VW Golf 1.4 16V im Test

Guter Grund

Foto: Achim Hartmann

Das Geschäft mit Extras und starken Motoren macht die Autos teuer. Das lenkt den Blick, auch beim neuen VW Golf auf das Grundmodell. Golf an der Basis – ein Geheimtipp?

Basis – das klingt in den Ohren mancher Automobilisten wie die nackte Armut. Und doch ist die viel geschmähte und selten georderte Basis oft die einzige Möglichkeit, zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis zu kommen. Etwas Verzicht gehört immer dazu; die Frage ist nur, was wirklich fehlt. Unter dem Begriff Basis mit seiner Negativ-Assoziation hat man beim neuen Golf schon einmal nicht mehr zu leiden. Die Marketingleute von VW haben ihn clever abgeschafft. Die neue Basis heißt nun Trendline, und das klingt doch schon weit viel versprechender. Darüber liegen, wie schon beim Golf vier, die teureren Versionen namens Comfortline und Sportline. Zusammen mit den stärkeren Motoren, die über dem Basis-Vierzylinder mit 1,4 Liter Hubraum und 75 PS rangieren, kommt der aktuelle Golf schnell auf 20.000 Euro und mehr.

Der erste Testwagen von auto motor und sport, ein 1.9 TDI Comfortline, hat schon einen Grundpreis von knapp über 21.000 Euro. Mit ein paar weiteren Extras liegt dieser Golf bei fast 26.000 Euro. Das macht Appetit, aber nicht auf mehr, eher auf weniger. Der Trendline steht zweitürig mit 15.220 Euro in der Liste und wirkt gegenüber den hochpreisigen Brüdern wie ein Schnäppchen. Doch er ist ja trotzdem der neue Golf, mit der größeren Beinfreiheit hinten, dem besseren Handling, der aufwendigen Vierlenker-Hinterachse und dem gewachsenen Kofferraum – und einer Unauffälligkeit auf der Straße, die bisher noch keinem neuen Golf widerfuhr. Sie scheint eine Situation widerzuspiegeln, unter der die Händler leiden. Die Nachfrage könnte besser sein.

Der Polo verdirbt durch Substitution das Geschäft, der Golf wird als zu teuer empfunden. Der einfache Trendline könnte Trend werden, vorausgesetzt, man sagt der hohen Motorleistung und einigen Extras Lebewohl. Immerhin hat VW der neuen Grundversion nicht nur einen neuen Namen spendiert, sondern auch in die Zubehörkiste gegriffen. Elektrische Fensterheber sind serienmäßig, ebenso elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel und die Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Es gibt nur Stahlfelgen, aber eine asymmetrisch geteilte Rücksitzlehne und einen höhenverstellbaren Fahrersitz. Die Sicherheitsausstattung ist vorbildlich, aktiv wie passiv. Die neue Basis hat ESP, Fahrer- und Beifahrer-Airbags, Sidebags und ein Kopf-Airbag- System. Die automatische Fahrlichtschaltung mit dem rasanten Namen „Coming home“ sucht man dagegen ebenso vergebens wie den Regensensor. Solche Gimmicks fehlen nicht wirklich, und dass man mangels Klimaautomatik ein bisschen altertümlich heizen und lüften muss, mittels Drehknauf und Gebläseschalter, erscheint aufgrund der erzielbaren guten Resultate verschmerzbar.

Bis dahin hat der Verzicht zumindest nicht ernsthaft geschadet, sondern nur Geld gespart und den Golf preislich in einer Region gelassen, für die er eigentlich auch bestimmt ist. Doch wie sieht es mit der Motorisierung aus? 1,4 Liter Hubraum und 75 PS scheinen sehr bescheiden, wenn man weiß, dass der viertürige Testwagen 1.272 Kilogramm auf die Waage bringt. Aber auch hier gibt es keine Enttäuschung. Der für dieses Auto eigentlich zu kleine Vierzylinder macht seine Sache besser als erwartet. Dabei muss man unterscheiden zwischen den subjektiven Gefühlen und den objektiven Messwerten.

Aufgrund seines lebhaften Wesens und einer sehr feinen Gasannahme wirkt der Basis-Golf temperamentvoller, als er tatsächlich ist. Speziell in den unteren drei Gängen legt er sich, untermalt von einem angenehmen Laufgeräusch, mit Elan ins Zeug und erweckt durchaus den Eindruck, nicht 1,4, sondern eher 1,6 Liter Volumen zu haben. Hier ist keine Spur von Untermotorisierung zu spüren. Sie tritt eher an bestimmten Passagen auf der Autobahn zutage, wenn etwa bei 120 km/h an einer leichten Steigung wieder beschleunigt werden soll und der Fünfte wenig und der Vierte nicht viel zu Stande bringt. Was sagen die Messwerte? Das Durchzugsvermögen ist erwartungsgemäß nicht die Domäne der Basis. Fast 23 Sekunden von 80 auf 120 km/h im großen Gang zeugen von Müdigkeit, vor allem verglichen mit dem 105 PS starken Diesel, der das in 13 Sekunden kann.

Die wilden Handelsvertreter in ihren TDI muss man also ziehen lassen, kann sich aber daran erfreuen, dass es im einfachsten Golf gerade bei mittlerem Tempo deutlich leiser zugeht. Dem kleinen Vierzylinder sind störende Schwingungen fremd, auch jenseits von 5.000 Touren behält er seine Manieren. Von null auf 100 km/h in 15,2 Sekunden – kein Paradewert. Aber man kommt zurecht. An der Tankstelle wird der Verzicht auf hohe Motorleistung in nicht ganz angemessener Weise belohnt. Weil sich der Motor bei flotter Gangart anstrengen muss, werden acht Liter pro 100 Kilometer verbraucht. Zurückhaltende Fahrweise zeitigt Werte von rund sieben Litern.

Dass sich der neue Golf besser fährt als sein Vorgänger, hat auto motor und sport schon beim Test der Diesel-Version in Heft 21/03 beschrieben. Nun, bei der neuen Basis, kommt es auf Abweichungen an. Sie sind nicht gravierend, aber durchaus vorhanden. Vom geringeren Innengeräuschpegel war schon die Rede. Auch hier ist die Basis mit dem kleinen Motor besser. Selbst in den Fahreigenschaften und bei der Federung ergeben sich Differenzen. Das geringere Motorgewicht wirkt sich günstig beim Handling aus. Der Grund-Golf lenkt noch leichter ein und lässt sich noch präziser dirigieren. Der zweite Punkt ist das feinere Ansprechen der Federung. Zusammen mit dem geschmeidigen Abrollen und den geringen Wind- und Laufgeräuschen ergibt sich ein Gesamtkomfort, der weit über die Golf-Klasse hinausreicht. Schließlich vermag der leichtere Motor noch die Untersteuerneigung zu reduzieren. Das Kurvenverhalten ist nun völlig neutral.

Gar nicht so übel also, der einfachste Golf. VW wird es mit einem lachenden und einem weinenden Auge lesen. Lachend, weil er gut beurteilt worden ist. Weinend, weil bei dieser Version nicht das Werk das große Geschäft macht, sondern der Käufer.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot hohe Karosserie-Steifigkeit funktionelle Bedienung
  • eingeschränkte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • sehr guter Federungskomfort bequeme Sitze geringer Innengeräuschpegel geschmeidiges Abrollen
Antrieb
  • gute Laufkultur exakte Schaltung
  • durchschnittliche Fahrleistungen geringes Durchzugsvermögen
Fahreigenschaften
  • sehr sicheres Kurvenverhalten sehr gute Handlichkeit exakte Lenkung gut abgestimmtes ESP
Sicherheit
  • gute Sicherheitsausstattung standfeste Bremsen
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4 akzeptabler Verbrauch
Kosten
  • lange Inspektionsintervalle günstige Haftpflicht-Einstufung angemessener Preis

Fazit

Die Basis-Version 1.4 des VW Golf namens Trendline überzeugt durch ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. In den fahrrelevanten Kriterien kommt es nur durch den kleinen Basis-Vierzylinder zu einem moderaten Verzicht.

Technische Daten
VW Golf 1.4 16V Trendline
Grundpreis 16.250 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 164 km/h
0-100 km/h 15,2 s
Verbrauch 6,9 l/100 km
Testverbrauch 8,0 l/100 km
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