsetzender und selbst in den oberen Gängen spürbarer Schub verführt zu schaltfauler und gelassener Fahrweise, obwohl der Griff zur präzisen Sechsgangschaltung keine Mühen bereitet.

Kernig tönt der sonst auffallend kultivierte Vierventiler nur bei hohen Drehzahlen, die aber selten nötig sind, um flott voran zu kommen. Auf der Autobahn mindern eher deutliche Windgeräusche den guten Komforteindruck, der Turbo hält sich dagegen stets im Hintergrund. Das gelingt ihm sogar an der Zapfsäule: Mit 8,9 Liter auf 100 Kilometer unterbietet er im Vergleichstest den Verbrauch des Konkurrenten um einen knappen halben Liter.

Opel Astra Twin Top Cabrio: Nachteile beim Antrieb

Dem rundum gelungenen VW Eos Cabrio-Antrieb kann das Opel Astra Twin Top Cabrio wenig entgegensetzen. Sein 1,6 Liter großes Triebwerk leistet nur 115 PS, aber im Vergleich fehlt es ihm vor allem an Elastizität und Laufkultur. Als Sauger entwickelt er deutlich weniger Drehmoment (155 Nm), das zudem erst bei höherer Drehzahl (4.000/min) anliegt. Der Vierventiler, von Natur aus ein brummiger Bursche, wirkt im Vergleich unwillig und angestrengt. Häufige Gangwechsel und erhöhte Drehzahlen sind beim Opel Astra Twin Top Cabrio an der Tagesordnung. Aber Freude bereiten weder die hakelige Fünfgang-Schaltung noch der aufdringliche Geräuschpegel, mit dem der Vierzylinder nicht nur auf Autobahnetappen die Gehörgänge strapaziert.

Opel Astra Twin Top: Knarzen in der Hutablage

Gelassenheit kennzeichnet auch den Federungskomfort des VW Eos Cabrio. Bodenwellen müssen schon kräftig ausfallen, damit sie die Insassen nachhaltig aus der Ruhe bringen. Gleiches gilt für die verwindungssteife Karosserie: Feinfühlige Piloten registrieren zwar ein leichtes Zittern, mehr aber auch nicht. Im Astra Twin Top Cabrio -Testwagen beeinträchtigt dagegen bei geschlossenem Dach ein deutliches, unschönes Knarzen aus dem Bereich der Hutablage den Qualitätseindruck. Mit seiner strafferen Abstimmung fordert das Opel Astra Twin Top Cabrio von den Passagieren etwas mehr Zugeständnisse, speziell bei kurzen Stößen. Im Gegenzug fühlt er sich in Kurven einen Tick agiler an, obwohl das VW Eos Cabrio die angenehmere, weil mehr Widerstand und Fahrbahnkontakt vermittelnde Lenkung besitzt. In puncto Fahrsicherheit rangieren beide auf hohem Niveau.

Üppiger Kofferraum beim Opel Astra Twin Top

Allerdings leisten sie sich beim μ-Split-Bremsen auf unterschiedlich griffigen Oberflächen einen dicken Patzer - sie bleiben zwar stabil in der Spur, aber der Anhalteweg fällt jeweils viel zu lang aus. Als Coupé wirkt der Opel Astra stimmiger und eleganter. Seine gestreckte Linienführung bringt jedoch eine flache Frontscheibe mit sich, die den Frontpassagieren fast bis an die Stirn reicht. Große Fahrer versuchen vergeblich, den bequemen, aber wenig Seitenhalt bietenden Sitz tiefer zu stellen, und im Fond ist ohnehin mehr Kompromissbereitschaft gefordert. Wegen der geringen Kopf- und Beinfreiheit sitzen auf längeren Etappen höchstens Kinder einigermaßen bequem. Geradezu üppig fällt dagegen der Gepäckraum aus - sofern er nicht das kunstvoll gefaltete Dach aufnehmen muss. Dann reduziert sich der Inhalt von gut nutzbaren 440 auf magere 205 Liter.

VW Eos Cabrio mit Pummelheck

Auch im pummeligen Heck des VW Eos Cabrio bleibt von ursprünglich 380 Litern nicht viel übrig. Zudem müssen VW Eos-Fahrer auf einige Details verzichten, die im Opel Astra Twin Top das Cabrio-Leben versüßen. So lässt sich bei ihm zum einfacheren Beladen das Dachpaket im Gepäckraum per Knopfdruck anheben oder das Dach per Fernbedienung (Aufpreis 200 Euro) öffnen und schließen - mit beachtlichem Showeffekt vor dem Einsteigen oder bei langsamer Fahrt. Als dickes Trostpflaster bietet das VW Eos Cabrio serienmäßig ein großes, integriertes Glasschiebedach. Aber nicht nur deshalb geht es bei ihm auf den gut konturierten Sportsitzen (Aufpreis 205 Euro) luftiger zu. Dachhimmel und Frontscheibe halten spürbar mehr Abstand.

VW Eos und Astra Twin Top Preisvergleich

Mit geöffnetem Dach streicht der Wind im VW Eos Cabrio intensiver um die Nase, der sich jedoch durch Schließen der Seitenfenster plus Windschott (Aufpreis 300 Euro) weitgehend aus dem Cockpit verbannen lässt. Auf den Plätzen im engen Fond gesteht der VW den Mitfahrern mehr Raum für die Beine bei weniger Innenbreite zu - auch das VW Eos Cabrio taugt nur eingeschränkt als Viersitzer. 25.340 Euro verlangt Opel für den offenen Astra Twin Top inklusive CD-Radio und Tempomat, die beim 26.950 Euro teuren VW Eos noch zusätzlich bezahlt werden müssen. Doch abgesehen vom Kaufpreis kann der Opel Astra Twin Top selbst im Kostenkapitel nicht entscheidend punkten. Mit dem VW Eos Cabrio gewinnt das gediegenere und vielseitigere Auto. Denn selbst an grauen Wintertagen bietet er dank seines Glasschiebedachs ein wenig Himmel auf Erden.
 

Live Abstimmung 2 Mal abgestimmt
Stahldachcabrios: Eos oder Astra?
Mir gefällt der VW Eos
Mir gefällt der Opel Astra
Mir gefallen beide
Ich hasse Stahldachcabrios

Fazit

1. VW Eos 1.4 TSI
471 Punkte

Durchzugsstark, sparsam und kultiviert – der neue 1,4 Liter-Turbo harmoniert prima mit dem komfortablen Eos. Der Marktführer leistet sich kaum Schwächen, ist aber deutlich teurer und, abgesehen vom Glasschiebedach, nicht besser ausgestattet.

2. Opel Astra Twin Top 1.6 Edition
439 Punkte

Der Astra bietet den größeren, besser nutzbaren Gepäckraum und ein cleveres Dachkonzept zum günstigeren Preis, aber weniger Platz innen. Qualitätsanmutung und vor allem der zähe Antrieb können nicht Schritt halten.

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Technische Daten
VW Eos 1.4 TSI Opel Astra 1.6 TwinTop Edition
Grundpreis 27.400 € 25.960 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4407 x 1791 x 1443 mm 4476 x 1759 x 1411 mm
KofferraumvolumenVDA 380 l 205 bis 440 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 90 kW / 122 PS bei 5000 U/min 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 196 km/h 192 km/h
0-100 km/h 10,7 s 12,4 s
Verbrauch 6,2 l/100 km 6,9 l/100 km
Testverbrauch 8,9 l/100 km 9,3 l/100 km
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