VW Golf 1.6 TDI BlueMotion im Test

Blaue Stunde

Foto: Hans-Dieter Seufert 24 Bilder

VW-Modelle mit TDI-Motor galten schon bisher als Sparkünstler. Jetzt gibt es neben Polo und Passat auch den Golf als Blue Motion mit 105-PS-Diesel. Der soll beim Sparen noch einen draufsetzen.

Den größten Spaß macht dieser Golf an der Tankstelle. Richtig gelesen: Trotz gestiegener Dieselkosten bereitet der Weg zur Zapfsäule mit dem VW Golf Blue Motion schon fast eine diebische Freude. Wenn man es darauf anlegt, konsumiert die neue Sparversion minimale 4,7 L/100 km, was lediglich 111 g/km Kohlendioxid entspricht – das schaffen sonst nur Kleinwagen. Und selbst das Testmittel, in dem sich allerhand zackig gefahrene Autobahnkilometer wiederfinden, liegt bei erfreulich niedrigen 6,1 L/100 km. Der normale Golf TDI braucht immerhin 0,6 Liter mehr. Einen Dieselpreis von 1,26 Euro vorausgesetzt, kostet die 890 Kilometer lange Fahrt von Kiel nach Kempten im Golf Blue Motion nicht mehr als 68 Euro und 44 Cent – wenn man Verschleiß und Abschreibung einmal außen vor lässt. Die Bahn lässt sich die selbe Strecke mit 122 Euro bezahlen – zweite Klasse, versteht sich. Aber lässt sich dieser Golf mit der zweiten Klasse vergleichen? Mit einem Preis von 22.750 Euro (Comfortline) orientiert sich die 105 PS starke Blue Motion-Version eher an der ersten Klasse, viele kompakte Diesel der Konkurrenz sind spürbar billiger. Dabei trägt das neue Sparpaket für 325 Euro nur einen kleinen Teil zum Preis bei, ist aber auch nicht gerade üppig geschnürt: 15 Millimeter tiefer gelegte Karosserie und weitgehend geschlossener Kühlergrill zur Verringerung des Luftwiderstands, stärker aufgepumpte Reifen mit geringerem Rollwiderstand, länger übersetzte Gänge (dritter bis fünfter) und eine Anzeige im Zentral-Display, die zum Rauf- oder Runterschalten auffordert – mehr ist nicht drin. Eine eigenständige Bugschürze, wie sie den Polo Blue Motion ziert, gibt es dagegen nicht, allein Schriftzüge an Front und Heck weisen auf das besondere Modell hin. Kombinieren lässt sich Blue Motion mit den Ausstattungslinien Trend- und Comfortline. Sichtbare Unterschiede zu den normalen Gölfen gibt es also nicht. Und wie fühlt sich Blue Motion an? Hart aufgepumpte Reifen und eine Tieferlegung lassen Komfort- Einbußen erwarten. Sie sind in der Tat spürbar, aber erträglich.

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Dieser Golf federt holziger über Frostaufbrüche und rollt lauter ab als die normale TDI-Verwandtschaft. Insgesamt ist der Federungskomfort dabei immer noch absolut langstreckentauglich. Beim Laufgeräusch des Pumpedüse- Diesels muss man schon eher Abstriche machen. Denn der Vierzylinder nagelt und brummt erheblich und bleibt akustisch immer präsent. Auch bei Vollgas wird sein Geräusch als fernes Wummern zwischen den Windgeräuschen wahrgenommen. Im nächsten Golf ab Ende 2008 wird dieser Motor, nicht zuletzt wegen seiner rustikalen Lebensäußerungen, durch einen 1,6-Liter-TDI mit Common- Rail-Einspritzung abgelöst. Um das Drehzahlniveau und damit das Geräusch zu senken, hätte VW den Blue Motion-Golf auch mit Sechsganggetriebe ausstatten können, mit dem sich der normale TDI ordern lässt. Die Sechsgangbox gibt es jedoch nicht, denn dann wäre der Preis noch mal um 350 Euro gestiegen, ohne dass sich beim ECE-Verbrauch etwas zum Besseren geändert hätte. Auf der Prüfstandsrolle kommt ein langer sechster Gang nämlich nicht mehr zum Tragen, der europäische Normzyklus wird mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 120 km/h ermittelt. Zu langsam für den sechsten Gang, aber ausreichend schnell für eine nicht ganz so lang übersetzte fünfte Stufe. Keine Frage, die neue Getriebe- Abstufung drückt nur wenig aufs Geräusch, dafür aber aufs Temperament. Wer diese kleine Einbuße nicht hinnehmen will, ist jedoch nicht reif für den Golf Blue Motion, der – serienmäßig mit Partikelfilter ausgerüstet – kräftig auf das Öko-Image-Konto von VW einzahlen soll. Ob sich niedriges Drehzahlniveau und der Rußfilter auch dauerhaft miteinander vertragen? VW sagt ja. Häufige Regenerationsfahrten, um verstopfte Filter freizubrennen, wie sie derzeit bei vielen Audi-Kunden für Verdruss sorgen, sind nicht zu befürchten. Im alltäglichen Umgang ist der Blue Motion nämlich ein ganz normaler Golf. Der Fahrer muss eben nicht spezielle Sparprogramme für das Getriebe und die Motorsteuerung aktivieren, wie es noch im seinerzeit ungeliebten Drei- Liter-Lupo der Fall war. Er wird höchstens feststellen, dass die Schaltempfehlungen der Bord-Elektronik überraschend früh kommen. Wer allerdings schon bisher ein wenig auf den Verbrauch geachtet hat, muss seine Gewohnheiten beim Gangwechsel kaum umstellen. Auch die üblichen Vorzüge des kompakten VW bleiben natürlich erhalten.

Er hat Platz für vier gut gewachsene Mitteleuropäer plus Gepäck. Vorn und im Fond sitzt man so bequem wie in der Mittelklasse noch vor wenigen Jahren. Die Position zum Lenkrad ist für große wie kleine Personen nahezu ideal. Bekanntermaßen ist die Handhabung eines Golf extrem einfach, Bediensperenzchen überlässt er der Konkurrenz. Daran ändert selbst das neue Radio-Navigationssystem RNS 510 mit berührungsempfindlichem Bildschirm wenig. Sogar Befehle behandschuhter Finger werden meist umgehend ausgeführt. Im Blue Motion mit serienmäßiger Multifunktions-Anzeige ist das Gerät mit 2525 Euro zwar nicht billig, aber immerhin 50 Euro günstiger als im normalen TDI. Wer dagegen ein vollwertiges Ersatzrad mit Stahlfelge statt des serienmäßigen Tirefit-Sets für 58 Euro ordern möchte, hat Pech gehabt: Der Ersatzpneu wird ausschließlich auf Alufelge angeboten und kostet dann 215 Euro. Auch auf eine Standheizung müssen Blue Motion-Käufer verzichten. Trotzdem gelingt Sparen bei diesem Golf ohne herben Verzicht. Denn die Komfort-Einbußen kann man leicht verschmerzen, wenn man gelegentlich an den nächsten Tankstellenbesuch denkt.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Platzverhältnisse für Passagiere und Gepäck
  • saubere Verarbeitung
  • sehr einfache Bedienung
  • befriedigende Übersichtlichkeit
  • viel Hartplastik im Interieur
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • gute Klimatisierung
  • eingeschränkter Federungs-Komfort
  • relativ laute Abrollgeräusche
Antrieb
  • gut ansprechender Diesel-Motor
  • gute Fahrleistungen
  • passend abgestimmtes Fünfgang-Getriebe
  • hartes Laufgeräusch
  • leichte Vibrationen
Fahreigenschaften
  • sicheres Kurvenverhalten
  • stabiler Geradeauslauf
  • gute Handlichkeit
  • präzise Lenkung
Sicherheit
  • wirksame, standfeste Bremsen
  • umfangreiche Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • sehr günstiger Verbrauch
  • geringe Schadstoff-Emission
Kosten
  • guter Wiederverkaufswert
  • magere Grundausstattung
  • nur 2 Jahre Garantie

Fazit

Das Sparziel erreicht der Golf Blue Motion mit Bravour. Allerdings rechnet sich Blue Motion erst nach 43.000 Kilometern. Dass er schlechter federt und lauter läuft als ein normaler TDI, ist mehr als ein Schönheitsfehler.

Technische Daten
VW Golf 1.6 TDI BlueMotion Comfortline
Grundpreis 22.750 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1513 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 77 kW / 105 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
0-100 km/h 11,7 s
Verbrauch 4,5 l/100 km
Testverbrauch 6,1 l/100 km
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