VW Eos gegen Volvo C70

Blech-Strähne

Foto: Achim Hartmann 22 Bilder

Es sieht schick aus, ist gut ausgestattet und hat ein Blechdach. Aber verdient das neue Cabrio von Volvo auch seinen Premiumanspruch? Ein Vergleich des C70 mit dem aufstrebenden VW Eos bringt es ans Licht.

Warum sich mit einem Cabrio begnügen, wenn man zugleich ein Coupé haben kann? Knifflige Frage, aber so viel steht zumindest fest: Bei Bedarf unter einem festen Dach zu sitzen, ist vielen Menschen offenbar wichtiger als klassische Cabrio-Romantik. Das zeigt der Erfolg der Cabrio-Coupés.

Die so genannten CC-Derivate sprießen aus dem Boden wie die Pilze – man bekommt sie kleiner oder größer, zwei- oder viersitzig, eher schlicht oder aufwendig. Nur die Premium-Marken hielten sich bislang zurück, denn wer beim Kauf eines viersitzigen Cabrio-Coupés auf ein prestigeträchtiges Fabrikat Wert legt, der wird zurzeit nur bei Volvo fündig.

C70 heißt der Beitrag der Schweden, basierend auf der bekannten S40-Limousine, aber technisch mit allen CC-Wassern gewaschen. Doch ist er sein Geld wert? Immerhin charakterisiert den CC-Käufer eine eher sachliche Sicht der Dinge. Und sachlich gesehen ist der neue Eos ebenfalls nicht zu verachten, mit dem VW im CC-Segment ja auch ein bisschen was Besseres sein möchte. Zugegeben, der Eos ist zierlicher als der C70, aber sein Dach lässt selbst das dreiteilige Wunderwerk, das den Volvo krönt, bescheiden aussehen. Welches Cabrio hat schon ein Glasschiebedach? 30 200 Euro kostet dieser Frischluft- VW, wenn man ihn mit dem 200 PS starken Turbo-FSI-Benziner bestellt – nicht wenig für ein Auto mit den Genen eines Golf, aber wohlfeil im Vergleich zum Volvo. Als C70 T5 mit 220 Turbo-PS kostet der nämlich mindestens 41 200 Euro, und so wie ihn Volvo zum Test schickte, in der noblen „Summum“-Variante, sind sogar 43 500 Euro fällig. Dafür steht dann allerdings auch ein veritables Prunk-Cabrio vor der Tür, dessen Ausstattung unter anderem mit Lederpolstern, elektrischer Sitzverstellung, CD-Radio, Einparkhilfe und Bi-Xenon-Scheinwerfern den vollen Verwöhnkomfort bietet. Wollte man sich den Eos entsprechend luxuriös herausputzen, würde sich die Rechnung um 7200 Euro erhöhen.

Den Raumkomfort des Volvo bekommt der VW-Kunde freilich nicht einmal gegen Aufpreis. Der C70 ist nicht nur außen eine Nummer größer, sondern auch innen, was sich vor allem hinten bemerkbar macht.

Hier lässt es sich selbst zu zweit aushalten, während die Unterbringung im Eos- Fond dann eher einer Presspackung gleicht. Die bequemeren Sitze tun ein Übriges, wie überhaupt das Mobiliar im Volvo die Behaglichkeit ungemein fördert. Man fühlt sich wie auf Wolke sieben – da stört es auch kaum noch, dass der Einrichtungsstil ziemlich kühl wirkt. Schwedisch eben. Ernüchternd desgleichen der Blick in den Kofferraum, aber das ist bei Cabrio- Coupés nun mal prinzipbedingt. Im geöffneten Zustand dient der arttypische dicke Hintern vorwiegend als Garage fürs Hardtop. Das Gepäck muss dann mit dem Untergeschoss vorliebnehmen, das im Volvo gerade mal 200 Liter fasst. Dass sich das Dachpaket zum Beladen elektrisch anheben lässt, ist eine nette Geste, bringt aber wenig. Größere Koffer kann man ohnehin nur im Coupé-Modus mitnehmen – dann fasst das Heck immerhin 404 Liter.

Ähnlich dürftig die Transportkapazität des VW: 205 Liter offen, 380 Liter geschlossen. Andererseits ist es ja immer noch in erster Linie das Open-Air-Erlebnis, wofür man bei diesen Autos das viele Geld hinblättert. Wie frei fühlt man sich also unter freiem Himmel? Die Antwort weiß der Wind, der im Volvo bei hochgefahrenen Seitenscheiben dezenter fächelt als im VW. Er ist eindeutig das frisurfreundlichere Cabrio. Indessen stört der dicke Querbalken über der Frontscheibe – im Eos fährt es sich folglich eine Idee offener. Die Gefahr, nass zu werden, ist bei beiden gleichermaßen gering: Im Volvo sitzt man binnen 37, im VW nach 35 Sekunden im Trockenen. Die Hoffnung, dann den vollen Coupé-Komfort zu genießen, trügt allerdings. Dagegen sprechen insbesondere die Windgeräusche. Vor allem im Eos sorgt die Umströmung des Dachs im Konzert mit den Abrollgeräuschen bei höherem Tempo für einen beachtlichen Lärmpegel, im Volvo sind es dagegen eher Knistergeräusche im Dachgebälk, die das Cabrio verraten. Davon abgesehen ist es jedoch ganz klar der C70, dem man auf längeren Fahretappen den Vorzug gibt. Sein Komfort kennt zwar Schwächen, etwa bei Querrillen in der Fahrbahn, welche die Federung mit heftigem Stuckern quittiert.

Dennoch geht er mit den Insassen alles in allem deutlich sanfter um als der vergleichsweise ruppig federnde VW.

Vorteile dynamischer Art sollte man sich aber nicht versprechen: Der Mehrleistung von 20 PS steht ein Mehrgewicht von drei Zentnern gegenüber, und das üppigere Drehmoment des Volvo-Fünfzylindermotors relativiert die überlange Übersetzung der Gänge. So kommt es, dass sich der nominell schwächere VW auf der Straße als die aufgewecktere Alternative entpuppt. Das gilt nicht nur für den Antritt, sondern für den ganzen Charakter des Autos. Kurven, die der C70 mit deutlicher Seitenneigung umrundet, wobei die entlasteten Vorderräder vergeblich nach Grip suchen, lassen den Eos ungerührt. Und während die Volvo- Lenkung den Fahrer hauptsächlich in Form von kräftigen Antriebseinflüssen über das Fahrgeschehen informiert, ansonsten aber wenig mitteilt, kann der VW präzise und mit leichter Hand auf Kurs gehalten werden. Hinzu kommt die überlegene Karosseriesteifigkeit: Sicher, die Zeiten, als Cabrios mit Spucke und Kleenex gebaut schienen, sind auch bei Volvo vorbei; dennoch leistet sich die C70-Karosse auf schlechten Straßen spürbar mehr Eigenleben als die des Eos.

Womit schließlich auch die Qual der Wahl beseitigt wäre: der Volvo für die Reise, der VW für das Fahrvergnügen. Da dieses obendrein Geld spart, kann der Punktesieger in diesem Duell nur einen Namen haben: Eos.

Fazit

1. VW Eos
465 Punkte

Mit Blechdach und Glasschiebedach ein Cabrio für alle Gelegenheiten. Der Eos gefällt aber auch durch Fahrdynamik und den günstigen Preis. Komfort und Ausstattung sind jedoch bescheiden.

2. Volvo C70
444 Punkte

Relativ viel Platz, guter Reisekomfort und die Luxusausstattung sprechen für den C70. Fahrdynamisch hat er aber weniger zu bieten, und der Mehrpreis gegenüber dem Eos trübt die Bilanz.

Technische Daten
VW Eos 2.0 TFSI Volvo C70 T5 Summum
Grundpreis 31.250 € 44.630 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4407 x 1791 x 1443 mm 4582 x 1820 x 1400 mm
KofferraumvolumenVDA 380 l 200 bis 404 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder 2521 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 5100 U/min 162 kW / 220 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 232 km/h 240 km/h
0-100 km/h 8,2 s 8,5 s
Verbrauch 8,2 l/100 km 9,1 l/100 km
Testverbrauch 10,9 l/100 km 12,3 l/100 km
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