VW Fox 1.2 im Test

Spar-Fuchs

Foto: Foto: Achim Hartmann 14 Bilder

Für Sparfüchse ist der jüngste Volkswagen aus brasilianischer Produktion gedacht. Der Fox kostet in der 55 PS starken Basisversion nur rund 9.000 Euro. Bekommt man dafür wirklich ein vollwertiges Auto? Antworten bringt unser Einzeltest.

Es ist ein ungewöhnlich heißer Tag, als der VW Fox-Testwagen auf seine Jungfernfahrt bei auto motor und sport geht. Dabei macht der heftig rinnende Schweiß gleich einmal klar, dass es bei den lockenden 8.950 Euro, die für das Grundmodell gefordert werden, nicht bleiben kann. Große Glasflächen und ein weitgehend schwarzes Interieur verwandeln den Innenraum in eine Sauna. Früher hat man da einfach die Fenster geöffnet. Aber bei modernen, aerodynamisch ausgefeilten Karosserien, also auch beim Fox (cw 0,32), führt das schon bei geringem Tempo zu einem hämmernden Pulsieren des Fahrtwindes, das noch weit schwerer zu ertragen ist als die Backofen- Atmosphäre.

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Klimaanlage also. Die bildet in der Aufpreisliste einen nicht leicht zu verdauenden Brocken von 1.225 Euro. Die Servolenkung (450 Euro) muss dann zwangsläufig mitbestellt werden, was insofern kein Fehler ist, als auch sie zu den Annehmlichkeiten gehört, auf die der moderne Mensch ungern verzichten mag. Ebenso wie das Radio (mit CD-Player), das den Kaufpreis um weitere 450 Euro in die Höhe treibt. Wer auf Nummer Sicher gehen will, ordert noch ESP (400 Euro), das allerdings nur in Kombination mit der Servolenkung lieferbar ist. Vielleicht sogar seitliche Airbags (255 Euro). Das Billig-Auto ist jetzt nicht mehr ganz billig, bedingt aber auch keine nennenswerten Zugeständnisse an Fahrsicherheit und Komfort.

Fenster von Hand rauf- und runterkurbeln? Wo ist das Problem? Türen und Kofferraum einzeln verrriegeln. Auch daran gewöhnt man sich schnell. Und die Außenspiegel per Muskelkraft in Position zu bringen, sollte niemanden überfordern. Viel wichtiger: Mit dem Fox erwirbt man keine automobile Notlösung, sondern ein wirklich vollwertiges Auto. Eines, das bei Bedarf auch vier Personen befördern kann, ohne dass sie klaustrophobische Anfälle erleiden. Dazu trägt die in Längsrichtung verschiebbare Rücksitzbank bei. Sie ist, sorry, nicht serienmäßig, aber der Aufpreis hält sich mit 147 Euro im Peanuts-Bereich, zumal darin auch eine geteilte Rückenlehne und Ausstellfenster im Fond enthalten sind.

Dafür gibt es dann hinten Beinraum in Hülle und Fülle. Allerdings auf Kosten des Kofferraums.

Der fasst bei zurückgeschobener Bank nur bescheidene 260 Liter. Befindet die sich in der vordersten Position, wird der Sitzraum noch nicht unzumutbar knapp, aber das mögliche Gepäckvolumen erreicht Golf-Niveau (353 Liter).

Das großzügige Raumgefühl im Fox resultiert auch aus der Tatsache, dass man es hier formal mit einem kleinen Van zu tun hat. Stattliche Gesamthöhe also, hohe und aufrechte Sitzposition für alle Insassen. Damit wäre für vorzügliche Übersichtlichkeit gesorgt, gäbe es nicht die vantypisch weit nach vorn ragenden und im unteren Bereich sehr voluminösen A-Säulen. Die schränken das Blickfeld spürbar ein, vor allem beim Kurvenfahren.

Ansonsten alles bestens. Die Karosserie macht qualitativ einen sehr steifen und soliden Eindruck, die Verarbeitung im Detail ist der eines echten Volkswagens würdig. Dass man als Fox-Passagier rundum vom viel geschmähten Hartplastik umgeben ist, ändert daran nichts. Das Interieur wirkt trotzdem ansprechend und freundlich – auch dank den Sitzbezügen im streifigen Strandkorb-Design.

Die Sitze bieten vorn wie hinten hohen Komfort, die Bedienung ist übersichtlich, obwohl Details wie die in die Lenkstockhebel integrierten Schalter für Licht und heizbare Heckscheibe vom üblichen VW-Schema abweichen.

Immer noch skeptisch? Die Basismotorisierung scheint der Papierform nach wenig geeignet für Besserung zu sorgen. Nur 1,2 Liter Hubraum sind für den Antrieb verantwortlich, soviel also wie einst beim Käfer. Nur dass sie sich hier nicht auf erwachsene vier, sondern auf lediglich drei Zylinder verteilen. Gerade mal 55 PS entwickelt das zierliche Motörchen, wenig in unserer leistungsversessenen Zeit.

So gibt es, wenn man erst einmal mit dem Fox unterwegs ist, Anlass genug, an den trotzigen Spruch des Galileo Galilei zu denken: Und er bewegt sich doch. Er bewegt sich sogar überraschend gut – munter beschleunigend und fast 150 km/h schnell. Dass man das Drehvermögen der Maschine konsequenter nutzen muss als bei stärkeren Motoren, liegt in der Natur der Sache.

Es schlägt sich auch im Testverbrauch nieder: 7,1 Liter. Auf der anderen Seite erlaubt die wegen langhubiger Bauweise gute Elastizität des Motors frühes Hochschalten und gelassenes Mitrollen im Verkehr.

Dabei sinkt der Verbrauch dann auf rund 5,2 Liter/ 100 Kilometer. Häufiger Aufenthalt im oberen Drehzahlbereich treibt den Durst bis auf 8,4 Liter, bedeutet aber akustisch keine Belästigung. Der Dreizylinder dreht hoch wie eine Nähmaschine, mit dem für seine Bauart typischen, bollernden Unterton, aber niemals aufdringlich laut.

Auch die vernachlässigbar geringen Vibrationen sprechen für hohe Laufkultur, die lange Strecken nicht zur Plage macht. Zumal der fünfte Gang des mit minimalem Kraftaufwand zu schaltenden Getriebes exakt für gutes Vorankommen auf der Autobahn übersetzt ist. Bei Höchstgeschwindigkeit überschreitet der Dreizylinder kaum seine sehr niedrige Nenndrehzahl (4750/min), was dafür sorgt, dass man nicht an jeder Steigung zurückschalten muss und nebenbei dem Innengeräuschpegel zugute kommt.

Das Geheimnis des ruhigen Laufs: eine Ausgleichswelle, die den bei der krummen Zylinderzahl besonders aktiven freien Massenkräften zu Leibe rückt. Das Bild eines sehr ordentlichen Reisekomforts unterstreicht auch die wohl abgestimmte Federung. Sie ist nicht so weich ausgelegt, dass es zu starken Karosseriebewegungen kommt, die umso lästiger sind, je höher die Sitzposition ist. Aber sie schluckt Bodenwellen bereitwillig, nur auf extrem schlechten Straßen kommt bisweilen ein kräftiger Stoß durch.

Dabei liegt der Fox hervorragend, wie das moderne Fronttriebler so an sich haben. Die Lenkung arbeitet leichtgängig und präzise, in Kurven bedarf es gehörigen Nachdrucks, um das weich eingreifende ESP in Aktion zu bringen. Allein die Verzögerungsleistung der etwas giftig ansprechenden, aber sehr standfesten Bremse erscheint nicht optimal, was aber wohl in erster Linie an der dürren Serienbereifung liegt, die zudem relativ laut abrollt.

Die optionalen 185/60- Reifen (640 Euro inklusive Servolenkung) stellen eine empfehlenswerte Investition dar. Auch im unteren Preis-Segment ist es also etwas teurer, einen Volkswagen zu fahren.

Man findet (siehe Übersicht) billigere Autos im Angebot. Aber keine besseren.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot solide Verarbeitung funktionelle Gestaltung
  • eingeschränkte Übersichtlichkeit magere Serienausstattung
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze übersichtliche Bedienung gut abgestimmte Federung
  • relativ lautes Abrollgeräusch
Antrieb
  • kultivierter Dreizylindermotor exakte, leichtgängige Schaltung gute Getriebeabstufung gute Motorelastizität
Fahreigenschaften
  • sehr sicheres Kurvenverhalten präzise Lenkung stabiler Geradeauslauf gute Handlichkeit
Sicherheit
  • standfeste Bremsen
  • zu langer Bremsweg ESP nur gegen Aufpreis und an Zusatzausstattung gebunden
Umwelt
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • attraktiver Preis günstige Versicherungseinstufung
  • sehr viele Aufpreise

Fazit

Der Fox überzeugt durch sein großzügiges Raumangebot, die guten Fahreigenschaften und die ausgewogene Federung. Allerdings ist die Ausstattung mager und der Verbrauch angesichts der Leistung hoch.

Technische Daten
VW Fox 1.2
Grundpreis 9.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3825 x 1640 x 1524 mm
KofferraumvolumenVDA 260 bis 1016 l
Hubraum / Motor 1198 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 40 kW / 55 PS bei 4750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 148 km/h
0-100 km/h 18,2 s
Verbrauch 5,9 l/100 km
Testverbrauch 7,1 l/100 km
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